Fahr nicht zur Hölle!

Gibt es eine Hölle? Keine populäre Frage. Kein einfaches Thema. Und vor allem eines, das polarisiert: Auf der einen Seite die Ablehunung der Hölle als theologisch mittelalterliches Konstrukt oder deren Relativierung durch Uminterpretation (Wegbgegleiter hat dazu vor längerer Zeit mal diesen interessanten Artikel verfasst), auf der anderen Seite, wenn auch wesentlich seltener, die Hölle als Druckmittel, als Angstauslöser, um Menschen mit der verbalen Peitsche ins Reich Gottes zu jagen.

Sicher ist: beim Lesen der Evangelien kommt man um das Thema nicht herum. Jesus spricht häufiger von der Hölle als vom kommenden Reich Gottes und im Zusammenhang damit von der Notwendigkeit, sich vom Weg, der in eben diese Hölle führt, abzuwenden. Die Frage ist nur: Wie verstehe ich diese Worte von Jesus? Wie haben seine Zuhörer sie verstanden?

Eines der Bilder, das Jesus unter anderem verwendete, war das Bild der „Gehenna“, des Hinom-Tals südlich von Jerusalem. Das war sozusagen die Müllkippe der Stadt. Oder sagen wir Müllverbrennungsanlage: Was da lag, wurde verbrannt, um keinen Seuchenherd entstehen zu lassen. Ob unbrauchbares Holz, Faule und schlechte Lebensmittel, Tierkadaver, was auch immer, alles landete da und wurde verbrannt. Kein angenehmes Bild. Ein Bild für absolute Gottverlassenheit, für finale Hoffnungslosigkeit und  und für einen Zuhörer der damaligen Zeit sehr eindrücklich.

Ob man sich den Feuersee aus dem Buch der Offenbarung des Johannes (ein anderes Bild) wörtlich so vorstellen muss, weiß ich nicht (das war die Vorlage von vielen Höllenbildern aus dem Mittelalter…). Das kann sein, es kann aber auch als Metapher für etwas anderes stehen. Auf jeden Fall sprengt die Darstellung der Hölle im NT noch die Vorstellungskraft der wüstesten menschlichen Albträume: Ein Ort, an dem Gott tatsächlich in jeder Form abwesend ist. Und an dem die Menschen bemerken, wie sehr Gott in ihrem irdischen Leben präsent war, selbst dann, wenn sie nichts mit ihm zu tun haben wollten…

Ein Buch, das ich mir vor kurzem mal wieder gegriffen habe, welches sich um dieses Thema dreht, ist das Buch „Die große Scheidung“ von C.S. Lewis. Ohne auf detailliert auf seine Vorstellungen von der Hölle einzugehen, fand ich einige Sätze daraus sehr bemerkenswert, vor allem aus einer fiktiven Unterhaltung des Autors mit dem schottischen Schrifsteller und Pfarrer George MacDonald:

„… jeder, der [auf den Weg in den Himmel, Anm. von curioustraveller] möchte, kommt hinein. Seid darum unbesorgt. Am Ende gibt es nur zwei Arten von Menschen: Die, die zu Gott sagen: ‘Dein Wille geschehe’ und diejenigen, zu denen Gott am Ende sagt: ‘dein Wille geschehe!’ Alle, die in der Hölle sind, erwählen sie. Ohne diese Wahl ihrer selbst könnten sie nicht in der Hölle sein. Keine Seele, die ernstlich und inständig nach Freude verlangt, wird sie verfehlen. Die, welche suchen, finden. Denen, die anklopfen, wird aufgetan…“

Gilbert K. Chesterton setzt dem noch eins drauf und sagt: „Die Hölle ist das große Kompliment Gottes an die menschliche Freiheit und die Würde menschlicher Persönlichkeit“. Gott wirft niemanden in die Hölle – jeder Mensch geht den Weg, den er selbst wählt. Wer in diesem Leben nicht mit Gott leben will, dem zwingt er sich nicht auf – jetzt nicht und in Zukunft nicht.

Gibt es die Hölle? Wenn ich den Worten von Jesus glaube, und das tue ich von ganzem Herzen, dann ja. Und ich glaube, dass es zur Guten Nachricht von Jesus dazugehört, den Menschen zu sagen, wovor er sie retten und bewahren will, ohne das in den Vordergrund zu stellen. Jesus ist nicht unser Wellness-Berater, sondern unser Erlöser. Der nicht will, dass irgendjemand in der Hölle landet, der aber auch nicht mit der Brechstange in unser Leben kommt.

Dem biblischen Zeugnis nach gibt es also die Hölle – aber es gibt auch die Möglichkeit, auf dem Weg dahin den Notausgang zu wählen, den Jesus für uns geöffnet hat…

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