Die „Hundigkeit“ besiegen …

Mal so gedanklich „aus der Hüfte geschossen“…

The gift of accurate observation is commonly called cynicism – by those who don’t have it…“ Ein Zitat des schlitzohrigen irischen Shriftstellers George Bernard Shaw, aufgespießt in einem Zitatenbuch (immer hilfreich für die Vorbereitung eines Predigteinstiegs und bisweilen auch für die Predigt selbst…). Nun ja, muss ich da denken, er muss es ja wissen, Ironie, die hart an die Grenze des Zynismus ging (und bisweilen darüber hinaus) gehörte mit zum Grundton seiner Schriften.

Nun finde ich den Zynismus auch in meinem eigenen Leben. „Zynismus“ (wörtl. eigentlich so viel wie „Hundigkeit“ oder „Die Bissigkeit eines Hundes“ von Kyon (gr.): “Der Hund“) bedeutet lt. Lexikon so viel wie

„eine Haltung, die in (manchmal absichtlich) verletzender Weise die Wertvorstellungen anderer herabsetzt oder missachtet, und zum anderen auch eine Haltung, die moralische Werte grundsätzlich in Frage stellt (und sich darüber hinaus manchmal auch über sie lustig macht). Zynismus kann Folge und Anzeichen von Resignation sein. (Ein Zyniker ist jemand, der Ideale hat, aber ganz genau weiß, dass sie nicht realisierbar sind.)“

Puh, der letzte Satz hat ganz schön ins Schwarze getroffen. Bei mir selbst (und bei den meisten anderen, die ihn gelegentlich anwenden) hat Zynismus eine Schutzfunktion: Indem ich nach außen vermittle, über den Dingen zu stehen und von oben herab kommentieren zu können, mache ich mich unangreifbar und bin in der Lage, verletzende verbale Pfeile zu verschießen; nicht als direkte Kritik, das wäre zu billig, sondern als grundsätzliches Infragestellen der Motivationen, Fähigkeiten und des Intellekts der anderen. Das befriedigt innerlich – für etwa 2 Minuten, danach macht es ganz schön einsam.

Zynismus ist für mich in keiner Weise eine positive Eigenschaft. (Ich könnte mir vorstellen, dass Shaw in seinem Statement eher „Sarkasmus“ gemeint hat, kommt häufig vor, dass man beides verwechselt). Denn Zynismus ist eine Flucht. Das Eingeständnis, dass ich mit den Herausforderungen der augenblicklicklichen Situation nicht zurechtkomme, seien es Aufgaben, die kaum zu bewältigen scheinen, seien es Fehler meinerseits, von denen ich genau weiß, dass es meine Fehler waren oder auch Situationen, die nicht so laufen, wie ich mir es vorgestellt hatte.

Da ist es natürlich einfacher, sich in die Position dessen zu flüchten, der über allem erhaben auf alles hinabblickt, als die Herausforderungen offensiv anzugehen. Das kostet Kraft, Zeit, Mut, Selbstüberwindung, manchmal sogar das Eingeständis, selbst nicht so gut zu sein, wie man eigentlich dachte – aber nur das bringt wirklich weiter. Zynismus blendet das eigentliche Problem aus, und wenn der Anfall vorbei ist, dann stehe ich da, wo ich vorher auch schon war und bin kein Stück weiter.

Den Mut, Schwierigkeiten anzugehen, aufzubringen, ist natürlich nicht immer einfach, gerade dann, wenn man völlig k.o., genervt oder innerlich angespannt ist. Da bin ich mit meinen Kräften und guten Vorsätzen immer wieder schnell am Ende. Aber ich möchte bereit bleiben, zu lernen (und ich glaube, ich habe auch durchaus schon Fortschritte gemacht). Und es ist gerade hier die Beziehung zu Gott, die mir helfen möchte, unbegründete Ansprüche an mich von mir zu weisen und begründete mit seiner Hilfe anzugehen und zu bewältigen – und liebevoll zu werden anstatt zynisch. Wäre ein guter Tausch.

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