Leidenschaftlich glauben?!
Long time, no post. Ich war in den letzten paar Tagen ziemlich busy und zu allem Überfluss hat mein Internet im Büro die Grätsche gemacht. Konnte mit freundlicher Hilfe des ARCOR-Kundendienstes wieder zum Laufen gebracht werden. (Übrigens bin ich in meinem ganzen Bekanntenkreis der einzige, der mit besagtem Kundendienst positive Erfahrungen gemacht hat … seltsam …). Ich versuche gerade, mich durch meine „To-Do-Liste“ durchzuarbeiten, bevor es für 2 Wochen in Urlaub geht. Unser Alltag wird zusehends spannender, da auch der Entbindungstermin für unser drittes Kind näher rückt, und wir nicht sicher sind, ob nach den Komplikationen in der Schwangerschaft die Geburt etwas früher eintreten könnte. Dem ungeborenen Kind und der Mutter geht es gut, wofür wir sehr dankbar sind.
Ein Gedanke, der mich seit meinem Inselaufenthalt begleitet und seither immer mal wieder auftaucht, ist die Frage, wie ich es hinbekomme, dass mein Glaube leidenschaftlicher wird. Interessant ist es, den Begriff „Leidenschaft“ mal lexikalisch nachzuschlagen. Dazu die Definition bei Wikipedia:
„Leidenschaft (gesteigert, aber als Begriff abkommend: Inbrunst) ist eine das Gemüt völlig ergreifende Emotion. Sie umfasst Formen der Liebe und des Hasses, wird aber auch für religiösen, moralischen und/oder politischen Enthusiasmus benutzt und beschreibt die intensive Verfolgung von Zielen beispielsweiser Kunstliebhaber, Sammler und/oder von Tierfreunden, wobei im ursprünglichen Sinn immer der Beilaut von etwas Zerstörerischem mitschwingt. Im heutigen Alltagssprachgebrauch wird das Leiden Schaffende oft verdrängt, mittlerweile hat Leidenschaft eher eine positive Konnotation.“
Es liegt die Frage nah: „Was ist für mich eine das Gemüt völlig ergreifende Emotion?“ Anstelle einer sinnvollen Antwort zunächst mal Ratlosigkeit. Dann fallen mir ein paar Dinge ein: Euphorie beim Anschauen eines guten Fußballspiels (so was wie Deutschland-Portugal bei der EM). Glücksgefühle beim Nach-Hause-Kommen vom Büro, wenn eines meiner Kinder mir strahlend entgegenläuft. Geborgenheit beim Zusammensein mit meiner Frau. Tiefe Entspannung, wenn ich an einem freien Tag in meinem Lieblingscafé in Bad Vilbel sitze, einen Milchkaffee genieße und die Welt schön finde. Und Wut über manche Ereignisse oder Personen kann auch schon mal dabei sein. Das ganze Spektrum von emotionalen Reaktionen können meine Kinder in mir hervorrufen (manchmal 2 völlig unterschiedliche emotionale Ausdrücke innerhalb kürzester Zeit…).
Unter „Leidenschaft“ lassen sich also Erlebnisse, Emotionen zusammenfassen, die uns als ganzen Menschen betreffen, berühren, mitnehmen. Die uns dazu bringen, den „normalen“ Alltags- und manchmal auch Lebensweg zu verlassen. So weit, so gut.
Aber: Wo kommt das in meinem Glaubensleben vor? Nochmal Ratlosigkeit. Ich könnte ja antworten, dass schon irgendwie Leidenschaft da sein muss, schon allein von Berufs wegen. Aber das Argument verhungert inhaltlich schon, bevor es noch ausgesprochen ist. Und ich merke, dass ich viel zu häufig funktional glaube, überwiegend auf der Ebene des Intellekts, schön berechenbar und vorhersagbar – und dementsprechend langweilig. Mehr so ein Abarbeiten des Glaubensalltags als weniger etwas, was ich einen lebendigen, bewegenden Glauben nennen würde.
Das ist nicht immer so. Hilfreich sind für mich die Zeiten, in denen ich es schaffe, mich in die Stille zurückzuziehen. Wo ich mir Zeit nehmen kann zur Meditation (vom lat. meditatio: „nachdenken“ oder wörtl: „zur Mitte ausrichten“) und zur Kontemplation (vom lat. contemplare: „anschauen“, „betrachten“). Wo ich einen Gedanken aus der Bibel aufgreifen kann, ihn hin- und herwälzen, von verschiedenen Seiten betrachten und bedenken. Und dann zu erleben, wie Lärm und Hektik des Alltags immer leiser werden und ich innerlich Ruhe und Nähe zu Gott gewinne. Und diese Nähe ist es, die mich gewiss und sicher macht, die den Glauben in meinem Leben weg von der funktionalen hin auf die persönliche Ebene holt. Und da kann Leidenschaft entstehen – da, wo man die Nähe Gottes sucht und findet.
Das ist vielleicht noch nicht das, was man im besten Sinne „leidenschaftlich glauben“ nennen könnte (ich weiß, dass ich da noch einiges zu lernen habe). Aber immerhin ein guter Anfang. Finde ich.
Tags: Glaube, Kontemplation, Stille
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Juni 28, 2008 at 7:25
Jo, finde ich auch. Leidenschaft kann man halt nicht machen (mist!), sie muss sich an einem Gegenüber entzünden. Und das Gegenüber ist halt Jesus. Seine Gegenwart. Machts nicht unbedingt einfacher, aber schränkt die Anzahl der Fehlversuche ein…;-)
Juni 28, 2008 at 1:14
Mich tröstet immer wieder die Zusage Jesu:
Selig sind die …
http://home.vrweb.de/~kreuz.pfr.bauer/Lutherdeutsch/mt_5_3_10.htm
und zum Glück muss ich da gar nicht leidenschaftlich sein!
Nein, Leidenschaft kann man nicht machen … und das ist auch gut so.
Wie viel „Leiden“ wurde und wird durch Leidenschaft „geschaffen“, gerade auch im vermeintlich guten Glauben an und Einstehen für Jesus!
Eine gute Freundin hat mir mal gesagt, als ich auch dachte, ich sei nicht leidenschaftllich genug, das sei eine typische Versuchung des Widersachers… nun will ich mich nicht darauf als Ausrede ausruhen, aber ich will mich auch nicht mehr von der „falschen Stimme“ verunsichern lassen.
Euch einen schönen Urlaub und alle guten Wünsche für die Geburt!
Juli 1, 2008 at 9:23
Richtig, Leidenschaft kann man nicht machen. Nach dem Motto: „Leidenschaftlicher Leben in 5 Schritten“. Das ist das Manko im Leben vieler Christen – unter anderem meinem – dass zu häufig das „machen“ im Vordergrund steht, man könnte sagen, die Martha-Theologie. Da ich, wie du, Christof, richtig bemerkst, über Beziehung zur Leidenschaft komme, wäre allerdings die „Maria-Theologie“ wichtiger: Sich einfach mal Zeit zu nehmen, um persönlich Beziehungspflege mit Jesus zu betreiben. Deshalb ist Stille so wichtig, ein Raum, in dem man sich von allen Anforderungen des Alltags mal frei machen kann, um einfach zuzuhören und mal rauszulassen, was einen beschwert.
@ rika: „Leidenschaft“ heißt für mich nicht: Mehr machen, sondern tiefer glauben. Mehr Jesus im Alltag erleben, und das erfährt man am ehesten, glaube ich, wenn man Jesus die leeren Hände hinhält … siehe erste Seligpreisung…
Danke für die Wünsche! Werde mich melden, wenn’s so weit ist!
Juli 4, 2008 at 1:28
Ich denke mal du wirst da bald eine völlig ergreifende Emotion haben, wenn dein drittes Kind das Licht der Welt erblickt. ich glaube es gibt kein Event im Leben, das einen stärker die Leidenschaft des Glaubens spüren lässt als die Geburt eines Kindes. Meine Freundin I. sagte mal, das Schwangere von einer besonderen Aura umgeben sind, sie haben etwas Heiliges an sich, weil in ihnen ein neues Leben entsteht. Ich fand diese Idee sehr berührend und sehr schön und freue mich immer wenn ich Schwangere sehe, auch deswegen weil es mich an meine eigenen Schwangerschaften erinnert, natürlich. Ich drücke euch daher ganz fest die Daumen, dass euer Kleines es bis zum errechneten Geburtstermin schafft und wünsche deiner Frau eine entspannte Geburt und dem Baby einen guten Start ins Leben.
Juli 25, 2008 at 12:54
Danke curioustraveller,
Deine Gedanken zu Kontemplation haben mir weiter geholfen.
Wenn es schon schwer ist eine Antwort auf die Frage zu finden, was es bedeutet Jesus in der still ezu begegnen, oder „wie man leidenschaftlicher wird“, dann ist es für mich doch zumindest beruhigend zu lesen, dass es auch andere gibt die sich genau die gleichen Fragen stellen.