Vor kurzem hatte ich mal die Gelegenheit, mir den Film „We feed the world“ anzusehen, was ich schon lange mal tun wollte. In diesem Dokumentarfilm des Österreichers Erwin Wagenhofer geht es inhaltlich – technisch ausgedrückt – um die Industrialisierung und Globalisierung der Nahrungsmittelindustrie. Was das für den Konsumenten und vor allem den Erzeuger bedeutet, wird in den gezeigten Beispielen deutlich: Masse statt Qualität, Produktion möglichst billig und mit möglichst wenig Kostenfaktoren, Handeln ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und nicht nach ökologischen (ein Beispiel: Man rodet Regenwald in Brasilien, um dort Soja anzupflanzen, den man wiederum mit Mineraldünger aufpäppeln muss, da er ja in dem Sinne keine einheimische Pflanze ist und in dem an sich fruchtbaren Boden nicht das findet, was er zum Wachsen braucht…).
Da sind Bilder und Erzählungen dabei, die einem den Appetit vergehen lassen. Beispiele? In der österreichischen Hauptstadt Wien wird jeden Tag so viel Brot, das eigentlich noch essbar wäre, vernichtet, wie eine andere österreichische Großstadt, Graz, täglich verbraucht. Oder ein Beispiel aus der Fischerei: Was früher als wertloser Beifang über Bord flog, wird heute mit verarbeitet, weil viele Leute eben keinen „echten“ Fisch mehr bevorzugen, sondern den verarbeiteten. Und den kann man ja künstlich aufpeppen. (Fische im Meer sind übrigens nicht fingerlang, eckig und paniert…). Mal ganz zu schweigen von der hemmungslosen Überfischung der weltweiten Bestände, die mittlerweile ganze Arten in ihrer Existenz bedroht. Ein weiteres Beispiel: Hybridsaatgut, das sich selbst nicht vermehren kann. Es bringt zwar die gewünschte Frucht, die ist aber wirklich nur zum Verbrauch geeignet, nicht zur Aussaat. Das wiederum macht Millionen Bauern auf der Welt von internationalen Konzernen abhängig.
Die Krönung finde ich ein Interview mit dem Konzernchef des größten Nahrungsmittelkonzerns der Welt. Der möchte, dass Wasser als Lebensmittel gehandelt wird wie alle anderen Lebensmittel auch, natürlich nur, damit die Menschen gewahr werden, wie wertvoll Wasser ist und um es effektiver an die Bedürftigen verteilen zu können. Bei so viel Philanthropie kommen einem glatt die Tränen der Rührung: Es geht natürlich überhaupt nicht darum, dass auf eine Substanz, die zum Leben unabdingbar wichtig ist, ein Preisschild draufgeklebt werden soll, um es dann nur noch denen zugänglich zu machen, die es sich leisten können, und damit Milliarden zu scheffeln…
Das Schlimmste war für mich bei dem Film das Gefühl der Hilflosigkeit. Hilflosigkeit angesichts der Tatsache, dass ich ein Teil dieses Systems bin, dass auf der ganzen Welt für Ungerechtigkeit, Armut und Hunger sorgt. Und dass ich – trotz gelegentlicher „Fair-Trade“-Einkäufe die meisten Lebensmitteleinkäufe doch nach der “Was ist am billigsten”-Frage tätige, schon allein aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Ich will aber nicht beim „Da kann man nichts machen“ stehen bleiben. Wie kann ich, gerade als Nachfolger von Jesus, in dieser Welt wenigstens für ein Stückchen mehr Gerechtigkeit sorgen? Ein Austausch wäre hier erwünscht…
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