Zum 45. Todestag von C.S. Lewis

November 22, 2008

cslewisIn meinem Büro hängt direkt neben dem Schreibtisch der Spruch aus Hebräer 13,7:

Erinnert euch an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben. Seht auf ihr Leben und haltet euch an ihr Beispiel…“.

Darunter befinden sich einige Bilder von Menschen, die mich im Glauben geprägt und beeinflusst haben. Einen Platz ganz oben hat dabei der englische Literaturprofessor C.S. Lewis, Autor vieler Bücher apologetischer Natur sowie Büchern, die dem Genre „Fantasy“ zuzuordnen sind.

Lewis wurde am 29. November 1898 in Belfast geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Er zeigte schon früh ein hohes Maß an Intelligenz und die Neigung zur Literatur.

Schwere Kindheitserlebnisse, die ihn lange verfolgten, waren die Krebserkrankung und der darauffolgende Tod seiner Mutter sowie der Tod seines Onkels und seines Großvaters. Innerhalb weniger Monate hatte er drei Menschen verloren, die ihm sehr nahestanden. Mit seinem strengen Vater kam er weniger gut zurecht, dafür aber umso besser mit seinem Bruder Warren.

Im ersten Weltkrieg kämpfte er an der Front in Frankreich, wurde verwundet und 1918 aus der Armee entlassen. Ein Jahr später nahm er seine vom Krieg unterbrochenen Studien in Oxford wieder auf und studierte Literatur, Philosophie und antike Geschichte. Ab 1923 war er Lehrer für Philosophie und englische Sprache am ehrwürdigen Magdalen College in Oxford.

Beeinflusst durch seine Lebenserfahrung bis zu diesem Zeitpunkt, war Lewis überzeugter Atheist. Das änderte sich, als er sich in Oxford mit seinen Kollegen J.R.R. Tolkien und Hugo Dyson anfreundete. Vor allem Tolkien brachte ihn dazu, sich im September 1931 für den Glauben an Christus zu entscheiden, Lewis selbst sagt von sich, er wäre „… in jener Nacht der wohl widerwilligste und zögerlichste Bekehrte in ganz England..“ gewesen. Lewis gehörte den Inklings (dt: Tintenkleckser) an, einem Literarischen Zirkel, der sich regelmäßig in einem Pub in Oxford traf, um sich eigen verfasste Werke gegenseitig vorzulesen. Im Kreis dieses Literaturzirkels entstanden u.a. Werke wie Tolkiens „Herr der Ringe“ oder die „Chroniken von Narnia“ von C.S. Lewis. In späteren Jahren übte er verschiedene Lehrtätigkeiten aus, erhielt Ehrendoktowürden in Theologie und Literatur und hatte zuletzt einen Lehrstuhl für Literatur des Mittelalters und der Renaissance in Cambridge inne.

Erwähnenswert wäre auch noch seine Heirat mit der Amerikanerin Helen Joy Davidman, zunächst nur mit der Absicht, ihr eine Aufenthaltsgenehmigung in England zu gewähren, wuchs allmählich Liebe daraus (die Geschichte wurde in dem Film „Shadowlands“ verarbeitet). Ihr Krebstod im Jahr 1960 trieb ihn zu einem seiner besten Werke, dem Buch „Über die Trauer“. Lewis selbst starb am 22. November 1963 in seinem Haus in Oxford.

Das erste Buch, das ich von C.S. Lewis las, waren die „Dienstanweisungen für einen Unterteufel“ (englischer Originaltitel: The Screwtape Letters). Es folgte sein aus meiner Sicht wichtigstes Werk mit dem (leider etwas unglücklich übersetzten) deutschen Titel: „Pardon, ich bin Christ“ (engl. Originaltitel: „Mere Christianity“, das heißt etwa so viel wie „Christentum schlechthin“). Nach und nach kamen Bücher wie „Die große Scheidung“ (ein hervorragendes Buch zum Thema „Hölle“), Gott auf der Anklagebank, Was man Liebe nennt und noch ein paar andere. Und natürlich irgendwann auch die Chroniken von Narnia (habe ich in Englisch – alle sieben Bände innerhalb von 4 Tagen durchgelesen…).

Was mich an C.S. Lewis immer wieder begeistert, ist sein Scharfsinn, seine bestechende Logik, und vor allem sein Intellekt, ebenso wie seine Fantasie. Vier Eigenschaften, die ich bei Christen durchaus häufiger mal vermisse. Und das Lewis nie einen bestimmten konfessionellen Standpunkt vertreten hat, sondern sich immer auf das konzentrierte, was den Glauben an Christus in seinem Kern ausmacht, auch das hat mich immer wieder beeindruckt.

Als ich anfing, die Bücher von C.S. Lewis zu lesen, da war das für mich, wie wenn jemand in einem stickigen Raum ein Fenster öffnet. (Er wird ja nicht umsonst der „Apostel der Skeptiker“ genannt…). Und ich habe durch sie angefangen, Gott jenseits meiner eigenen, damals etwas engstirnigen, konfessionellen Prägung zu suchen. Und ich kann gar nicht beschreiben, wie gut mir das getan hat. Sein Ehrenplatz unter meinen „Lehrern“ ist mehr als verdient…


Im Bücherregal aufgegabelt…

November 7, 2008

Es lohnt sich immer mal wieder, sein Bücherregal durchzuforsten. Vor kurzem fiel mir dabei das Buch „Ansichten aus Wolkenkuckucksheim“ (engl. Originaltitel: „View from a bouncy castle“) von Adrian Plass in die Hände, einem von mir sehr geschätzten Autor. In dem Buch gibt es ein Kaptiel über das Thema „Kritik“, in dem sich wiederum ein schönes Gedicht von George Target befindet, das ich hier einfach mal so zitiere. Schließt sich weitestgehend an das „Wächter-auf-den-Zinnen-Posting“ an.

Sie rauchen nicht
     aber sie atmen auch nicht
     in tiefen Zügen die frische Luft ein,
sie trinken keinen Wein,
     aber sie finden auch keinen Geschmack
     an Limonade;
sie fluchen nicht,
     aber sie rühmen auch nicht in gewaltigen Worten,
     weder Gedicht noch Gebet;
sie treiben kein Glücksspiel,
     aber sie setzen auch nicht
     ihr ganzes Vermögen auf Gott.
Sie mustern Mädchen und Frauen nicht
mit lüsternen Augen,
     aber sie sind auch niemals außer Atem vor Liebe und Lachen,
     sie spielen niemals ausgelassen unter der Sonne des Hochsommers.
Es ist alles recht bleich und verwachsen;
der große Fürst liegt im Gefängnis.

Bücher, die mich gerade beschäftigen…

Juni 3, 2008

So, nach längerer Blog-Pause (bedingt durch ein paar eher stressige Tage) bin ich wieder zurück. Zur Zeit lese ich, wie meistens, mal wieder 3 Bücher parallel. Die Titel wähle ich je nach Tageszeit und Aufmerksamkeitskapazität: Wenn ich gut ausgeschlafen und richtig gut drauf bin, lese ich im Augenblick nach wie vor das Buch „Jesus von Nazareth“ von Benedikt XVI. (ein Buch, das ich bis zum jetzigen Zeitpunkt übrigens absolut klasse finde), in den letzten Tagen las ich (auf Empfehlung meiner Frau) ein Buch, das die Mutter eines Jungen mit Down-Syndrom geschrieben hat und in dem sie ihren Alltag mit ihrem Sohn und ihrer Familie, verbunden mit vielen Erinnerungen aus den vergangenen 15 Jahren, beschreibt. Sehr berührend, nachdenklich, witzig, und vor allem „easy reading“, was den Schwierigkeitsgrad anbelangt. Titel des Buches: „Bin Knüller“. Sehr empfehlenswert.

Ein weiteres Buch steht noch in der Warteschlange: „Neun Wege, Gott zu lieben“ von Gary L. Thomas. Darin geht es um verschiedene Zugangswege zu Gott, die Menschen verschiedener Persönlichkeitsprägung und verschiedenen Tempraments haben.

Das Buch, das mich allerdings im Augenblick am meisten beschäftigt, das mich nachdenken lässt und mich mit seinen Gedanken herausfordert, ist von einem meiner persönlichen christlichen Top-Autoren, Philip Yancey. In dem Buch geht es um das Thema „Beten“. Was ich an Yancey sehr schätze ist die Tatsache, dass seine Bücher, auch wenn sie sich um viel beschriebene Themen drehen, nie der „So-wirds-gemacht-Literatur“ zuzuordnen sind. Er geht in seinem Buch offen mit seiner eigenen Distanz zu dem Thema um, schaut sich große Beter in der Geschichte an, untersucht das Thema Gebet in der Bibel und widmet sich einzelnen Facetten dieses weiten Themas. Der Text wird immer wieder ergänzt durch persönliche Berichte von Menschen, die in ihrem Leben Erfahrungen mit diesem Thema gemacht haben, auch – und gerade – dann, wenn ihr Leben nicht nach schnurgeradem christlichem Strickmuster verlaufen ist.

Ich bin noch bei der Lektüre des Buches (schon zum zweiten Mal; man muss das wirklich mehrere Male lesen, um der Gedankenfülle Herr zu werden…), daher kann ich es noch nicht abschließend in seiner nachhaltigen Wirkung auf mich selbst beurteilen. Aber es gibt einige Sätze, die ich aus dem Buch mitnehme, und die ich gerade in meinem Alltag als sehr tröstlich empfinde, auch wenn ich sie inhaltlich schon längst kannte. Z.B.: Gott hört jedes Gebet, auch dann, wenn die Antwort vielleicht anders ausfällt, als wir es uns erhofft hatten. Oder – ein sehr schönes Zitat -: „Gottes Gnade fließt immer nach unten. Sie fließt nach unten und sie füllt die tiefsten Löcher unseres Lebens“. So ein wohltuender Kontrast zu der ganzen frommen „Bring-Dein-Leben-in-Ordnung“-Literatur unserer Tage. Jemand, der mit seinen ganzen eigenen Schwächen offen umgeht und mit diesen Schwächen an dieses Thema herangeht und so den Leser mitnimmt auf die geistliche Entdeckungsreise…

Unbedingte Buchempfehlung!


Gelesen: Lobpreis wie Popcorn

Mai 20, 2008

Bevor man in eine Diskussion über dieses Buch einsteigt, ein paar wichtige Bemerkungen vorweg:

1) Wer englischen Humor nicht versteht bzw. nicht lustig findet, der sollte die Finger von dem Buch lassen.

2) Wer Interesse hat, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sollte sich von dem Titelbild nicht davon abhalten lassen. Sicher als Interesse weckende Provokation gedacht, geht es meines Empfindens nach schon über die Grenze der Verhohnepipelung (hoffe, das war ortographisch richtig…) hinaus. Schade. Denn der Inhalt ist ohne Frage lesenswert.

3) Dieses Buch ist nicht gegen Lopreis als Ausdruck der Anbetung oder im Bezug auf bestimmte Musikstile. Es fordert vielmehr auf, neu zu überlegen, wie man diesen Begriff praktisch füllt – auch und gerade in der Art und Weise, wie man in den Liedern die Worte wählt…

Nick Page geht der Frage nach, warum „so viele Anbetungslieder so wenig Sinn ergeben“ (Coveruntertitel). In dem Buch beschreibt er einen persönlichen Zwiespalt, der auch mich hin und wieder bewegt.

Eigentlich mag ich Lopreismusik (wer übrigens mit diesem Begriff „Lobpreis“ nichts anfangen kann: Damit ist im Zusammenhang mit der Diskussion in dem Buch stilmäßig kontemporäre geistliche Musik gemeint). Sie passt in unsere Zeit, sie baut – wenn man mal nur auf die Musik hört – kulturelle Barrieren zu Menschen ab, die sonst mit Kirche nichts am Hut haben, zumindest zu denen in meiner Umgebung (Erwachsene zwischen 30 und 45). So weit, so schön.

Aber so sehr ich die Musik schätze, so wenig nehme ich aus den Texten vieler Lieder mit. Das gilt, und das will ich betonen, bei weitem nicht für alle; es gibt viele Lieder, die mich auch textlich immer wieder aufbauen, ermutigen und trösten. Nur fehlt es mir oft an greifbarer Substanz. An – wie soll ich sagen – Schwarzbrot, irgendetwas zum (geistlichen) Kauen und Verdauen, das ich mit in den Alltag nehmen kann. Gott ist groß, er tut Wunder, wir stehen vor seinem Thron, sehen seine Herrlichkeit… Alles schön und gut, aber wo ist da der Bezug zu meinem Alltag? Ich bin ein Mensch, der auf der emotionalen Ebene anscheinend nicht so sehr ansprechbar ist, oder vielleicht gibt es da in meinem Leben auch noch die eine oder andere Blockade, ich nehme aber aus wohl gewählten und -durchdachten Texten viel mit, selbst dann, wenn sie anfragend oder herausfordernd oder ermahnend sind.

Gut; mir ist klar, dass textliche Brillianz innerhalb des doch eher vorgegebenen Versmaßes eines Lopreisliedes sich nicht unbedingt verwirklichen lässt. Aber bitte, liebe Texter: Etwas mehr als nur eine Zeile (oder einige wenige), die 20 mal wiederholt werden, dürfte es schon sein. Etwas mehr Bezug zum Alltag, etwas weniger „Insidersprache“ und vor allem auch mal die Thematisierung der Schattenseiten des Lebens, Tod, Trauer, Verlust, das wäre schon nicht schlecht. Vor allem, weil es vielen Hörern aus der Seele spricht. Da kann ich mit dem, was Nick Page schreibt, mit.

Was ich teilweise für unnötig halte, sind die ständigen polemischen Zwischentöne, die selbst mir als geneigtem Leser englischer Literatur (und auch Versteher englischen Humors … denke ich zumindest …) doch zuviel sind. Und die – unbeabsichtigt, ich bin mir sicher – mehr als einmal den Zielpersonen der Ermahnung Mangel an geistlicher Tiefe, Sprachliche Inkompetenz und einen eher engen Blick auf das Spektrum geistlichen Lebens nahelegen. Gutes Thema (und ich bin dankbar dafür, dass ich mit meinem Erleben nicht allein stehe), aber ein Buch, bei dem man an manchen Stellen trotz einiger Irritationen einfach absichtlich weiterlesen muß.

Noch mal: Ich mag Lobpreismusik. Und ich teile die Aussage meiner Frau, dass man auch alte Choräle von Paul Gerhardt (den ich sehr schätze) durchaus hirn- und geistlos singen kann. Worauf es, gerade beim Thema Anbetung, ankommt, ist eben nicht nur das schmale Stückchen der Musik, sondern auf den ganzen Lebenskuchen. Auf die Kongruenz von Denken, Reden und Handeln im Leben eines Christen. Auf die Beziehung zu Gott und deren Auswirkungen in meinem Leben. Und das wäre ein weit wichtigeres Diskussionsthema als die schmale Detailfrage der Musik…


Wer mag noch Oliven?

April 5, 2008

Mein werter Kollege Christof Lenzen, dessen Blog ich regelmäßig lese, hat vor kurzem sein literarisches Erstlingswerk beim Brockhaus-Verlag veröffentlicht. „Glauben genießen“ – ich habs noch nicht gelesen, aber das Titelbild lädt mich zumindest zum Genießen ein. Ich liebe mediterranes Essen, kommt bei mir nach indischen Gerichten direkt auf dem zweiten Platz (und ist auch viel einfacher zu kochen .. finde ich!).

Ist ein Buch, das vom Glauben als Genuß schreibt, überhaupt nötig? Auf jeden Fall! Ich habe in meiner Christenlaufbahn schon zu viele Vertreter der Zunft kennengelernt, für die das Christenleben ein einziger Durchmarsch durchs „irdische Jammertal“ war, und die daraus die Konsequenz zogen, sich völlig von der Welt zurückzuziehen. In dem Buch – davon gehe ich nach den ersten Berichten aus, die ich von Leuten habe, die es gelesen haben – geht es darum, Gottes gute Gaben dankbar zu genießen, sich zu freuen an dem, was er geschaffen hat. Nicht darum, die Sau rauszulassen, sondern darum, Freude und Zufriedenheit in Gottes Gegenwart zu finden. Das Bild vom Essen kommt dabei nicht ungefähr: Zu Jesu Zeiten bedeutete gemeinsames Essen mehr als nur gleichzeitige Nahrungsaufnahme: Der, mit dem man sich an den Tisch setzte, der genoß das Vertrauen des anderen (man aß oft von einem einzigen Teller bzw. einer Schale – das konnte man eben nur mit Vertrauen dem anderen gegenüber). Das war ein sich-verbinden mit dem anderen.

Genau das hat die Pharisäer so auf die Palme gebracht, wenn Jesus mit den Zöllnern aß. Er snackte nicht nur für den kleinen Hunger zwischendurch, sondern er machte diesen von der Gesellschaft gemiedenen Menschen klar, dass Gott bereit ist, sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen.

Ich bin ja mal gespannt auf das Buch!