Probegefahren: Der Renault Espace
Gestern also hatten wir die zweite Probefahrt, ebenfalls auf der Hanauer Landstraße in Frankfurt. Dieses Mal war der Renault Espace dran. Lustig war zunächst mal, dass die Verkäuferin, die meinen Probefahrttermin am Telefon entgegengenommen hatte, den Termin irgendwie versemmelt hatte und deshalb kein “Grand Espace” (der ist noch mal 30 cm länger als das Standardmodell) zur Verfügung stand. War ihr ziemlich peinlich, ich musste nur schmunzeln und (in meiner beruflichen Eigenschaft) denken: “Was für eine Genugtuung, dass so was auch anderen passieren kann…”. War ja nicht weiter schlimm, fürs Probefahren tut’s ja auch ein normales Modell.
Der erste Eindruck war ohne Frage gut: Erstklassige Rundumsicht und gute Abdeckung der “toten Winkel” durch Spiegel. Viel Raum für Fahrer und Beifahrer, viele Ablageflächen, Bedienelemente gut und sinnvoll angeordnet (fand ich zumindest). Ein durchzugstarker Dieselmotor, den man im Innenraum kaum hören konnte. Besonders witzig: Für das Auto braucht man keinen Schlüssel mehr, sondern eine elektronische Karte, etwa so groß wie eine Kreditkarte. Wenn man die bei sich trägt, schließt das Auto automatisch ab, sobald man sich entfernt und auf, sobald man sich nähert. Es gibt auch kein Zündschloss mehr, sondern einen Kartenslot, in den die Karte eingesteckt wird. Gestartet wird ebenfalls nicht mit Zündschlüssel, sondern mit “Start-Knopf”. Und eine Handbremse gibt es auch nicht (zumindest nicht den Hebel dafür), die arbeitet automatisch.
Wer jetzt wissen will, wozu der ganze elektronische Krempel gut sein soll, dem kann ich nur sagen: “Keine Ahnung”. Bis jetzt kam ich mit Zündschlüsseln ganz gut zurecht. Das System Espace soll halt diebstahlsicherer sein…
Die Fahrt selbst war sehr angenehm, er hat (für einen Van) eine schöne Straßenlage, nicht wie in früheren Modellen französischer Autos, wo man in jeder Kurve bei noch so sachter Geschwindigkeit befürchtete, gleich nach der Seite abzuheben. Der Espace hat ein straffes Fahrwerk, das auch Unebenheiten auf der Straße angenehm schluckt. Etwas ungewöhnlich ist die digtale Geschwindigkeitsanzeige, aber auch daran gewöhnt man sich.
Allerdings gibt es 3 Aspekte, von denen wir gar nicht begeistert waren. Zum einen, dass der Espace nicht über Schiebetüren verfügt. Auf Anfrage wurde mir erklärt, dass Renault das nicht machen will, weil sonst das “PKW-Flair” (???) verloren ginge. Seltsame Begründung. (Wer kauft sich einen Van, wenn er “PKW-Flair” haben will ???)
Ich merkte, dass es nicht einfach ist – wie gestern geschehen – , ein schlafendes Kleinkind aus dem montierten Kindersitz herauszuheben, ohne dass es aufwacht, weil man einfach nicht den Platz zum Manövrieren hat. Entsprechendes gilt natürlich auch für die Montage des Sitzes selbst. Das war beim Peugeot 807 aufgrund der vorhandenen Schiebetüren ein ganz entscheidender Pluspunkt.
Nächster Aspekt: Der Espace ist ein 7-Sitzer. Problem ist: sind alle 7 Sitze montiert, ist hinten wirklich gar kein Platz mehr, um noch so was wie Gepäck unterzubringen (das betrifft die Normal-Version, der Grand Espace ist, wie gesagt, 30 cm länger). Und wer in auf einem Sitz der hinteren Reihe Platz nehmen will, der sollte weder größer als 1,75 m sein (sonst wirds mit der Kopffreiheit eng…) noch übergewichtig oder ungelenkig – es ist von der Seitentür aus nicht sehr bequem, nach hinten einzusteigen, da sich der Sitz, an dem man vorbei muss, zwar nach vorne schieben, aber nicht hochklappen lässt. Schade. Intelligente Raumnutzung und der zur Verfügung stehende Raum an sich sind nun mal für eine Familienkutsche Kaufkriterien. Der dritte Aspekt wäre dann noch der stolze Preis, auch bei den gebrauchten Modellen.
Alles in allem nicht enttäuschend, aber etwas ernüchternd. Sieht so aus, als wäre doch im Augenblick der Peugeot 807 unser vorläufiger Favorit…
Tags: Automobil, Probefahrt, Renault Espace
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