Mit dem Geist Gottes Grenzen überwinden
Mai 9, 2008 von curioustraveller
Ich sitze gerade an der Vorbereitung zur Sonntagspredigt am Pfingstsonntag. Für den Sonntag habe ich einen Text aus Apostelgeschichte 10 ausgewählt, die Geschichte, in der Gott Petrus klarmacht, dass die Botschaft von Jesus Christus für alle Menschen gedacht ist, nicht nur für Israeliten. Und weil das in der Lebens- und Denkwelt von Petrus so ein unerhörter Gedanke war, machte ihm Gott das auf ziemlich krasse Art und Weise klar. (Kleiner Tipp: Wer das nachlesen möchte, aber selbst keine Bibel hat, gehe bitte zu www.bibleserver.com und gebe in das Suchfenster “apg 10″ ein. Rechts neben dem Suchfenster kann man sich auch die passende Bibelübersetzung wählen).
Für mich ist die Geschichte eine Art zweites “Pfingstwunder”. Das erste hatte sich einige Zeit zuvor in Jerusalem ereignet, als Startpunkt für die christliche Gemeinde. Die bestand zunächst aber nur aus Menschen aus dem jüdischen Volk, und es ist zu vermuten, dass auch niemand die Notwendigkeit empfand, das sich das ändern sollte. Bis zu dem Tag eben, als Petrus klargemacht wurde, dass die Gute Nachricht von Jesus allen Menschen gilt.
Der Heilige Geist überwindet Grenzen. Das hat er ganz klar schon in der ersten Gemeinde gemacht: Grenzen sozialer oder ethnischer Herkunft, gesellschaftliche Normen, überholte Traditionen usw … er ist eben kein metaphysischer Vorschriftenverwalter, sondern ein Geist, der lebendig macht, der Verändert, der wachsen lässt.
Auch in meinem eigenen Leben. Ich bin weit davon entfernt, zu behaupten, dass ich ein Glaubensvorbild für nachfolgende Generationen wäre; ich habe, wie vermutlich die allermeisten Christen, meine eigenen Kämpfe, Glaubensherausforderungen und auch meine Niederlagen. Und warum sollte ich damit nicht offen umgehen? Wenn ich versuche, Theater zu spielen, ist damit niemandem geholfen.
Aber wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann kann ich erkennen, wie der Geist Gottes in dem ganzen Auf und Ab meines geistlichen Lebens gehandelt hat, wie er - manchmal überraschend spontan, manchmal langsam geduldig - mein Denken, meine Wertvorstellungen, das, was mein Leben trägt, verändert hat und immer noch verändert. In ganz vielen Bereichen.
Ein Beispiel: Ich bin in einem 1200-Seelen-Dorf in Südwestdeutschland aufgewachsen. Und ich habe gerne da gelebt, es ist eine wunderschöne Gegend mit zwar sturen, aber auch fröhlich gelassenen Menschen (Naja, überwiegend zumindest). Was ich als Kind z.B. von Menschen aus Afrika wusste, war: Die sind schwarz, arm, haben nicht viel zu essen, sind nicht sonderlich intelligent und arbeiten nicht viel. Das war kein politisch-programmatischer Rassismus, das war eher Ignoranz, die in ländlichen Gebieten nicht ganz so schnell verschwindet. Selbst als ich so langsam anfing, ein eigenes, unabhängiges Denken zu entwickeln, war dieses Vorurteil schwer aus dem Kopf zu bekommen. Erst als ich 2 Jahre im Ausland war, Menschen aus afrikanischen Ländern mal selbst kennenlernte, merkte, dass sie genau so ”fleißig” waren wie ich (wenn auch mit einer wesentlich gelasseneren Einstellung zum Leben), genauso intelligent und vor allem vorbildliche Christen, da änderte sich mein Bild langsam, aber sicher.
Nun ja, man mag das empirische kulturelle Einsicht nennen und überhaupt nicht dem geistlichen Bereich zuordnen. Aber ich persönlich habe gemerkt, dass der Heilige Geist mir half, eine teils erworbene, teils selbstangelegte innere Grenze meines Lebens zu überwinden. Denn ethnische Grenzen soll und kann es in der Gemeinde Christi eigentlich nicht geben.
Wir leben mit vielen Grenzen in unserem Leben. Mit Grenzen, die uns als Persönlichkeit zu eigen sind, mit Grenzen, die wir selbst festgelegt haben und mit Grenzen, die uns ”von außen” gesetzt werden, sei es durch familiäre Prägung, durch Traditionen, durch Weltanschauungen etc. Manche davon sind gut und sinnvoll und lassen sich eigentlich auch kaum ändern. Andere davon - die Mehrzahl nach meiner Beobachtung - können verändert werden. Und das ist möglich, wenn Gottes Geist in unserem Leben wirkt. Nicht immer einfach, manchmal langwierig und schmerzhaft, aber es ist möglich. Und deshalb will ich ein permanenter “Grenzverletzer” sein und bleiben.