Bei Maria Magdalena aufgegabelt. Zu geil, um es nicht zu bloggen.

Bei Maria Magdalena aufgegabelt. Zu geil, um es nicht zu bloggen.


Eingangsportal der Synagoge in Strasbourg/Fr.
Tja, von wegen häufiger bloggen … ich sollte mit solchen Versprechen vorsichtig sein. Meine Frau und ich sind gerade mitten in den Nachwirkungen des Umzugs, das Haus ist noch nicht ganz fertig eingerichtet und so peu á peu geht es vorwärts. Am Montag wird unser neuer Kaminofen angeliefert, was den Winter zu einer noch schöneren Jahreszeit machen dürfte. Trotzdem kämpfe ich mich auf geistlicher Ebene gerade durch eine Zeit von Verzagtheit und Selbstzweifel.
Und da blieb ich heute morgen bei der Vorbereitung auf die nächste Predigt am Predigttext für nächsten Sonntag hängen. Das sind Worte an Serubbabel, den Sohn Scheltaliels, dem Statthalter von Juda. Der lebte zur Zeit der sog. „Jerusalemer Restauration“, der Rückkehr der Israeliten aus dem Exil in Babylonien. Eine Mammutaufgabe. Und an den geht das Wort des Propheten Sacharja:
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth (Sacharja 4,6)
Ein wunderbarer und ein tröstlicher Satz. Es kommt nicht auf meine Kraft an – wenn das so wäre, wäre ziemlich schnell Sense. Es kommt darauf an, wer ich in Gottes Augen bin. Und darauf, dass Gottes Geist das tun kann, was mir unmöglich scheint.
Ohne das weiter exegetisch ausbohren zu wollen – es ist einfach ein schöner und mutmachender Vers.
(btw: Links oben das Eingangsportal der Synagoge in Strasbourg/Frankreich, auf dem eben dieser Vers geschrieben ist – in Erinnerung an die Frage, wie sich die jüdische Gemeinde in Frankreich nach dem Holocaust wieder zusammenfinden und etablieren sollte…)
Wenn alle besonderen Erlebnisse
so weit weg sind,
dass ich mich frage:
„Habe ich sie überhaupt erlebt?“
dann blicke ich mich um
und sehe Dich, Jesus
und sonst nichts.
Wenn alle großen Veranstaltungen
längst zu Ende sind,
dass ich mich frage:
„haben sie überhaupt stattgefunden?“
dann blicke ich mich um
und sehe Dich, Jesus,
und sonst nichts.
Wenn alle christlichen Freunde
längst abgereist sind,
dass ich mich frage:
„Waren sie jemals bei mir?“
dann blicke ich mich um
und sehe Dich, Jesus,
und sonst nichts.
Wenn alle bewegenden Eindrücke
längst vorüber sind,
dass ich mich frage:
„Hat mich das alles je berührt?“
dann blicke ich mich um
und sehe Dich, Jesus,
und sonst nichts.
.
Eine Meditation zu Markus 9,8 von Hermann Traub
Ein Zitat von Martin Luther, dass beim ersten und unzusammenhängenden Hören zunächst mal verstörend und irritierend wirkt. Und das schon oft falsch verstanden wurde.
Mir kam dieses Zitat bei der Vorbereitung zu einer Predigt über Römer 12, 11-18 in den Sinn. (Text). Ein Text, den ich aus eigenem Erleben sehr gut nachvollziehen kann. Ich kann von meinem Leben als Christ nicht behaupten, dass es permanent auf einer steil aufsteigenden Siegerstraße stattfindet, es ist manchmal mehr ein Kampf gegen den „inneren Schweinehund“, gegen Versuchung und gegen meine eigene menschliche Selbstsucht.
Paulus geht es in diesem Text zunächst nicht darum, einen Status Quo festzustellen (ich bin eben so, kann man nichts machen), seine Zuhörer zu entmutigen oder zu resignieren. Er wollte den Lesern des Römerbriefs (die zunächst Christen mit jüdischem Hintergrund waren) die Unmöglichkeit vor Augen zu führen, mit noch so viel Tugendhaftigkeit und guten Absichten, dem Gesetz des Mose entsprechend zu leben. Und mit diesem Text beschreibt er treffend den Zwiespalt, in dem sich – sind wir mal ehrlich – die allermeisten Christen (ich glaube sogar alle) immer wiederfinden. Dem Zwiespalt zwischen Geist und Fleisch, wie Paulus sich auszudrücken beliebte, zwischen dem Willen Gottes und der menschlichen Natur.
Luther stand eben diesem Zwiespalt gegenüber und litt darunter. Er wollte Gott gefallen (wenn seine autobiographischen Angaben korrekt sind – was ich glaube), und zwar in einer Art und Weise, die das Leben zum Krampf machte. Er ging (z.B.) so oft zur Beichte, dass ihm sein Beichtvater irgendwann entnervt entgegenhielt: „Gott ist nicht wütend auf dich – Du bist wütend auf Gott!“. Luther erkannte, dass er mit noch so viel gutem Bemühen Gott nicht näher kommen konnte.
Sein „Turmerlebnis“ (ob das ein zeitlich datierbares Erlebnis war oder ein längerer Erkenntnisprozess, sei mal dahingestellt), das Erkennen, dass ein Mensch nur durch Gottes Gnade gerecht werden kann, änderte das. In vieler Hinsicht, eben auch in seinem Umgang mit diesem von Paulus beschriebenen Zwiespalt.
Das oben genannte Zitat stammt genau genommen aus einem Briefwechsel mit seinem Freund und Schüler Philipp Melanchton, der ebenso mit der Frage kämpfte, wie sich Gottes Anspruch an den Menschen und seine unvollkommene menschliche Natur sich zueinander verhalten. Vor allem damit, wie ersteres mehr Gestalt im Leben gewinnen kann. Wie kann ein Mensch, der Gott folgt, noch sündigen? Worauf Luther schrieb:
Sündige tapfer, aber tapferer noch glaube und freue dich in Christus, der Herr ist über Sünde, Tod und Welt.
Was wollte er damit sagen? Lass die Sau raus? Oder: Wenn du schon sündigst, dann mach’s ordentlich? Nein! Er zeigte Melanchton nur die Unmöglichkeit, in diesem Leben der Sünde völlig auszuweichen. Wir werden als Menschen, die Jesus folgen, immer wieder Dinge tun, die falsch sind, die dem Willen Gottes widersprechen und die uns selbst hinterher leid tun. Viele sind gefangen in Denk- und Verhaltensmuster, aus denen oft nur schwer auszubrechen ist. Und man kann in Situationen geraten, in denen es eine „No-win“ Situation gibt. (Bonhoeffers Frage nach der „Schuldübernahme“ im Bezug auf den Tyrannenmord wäre da so ein Beispiel: Hitler zu töten ist Sünde, es bei Gelegenheit sein zu lassen, ebenso).
Auch als Christen leben wir in einer gefallenen Welt, die sich von Gott entfernt hat. Auch wenn wir nicht „von der Welt“ sind, hat diese Tatsache Auswirkungen auf unsere Ethik, und wir merken, wie sehr wir auf die Gnade Gottes angewiesen sind. Was mich zu Luther zurückbringt:
Inhalt seines Spruches war nicht der Wille, Sünde zu bagatellisieren. Es ging ihm vielmehr darum, an der Tatsache der Unvollkommenheit in diesem Leben nicht zu verzweifeln bis hin zu dem Punkt, wo man den Glauben als solches hinschmeißt – sondern darum, sein ganzes Vertrauen in Jesus zu setzen, der Leben verändern kann und dessen Gnade es ist, die uns letzten Endes ins Reich Gottes bringt. Also: Geh offen mit Sünde in deinem Leben um, offen vor dir selbst, vor Gott und, wenn angebracht, auch vor deinem Nächsten, aber verliere nicht den Mut: Wirf dein Vertrauen auf Jesus, der dafür sorgen wird, dass du ans Ziel kommst.
Gibt es eine Hölle? Keine populäre Frage. Kein einfaches Thema. Und vor allem eines, das polarisiert: Auf der einen Seite die Ablehunung der Hölle als theologisch mittelalterliches Konstrukt oder deren Relativierung durch Uminterpretation (Wegbgegleiter hat dazu vor längerer Zeit mal diesen interessanten Artikel verfasst), auf der anderen Seite, wenn auch wesentlich seltener, die Hölle als Druckmittel, als Angstauslöser, um Menschen mit der verbalen Peitsche ins Reich Gottes zu jagen.
Sicher ist: beim Lesen der Evangelien kommt man um das Thema nicht herum. Jesus spricht häufiger von der Hölle als vom kommenden Reich Gottes und im Zusammenhang damit von der Notwendigkeit, sich vom Weg, der in eben diese Hölle führt, abzuwenden. Die Frage ist nur: Wie verstehe ich diese Worte von Jesus? Wie haben seine Zuhörer sie verstanden?
Eines der Bilder, das Jesus unter anderem verwendete, war das Bild der „Gehenna“, des Hinom-Tals südlich von Jerusalem. Das war sozusagen die Müllkippe der Stadt. Oder sagen wir Müllverbrennungsanlage: Was da lag, wurde verbrannt, um keinen Seuchenherd entstehen zu lassen. Ob unbrauchbares Holz, Faule und schlechte Lebensmittel, Tierkadaver, was auch immer, alles landete da und wurde verbrannt. Kein angenehmes Bild. Ein Bild für absolute Gottverlassenheit, für finale Hoffnungslosigkeit und und für einen Zuhörer der damaligen Zeit sehr eindrücklich.
Ob man sich den Feuersee aus dem Buch der Offenbarung des Johannes (ein anderes Bild) wörtlich so vorstellen muss, weiß ich nicht (das war die Vorlage von vielen Höllenbildern aus dem Mittelalter…). Das kann sein, es kann aber auch als Metapher für etwas anderes stehen. Auf jeden Fall sprengt die Darstellung der Hölle im NT noch die Vorstellungskraft der wüstesten menschlichen Albträume: Ein Ort, an dem Gott tatsächlich in jeder Form abwesend ist. Und an dem die Menschen bemerken, wie sehr Gott in ihrem irdischen Leben präsent war, selbst dann, wenn sie nichts mit ihm zu tun haben wollten…
Ein Buch, das ich mir vor kurzem mal wieder gegriffen habe, welches sich um dieses Thema dreht, ist das Buch „Die große Scheidung“ von C.S. Lewis. Ohne auf detailliert auf seine Vorstellungen von der Hölle einzugehen, fand ich einige Sätze daraus sehr bemerkenswert, vor allem aus einer fiktiven Unterhaltung des Autors mit dem schottischen Schrifsteller und Pfarrer George MacDonald:
„… jeder, der [auf den Weg in den Himmel, Anm. von curioustraveller] möchte, kommt hinein. Seid darum unbesorgt. Am Ende gibt es nur zwei Arten von Menschen: Die, die zu Gott sagen: ‘Dein Wille geschehe’ und diejenigen, zu denen Gott am Ende sagt: ‘dein Wille geschehe!’ Alle, die in der Hölle sind, erwählen sie. Ohne diese Wahl ihrer selbst könnten sie nicht in der Hölle sein. Keine Seele, die ernstlich und inständig nach Freude verlangt, wird sie verfehlen. Die, welche suchen, finden. Denen, die anklopfen, wird aufgetan…“
Gilbert K. Chesterton setzt dem noch eins drauf und sagt: „Die Hölle ist das große Kompliment Gottes an die menschliche Freiheit und die Würde menschlicher Persönlichkeit“. Gott wirft niemanden in die Hölle – jeder Mensch geht den Weg, den er selbst wählt. Wer in diesem Leben nicht mit Gott leben will, dem zwingt er sich nicht auf – jetzt nicht und in Zukunft nicht.
Gibt es die Hölle? Wenn ich den Worten von Jesus glaube, und das tue ich von ganzem Herzen, dann ja. Und ich glaube, dass es zur Guten Nachricht von Jesus dazugehört, den Menschen zu sagen, wovor er sie retten und bewahren will, ohne das in den Vordergrund zu stellen. Jesus ist nicht unser Wellness-Berater, sondern unser Erlöser. Der nicht will, dass irgendjemand in der Hölle landet, der aber auch nicht mit der Brechstange in unser Leben kommt.
Dem biblischen Zeugnis nach gibt es also die Hölle – aber es gibt auch die Möglichkeit, auf dem Weg dahin den Notausgang zu wählen, den Jesus für uns geöffnet hat…
So, die Chagall-Woche ist vorbei (schloss mit einem schönen Gottesdienst vor knapp 400 Besuchern ab und mit Gedanken zum Thema „Passion“ bei Marc Chagall) und ich bin platt. Habe mir den gestrigen Tag noch als freien Tag gegönnt und habe mit der Ältesten einen „Papa-Tochter-Tag“ gemacht.
Gestern abend war Sitzung des Ältestenkreises und da hat mich der Gemeindealltag wieder. Wir befinden uns als Gemeinde in einem Prozess, in dem wir uns überlegen und auch vor Gott erfragen, was unser Platz als Gemeinde in dieser Stadt ist – und was unser Auftrag. Und wo unsere Potenziale liegen. Was dabei am Ende rauskommen wird, weiß ich selbst noch nicht so genau, aber es ist spannend, diesen Weg mitzugehen.
Ein Gedanke, der mich in der letzten Zeit immer wieder bewegt, ist der nach meinem persönlichen Verhältnis zu meinem Dienst. Ich bin mit vielen Ansprüchen konfrontiert, wie ein Pastor zu sein hat, was er drauf zu haben hat, wieviel Zeit er für die Gemeinde zu verwenden hat und zu welchen Tageszeigen / Wochentagen und so weiter. Um kein falsches Bild zu vermitteln, muss ich auch dazu sagen, dass die meisten Menschen in der Gemeinde uns sehr liebevoll begegnen und Ewartungen als Bitten und im freundlichen Tonfall äußern. Natürlich gibt es auch andere (zeitweise laute) Stimmen; aber das ist wohl in den allermeisten Gemeinden so. Und viele dieser Erwartungen sind ja nicht aus der Luft gegriffen, die Gemeinde hat ja nun mal einen Theologen für die vollzeitliche Aufgabe des Gemeindehirten engagiert, was natürlich bestimmte Aufgabenbereiche beinhaltet.
Was mich persönlich daran bewegt, ist die Frage: Wie soll ich denn als Pastor sein? Evangelistischer? Seelsorgerlicher? Ökumenischer? Organisierter? Aktiver? Die Liste mit Vorschlägen ließe sich noch beliebig verlängern. Mich hat das schon oft zu der Frage geführt, ob ich dem allem gewachsen bin, und ich kenne Zeiten der Verzagtheit, der schlaflosen Nächte und des grüblerischen Selbstmitleids. Und Zeiten, in denen ich den Eindruck hatte, das alles wächst mir über den Kopf.
Auch in den letzten Wochen machte ich mir einen Kopf darüber, wie ich den Ansprüchen einzelner aus der Gemeinde begegnen soll – inwiewieit sie berechtigt sind, wie ich mit unfreundlichem und verurteilendem Tonfall bei Kritik umgehe, wie ich es schaffe, andere im Glauben vorwärts zu bringen und und und… und was ich dafür konkret ändern bzw. tun muss. Gestern abend dann wieder mal so eine schlaflose Stunde, in der Gott einiges zu sagen hatte: Mit dem Hinweis auf Psalm 45 lag ich um 0.00 Uhr hellwach im Bett, stand auf, schlug in der Lutherbibel den Psalm auf und mein Blick fiel spontan auf den 5. Vers. Da steht:
Zieh einher für die Wahrheit, in Sanftmut und Gerechtigkeit, so wird deine rechte Hand Wunder vollbringen.
Ich muss dazu sagen, dass ich wirklich nicht jemand bin, der einfach die Bibel aufschlägt, den Finger auf einen Vers legt und denselben einfach mal so auf sich anwendet. Und ich sass gestern auch eine Weile da und war am Grübeln, ob das nicht nur ein Hirngespinst war, oder ob es Gott ist, der da zu mir spricht. Aber es passte einfach zu gut zu all dem, was mich in der letzen Zeit bewegt. Und es brachte mir eine unbeschreibliche Ruhe (und einen guten Schlaf…).
Richtig ist: Geh den Weg in Wahrheit, ohne auf Menschen herabzublicken und indem du dich um das kümmerst, was sie wirklich brauchen. Das muss vor allen externen Ansprüchen stehen: Sich auf das Wort Gottes zu gründen und von dort seine Identität und seinen Wert zu beziehen – und von daher sortiert sich der Dienst. Eigentlich weiß man so was ja schon als Dienstanfänger, aber es ist immer wieder gut, daran erinnert zu werden…
Ich glaube, es ist für mich dran, am Thema „Menschenfurcht“ und deren Minderung in meinem Leben nachzudenken … und darüber, wer ich durch Gottes Gnade bin…
»Ihr wisst: Die Herrscher der Völker, ihre Großen, unterdrücken ihre Leute und lassen sie ihre Macht spüren. Bei euch muss es anders sein! Wer von euch groß sein will, soll euer Diener sein, und wer der Erste sein will, soll allen anderen Sklavendienste leisten. Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben.«
Markus 10,42-45
Uuaah, kein einfacher Text. Finde ich. Jesus sagt diese Worte zu seinen Jüngern, nachdem zwei von ihnen gerade (aus ihrer Sicht erfolglos) versucht hatten, sich im Reich Gottes die Logenplätze zu sichern. Und Jesus macht ihnen klar, dass sie das biblische Prinzip von Größe nicht verstanden hatten: Wer im Reich Gottes groß sein will, der muss zum Diener werden. Der Weg nach oben führt erst mal nach unten. Und wen der Begriff „Sklavendienste“ stört: Das steht tatsächlich da – wer der erste sein will, der sei den anderen ein „doulos„, ein Knecht oder Sklave.
Ich beschäftige mich im Augenblick mit Texten dieser Art, weil in unserer Predigtreihe am kommenden Sonntag das Thema „Dienen“ auf der Tagesordnung bzw. dem Predigtplan steht. Und vieles von dem, was in diesen Texten steht, piekst mich. Weil es meiner menschlichen Natur zuwiderläuft. Wenn ich diene, dann hoffe ich schon irgendwo auf Anerkennung, bei aller Bescheidenheit. Oder?
In dem Buch „Leben mit Vision“ schreibt Rick Warren übers Thema „Dienen“ (natürlich nicht ohne den bei diesem Thema obligatorischen Hinweis auf einen Gabentest…). Ein interessantes Kapitel ist überschrieben mit: „Wie echte Diener leben“. Dann zählt er auf:
- Echte Diener stellen sich selbst zur Verfügung. Sie planen nicht Gott in ihr Leben ein, sondern sind bereit, ihr Leben in Gottes Plan einfügen zu lassen. Das heißt ja nicht, dass man ohne vernünftige Planung in den Tag bzw. das Jahr hineinleben sollte, vor allem nicht, wenn man Familie hat – aber das das Ohr für das Reden Gottes, gerade auch für das herausfordernde Reden, offen sein sollte.
- Echte Diener achten aufmerksam auf die Bedürfnisse anderer Menschen. Bedürfnisse, wohlgemerkt, nicht unbedingt Befindlichkeiten! Auf die Bedürfnisse anderer achten heißt, Ausschau nach Gelegenheit zum Dienen halten. Und das Gute tun, wann, wo und wie auch immer, frei nach John Wesley.
- Echte Diener machen das Beste aus dem, was sie haben. Auch, wenn es unvollkommen aussehen mag; ein halbwegs guter Dienst ist immer noch besser als die beste Absicht. Man muss nicht „gut genug“ oder „heilig genug“ sein, um dienen zu können, Gott kann jeden gebrauchen.
- Echte Diener erledigen jede Aufgabe mit der gleichen Hingabe. Das dürfte von allen Punkten mit am schwersten zu verdauen sein. Es gibt Dienste, die ich gerne ausführe. Predigen z.B. macht mir Spaß (wenn ich Freiraum habe, mich ordentlich vorzubereiten). Oder Gastfreundschaft, auch wenn das eher die Domäne meiner Frau ist. Aber es gibt eben auch Dienste, die mich Überwindung kosten. Vor einigen Jahren, auf dem Missionsschiff „Doulos“ hatte ich bisweilen als Feuerwehrmann die Aufgabe, neu eingezogene Metallwände brandsicher zu isolieren – mit Steinwolle. Ekelhaft juckend, vor allem, wenn man schwitzt. Das hat mich fast zum Wahnsinn getrieben. Hilfreich war für mich ein Satz, den mir meine damalige Hauskreisleiterin gerade für solche Situationen mitgegeben hat: „Keine Arbeit ist zu niedrig, zu nervig oder zu schmutzig, als dass sie nicht Gottesdienst sein könnte“. Das hat es schon mal viel leichter gemacht.
- Echte Diener erfüllen ihren Dienst zuverlässig *öööhhh* DAS ist ein Bereich, wo bei mir noch Wachstumspotenzial da ist – weniger bei der Zuverlässigkeit in den einzelnen Diensten, mehr beim Thema „Zeitmanagement und Zeitplanung“ insgesamt…
- Echte Diener bewahren Zurückhaltung. Oder sagen wir mal: Sie tun alles zu Gottes Ehre. Das birgt natürlich die Herausforderung, nicht beleidigt zu sein, wenn man bei Lob nicht berücksichtigt wird. Oder auch Arbeiten zu erledigen, die von der Allgemeinheit nicht wahrgenommen werden. Und das mit fröhlicher Einstellung.
Das alles sind Aspekte des Themas „Dienen“, die wir in unserer individualistischen Zeit wieder neu einüben sollten. Denn ich erlebe häufig eher die „Dienstleister-Mentalität“, die sagt: So, jetzt bin ich hier in der Gemeinde, ich bin der Kunde, bitte erfüllt meine Bedürfnisse, macht die Gottesdienste ja nicht zu lang, spielt nur die Musik, die mir gefällt und tretet mir möglichst mit der Predigt nicht auf die Füße.“ Und auf das Thema „Dienen“ angesprochen kommt nicht selten die Standardantwort: „Keine Zeit“, auch wenn’s gefälliger formuliert wird.
Nicht missverstehen: Ich kenne auch Menschen, die erst einmal Schutz, Trost und Geborgenheit finden müssen. Und das in der Gemeinde auch finden sollen. Es gibt „Streiter Christi“, die nicht an die Front, sondern ins Lazarett gehören. Aber eben auch eine stattliche Anzahl von Menschen, die sich in der Rolle des unbeteiligten Kommentators gefallen.
Ich rede hier ja auch nicht vom Thema „Mitarbeit in der Gemeinde“ – sondern davon, mit den Augen Jesu andere wahrzunehmen. Trotzdem: Dienen ist ein natürlicher Bestandteil eines lebendigen Glaubens an Jesus – oder sollte es zumindest sein…
… lasst nicht nach in der Liebe zueinander! Denn die Liebe macht viele Sünden wieder gut. Nehmt einander gastfreundlich auf, ohne zu murren. Dient einander mit den Fähigkeiten, die Gott euch geschenkt hat – jeder und jede mit der eigenen, besonderen Gabe! Dann seid ihr gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes. Wenn jemand die Gabe der Rede hat, soll Gott durch ihn zu Wort kommen. Wenn jemand die Gabe der helfenden Tat hat, soll er aus der Kraft handeln, die Gott ihm verleiht. Alles, was ihr tut, soll durch Jesus Christus zur Ehre Gottes geschehen. Ihm gehört die Herrlichkeit und die Macht für alle Ewigkeit! Amen.
1. Petrus 4,8-11
… in letzter Zeit immer mal wieder auch zu mir altem skeptischem Zweifler-Sturkopp. Letzte Woche saß ich an der Predigtvorbereitung zum Thema „Gemeinschaft“. War etwas schwierig, nachdem ich in der letzten Zeit mit dem einen oder anderen in der Gemeinde etwas Stress hatte. Und ich fühlte mich, als ich mich hingesetzt hatte, total blockiert, zu dem Thema was zu schreiben. Nach etwa einer halben Stunde vor dem leeren Word-Dokument gab ich auf.
In der Nacht dann wachte ich um 2.15 Uhr auf, war glockenhell wach, und in meinem Kopf formierte sich der Gedanke: „Psalm 133″. Erst tat ich das als Müdigkeitserscheinung ab und versuchte, wieder einzuschlafen – aber nachdem mir das nicht mehr aus dem Kopf ging, stand ich auf und las nach. Und siehe da, im 133. Psalm stehen folgende Worte:
Ein Lied Davids, zu singen auf dem Weg nach Jerusalem. Wie wohltuend ist es, wie schön, wenn Brüder, die beieinander wohnen, sich auch gut verstehen! Das ist wie das gute, duftende Öl, aufs Haar des Priesters Aaron gegossen, das hinunterrinnt in seinen Bart bis zum Halssaum seines Gewandes. Das ist wie erfrischender Tau vom Hermon, der sich niedersenkt auf den Zionsberg. Dort will der Herr seinen Segen schenken, Leben, das für immer besteht.
Ich war erst mal total platt und selbst ich dachte: Ok, das ist kein Zufall! Die Predigt schrieb sich am anderen Tag fast wie von selbst (naja, die Tasten am Laptop musste ich dann schon noch selbst drücken…)
Anderes Erlebnis gestern nachmittag. Ich hatte in den vergangenen Jahren das Rauchen schon mal gesteckt. Unter anderem vor 2 Jahren meine Pfeifen in den Müll geworfen – was mir schwer fiel, denn ich habe mit großem Genuss Pfeife geraucht. Allerdings war ich in dem Bereich nicht ganz so konsequent und griff immer wieder mal zu Zigarillos. Eigentlich nicht viel und wirklich nur, wenn Zeit und Muße dafür da war. In den letzten Monaten wurde es allerdings deutlich mehr, und ich merkte, wie die Stäbchen für mich zum nötigen Stress-Ausgleich avancierten. Und das gegen den ausdrücklichen ärztlichen Rat – schließlich habe ich Bluthochdruck.
Gestern nachmittag hatte ich auf dem Spazierweg um den Häuserblock hier mal wieder einen Zigarillo in der Hand, genehmigte mir einige aufbauende Lungenzüge, als ein deutlicher Eindruck eben der vorhin beschriebenen Art sich in meinen Gedanken formte: „Ich möchte, dass Du das Rauchen endgültig steckst!“ „Wie Du meinst, Herr“, war meine Antwort, und ich schmiss die angebrochene Packung (noch zu 3/4 voll!) in den nächsten Mülleimer.
Klingt irgendwie immer so großkotzig, wenn man sagt, dass Gott mit einem spricht – aber gerade in den oben genannten Fällen steht das selbst für mich außerhalb jeden Zweifels. Und das wird häufiger in der letzten Zeit, bin mal gespannt, was da noch so kommt…
Ein seltsames Bild: Jemand, der sich vor einem anderen niederwirft und ihm die Füße oder den Saum des Mantels (wird ja heute nicht mehr so häufig getragen) küsst. Hat was Unterwürfiges, Kriechendes, in unserer Kultur vermutlich auch was Erniedrigendes an sich.
Das griechische Wort proskyneo, in den deutschsprachigen Bibeln gemeinhin mit „anbeten“ übersetzt, hat aber genau das Bild als Begriffshintergrund (kommt von der Wortwurzel -kyneo, was so viel wie „küssen“ bedeutet…). Die meisten Wörterbücher übersetzen mit: „jemanden fußfällig verehren“ oder „sich vor jemandem niederwerfen“. Wer so was macht, der lässt allen Stolz und alle Illusionen über sich selbst fahren. Der stellt keine Ansprüche an den, dem er gegenübertritt – er erkennt die Größe des anderen an. Das ist das biblische Bild von Anbetung.
Eines von mehreren Themen, die uns in der nächsten Zeit beschäftigen werden. In der Predigt vom letzten Sonntag war der Text aus Joh. 4, 24:
Die Stunde kommt, ja sie ist schon gekommen, da wird der Heilige Geist, der Gottes Wahrheit enthüllt, Menschen befähigen, den Vater an jedem Ort anzubeten. Gott ist ganz anders als diese Welt, er ist machtvoller Geist, und alle, die ihn anbeten wollen, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Von solchen Menschen will der Vater angebetet werden.«Im Geist und in der Wahrheit. Also nicht gebunden an einen Ort oder eine bestimmte Zeit (das Gespräch, das den Worten aus diesem Vers voranging, drehte sich um den korrekten Ort der Anbetung), und vor allem echt und ehrlich. So, wie wir wirklich sind, wahrhaftig und aufrichtig.
Was heißt das für uns? Dass unsere „Anbetungszeit“ 7 Tage die Woche dauert, á 24 Stunden. Es gibt kein Zeitlimit dafür. Und keinen besonderen Ort, denn die Bedeutung von Anbetung bewegt sich gerade hier weg vom Verständnis einer zeremoniellen Handlung an einem bestimmten Ort, hin zu einer Grundhaltung, die das ganze Leben erfassen soll. Und je mehr Jesus in meinem Herzen und meinem Leben Raum gewinnt, desto natürlicher wird Anbetung – weil sie dann ein Teil des Lebens wird. Und desto mehr verändert sich mein Leben – weil ich in der Anbetung lerne, die Welt mit den Augen von Jesus zu sehen.
Anbetung überall, zu jeder Zeit und genau so, wie wir wirklich sind! Da ist ein erfülltes Leben mit Jesus das Wichtigste, nicht die Teilnahme an der „richtigen“ Zeremonie oder bestimmte konfessionelle Zugehörigkeit.
Ich wünsche mir mehr davon! Mehr Christuszentriertheit und -erfülltheit. Für mich selbst und unsere Gemeinden!