Kommt ein Stöckchen geflogen…

Februar 9, 2010

und das ist echt weit geflogen – es kommt genauer gesagt aus Rom und wurde von Alipius geworfen. Ich schmeiße ja auch nicht gerade mit Stöckchen um mich, aber das hier fand ich echt interessant – das “Mäuschen-spielen-Stöckchen”.

Die Preisfrage lautet: “Bei welchen 10 historischen Ereignissen wärst Du gerne dabei gewesen?”

Alipius verzichtete aus Ehrfurcht auf die Erwähnung biblischer Begebenheiten, das kann ich gut verstehen. Bei mir sind trotzdem zweie dabei, und zwar ganz oben:

1 ) Als Mose in Exodus 34 die Herrlichkeit des Herrn an sich vorüberziehen sah, hätte ich gerne daneben gestanden – einfach nur, um mitzubekommen, was er gesehen hat. Was auch immer es war – es hat ihn umgehauen! (habe am letzten So. über den Text gepredigt). Zum Glück haben wir die Verheißung, dass wir als Nachfolger Christi das irgendwann auch mal zu sehen kriegen.

2 ) Ich hätte gerne die Gesichter des Hohen Rats in Jerusalem gesehen, als sie die Nachricht bekamen, dass das Grab Jesu offen und der Leichnam weg ist. Ich vermute mal, man hätte in den Gesichtern lesen können: “Ach du Sch*** – was machen wir bloß, wenn das rauskommt…?”

3 ) Ich hätte gerne beim Konzil von Nizäa dabei gesessen, vor allem, als das dazugehörige Glaubensbekenntnis formuliert und niedergeschrieben wurde.

4 ) Als gelernter Schriftsetzer hätte ich gerne Johannes Gutenberg über die Schulter gesehen, als er den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfand. Eine der revolutionärsten Erfindungen der Menschheit im Bereich Kommunikation und Information, vergleichbar höchstens mit der Erfindung des Computers.

5) Alle katholischen Leser mögen es mir nachsehen – ich hätte mir gerne die Verteidigungsrede Martin Luthers in Worms angehört.

6 ) Ich wäre gerne am 23.08.1994 im damaligen Dreisamstadion in Freiburg gewesen, als der FC Bayern München mit 1:5 gegen die Freiburger unterging. *wehmütigzurücklehn* Hach – die guten alten Zeiten…

7 ) Ich hätte gerne am 14. Mai 1948, bei der Gründung des modernen Staates Israel, neben David Ben Gurion gesessen und zugehört.

8 ) Ich hätte gerne daneben gestanden, als Bonifatius die Donareiche in Geismar gefällt hat (oder fällen ließ).

9 ) Ich hätte gerne 1648 die Friedensschlüsse miterlebt, die als “Westfälischer Frieden” in die Geschichte eingingen und den 30jährigen Krieg beendeten.

10 ) Ich wäre gerne dabei gewesen, als im Jahr 1683 das türkische Heer nach der Belagerung von Wien geschlagen wurde. Die Legende besagt, dass unter den Hinterlassenschaften der überhastet abziehenden Türken auch säckeweise Kaffee gewesen sei, der u.a. half, die Wiener Kaffeehauskultur zu begründen. Hätte mich nur mal interessiert, wie der Kaffee damals geschmeckt hat…

Tja, und weil ich das so interessant finde, werfe ich das Ding gleich mal weiter – an Sabina, dikosss und wegbegleiter. Wenn Ihr Lust und Zeit habt, dann schreibt doch mal, was Euch so einfällt … wenn nicht, dann lasst es liegen oder werft es einfach weiter…


Treibgut

Februar 5, 2010

Ein nettes Fundstück:

“Die Kirche ist ein großes, altes Schiff. Sie ächzt, sie schaukelt und schwankt und manchmal löst sie bei dir Übelkeit aus. Aber sie segelt dem Ziel entgegen. Das hat sie immer getan und das wird sie immer tun, bis ans Ende der Zeit. Mit dir oder ohne dich.”

J.F. Powers, Wheat That Springeth Green

Gefunden in: Philip Yancey, Auf der Suche nach der perfekten Gemeinde


“Nachfolge” von Dietrich Bonhoeffer – keine leichte Kost…

Februar 4, 2010

Lese gerade den Klassiker “Nachfolge” des evangelischen Pfarrers und Märtyrers Dietrich Bonhoeffer. Das Buch beginnt mit einer Abhandlung über das, was er “billige Gnade” nennt. Hier mal ein Auszug:

Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. … Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, … Gnade ohne Preis, ohne Kosten.
… In dieser Kirche findet die Welt billige Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht. Billige Gnade ist darum Leugnung des lebendigen Wortes Gottes, Leugnung der Menschwerdung des Wortes Gottes. Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders. Weil Gnade doch alles allein tut, darum kann alles beim alten bleiben. … Billige Gnade ist Predigt der  Vergebung ohne Buße, … ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünden, ist Absolution ohne persönliche Beichte. Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus.

Teure Gnade ist das Evangelium, das immer wieder gesucht, die Gabe, um die gebeten, die Tür, an die angeklopft werden muss. Teuer ist sie, weil sie in die Nachfolge ruft, Gnade ist sie, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft; teuer ist sie, weil sie dem Menschen das Leben kostet, Gnade ist sie, weil sie so das Leben erst schenkt; teuer ist sie, weil sie die Sünde verdammt, Gnade, weil sie den Sünder rechtfertigt. Teuer ist die Gnade vor  allem darum, weil sie Gott teuer gewesen ist, weil sie Gott das Leben seines Sohnes gekostet hat – ‘ihr seid teuer erkauft -’, und weil uns nicht billig sein kann, was Gott teuer ist. Gnade ist sie vor allem darum, weil Gott sein Sohn nicht zu teuer war für unser Leben, sondern ihn für uns hingab. Teure Gnade ist Menschwerdung Gottes.

Starker Tobak. Aber nur der starke Tobak ist bekanntlich aromatisch und erfüllt den Raum mit Duft – das kann ich als ehemaliger Pfeifenraucher bestätigen. Und nur leichte Kost macht auf die Dauer nicht satt.

Bin mal gespannt, was mich in dem Buch noch so erwartet…


Und noch mal das Thema Ökumene

Januar 20, 2010

Ich vertrete normalerweise den Grundsatz, nicht auf anderen Kirchen oder Glaubensgemeinschaften rumzuhacken, allen mit Respekt zu begegnen und auch meine Kollegen nicht in die Pfanne zu hauen. Gelingt mir im Allgemeinen auch ganz gut. Nur – ich muss gestehehen, dass es mir die Evangelische Kirche von Zeit zu Zeit echt schwer macht. Sei es mit der Herausgabe der so genannten “Bibel in gerechter Sprache”, sei es durch eine Predigt eines Superintendenten, der nach Lesung des Bibeltextes (was für ihn unübersehbar lästiges Vorgeplänkel war) uns 20 Minuten lang erzählte, warum es strukturelle Gewalt sei, wenn der Iran keine Atomwaffen haben dürfe, oder durch jüngste Ereignisse hier in der Stadt Bad Vilbel. Nun gut, ich kann nicht jede Ortsgemeinde dafür geistig haftbar machen, was in der EKHN abgeht, aber wenn ich ein klares biblisches Profil wahren will, sollte ich in der Zukunft mal lauter dazwischenrufen? Oder die Nummer ganz beenden? *Grübel…*

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich bei Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche wesentlich weniger Magengrimmen habe und gerade am Überlegen bin, wie sich das alles in der Zukunft gestalten soll…


Suchet der Stadt Bestes…

Januar 19, 2010

… dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl. (Jer. 29,7)

Das ist zunächst mal eine Aufforderung von Jeremia an die Israeliten im Exil, nicht resignierend dazuhocken und die Zeit vergehen zu lassen, weil die Zeit des Exils begrenzt ist und weil das Wohl der Israeliten im Exil eben auch vom Wohl der Stadt und des Landes abhängt.

Der Satz wird häufig aber auch verwendet, wenn es darum geht, wie Christen zur weltlichen Obrigkeit stehen sollten. Unabhängig davon, ob ich deren politische Positionen teile oder nicht, sind wir aufgerufen, für die Menschen zu beten, die politische Verantwortung tragen – gleich an mehreren Stellen der Bibel.

Das brachte in der hiesigen Gebetswoche der Evangelischen Allianz den Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft Bad Vilbel auf die Idee, mal aus den eigenen Wänden rauszugehen und für Menschen zu beten, die Verantwortung für die Stadt tragen, und die Dienst zu unserer Sicherheit leisten.

Bei der Feuerwehr nahm uns ein Feuerwehrmann in Empfang, ging mit uns in einen Schulungsraum und sagte uns, wofür wir beten könnten. Was wir dann auch gemacht haben. So weit ich das wahrnehmen konnte, hat er sich sehr über diese Wertschätzung seines Dienstes gefreut.

Bei der Polizei war die Stimmung zunächst etwas frostiger. Das kann auch mit der dienstlichen Überlastung zu tun haben: Das sind einfach zu wenig Leute, miese Arbeitszeiten und, naja, wenig Anerkennung. Da haben wir dann im Flur gebetet, und die Stimmung wurde etwas besser; der Beamte, der auf uns “aufpasste”, hat sich für das Gebet bedankt.

Der Bürgermeister bat uns in den Sitzungssaal und lud uns zum Kaffee ein. Der Vilbeler Bürgermeister, muss ich dazu sagen, ist engagierter Katholik und hat sich über das Anliegen, für die Stadt zu beten, sehr gefreut. Er nannte uns Punkte, die wir im Gebet bedenken könnten und sagte uns nach der Stunde, die wir da waren, dass ihm das wirklich etwas gegeben hätte.

Auf Fotos oder Erwähnung in der Lokalpresse haben wir bewusst verzichtet, es ging uns ja nicht um Publicity, sondern um das Gebet für diese Leute. Und ich kann mich erinnern, dass mein Kollege und ich vor dem Tag ziemlich Bammel hatten und wie fröhlich wir nach den Besuchen nach Hause gefahren sind. Mit der Erfahrung, dass es sich lohnt, zu den Leuten hinzugehen und für sie zu beten! Weil es den Leuten gut tut und auch meine eigene Perspektive im Umgang mit den Bediensteten der Stadt / des Landes ändert.

Kann die Idee nur weiterempfehlen!


Grüße aus dem Lazarett…

Januar 15, 2010

Herzliche verspätete Neujahrsgrüße an alle, die hier vorbeikommen. Bin zur Zeit nicht häufig hier, da die ganze Family krank darniederliegt. Ok, hört sich schlimmer an, als es ist, aber uns hat kollektiv eine fiese Erkältung mit allem drum und dran erwischt, zwei der Kids nehmen Antibiotika, weil es nicht mehr anders ging, die anderen klettern so gaaaanz langsam aus dem Erkältungsloch wieder heraus. Unglaublich, wie viel Kraft das kosten kann, wenn es die ganze Familie auf einmal krankheitsmäßig erwischt.

Trotzdem ein paar Momentaufnahmen aus meiner Umgebung:

- Nach viiielen, vielen Jahren liegt hier im Rhein-Main-Gebiet mal wieder Schnee, der länger als 1 Stunde liegen bleibt (mittlerweile über eine Woche, um genau zu sein). Und davon gleich ca. 20 cm. Ok, die Leute am Frankfurter Flughafen finden es weniger schön, aber meine Kids sind begeistert, selbst wenn sie aufgrund der Erkältungen nicht so viel davon hatten.

- Wir sind bei dem Wetter zu der Erkenntnis gelangt, dass die Anschaffung des Kaminofens goldrichtig war :-)

- Es findet z.Zt. die “Allianz-Gebetswoche” statt. Das hat nichts mit der gleichnamigen Versicherung zu tun, eher mit der “Evangelischen Allianz”. Im Rahmen der Gebetswoche treffen sich Christen aus evangelischen Kirchen und Freikirchen (in unserem Fall nur die Christen aus der Landeskirchlichen Gemeinschaft und der FeG), um gemeinsam für ihre Gemeinden, die Stadt, das Land und Anliegen in der Welt zu beten. Eines der Tagesmottos der Woche war: “Zeuge sein – damit es der Stadt gut geht”. Das hat uns bewegt, mal nicht im Gemeindehaus (der Landeskirchlichen Gemeinschaft) zu beten, sondern mit einer Gruppe von Leuten erst zur Feuerwehr, dann zur Polizei und schließlich aufs Rathaus zum Bürgermeister zu gehen, um dort für die Belange der Bediensteten und der Stadt zu beten. Als ich das telefonisch organisierte, schlug mir von seiten der Polizei und der Feuerwehr erst einmal Irritation entgegen, die sich dann in freudige Erwartung umwandelte. Und ich hatte doch sehr den Eindruck, dass die Leute dankbar waren für den sichtbaren Ausdruck der Wertschätzung ihres Dienstes. War ein schönes Erlebnis. Morgen abend findet dann die gemeinsame Gebetsnacht statt, von 20.00 Uhr bis 0.00 Uhr, das ist immer ein Highlight der Gebetswoche.

- Bin gerade intensiv an den Vorbereitungen für: “Glauben.Leben.” – unser Jüngerschaftsprojekt in der Gemeinde. Das wird hier über die Predigten und über die Hauskreise laufen, um so viele aus der Gemeinde wie möglich mitzunehmen. Es geht darum, gerade im Jahr der Stille, den Schwerpunkt auf das Hören auf Gottes Stimme und auf sein Wort zu legen. Und ich bin mal gespannt, was am Ende des Jahres (das wird den größten Teil des Jahres beanspruchen) an Bilanz zu ziehen ist.

Euch allen auf jeden Fall ein gesegnetes neues Jahr, bin gespannt, was es von Euch alles zu lesen geben wird.


Schweigender Lobgesang

Dezember 23, 2009

Das muss wohl schon die Runde durch einige katholische Blogs gemacht haben. In gute ökumenischer Eintracht habe ich mir erlaubt, es bei Credo ut intelligam zu klauen.

Was macht man, wenn man – gerade zu Weihnachten – auf das Halleluja aus Händels Messias steht und unter einem Schweigegelübde steht? Intelligente Lösung:


Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn…

Dezember 23, 2009

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann wären Maria und Josef ein ganz normales Ehepaar geworden, und es hätte keine Probleme vor der Hochzeit gegeben. Im Stall von Bethlehem hättest du nicht geschrien, und die Hirten hätten weitergeschlafen in jener Nacht. Ein paar alte Männer, Magier aus Persien, wären nicht aufgebrochen, sondern hätten weiter ihren Wein geschlürft.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätte der Name Bethlehem nichts mit Weihnachten zu tun, weil es Weihnachten gar nicht gäbe. Bethlehem würde für uns klingen wie andere Städtenamen auch, wie Tübingen, Bristol oder Marseille, zum Beispiel.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hättest du keine Wunder auf der Erde getan und nicht vom Reich Gottes gepredigt und davon, wie nahe uns Gott ist. Wir hätten auch nicht gewusst, dass Lazarus in seinem Grab schon stank, und Kinder wären nicht von dir gesegnet worden. Wir würden weiter mit unserem Balken vor dem Kopf herumlaufen und uns über die Splitter im Auge eines anderen aufregen. Und man wäre nicht auf den Gedanken gekommen, reiche Leute als Kamele zu bezeichnen.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätte es keinen Aufruhr in Jerusalem gegeben, keine aufgepeitschte Menge, die “Kreuzige! Kreuzige!” schrie, und Pilatus’ Frau hätte nicht schlecht geträumt. Und man hätte Holz und ein paar Nägel gespart. Außerdem wäre das Grab leer geblieben, weil man deinen toten Körper nicht hineingelegt hätte, und Theologieprofessoren hätten sich nie profilieren können. Du wärst niemandem nach deinem Tod erschienen, es hätte kein Sprachen- und Hörwunder an Pfingsten gegeben, und die Botschaft von Gottes bedingungsloser Liebe wäre nicht in die Welt getragen worden.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätte es keine Christenverfolgungen gegeben und die römischen Kaiser hätten auf andere zurückgreifen müssen. Judenpogrome hätte es schon gegeben, nur nicht unter christlichen Vorzeichen. Das christliche Abendland wäre nicht entstanden. Vielleicht schon eine Art Abendland mit griechischen, römischen und germanischen Göttern.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann wäre Gottes Einfluss auf dieser Erde geringer gewesen. Das Böse hätte sich noch tiefer in alle Bereiche vorgewagt, verzweigt und verflochten wie ein gefährliches Schlingengewächs. Es hätte nicht nur Blumen, sondern zu viele Früchte des Bösen gegeben. Und nicht die leichte himmlische Freude hätte überwiegt, sondern die Schadenfreude. Wir würden vielleicht den Frieden kennen, das Schweigen der Waffen, aber nicht den Frieden, der höher ist als alle Vernunft. Vielleicht hätte man mehr nach den Juden gefragt und ihrem Gott.

Auf jeden Fall hättest du, wenn du nicht gekommen wärst, die Erlösung nicht vollbringen können und die Welt wäre eine einzige Hölle geworden. Es hätte keine Kreuzzüge im Mittelalter gegeben, dafür aber Kriegszüge, ohne den Mantel von Religion.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann wären wir jetzt vermutlich alle Muslime und Alice Schwarzer würde in der Küche sitzen, Kartoffeln schälen und ihren Mann bedienen. Vielleicht hätte es etwas weniger verklemmte Christen gegeben, wenn du nicht gekommen wärst, und manches wäre lockerer geworden. Aber dann hätten die Psychologen nicht so viel zu tun gehabt.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätten sich die Namen Josef und Maria nicht so durchgesetzt und im Bürgerkrieg in Nordirland hätten die Parteien andere Namen gehabt und noch weniger Skrupel, aufeinander loszugehen.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätten Michelangelo, Rubens und Albrecht Dürer andere Bilder gemalt. Es gäbe keine Sixtinische Kapelle und nicht das Abendmahl von Leonardo da Vinci. Es gäbe keinen Papst, Franz von Assisi hätte keinen Aussätzigen geküsst, sondern teure Stoffe verkauft und Martin Luther wäre nicht ins Kloster gegangen und hätte nicht die Bibel übersetzt un eine einheitliche deutsche Sprache geschaffen. Wir würden heute anders Deutsch sprechen. Vielleicht hätte Luther Streitschriften gegen zu hohe Steuern oder gegen saures Bier geschrieben. Aber er hätte nicht versucht, die Kirche zu reformieren, weil es sie gar nicht gegeben hätte. Es gäbe keine Matthäuspassion, wenn du nicht gekommen wärst, und Goethe hätte den Faust nicht geschaffen.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann wären die Amerikaner nicht christlich geworden, sondern nur dynamisch, und Karl der Große hätte die Sachsen nicht zwangstaufen müssen, sondern hätte ihnen nur so den Kopf abgehauen.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann würden in vielen Dörfern bei uns keine Kirchen stehen, sondern kleine Tempel mit Räucheraltären. Die Priester hätten heiraten dürfen und Mühe gehabt mit der Kindererziehung. Mutter Teresa wäre Mutter geworden, hätte ihre Kinder zur Schule geschickt und wäre nicht auf die Idee gekommen, sich um Sterbende in Indien zu kümmern.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätte ich dich, meinen Erlöser, niemals kennen gelernt. Ich müsste weiterhin für meine Sünden büßen und irgendeinem Gott Tieropfer bringen, die ich womöglich von der Steuer absetzen könnte. Ich müsste Angst vor dem Tod haben. Denn selbst wenn ich wüsste, es ginge nach dem Tod weiter, würde mich das nicht trösten. Ein belangloses Leben bis in alle Ewigkeit fasziniert nicht. Ich wüsste nichts von einer Auferstehung und von einer herrlichen  neuen Schöpfung, in der die Langeweile gestorben ist.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, hätte ich keine klaren Richtlinien für mein Leben, die zwar manchmal ärgerlich sind, aber gut, und ich wüsste nicht, wie wohltuend es ist, das Abendmahl zu nehmen.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, würde ich heute nicht diese Zeilen lesen, weil ich von dir gar nichts wüsste.

Aber nun bist du gekommen, und unsere Welt ist verwandelt worden und wird sich weiter verwandeln. Und es ist nicht auszudenken, wohin.

Aus: “Frühstück für Judas und andere fast unmögliche Geschichten” von Albrecht Gralle.

Allen die hier gelegentlich oder regelmäßig vorbeikommen, ein ruhiges, erholsames Weihnachtsfest 2009 und ein frohes neues Jahr! Gottes reichen Segen Euch!


Zu Gast in einer fremden Welt: Tridentinische Messe in Frankfurt

Dezember 15, 2009

Ich habe am letzten Sonntag abend mal einen schon länger gehegten Vorsatz umgesetzt: Ich wollte unbedingt mal an einer katholischen Messe im tridentinischen Ritus teilnehmen, rein aus Interesse und (um einen kleinen Verweis auf den Namen dieses Blogs anzubringen) aus Neugier. Habe schon viel darüber gehört und auch viel (gerade in Blogs gelesen), und da ich ungerne Dinge beurteile, mit denen ich mich nicht selbst befasst habe bzw. von denen ich nichts weiß, beschloss ich, mir das mal anzusehen.

Eine Messe dieser Art kann man in Frankfurt am Main in der Kirche St. Leonhardt (Am Mainufer, unweit des Römerberges) miterleben. Um 18.00 Uhr begann die Messe. Ich muss dazu sagen, dass ich in meinem Leben erst 4 Mal insgesamt in katholischen Gottesdiensten war und natürlich mit den Abläufen dementsprechend wenig vertraut bin. Was sitzen/stehen/knien anbelangte, folgte ich der ganz einfachen Regel: Orientier dich am Nachbarn.

Musikalisch begleitet wurde die Messe von einer Schola, die eine sehr schöne Atmosphäre in der Kirche schuf. Zwei Gemeindelieder wurden auch auf deutsch gesungen, und auch die Predigt (über die Anfrage der Menschen an Johannes den Täufer, ob er der Messias sei) war auf deutsch. Und nebenbei bemerkt, sie war echt gut.

Ich war zudem überrascht, wieviel ich doch von dem, was gesagt und gesungen wurde, verstehen konnte, als Nicht-Lateiner (hatte mal einen Crashkurs im Studium, den ich bald wieder abgebrochen habe, da ich mit Hebräisch und Griechisch schon genug am Hacken hatte. Ich fürchte, zu viel mehr als dem Niveau des geneigten Asterix-Lesers habe ich’s nicht gebracht…).

Klar, vieles blieb mir auch fremd. Und trotzdem: Abgesehen von den letzten Reihen, in denen ein ständiges Kommen und Gehen herrschte, war eine spürbare Atmosphäre der Ehrfurcht wahrzunehmen, etwas, was ich in vielen freikirchlichen Gottesdiensten oft vermisse. Man muss es der katholischen Kirche neidlos lassen: Die Kirchen und Gottesdienste sind bunter, farbenprächtiger und sinnlicher. (Wobei sich da auch in den protestantischen Freikirchen z.Zt. einiges ändert).

Um Spekulationen von vornherein zu vermeiden: ich habe nicht an der Kommunion teilgenommen. Das wäre zwar keinem aufgefallen, es ist aber für mich als Protestant und vor allem als Gast, der sich als solcher zu benehmen hat, selbstverständlich, davon Abstand zu nehmen. Ich kenne die unterschiedlichen Eucharistie/Abendmahlsverständnisse und lasse sie so stehen. Und mein Ziel war es nicht, zu provozieren, sondern zu beobachten.

Alles in allem eine schöne und interessante Erfahrung – die ich sicher mal irgendwann wiederholen werde. In der Zwischenzeit beschäftige ich mich mal damit, wie aus den Gottesdienstformen, die uns in der Bibel überliefert sind (die ja, wenn ich es richtig verstehe, sehr interaktiv waren) dieser Ritus (und all die anderen verschiedenen Riten) entstanden ist.


DVD-Tipp zu Weihnachten: Joyeux noël

Dezember 10, 2009

Es ist im Augenblick mal wieder die Zeit der Weihnachtsfilme im Fernsehen. Ich muss gestehen, dass ich meistens um- oder abschalte, weil mir die meisten davon viel zu kitschig, zu dämlich oder zu kommerziell sind.

Im letzten Jahr jedoch kam ein Kinofilm aus dem Jahr 2005 ins Fernsehen, der für mich eine Ausnahme macht. Der Film trägt den Titel “Joyeux noël” oder auf englisch “Merry Christmas”. Der Titel hört sich zunächst eher unoriginell an, gewinnt aber im Laufe des Films an tiefer Bedeutung, wenn man die Handlung mitverfolgt.

Im Jahr 1914 liegen sich in der Nähe eines Dorfes in Frankreich Teile der verfeindeten Armeen des 1. Weltkrieges gegenüber: Franzosen und Briten (Schotten in dem Fall) auf der einen Seite, Deutsche auf der anderen. Die Tage sind geprägt vom Grabenkrieg: Verteidigung, Wartestellung, Angriff, Rückzug und dann das Spiel von vorn. Zur deutschen Truppe gehört auch Nikolaus Sprink, im Zivilberuf Tenor an der Berliner Oper.

Zum Weihnachtsfest gelingt es Anna Sörensen, seiner Freundin, den deutschen Kronprinzen davon zu überzeugen, dass ein kleines Konzert an der Front die Moral der Truppe heben würde. Sprink wird zu dem Zweck von der Front abgezogen, die beiden geben erst eine kleine Darbietung vor dem Kronprinzen (natürlich in der sicheren Etappe) und machen sich dann auf den Weg zur Front, um dort den Soldaten am Heiligabend Weihnachtslieder zu singen.

Gegen den anfänglichen Widerstand seines Kompaniechefs beginnt Sprink, “Stille Nacht” zu singen und ist – mit seinen Kameraden – erstaunt, als er auf einmal von Bagpipes aus den schottischen Stellungen begleitet wird. Das nächste Lied wird von den Schotten vorgegeben: “Adeste fideles”, (Herbei, o ihr Gläubigen). Sprink schnappt sich einen kleinen Weihnachtsbaum und stellt ihn in die Mitte des “Niemandslandes” zwischen den Fronten. Und da beginnt das eigentliche Weihnachtswunder: Ein schottischer Offizier kommt auf ihn zu und beginnt, über einen Waffenstillstand an Heiligabend zu verhandeln.

Der Rest ist Geschichte: Es kommt zum “Weihnachtsfrieden” 1914. Deutsche, Franzosen und Briten sitzen einträchtig beieinander, teilen sich Schokolade, Cognac, Schinken, Brot und Champagner, spielen Karten und Fußball miteinander. Und das ergreifendste: Alle Truppen bergen ihre Toten und begraben sie – und ein katholischer Priester, der als Sanitäter in der britischen Armee dient, hält eine Messe für die Toten – egal welcher Nationalität. Die Soldaten, die sich am Tag zuvor noch bis auf den Tod bekämpft haben, sitzen einträchtig nebeneinander und hören auf das Wort Gottes. Dieser Gottesdienst wird zum Wendepunkt:

Zum Ende des Films werden alle Truppenteile von der Front abgezogen und ersetzt, weil die Soldaten es nicht mehr fertig bringen, aufeinander zu schießen – nicht einmal auf einen direkten Befehl des Battalionskommandeurs.

Das ist für mich eine der stärksten Szenen oder Handlungen in dem Film: Nachdem sich die Soldaten persönlich kennen gelernt haben, nachdem sie sich die Bilder ihrer Lieben zuhause gezeigt haben, und vor allem nachdem sie gemeinsam Gottesdienst gefeiert haben ist es für die allermeisten unmöglich, gegen den anderen die Waffe zu erheben. Für mich ist in diesem Film eine unheimlich starke Aussage (vielleicht unbewusst vom Regisseur mit erwirkt), dass der Friede Christi selbst in den schwersten Zeiten und im blutrünstigsten Krieg noch Menschen verändern kann.

“Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen” (Matth. 5,9)

Auch wenn die Handlung so, wie sie dargestellt wird, sich damals nicht exakt ereignet hat, und auch wenn meiner Ansicht nach die Auswahl der Schauspieler nicht in jedem Fall geglückt war, und auch wenn das nach wie vor ein Kriegsfilm mit entsprechenden Kriegsszenen ist (sensible Gemüter seien hier vorgewarnt!) – der Film ist sehr sehenswert! Deshalb: DVD-Empfehlung für die Vorweihnachtszeit!

Hier ein knapp 10minütiger Ausschnitt: