Geistlich navigieren, Teil 3: Kurskorrektur

kompassTja, über die Art und Weise der Kursbestimmung habe ich eigentlich im letzten Post zu dem Thema so viel geschrieben, dass es da nicht mehr viel zu sagen gibt. Nur auf einen Aspekt möchte ich noch hinweisen. Wenn wir zur See gefahren sind, dann unterschieden wir gewöhnlich zwischen „KdW“ und „FdW“ einerseits und „KüG“ und „FüG“ andererseits. Das sind die Abkürzugen für „Kurs/Fahrt durchs Wasser“ und „Kurs/Fahrt über Grund“. Das ist heute, im Zeitalter von GPS, nur noch bedingt relevant. In früheren Zeiten konnte das spürbare Auswirkungen haben.

Wenn ein Schiff aufgrund von tagelanger Bewölkung oder Sturm nicht in der Lage war, astronomische Navigation durchzuführen, dann blieb ihm nichts anderes übrig, als Geschwindigkeit und Ruderlage zu dokumentieren und auf der Karte zu vermerken, wo das Schiff denn dann rein theoretisch stehen müsste. Diese imaginäre Position stimmte aber so gut wie nie, da sie dem Versatz durch Strömung und Wind nicht Rechnung trug. Das waren also „Kurs und Fahrt durchs Wasser“.

War nach einigen Tagen wieder richtige Positionsbestimmung möglich, dann ermittelte man den tatsächlichen Eigenstandort und von dort aus den Kurs, den man nehmen musste, um wieder auf den richtigen Generalkurs zu gelangen.

sextantDas, ins Geistliche übertragen, liefert Vorlagen für eine ganze Menge Gedanken. Zum einen, dass zu dem Generalkurs (aufs Reich Gottes hin) eine ganze Menge „Kurse durchs Wasser“ gehören können: Jeder von uns ist anderen Einflüssen ausgesetzt, ist mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und vermutlich auch auf ganz unterschiedlichen Lebensschiffen unterwegs. Da ist es eine Illusion, zu glauben, alle könnten exakt denselben Kurs halten. Wichtig ist, dass man den Generalkurs, den Kurs, der zum Reich Gottes als Ziel führt, nicht aus den Augen verliert.

Ein anderer wichtiger Gedanke ist der der Kurskorrektur: Wenn ich merke, dass ich in schwerem Wetter abgedriftet bin, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als einen Kurs festzulegen, der mich wieder auf den richtigen Kurs zurückbringt. Sonst stehe ich irgendwann mitten auf dem offenen Meer und habe keine Ahnung mehr, wie ich denn noch zum Ziel kommen soll.

Das ist im geistlichen Leben keine einfache Übung: Zu erkennen, wenn ich auf dem Holzweg bin und mich zurückzubegeben. Da gehört Demut dazu – wie das Wort schon nahelegt, es enthält den Begriff „Mut“: Der Mut, sich korrigieren zu lassen und nicht verbissen auf dem Holzweg zu bleiben. Sich im besten Sinne „zurechtweisen“ zu lassen. Nur wer sich seiner eigenen Unvollkommenheit bewusst ist, seinem Bedürfnis nach Korrektur, und der Tatsache, dass es Zeiten im Leben gibt, in denen man das Steuer nicht mehr in der Hand hat, dem wird es gelingen, in und nach den Stürmen des Lebens immer wieder den „Generalkurs“, den richtigen Weg zu finden

„Herr, zeige mir den richtigen Weg, damit ich in Treue zu dir mein Leben führe! Lass es meine einzige Sorge sein, dich zu ehren und dir zu gehorchen!“ (Psalm 86,11)

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One Comment on “Geistlich navigieren, Teil 3: Kurskorrektur”

  1. Bento Says:

    Das ist eine sehr schöne Reihe, Rolf, danke!
    Man merkt, du weist wovon du hier schreibst…
    :-)
    Ahoi und Segen


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