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Vor kurzem hatte ich mal die Gelegenheit, mir den Film „We feed the world“ anzusehen, was ich schon lange mal tun wollte. In diesem Dokumentarfilm des Österreichers Erwin Wagenhofer  geht es inhaltlich – technisch ausgedrückt – um die Industrialisierung und Globalisierung der Nahrungsmittelindustrie. Was das für den Konsumenten und vor allem den Erzeuger bedeutet, wird in den gezeigten Beispielen deutlich: Masse statt Qualität, Produktion möglichst billig und mit möglichst wenig Kostenfaktoren, Handeln ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und nicht nach ökologischen (ein Beispiel: Man rodet Regenwald in Brasilien, um dort Soja anzupflanzen, den man wiederum mit Mineraldünger aufpäppeln muss, da er ja in dem Sinne keine einheimische Pflanze ist und in dem an sich fruchtbaren Boden nicht das findet, was er zum Wachsen braucht…).

Da sind Bilder und Erzählungen dabei, die einem den Appetit vergehen lassen. Beispiele? In der österreichischen Hauptstadt Wien wird jeden Tag so viel Brot, das eigentlich noch essbar wäre, vernichtet, wie eine andere österreichische Großstadt, Graz, täglich verbraucht. Oder ein Beispiel aus der Fischerei: Was früher als wertloser Beifang über Bord flog, wird heute mit verarbeitet, weil viele Leute eben keinen „echten“ Fisch mehr bevorzugen, sondern den verarbeiteten. Und den kann man ja künstlich aufpeppen. (Fische im Meer sind übrigens nicht fingerlang, eckig und paniert…). Mal ganz zu schweigen von der hemmungslosen Überfischung der weltweiten Bestände, die mittlerweile ganze Arten in ihrer Existenz bedroht. Ein weiteres Beispiel: Hybridsaatgut, das sich selbst nicht vermehren kann. Es bringt zwar die gewünschte Frucht, die ist aber wirklich nur zum Verbrauch geeignet, nicht zur Aussaat. Das wiederum macht Millionen Bauern auf der Welt von internationalen Konzernen abhängig.

Die Krönung finde ich ein Interview mit dem Konzernchef des größten Nahrungsmittelkonzerns der Welt. Der möchte, dass Wasser als Lebensmittel gehandelt wird wie alle anderen Lebensmittel auch, natürlich nur, damit die Menschen gewahr werden, wie wertvoll Wasser ist und um es effektiver an die Bedürftigen verteilen zu können. Bei so viel Philanthropie kommen einem glatt die Tränen der Rührung: Es geht natürlich überhaupt nicht darum, dass auf eine Substanz, die zum Leben unabdingbar wichtig ist, ein Preisschild draufgeklebt werden soll, um es dann nur noch denen zugänglich zu machen, die es sich leisten können, und damit Milliarden zu scheffeln…

Das Schlimmste war für mich bei dem Film das Gefühl der Hilflosigkeit. Hilflosigkeit angesichts der Tatsache, dass ich ein Teil dieses Systems bin, dass auf der ganzen Welt für Ungerechtigkeit, Armut und Hunger sorgt. Und dass ich – trotz gelegentlicher „Fair-Trade“-Einkäufe die meisten Lebensmitteleinkäufe doch nach der “Was ist am billigsten”-Frage tätige, schon allein aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Ich will aber nicht beim  „Da kann man nichts machen“ stehen bleiben. Wie kann ich, gerade als Nachfolger von Jesus, in dieser Welt wenigstens für ein Stückchen mehr Gerechtigkeit sorgen? Ein Austausch wäre hier erwünscht…

Ich sitze gerade an der Vorbereitung zur Sonntagspredigt am Pfingstsonntag. Für den Sonntag habe ich einen Text aus Apostelgeschichte 10 ausgewählt, die Geschichte, in der Gott Petrus klarmacht, dass die Botschaft von Jesus Christus für alle Menschen gedacht ist, nicht nur für Israeliten. Und weil das in der Lebens- und Denkwelt von Petrus so ein unerhörter Gedanke war, machte ihm Gott das auf ziemlich krasse Art und Weise klar. (Kleiner Tipp: Wer das nachlesen möchte, aber selbst keine Bibel hat, gehe bitte zu www.bibleserver.com und gebe in das Suchfenster “apg 10″ ein. Rechts neben dem Suchfenster kann man sich auch die passende Bibelübersetzung wählen).

Für mich ist die Geschichte eine Art zweites “Pfingstwunder”. Das erste hatte sich einige Zeit zuvor in Jerusalem ereignet, als Startpunkt für die christliche Gemeinde. Die bestand zunächst aber nur aus Menschen aus dem jüdischen Volk, und es ist zu vermuten, dass auch niemand die Notwendigkeit empfand, das sich das ändern sollte. Bis zu dem Tag eben, als Petrus klargemacht wurde, dass die Gute Nachricht von Jesus allen Menschen gilt.

Der Heilige Geist überwindet Grenzen. Das hat er ganz klar schon in der ersten Gemeinde gemacht: Grenzen sozialer oder ethnischer Herkunft, gesellschaftliche Normen, überholte Traditionen usw … er ist eben kein metaphysischer Vorschriftenverwalter, sondern ein Geist, der lebendig macht, der Verändert, der wachsen lässt.

Auch in meinem eigenen Leben. Ich bin weit davon entfernt, zu behaupten, dass ich ein Glaubensvorbild für nachfolgende Generationen wäre; ich habe, wie vermutlich die allermeisten Christen, meine eigenen Kämpfe, Glaubensherausforderungen und auch meine Niederlagen. Und warum sollte ich damit nicht offen umgehen? Wenn ich versuche, Theater zu spielen, ist damit niemandem geholfen.

Aber wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann kann ich erkennen, wie der Geist Gottes in dem ganzen Auf und Ab meines geistlichen Lebens gehandelt hat, wie er - manchmal überraschend spontan, manchmal langsam geduldig - mein Denken, meine Wertvorstellungen, das, was mein Leben trägt, verändert hat und immer noch verändert. In ganz vielen Bereichen.

Ein Beispiel: Ich bin in einem 1200-Seelen-Dorf in Südwestdeutschland aufgewachsen. Und ich habe gerne da gelebt, es ist eine wunderschöne Gegend mit zwar sturen, aber auch fröhlich gelassenen Menschen (Naja, überwiegend zumindest). Was ich als Kind z.B. von Menschen aus Afrika wusste, war: Die sind schwarz, arm, haben nicht viel zu essen, sind nicht sonderlich intelligent und arbeiten nicht viel. Das war kein politisch-programmatischer Rassismus, das war eher Ignoranz, die in ländlichen Gebieten nicht ganz so schnell verschwindet. Selbst als ich so langsam anfing, ein eigenes, unabhängiges Denken zu entwickeln, war dieses Vorurteil schwer aus dem Kopf zu bekommen. Erst als ich 2 Jahre im Ausland war, Menschen aus afrikanischen Ländern mal selbst kennenlernte, merkte, dass sie genau so ”fleißig” waren wie ich (wenn auch mit einer wesentlich gelasseneren Einstellung zum Leben), genauso intelligent und vor allem vorbildliche Christen, da änderte sich mein Bild langsam, aber sicher.

Nun ja, man mag das empirische kulturelle Einsicht nennen und überhaupt nicht dem geistlichen Bereich zuordnen. Aber ich persönlich habe gemerkt, dass der Heilige Geist mir half, eine teils erworbene, teils selbstangelegte innere Grenze meines Lebens zu überwinden. Denn ethnische Grenzen soll und kann es in der Gemeinde Christi eigentlich nicht geben.

Wir leben mit vielen Grenzen in unserem Leben. Mit Grenzen, die uns als Persönlichkeit zu eigen sind, mit Grenzen, die wir selbst festgelegt haben und mit Grenzen, die uns ”von außen” gesetzt werden, sei es durch familiäre Prägung, durch Traditionen, durch Weltanschauungen etc. Manche davon sind gut und sinnvoll und lassen sich eigentlich auch kaum ändern. Andere davon - die Mehrzahl nach meiner Beobachtung - können verändert werden. Und das ist möglich, wenn Gottes Geist in unserem Leben wirkt. Nicht immer einfach, manchmal langwierig und schmerzhaft, aber es ist möglich. Und deshalb will ich ein permanenter “Grenzverletzer” sein und bleiben.

Am 11. Mai ist Muttertag. Steht in meinem großen Wand-Terminkalender. Heute wurde ich extra von der Discount-Einkaufskette PLUS erneut auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Interessant fand ich, was auf deren Website unter der entsprechenden Rubrik als Muttertagsgeschenke angeboten werden. Da finden sich u.a.:

- Ayurveda- oder Hot-Stone-Massagen (Ok, die kann man immer gebrauchen, nicht nur als Mutter…)

- Ein Golf-Set (falls Mami mal Zeit und Lust zum Golfspielen haben sollte…)

- Ein Crosstrainer

- Eine “Fitness-Stange” (falls jemand Lust auf Pole-Dancing haben sollte…)

- Eine Geige (für die musisch veranlagten)

- Künstlerstaffelei incl. Farben sowie Zeichenblock und Pastellkreide (wie gesagt, für sowas braucht man Zeit…)

- Beauty-Aromabedampfer mit Lupenleuchte (ist nach unzähligen bekackten Babywindeln sicher verständlich…)

 

Ich habe nichts gegen eine Aufmerksamkeit zum Muttertag. Noch weniger habe ich gegen grundsätzliche Aufmerksamkeit, Respekt und Dankbarkeit gegenüber Müttern. Meine Mutter hatte 3 Söhne, arbeitete im landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit und führte den Haushalt. Und dafür bin ich ihr heute noch dankbar. 

Nur: wenn ich mir obige Liste anschaue, dann frage ich mich schon: Stehen Mütter auf Geschenke dieser Art, nur um ein “Dankeschön” zu bekommen? Oder ist es vielmehr so, dass der Einzelhandel wieder mal versucht, einen Tag dieser Art zu “hijacken” und ihn in einen Anlass zur Umsatzsteigerung umzuwandeln?

Das muss jede Mutter sicherlich für sich selbst beantworten. Wenn ich das aus der Perspektive eines Vaters sagen darf: Mir ist ein lachendes, herumtollendes Kind, das Spaß hat und im Herzen weiß, dass es geliebt wird, allemal lieber als fette materielle Geschenke. (Ist natürlich eine hypothetische Aussage, denn Vatertag wird bei uns nicht gefeiert. Nicht nur, weil unser Bollerwagen kaputt ist, sondern grundsätzlich nicht). Ich finde es viel wichtiger, ein offenes Herz zu haben als einen offenes Portmonaie.

So, hier sitze ich am zweitletzten Tag meines Inselaufenthaltes im Inselcafé (das auch einen Hotspot hat, nicht teurer ist als das Internetcafé und eine wesentlich größere Auswahl an Heißgetränken hat…). Neben mir einen Orignial-Ostfriesentee mit Kluntje (Kandiszucker, für Nicht-Friesen) und Sahne, Im Hintergrund singt Moya Brennan “Don’t give up”, draußen ist schönes Wetter und ich habe heute morgen im Rahmen des Jazzfestivals einen Gottesdienst mit Gospel- und Soulbegleitung in der neuen Inselkirche miterlebt. Ich bin schon fast versucht, zu sagen: “Besser kann das Leben kaum werden”, das einzige, was mir wirklich fehlt, ist meine Familie. Morgen früh werden mein Schwiegervater und Yasmin als Tagesgäste mitkommen und abends fahren wir gemeinsam zurück. Freue mich schon drauf. Und natürlich auch auf das Wiedersehen mit Junia und meiner lieben Frau am Abend.

Womit ich mich inhaltlich beschäftigt habe? Ich habe das vor kurzem vorgestellte Buch meines Kollegen Christof Lenzen, “Glauben genießen” durchgelesen (nachdem ich es vorher mal “quergelesen” hatte), ebenso ein Buch mit dem Titel “Lobpreis wie Popcorn” (dazu in den kommenden Wochen mal mehr) und gerade mache ich mich wieder an “Jesus von Nazareth” von Bendedikt XIV. (Übrigens: Ich habe nicht vor, katholisch zu werden, nur um etwaige Befürchtungen zu zerstreuen…)

Nachgedacht habe ich viel über die Frage, wie mein Glaube wieder direkter, unmittelbarer, lebendiger, tiefer werden kann. Das beschäftigt mich schon länger, vor allem, weil ich immer wieder den Eindruck habe, das mein Glaube so schnell geschäftig, “businesslike” wird, nach dem Motto: Ist ja schließlich mein Job. Auf die Dauer kann das aber nicht funktionieren, denn ich kann ja kaum anderen weitergeben, was bei mir selbst nicht oder nur unzureichend vorhanden ist.

Da kam die Lektüre des Römerbriefs in dieser Zeit gerade recht - ich blieb an den ersten Versen des 12. Kapitels hängen, Verse, die ich schon zig Male gelesen und über die ich schon mehrfach gepredigt habe:

Brüder und Schwestern, weil Gott so viel Erbarmen mit euch gehabt hat, bitte und ermahne ich euch: Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung! Bringt euch Gott als lebendiges Opfer dar, ein Opfer völliger Hingabe, an dem er Freude hat. Das ist für euch der »vernunftgemäße« Gottesdienst. Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist.

Jeder mag ja diesen Text mit seinen eigenen Augen lesen und vielleicht sogar auf unterschiedliche Art und Weise verstehen. Mir wurde auf jeden Fall wichtig, dass Glaube etwas ist, was mein Leben bestimmen soll, und nicht nur als Gedankengespinst in meinem Kopf bleiben. Keine umwerfend neue Erkenntnis, nicht wahr? Aber irgendwie eine, die mich hier schwer beschäftigt hat. “Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an” - seid anders, richtet euch allein an Gott aus, auch wenn das heißt, gesellschaftlichen Gegenwind in Kauf zu nehmen oder Unverständnis und vielleicht sogar manchmal Spott.

Das ist ein für mich wichtiger Vers, weil ich zum einen ein sehr harmoniebedürftiger Mensch bin und eigentlich Konflikte scheue, auch wenn ich gerade in den Jahren meines Dienstes in der Hinsicht einiges dazugelernt habe. Zum Andern bin ich ein Mensch, der gerne “in Ruhe gelassen” werden möchte. Das hat manchmal seine Berechtigung, ich brauche, wie gesagt, ab und zu Zeiten der Stille, auch und gerade für mein geistliches Leben. Aber es heißt eben auch, dass ich oft in Gefahr laufe, die “formalen” Seiten meines Dienstes der Begegnung mit Menschen vorzuziehen. Auch ein Thema, an dem ich gerade intensiv arbeite. Ich bin ja mal gespannt, wo mich diese Gedanken noch hinführen werden und wie ich sie lebendig erhalten kann…

Hier sitze ich also im Café in Spiekeroog und kann mit dem eigenen Rechner arbeiten - was für eine Erleichterung. Im Laufe dieses Postings finden sich auch einige Bilder, die ich in den letzten 2 Tagen gemacht habe. Diese Insel übt immer wieder eine eigenartige Faszination auf mich aus; nach spätestens 2 Tagen hat man sich an den langsamen, berechenbaren Lebensrhythmus gewöhnt. Hektik nützt nichts, weil sie einen aufgrund der fehlenden Mobilität (für Besucher ist selbst Fahrradfahren verboten, außer in begründeten Ausnahmenfällen) auch nicht weiterbringen würde. Außerdem kommt niemand hierher, um innerhalb von kurzer Zeit möglichst viele Sehenswürdigkeiten oder Touristenziele “abzubacken”, sondern um auszuruhen. Stille zu genießen. Vermutlich hat genau das die Besucherzahlen in den letzten Jahren stetig steigen lassen.

Ich beschäftige mich mit einigen Fragen, meine Berufung und meine eigene Beziehung zu Gott betreffend, vor allem, was Tiefe und Hingabe anbelangt. Ich hatte heute morgen schon eine schöne Zeit in der kath. Kirche, sie ist wie eine Art Zelt in die Dünen gebaut (Holzkonstruktion mit Kupferdach), der Altar ist der tiefste Punkt des Kirchenraums, die Sitzreihen sind halbkreisförmig drum herum aufsteigend angeordnet. Finde ich sehr angenehm. Und die Stille in dem Raum ist absolut herrlich, nur unterbrochen vom gelegentlichen Brausen des Windes und Möwen, die sich etwas näher am Gebäude befinden.

Das sind Zeiten, in denen ich merke, wie wichtig Stille für mich ist. Ich bin einer der Charaktere, die immer mal wieder Zeit für sich selbst brauchen, um Gedanken zu reflektieren und zu sortieren, um nachzudenken, zu beten, durchzuatmen.  Zeit, sich frei zu machen von allen Einflüssen, Anforderungen und Reizen, denen man im Alltag ausgesetzt ist, um Kraft zu sammeln. Mein Vorbild dabei: Jesus selbst. Der hat sich öfters, gerade nach Begegnungen mit vielen Menschen, nach intensiven Gesprächen und Predigten und auch nach Wundern zum Beten alleine zurück gezogen. Nicht, um zu “chillen”, sondern um im Gespräch mit seinem Vater Nähe, Orientierung und Bodenhaftung zu behalten.

Vielen Menschen fällt das schwer, einfach mal eine Zeit nichts zu tun und auch nicht mit Freizeitaktivität sich abzulenken oder ablenken zu lassen (Und gegen solche ist auch zunächst mal nichts einzuwenden). Ruhe und Stille macht viele hibbelig, sie sind es gewohnt, zu arbeiten, sich zu unterhalten, sich medial berieseln zu lassen. Das fordert einen permanent und macht müde - das kann ich gerade in Bad Vilbel, in Großstadtnähe beobachten. Ich selbst bin als Kind geprägt worden von den zeitlichen Abläufen, die ein landwirtschaftlicher Betrieb dem Leben so vorgegeben hat. Da war harte, schwere Arbeit dabei (im Sommer bis zu 12 Stunden…), aber auch Zeiten, in denen weniger zu tun war. Und der Sonntag war als Ruhetag heilig; da wurde nur das Vieh gefüttert und mehr nicht. Vielleicht sehe ich das im Nachhinein romantischer, als es tatsächlich war, aber irgendwie sehne ich mich manchmal nach diesem berechenbaren, ruhigen Leben zurück.Vor allem, wenn ich den Eindruck habe, die Aufgaben des Dienstes und des Alltags überrollen mich manchmal.

Da tut es gut, sich mal eine Woche “auszuklinken”. Ich mache das schon das achte Jahr in Folge und merke jedes Mal, wie ich in dieser Woche Kraft, Ruhe und Gelassenheit für die Zeit danach sammle. Auch wenn ich zuhause bin, tut es mir gut, mir mal einen Vor- oder Nachmittag (je nachdem, wann ich Zeit habe) für diese innere Neuausrichtung zu reservieren. Nicht zum Faulenzen, sondern um innere Positionsbestimmung vornehmen zu können.

Wie kannst Du Zeiten der Stille in Deinen Alltag integrieren? Darauf gibt’s keine Patentantwort, ich weiß nur, dass ein Mensch, der solche Zeiten nicht hat, irgendwann müde wird und, bei entsprechendem psychischen Profil, ausbrennt. Und das ist weder gut für den Betreffenden selbst, noch für seine Familie, noch - in meinem Beruf - für seine Gemeinde, es bringt Gott keine Ehre und vor allem: Jesus erwartet das nicht von uns. Was er von uns erwartet, ist, dass wir alles, was wir tun, zu seiner Ehre tun - und dazu gehört eben das Ausruhen, Nachdenken, Beten und geistliche Neuorientieren dazu…

So, hier bin ich also auf der schönen Nordseeinsel Spiekeroog bei strahlendem Sonnenschein, während es im Rest Deutschlands wie aus Eimern kübelt. War zumindest zuletzt meine Wetter-Info. Habe den Tag zumeist am Strand verbracht, lesend und ausruhend. Jetzt sitze ich gerade im Internet-Café der Insel an einem wackligen Tisch mit einer ab und zu mal funktionierenden Internet-Verbindung. Habe vorhin erfahren, dass der Laden auch einen WLAN-Hotspot hat; zum Glück habe ich den eigenen Laptop dabei.

Mir schwirren im Augenblick viele Gedanken durch den Kopf, wirr, unsortiert, und ich denke mal, dass ich erst einmal richtig zur Ruhe kommen muss (bin auf dem besten Weg dahin). Die Kamera, die ich dabei habe (gehört meiner Frau) ist schon einige Male zum Einsatz gekommen; einige Bilder werden hier zu sehen sein.

Was am letzten Sonntag noch ganz besonders war, war das Wiedersehen mit unseren Kindern nach knapp 4 Wochen. Yasmin, die ältere, war so aufgedreht, dass sie einige Zeit gar nicht wußte, wohin mit der Energie und  Junia, die jüngere, ist zwischen Papa und Mama hin- und hergelaufen. Ganz richtig: sie läuft mittlerweile. Ich war dann anderthalb Tage mit meiner Familie bei meinen Schwiegereltern und bin dann hierher auf die Insel, und zum allerersten Mal ist mir das nicht so leicht gefallen. Aber ich brauche diese Auszeit, einmal im Jahr, um Gedanken zu sortieren, zu reflektieren und auch um vor Gott Ruhe zu finden. (Ein Ort, an dem mir das immer wieder gut gelingt, ist die katholische Kirche St. Peter in den Dünen hier auf Spiekeroog - eine für katholische Verhältnisse erfreulich schlichte Kirche, die den ganzen Tag offen ist…).

Melde mich bald wieder mit etwas besser sortierten Gedanken und hoffentlich einigen Inspirationen.

Nein, nicht auf dem Jakobsweg, sondern auf der Insel. In der kommenden Woche mache ich meine jährliche “Auszeit” auf der Nordseeinsel Spiekeroog. Das ist eine Woche im Jahr, aus der ich immer wieder seelisch, geistlich und unterm Strich auch körperlich Kraft für meinen Dienst und meine Familie schöpfe. Einfach mal alleine sein, ohne Telefon, ohne Laptop, ohne Termine und dienstliche Verpflichtungen, Bibel lesen, spazieren gehen, Nordseeluft schnuppern, bei - voraussichtlich - gutem Wetter meinen Gedanken nachhängen … die Vorfreude ist so groß, dass ich jetzt schon fast das Meer rauschen und die Möwen kreischen höre.

Ich bin allerdings nicht völlig aus dem Blog abgemeldet; ich habe vor ein Inseltagebuch (zunächst aus Papier) zu führen, aus dem dann der eine oder andere Auszug auch hier zu lesen sein wird (es gibt ein Internet-Café da…).

Ich hab’s geschafft, einen Übernachtungsplatz zum Schnäppchenpreis zu ergattern: 14,-€ pro Nacht für Selbstverpfleger. Günstiger geht’s auf den Inseln eigentlich nicht. Es ist zwar nicht wirklich eine Luxusunterkunft, aber das brauche ich ohnehin nicht.

Ich hab’s geschafft, meine Frau davon zu überzeugen, mir ihre Kamera auszuleihen (eine schöne neue Spiegelreflex-Digitalkamera). Da kann ich mich mal schön auf Motivsuche machen…

Und das allerbeste: Ich werde am Sonntag (bei meinen Schwiegereltern) meine beiden Mädels wiedersehen, kann gar nicht sagen, wie ich mich darauf freue!

See ya!

Gestern hat das oberste Bundesgericht der USA Hinrichtungen mit der Todesspritze für rechtmäßig erklärt. Das ist eine Hinrichtungsmethode (wer den Film „Dead Man Walking“ gesehen hat, wird sich erinnern), bei der 3 Chemikalien in den Körper des Delinquenten injiziert werden: Erst ein Betäubungsmittel, damit der Todeskandidat nichts spürt, dann ein Mittel, das die Muskeln lähmt (sieht nicht so schön aus, wenn der Körper anfängt, wild zu zucken…) und schließlich das Salz Kaliumchlorid, um das Herz zum Stillstand zu bringen.

Gut, es gibt schlimmere (will sagen: qualvollere) Methoden der Exekution. Steinigung zum Beispiel. Oder Enthaupten mit dem Schwert. Beide vorwiegend in arabischen Ländern gebraucht. Fakt ist aber auch, dass auch bei der Giftspritzen-Hinrichtung schon vieles schief gelaufen ist. Der häufigste Fehler war eine zu niedrige Dosierung des Betäubungsmittels – was bewirkte, dass der Todeskandidat das Kaliumchlorid (welches bei intaktem Schmerzempfinden unerträgliches Brennen in den Muskeln verursacht) bei vollem Bewusstsein mitbekam, aber sich nicht äußern konnte, weil ihn das verabreichte Lähmungsmittel daran hinderte.

Man kann natürlich über die Todesstrafe diskutieren. Ich selbst lehne sie ab, aus einigen ganz einfachen Gründen: Zum einen macht die Tötung des Täters die geschehene Tat auch nicht rückgängig. Bei allem Mitfühlen mit den Angehörigen der Opfer: die kurze Befriedigung, die man beim Tod des Täters empfinden mag, dient nicht dazu, Schmerz und Trauer über den Verlust eines Menschen zu lindern. Zum zweiten bewirkt (in den USA nachweislich) die Todesstrafe keinen Rückgang der Gewaltkriminalität. Die wurde, wenn, eher durch präventive Maßnahmen erreicht. (Die sind natürlich teurer und aufwändiger als 3 Chemieampullen…). Und, nicht zuletzt, glaube ich an die Möglichkeit, dass auch der schlimmste Verbrecher noch eine Gelegenheit zur Umkehr hat. Das sagt mir zumindest das neue Testament (und auch dafür gibt es Beispiele). Und als Nebenbemerkung: Ein Fehlurteil mit Todesstrafe kann nicht rückgängig gemacht oder materiell ersetzt werden – und auch die hat es gegeben!

Ich weiß, dass die Haltung etwas unreflektiert sein mag und ich diskutiere auch bei Bedarf gerne darüber. Was mich allerdings verwunderte war die Begründung des obersten Bundesgerichtes (es ging dabei, muss ich hinzufügen, nicht um die Todesstrafe an sich, sondern um die Hinrichtungsmethode der Giftspritze). Die sei zulässig, so das Gericht sinngemäß, weil sie ja viel humaner sei, als z.B. Hinrichtungsmethoden des Mittelalters wie z.B. Vierteilen oder Ausweiden. (Falls ihr das nicht glauben könnt – das war wirklich die offizielle Begründung!) Wie beruhigend!

Es kommt eben immer darauf an, mit wem man sich vergleicht. Bei der Begründung für die grundsätzliche Anwendung der Todesstrafe z.B. mit solch freien Gesellschaften wie etwa der VR China oder lupenreinen Demokratien wie Russland. Das Gefährliche daran ist: Mit wem oder was man sich vergleicht, mit dem stellt man sich in eine Reihe.

Zum angewandten Vergleich mit dem Mittelalter bei obigem Thema fällt mir nur ein Interview ein, das ein Reporter Anfang der 40er Jahre mit Gandhi führte. Gandhi wurde gefragt, was er denn von der westlichen Zivilisation hielte und antwortete: „Ich würde das für eine sehr gute Idee halten!…“

Mir ist in den letzten Monaten doch aufgefallen, dass Christen, die ihren Glauben ernst nehmen, in aller Regel nicht sonderlich gut in den Medien wegkommen. Da sieht man im Abendprogramm schon mal Sendungen mit netten, verheißungsvollen und unvoreingenommenen Titeln wie “Die Hardliner des Herrn” oder “Jesus’ junge Garde”, oder Beiträge zum Thema “Kreationismus” in Wissenschaftssendungen. Und das sind nur 3 Beispiele, die allein auf den öffentlich-rechtlichen gelaufen sind. Die Zielrichtung ist klar: Evangelikale Christen (ich mag zwar Etiketten dieser Art nicht, aber ich bin nun mal selbst diesem Spektrum zuzuordnen) sollen in unmittelbarer gesellschaftlicher und ideologischer Nachbarschaft zu solch netten Menschen wie militanten Muslimen angesiedelt werden. Hinweise darauf, dass die überwältigende Mehrzahl von Christen in Deutschland weder sich in vollbesetzten Bussen in die Luft sprengen, noch Menschen anderer Meinung gegenüber gewalttätig werden, noch die Weltherrschaft anstreben, wurden beim Verarbeiten der jeweiligen Recherche glatt vergessen. Ok, man lernt damit zu leben, aber es nervt doch irgendwann mal, ständig den Stempel “Fundi” aufgedrückt zu bekommen.

Dummerweise gibt es innerhalb der Gemeinde Christi immer wieder mal Menschen, die die Munition für solche Beiträge liefern (die ja in aller Regel nicht auf die evangelikalen “Normalos”, sondern die Freaks zum Sendeobjekt machen…). Ein Film, den ich in dem Zusammenhang schockierend fand, war die Dokumentation “Jesus Camp”, die im Jahr 2006 in die Kinos kam (bei Youtube zu sehen). Darin wird ein Sommer-Ferien-Camp gezeigt, das von einer Kindermissionarin namens Becky Fischer im US-Bundesstaat North Dakota für einige Jahre veranstaltet wurde. Nicht die Art und Weise, wie der Film medial aufbereitet wurde, war schockierend, sondern das, was er zeigte.

Beispiele: Szenen aus einer Kinderveranstaltung, in denen nicht gelehrt, sondern eingepeitscht wird. Noch nicht einmal 10jährige Kinder, die (nach entsprechender Bearbeitung) genau Bescheid wissen, in welchen Gemeinden Gott gegenwärtig ist (nämlich die eines bestimmten theologischen Zuschnitts) und in welchen nicht (alle anderen). Besonders perfide: Politische Indoktrination im frommen Gewand (”Den Klimawandel gibt es nicht … wir können alle Ressourcen ausbeuten, alles Öl verbrauchen, weil Jesus sowieso bald wiederkommt”. Kleine Anmerkung: dieses Argument höre ich öfter, und es gibt für mich keine dümmere Ausrede, als die Verantwortung für kommende Generationen von sich zu schieben…) Ich könnte noch einiges mehr zitieren.

Gut, man kann argumentieren, dass immerhin Jesus verkündigt wird, dass Kinder und Jugendliche für den Glauben und die Misison begeistert werden und der Heilige Geist dort wirkt. Zudem hat Becky Fischer mit einigen ihrer Analysen wirklich recht. Es stimmt manchmal, dass wir in den Kindergottesdiensten immer wieder dieselben biblischen Geschichten wiederholen, und das bis zum Ende des Biblischen Unterrichts, ohne auf den persönlichen Glauben der Teenager zu achten. Den Schuh muss ich durchaus auch mir selbst anziehen.

Das alles mag ja sein, aber ich finde die Art und Weise, den Verstand von Kindern so zu manipulieren, widerlich. Tut mir leid, ein anderes Wort finde ich dafür nicht. Ich weiß, das ist ein böse klingender Vergleich, aber die eine oder andere Szene in dem Film hat mich an kollektive Jugenderziehung aus einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte erinnert.

Warum mich das so aufregt? Weil ich selbst Vater von 2 kleinen Kindern (bald 3) bin. Ich wünsche mir für sie nichts sehnlicher, als dass sie eines Tages ihren Weg zu und mit Jesus finden und gehen werden. Aber ich will sie zu mündigen, verantwortlichen Menschen erziehen, Menschen, die selbst prüfen und entscheiden können. Und ich will sie keiner Gehirnwäsche aussetzen, die sie unfähig macht, das Alltagsleben mit seinen Höhen und den eben auch vorkommenden Tiefen zu bewältigen. Möge Gott mir die Weisheit dazu geben!

Ist schon verrückt, wie manchmal zwei Begebenheiten oder Gedanken, die uns widerfahren oder die uns durch den Kopf gehen, sich in demselbigen verknüpfen können. (Schwierig zu verstehen? OK, hier kommt die Erklärung): Am letzten Sonntag hatten wir in der Gemeinde eine Kindersegnung, bei der ein Elternpaar sich für Ihr Kind den Vers aus Psalm 91,11 ausgesucht hatte. Dort steht:

Gott hat seinen Engeln befohlen, dich zu beschützen, wohin du auch gehst. (Gute Nachricht)

Bei dem Vers muss ich immer an die Zeit denken, in der ich Radfahren gelernt habe - ja, daran kann ich mich noch in der Tat erinnern. Ich lernte aus dem Stand heraus - ohne Stützräder - und meine Mutter lief neben mir her, um zu verhindern, dass ich mir allzu oft den Straßenbelag aus der Nähe anschaute. Mir kam das in den Sinn, weil wir gerade dabei sind, für unsere Yasmin zum 4. Geburtstag ein Fahrrad anzuschaffen. Sie wird das, schätze ich mal, schnell lernen - sie ist auf dem Laufrad schon recht flott unterwegs - aber es wird mich die eine oder andere Schrecksekunde kosten, sie war schon mit dem Bobby-Car oft ziemlich riskant unterwegs (die Straße, in der wir wohnen , hat ein ansehnliches Gefälle…).

Gott hat seinen Engeln befohlen, uns zu behüten auf allen Wegen. Das heißt nicht, dass die Straße nie steil oder kurvig werden wird, oder dass wir uns nicht mal ordentlich hinlatzen können. Aber es heißt, dass immer jemand neben mir steht, der bereit ist, mich an der Hand wieder hochzuziehen, mir den Staub von den Klamotten zu klopfen und mich wieder aufs Fahrrad zu setzen. Und mich, wenns nötig sein sollte, zu verbinden. Und der mich so lehrt, auf dem Weg des Lebens zurecht zu kommen. Mag ein banaler Gedanke sein, aber ein ungemein trostreicher…

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