Fenster zur Bibel – Werke von Marc Chagall

plakat-chagallwoche1Vielleicht eine kurze Erklärung, warum ich im Augenblick nicht so viel blogge, wie ich es gerne tun würde: Wir stecken mitten in den letzten Vorbereitungen zur ökumenischen Chagall-Ausstellung, die vom nächsten Sonntag an in Bad Vilbel stattfinden wird. Beteiligt sind dabei die Evangelische Kirche des Stadtteils Dortelweil, das katholische Seelsorgegebiet St. Marien und wir als Freie evangelische Gemeinde.

Durchgeführt wird die Woche von Heiner Eberhardt, Mitarbeiter der “Klostermühle” in Obernhof an der Lahn, die gehört zur Missionsgemeinschaft der Fackelträger.

70 Exponate des jüdischen Malers werden ausgestellt und könnten betrachtet werden, dazu wird es eine größere Anzahl von Führungen geben, Vorträge zu bestimmten Themen, die in Chagalls Bildern immer wieder auftauchen (z.B. “Schöpfung”, “Exodus”, “Engel” usw…). 2 Konzerte sind eingeplant (jüdische Lieder und Klezmer-Musik), ein Phantomimeabend, 2 Workshops mit dem Titel “von der Bibel zum Bild” usw…

Ihr seht: Es wird ordentlich was los sein.

 

Marc Chagall wurde 1887 bei Witebsk (heute in Weißrussland) geboren. Nach einer turbulenten Schulzeit (das Leben war damals auch in Russland für Juden nicht leicht…) in St. Petersburg und dem Kennenlernen seiner späteren Frau, Bella Rosenfeld, zog er 1910 mit einem Stipendium in der Tasche nach Paris und eröffnete dort in der Nähe der Gare Montparnasse sein erstes eigenes Atelier. 1912 zog er in ein größeres Atelier um, was ihm die Anfertigung größerer Bildformate erlaubte.

1914 besuchte er, nach einer Ausstellung in Berlin, seine Heimat Russland. Während dieses Besuches brach der erste Weltkrieg aus; die Grenzen wurden geschlossen und er musste in Witebsk, seiner Geburtsstadt bleiben. Dort heiratete er 1915 seine Frau Bella. 1916 wurde ihr erstes Kind geboren.

Chagall unterstützte die Revolution in Russland und eröffnete 1919 als “Kommissar für schöne Künste” eine Kunstschule in Witebsk. Nach grundlegenden Differenzen mit einigen Mitstreitern und einem kurzfristigen Umzug nach Moskau (wo die Familie in Armut leben musste) zog Chagall 1922 zunächst nach Berlin, ein Jahr später wieder nach Paris.

1931 reiste Chagall nach Palästina, um sich inspirativ mit den Landschaften des biblischen Landes vertraut zu machen. von 1931 bis 1939 und von 1952 bis 1956 arbeitete er intensiv an Bildern mit Motiven aus der Bibel.

In Deutschland wurden Chagalls Werke in den späten dreißigern als “entartete Kunst” klassifiziert und eingezogen. Chagall selbst musste nach der Besetzung Frankreichs um sein Leben und das seiner Familie fürchten. 1941 entging er nur knapp einer Auslieferung an die Deutschen. Im selben Jahr wanderte er mit seiner Familie in die USA aus, von wo aus er 1948 wieder nach Paris zurückkehrte.

Nach einem bewegten und schöpferischen leben starb Marc Chagall 1985 in Saint-Paul-de-Vence.

Ein zentrales Anliegen von Chagall war die jüdisch-christliche Verständigung, was ihn dazu bewegte, für nicht weniger als 7 Kirchen (darunter die Kirche St. Stephan in Mainz) Kirchenfenster anzufertigen. Die Kirchenfenster in Mainz waren ein besonderes Projekt, denn Mainz war im Mittelalter Ausgangspunkt mehrerer heftiger Judenpogrome. Die Fenster von St. Stephan sollten dagegen ein Zeichen dauerhafter jüdisch-christlicher Verbundenheit setzen.

Bekannt sind von Marc Chagall allen, die schon Israel bereist haben, vor allem die 12 Fenster der Synagoge des Hadassah-Krankenhauses in Jerusalem, von denen jedes jeweils einen Stamm Israels darstellt.

So viel zu Marc Chagall (in Kurzform). Ich bin auf jeden Fall gespannt – auf die Ausstellung und die Resonanz darauf.


4 Antworten zu „Fenster zur Bibel – Werke von Marc Chagall“

  • Quincy

    WOW – ein starkes Projekt. Schön finde ich besonders, dass hier 3 christl. Gemeinschaften zusammen arbeiten und etwas bewegen. Ich wünsche Euch viel Erfolg bei dem Projekt und hoffe Du berichtest noch etwas darüber. Klingt super spannend!

    Segen!

  • curioustraveller

    Hi Quincy, ja, es war ganz schön spannend, allein schon die Vorbereitung. Und eine Menge zu stemmen.
    Die ökumenische Zusammenarbeit klappt hier vor Ort eigentlich gut, mit einigen Kompromissen natürlich. So habe ich der kath. Kirche die Zusage abgerungen, Gebete nur an Gott selbst oder an Jesus zu richten, keine Marienlieder zu singen und auch nicht für Verstorbene zu beten. Im Gegenzug verzichten wir auf die Verwendung der Lutherbibel und nehmen dafür die Einheitsübersetzung oder die Gute Nachricht. Ich bin sonst kein Vollblutökumeniker, aber, wie gesagt, hier funktioniert es eigentlich und das Verhältnis der Gemeinden zueinander ist gut.

  • Quincy

    Ich finde das wirklich toll. Anstatt immer nur über einander herzufallen und sich zu bekämpfen wird hier mal ein Projekt angegangen! Respekt!

  • Los Wochos II: Kunst « curious traveller

    [...] Künstler, der mich immer wieder fasziniert hat (und das nicht nur seit 2009 und nicht nur, weil er viele biblische Motive malte) ist Marc Chagall. Eines seiner Bilder – [...]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.