Bestellen beim Universum?
Davon habe ich zum ersten Mal während meiner Kur gehört. Rein aus Interesse habe ich den Terminus mal „gegoogelt“, um zu erfahren, was dahinter steckt – und war ob der Trefferquote überrascht. Wer genau diese Worte „Bestellen beim Universum“ bei Google eingibt, landet knapp 1400 Treffer. Allein auf den so gefundenen Seiten ist nachzulesen, was da alles bestellt und prompt geliefert wurde, wie man bestellt und wie aus angeblichen Atheisten (davon gibt’s in Wirklichkeit viel weniger als gemeinhin angenommen wird…) „spirituell suchende“ Menschen wurden. Kritische Stimmen zu der ganzen Sache sind, wenn überhaupt, nur vereinzelt zu finden. Was daran liegen mag, dass viele potentielle Kritiker die ganze Sache ohnehin für eine Modeerscheinung im Bereich „Gebrauchsesoterik“ halten, die kommt und geht, wie so vieles andere zuvor.
Zugegeben, ich habe die einschlägigen Bücher nicht gelesen, deshalb muss ich aufpassen, mich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Aber ich bemerke doch, dass die ganze Bestellerei nichts anderes ist als das altbekannte „positive Denken“ mit einem anderen Etikett. Gegen positives Denken im Sinne einer positiven, optimistischen und konstruktiven Lebenseinstellung ist ja noch nicht mal so viel einzuwenden, aber hier geht es eher darum, menschliche Wünsche und Sehnsüchte objektiv zu projizieren. Und das hat auch eine Kehrseite: Nämlich die Weigerung, sich den Enttäuschungen des Lebens zu stellen und sie als Teil des Lebens zu sehen, aus ihnen zu lernen. Und vor allem die Tatsache, dass das menschliche Selbst im Mittelpunkt des ganzen Unterfangens steht.
Problematisch dabei ist, dass das, was sich jemand subjektiv wünscht und was objektiv gut für ihn oder sie ist, nicht immer deckungsgleich ist. Und, wie mal jemand gesagt hat, die schlimmste Strafe für törichte Wünsche ist ihre Erfüllung.
Mir liegt, ehrlich gesagt, das Beten näher (obwohl das in meinem Leben auch immer wieder ein Kampf ist, um ehrlich zu sein…). Denn da geht’s eben nicht nur ums Bestellen, sondern auch ums Zuhören, darum, einen Spiegel vor’s Gesicht gehalten zu bekommen, verändert zu werden, inneren Frieden zu finden – selbst wenn der Lebensweg steil oder steinig wird. Gott wird mir nicht immer alle Wünsche erfüllen – aber er wird mir das zuteil werden lassen, was ich wirklich brauche. Und das reicht mir.
Tags: Bestellung beim Universum, Esoterik, Gebet, Sehnsüchte, Vertrauen
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