Gelesen: Lobpreis wie Popcorn

Bevor man in eine Diskussion über dieses Buch einsteigt, ein paar wichtige Bemerkungen vorweg:

1) Wer englischen Humor nicht versteht bzw. nicht lustig findet, der sollte die Finger von dem Buch lassen.

2) Wer Interesse hat, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sollte sich von dem Titelbild nicht davon abhalten lassen. Sicher als Interesse weckende Provokation gedacht, geht es meines Empfindens nach schon über die Grenze der Verhohnepipelung (hoffe, das war ortographisch richtig…) hinaus. Schade. Denn der Inhalt ist ohne Frage lesenswert.

3) Dieses Buch ist nicht gegen Lopreis als Ausdruck der Anbetung oder im Bezug auf bestimmte Musikstile. Es fordert vielmehr auf, neu zu überlegen, wie man diesen Begriff praktisch füllt – auch und gerade in der Art und Weise, wie man in den Liedern die Worte wählt…

Nick Page geht der Frage nach, warum „so viele Anbetungslieder so wenig Sinn ergeben“ (Coveruntertitel). In dem Buch beschreibt er einen persönlichen Zwiespalt, der auch mich hin und wieder bewegt.

Eigentlich mag ich Lopreismusik (wer übrigens mit diesem Begriff „Lobpreis“ nichts anfangen kann: Damit ist im Zusammenhang mit der Diskussion in dem Buch stilmäßig kontemporäre geistliche Musik gemeint). Sie passt in unsere Zeit, sie baut – wenn man mal nur auf die Musik hört – kulturelle Barrieren zu Menschen ab, die sonst mit Kirche nichts am Hut haben, zumindest zu denen in meiner Umgebung (Erwachsene zwischen 30 und 45). So weit, so schön.

Aber so sehr ich die Musik schätze, so wenig nehme ich aus den Texten vieler Lieder mit. Das gilt, und das will ich betonen, bei weitem nicht für alle; es gibt viele Lieder, die mich auch textlich immer wieder aufbauen, ermutigen und trösten. Nur fehlt es mir oft an greifbarer Substanz. An – wie soll ich sagen – Schwarzbrot, irgendetwas zum (geistlichen) Kauen und Verdauen, das ich mit in den Alltag nehmen kann. Gott ist groß, er tut Wunder, wir stehen vor seinem Thron, sehen seine Herrlichkeit… Alles schön und gut, aber wo ist da der Bezug zu meinem Alltag? Ich bin ein Mensch, der auf der emotionalen Ebene anscheinend nicht so sehr ansprechbar ist, oder vielleicht gibt es da in meinem Leben auch noch die eine oder andere Blockade, ich nehme aber aus wohl gewählten und -durchdachten Texten viel mit, selbst dann, wenn sie anfragend oder herausfordernd oder ermahnend sind.

Gut; mir ist klar, dass textliche Brillianz innerhalb des doch eher vorgegebenen Versmaßes eines Lopreisliedes sich nicht unbedingt verwirklichen lässt. Aber bitte, liebe Texter: Etwas mehr als nur eine Zeile (oder einige wenige), die 20 mal wiederholt werden, dürfte es schon sein. Etwas mehr Bezug zum Alltag, etwas weniger „Insidersprache“ und vor allem auch mal die Thematisierung der Schattenseiten des Lebens, Tod, Trauer, Verlust, das wäre schon nicht schlecht. Vor allem, weil es vielen Hörern aus der Seele spricht. Da kann ich mit dem, was Nick Page schreibt, mit.

Was ich teilweise für unnötig halte, sind die ständigen polemischen Zwischentöne, die selbst mir als geneigtem Leser englischer Literatur (und auch Versteher englischen Humors … denke ich zumindest …) doch zuviel sind. Und die – unbeabsichtigt, ich bin mir sicher – mehr als einmal den Zielpersonen der Ermahnung Mangel an geistlicher Tiefe, Sprachliche Inkompetenz und einen eher engen Blick auf das Spektrum geistlichen Lebens nahelegen. Gutes Thema (und ich bin dankbar dafür, dass ich mit meinem Erleben nicht allein stehe), aber ein Buch, bei dem man an manchen Stellen trotz einiger Irritationen einfach absichtlich weiterlesen muß.

Noch mal: Ich mag Lobpreismusik. Und ich teile die Aussage meiner Frau, dass man auch alte Choräle von Paul Gerhardt (den ich sehr schätze) durchaus hirn- und geistlos singen kann. Worauf es, gerade beim Thema Anbetung, ankommt, ist eben nicht nur das schmale Stückchen der Musik, sondern auf den ganzen Lebenskuchen. Auf die Kongruenz von Denken, Reden und Handeln im Leben eines Christen. Auf die Beziehung zu Gott und deren Auswirkungen in meinem Leben. Und das wäre ein weit wichtigeres Diskussionsthema als die schmale Detailfrage der Musik…

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