DVD-Empfehlung: Rivers and Tides
April 9, 2008 von curioustraveller
Ich muss zugeben, dass bei uns zuhause ja eher meine Frau die Kunstexpertin ist (sie hat das Fach auch einige Jahre studiert). Ich kann weder Stilepochen unterscheiden, noch weiß ich, welche Bilder oder Werke welcher Epoche zuzuordnen sind und wie man diese Zuordnung feststellen kann, ich kann mit den meisten Werken moderner Künstler wenig bis nix anfangen. Ich bin vermutlich das, was man so landläufig als Kunstbanause bezeichnen würde.
Vor 3 Tagen haben Bine und ich abens allerdings einen Film über einen Künstler gesehen, dessen Arbeit mich ziemlich fasziniert hat. Es ist ein Dokumentarfilm von Thomas Riedelsheimer mit dem Titel “Rivers and Tides”, ein Film über die Arbeit des schottischen Künstlers Andy Goldsworthy.
Das Besondere an Goldsworthys Kunst ist, dass er “Land-Art” anfertigt, d.h. dass er ausschließlich mit Materialien arbeitet, die er in der Natur vorfindet, meistens entstehen die Werke auch in der Natur (obwohl er auch schon Werke für Museen angefertigt hat). Diese Materialien werden in dem Sinne nicht weiterverarbeitet oder konserviert, höchstens neu arrangiert. Ganz selten, dass er mal ein Hilfsmittel wie z.B. ein Messer o.ä. benutzt. Viele seiner Kunstwerke existieren nur kurz (Eisskulpturen z.B.), machen aber eine Menge Arbeit.
Was fasziniert mich daran? Nun, zum einen bin ich ein sehr naturverbundener Mensch: Ich atme auf, wenn ich in einem Wald spazieren gehe, wenn ich hier um Bad Vilbel herum über die Felder der Wetterau laufe, ich genieße das Rauschen der Wellen, wenn ich am Nordseestrand stehe (in 2 Wochen wieder!), ich atme tief durch, wenn im Sommer die Luft schwer vom Duft des reifen Getreides oder frisch gemähten Grases ist. Mich fasziniert an diesen Werken, dass man, will man Schönheit sehen, einfach nur vor die Tür gehen und die Augen aufmachen muss (könnte in der Großstadt vielleicht etwas schwieriger sein als auf dem Land…).
Die Fähigkeit, Gottes Schöpfung in Ehrfurcht zu bewundern, kurz gesagt: zu staunen, geht uns leistungsorientierten, selbstfixierten und Zeit ermangelnden Menschen des frühen 21. Jahrhunderts ab - und damit geht uns zugleich eine Menge Lebensqualität verloren. Dabei ist es gerade die Schöpfung, die uns (buchstäblich) zur Besinnung bringen kann - sie zeigt uns unseren Platz als Mensch im Gesamtwerk Gottes (besonders gut zu spüren in einer kalten Winternacht unter dem klaren Sternenhimmel…), sie erfüllt zumindest mich, wenn ich mir die Zeit zum Betrachten und Nachdenken nehme, immer wieder mit Dankbarkeit und innerer Zufriedenheit. Sie gibt mir einen kleinen Einblick in die Größe und die Schöpfermacht Gottes.
Und was mich noch an Goldsworthys Arbeiten fasziniert: So, wie Goldsworthy mit seiner Kunst, so verfährt Gott mit mir. Er presst mich nicht durch eine Schablone, um aus mir eine menschliche Marionette zu machen; er nimmt mich so an, wie ich bin, mit meinen Stärken und Schwächen, und damit beginnt er, zu arbeiten und mein Leben zu verändern. Mit dem, was er bei mir vorfindet…
Die DVD ist erhältlich bei www.zweitausendeins.de
Sehr schöne DVD! Wir haben den Film vor vielen Jahren in Hamburg gesehen - in einem kleinem Programmkino im Uni-Viertel Sonntagsmorgens um 10 Uhr. Was eben auch ne Art Gottesdienst. Sehr schön auch die Bildbände, alles bei Zweitausendeins.
Hi Christof,
und herzlich willkommen! Kann mir gut vorstellen, dass der Film im Kino noch viel besser kommt. Was ich auch als sehr angenehm empfand, war die Ruhe, mit der die Kamera geführt wurde. Eine sehr schöne Abwechslung zu den schnellen Szenen- und Einstellungswechseln im “normalen” Film… War so richtig schön zum Durchatmen…