„Jesus Freaks“ – eine Dokumentation des WDR vom 06.06.08

„Breit vom Heiligen Geist“. So betitelte SPIEGEL online den Artikel, mit dem es die TV-Dokumentation über die „Jesus Freaks“ beschrieb. Hin- und hergerissen zwischen der üblichen Kritik an alles, was mit Christen zu tun hat (zumindest mit denen, die ihren Glauben ernst nehmen) und an manchen Orten klammheimlicher Bewunderung für die Offenheit und den unbürgerlichen Lebensstil der Freaks, um dann doch wieder auf das altbewährte Etikett „Fundamentalismus“ zu kommen.

Die Doku selbst beschäftigt sich mit 3 jungen Frauen, die sich zu den Jesus Freaks halten, Helke, Claire und Mirelle. Sie alle haben eine nicht ganz so schnurgerade und einfache Lebensgeschichte hinter sich und haben in Krisensituationen ihres Lebens zu Jesus gefunden. Was ich an der Doku gut finde, ist, dass auf Kommentare jeder Art verzichtet wird; die Bilder und Erzählungen der 3 Mädels sprechen für sich. Gezeigt werden 3 junge Christinnen mit einer unkonventionellen und unbürgerlichen Art, ihren Glauben zu leben, mit ihren geistlichen und persönlichen Siegen und Niederlagen, in schonungsloser Ehrlichkeit. Eben nicht nach der Masche „Ein Christ lebt immer im Sieg…“, sondern auch mit dem Eingeständnis von Kämpfen, Herausforderungen, Ängsten und Niederlagen. Und mitten in all dem ist Jesus…

Ich selbst würde nicht zu den Freaks passen. Ich bin in einem bürgerlichen Kontext aufgewachsen, habe mich in demselben halbwegs eingerichtet und es würde ziemlich unglaubwürdig und fremd wirken, wenn ich einen auf Freak machen würde. Trotzdem fasziniert mich zumindest an den drei Mädels dieser Wunsch, Jesus radikal in jeden Bereich des Lebens mit hineinzunehmen und auch mit Schwächen und mit Scheitern offen umzugehen, sich einzugestehen, dass man von Jesus „voll krass“ abhängig ist. Auch ein wohltuender Kontrast zu der „Bloß-nichts-anmerken-lassen-Fassade“, die soviel evangelikal-pietistische Christen mit sich rumtragen.

Man mag die Freaks als Modeerscheinung abtun. Man mag die Volxbibel (Bibelübersetzung in Straßen-Jugend-Slang, Leseprobe bei www.volxbibel.de) verteufeln (wobei ich immer noch nicht weiß, wieso – Ich habe bis jetzt nichts Gotteslästerliches darin gefunden…), man mag sich von rechts über die Schwärmerei und Tagträumerei und von links über den angeblichen Fundamentalismus aufregen – aber man kommt nicht umhin, von einigen Szenen des Films tief berührt zu sein. Z.B. von der, als die ehemalige Satanistin Mirelle sich im Rahmen eines Gottesdienstes im See taufen lässt.  Ich wäre, wie gesagt, selbst wohl nicht zum Freak geeignet, aber ich freue mich riesig über jeden, der zu Jesus findet, egal, welche Haar- oder Hautfarbe er hat, welche Klamotten er trägt oder welche Musik er hört. Und ich danke Gott immer wieder neu, dass sein Herz viel weiter ist als meine oft engstirnige Vorstellung davon, wie Christen zu sein haben. (Im evangelikalen Spektrum neigt man eben oftmals dazu, Bürgerlichkeit und Frömmigkeit miteinander zu verwechseln…).

„Breit vom Heiligen Geist“ – was der SPIEGEL so als leicht spöttelnde Artikelüberschrift verwenden wollte, ist laut dem Apostel Paulus ja eigentlich der Idealzustand (so Paulus z.B. in Römer 15,13 u.a.). Ein bisschen mehr Geistesfülle und die daraus resultierenden Folgen würde mir nicht schaden. Und auch vielen anderen Christen, die ich kenne, nicht. Insofern können mir die Freak-Mädels aus dem Film echt zum Vorbild werden…

3 Antworten zu „„Jesus Freaks“ – eine Dokumentation des WDR vom 06.06.08“

  1. bonifratz sagt:

    Guter Post… ich mag die Freaks auch, obwohl sie äußerlich (Kleidung, Musik, Liturgie…) gar nicht zu mir passen. Aber ich freu mich genau wie Du drüber, dass es solche und solche Christen gibt und wir trotz unterschiedlicher Stile ein und denselben Herrn anbeten und dabei ne Menge voneinander lernen können. Wär ja auch langweilig sonst. ;)

  2. bonifratz sagt:

    …keine Ahnung, wie aus der Klammer ein Smiley geworden is… :roll:

  3. curioustraveller sagt:

    Hi Bonifratz,

    und herzlich willkommen. Vielfalt ist immer gut; macht die ganze Sache mit dem Glauben viel bunter. Da stimme ich Dir zu.

    Das mit den Smileys passiert manchmal. :-D

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