Ein Satz zum Nachdenken

Manchmal geht es mir so, dass ich Aussagen höre oder lese, die mir tage-, wenn nicht sogar wochenlang nachgehen. Dieses Mal ist das ein Satz aus Philipp Yanceys Buch “Beten”. Dort habe ich folgende Aussage gefunden:

“Gottes Gnade fließt immer von oben nach unten, sie fließt nach unten und sie füllt die tiefsten Löcher unseres Lebens.”

Ich glaube, dass jeder Mensch solche Löcher im Leben hat. Tiefpunkte, Knicke und schwarze Flecken in der Biografie, Eigenschaften, die einem selbst und anderen das Leben schwer machen und und und… Hier in dem Buch geht es um Menschen, denen es schwer fällt zu beten; Yancey versucht, deutlich zu machen, dass Gottes Geist selbst Worte für unser Gebet findet, wenn sie uns ausgehen.

Das ist eine Aussage, die (für mich zumindest) ungeheuert trostreich ist. In allen Siegen und noch mehr in meinen Niederlagen, im Stress, in den einsamen ziellosen Grübeleien, im Ringen mit der eigenen Berufung ist Gottes Gnade da. Auch dann, wenn ich manchmal lange brauche, um das zu bemerken. Und diese Gnade lässt mich immer wieder Gottes Nähe und Zuwendung erfahren, gerade dann, wenn ich nicht damit rechne. Das ist zur Zeit eine wichtige Erkenntnis für mich, auch wenn ich sie schon hunderte Male gehört und selbst gepredigt habe: Dass ich nicht erst mal etwas leisten muss, bevor Gott mich liebt und sich mir zuwendet. Ohne das lang und breit theologisch zu reflektieren, merke ich: Es ist einfach schön, einen Platz zu haben, an dem man schonungslos so sein kann, wie man wirklich ist, an dem Theater spielen keinen Sinn macht.

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