»Ihr wisst: Die Herrscher der Völker, ihre Großen, unterdrücken ihre Leute und lassen sie ihre Macht spüren. Bei euch muss es anders sein! Wer von euch groß sein will, soll euer Diener sein, und wer der Erste sein will, soll allen anderen Sklavendienste leisten. Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben.«
Markus 10,42-45
Uuaah, kein einfacher Text. Finde ich. Jesus sagt diese Worte zu seinen Jüngern, nachdem zwei von ihnen gerade (aus ihrer Sicht erfolglos) versucht hatten, sich im Reich Gottes die Logenplätze zu sichern. Und Jesus macht ihnen klar, dass sie das biblische Prinzip von Größe nicht verstanden hatten: Wer im Reich Gottes groß sein will, der muss zum Diener werden. Der Weg nach oben führt erst mal nach unten. Und wen der Begriff „Sklavendienste“ stört: Das steht tatsächlich da – wer der erste sein will, der sei den anderen ein „doulos„, ein Knecht oder Sklave.
Ich beschäftige mich im Augenblick mit Texten dieser Art, weil in unserer Predigtreihe am kommenden Sonntag das Thema „Dienen“ auf der Tagesordnung bzw. dem Predigtplan steht. Und vieles von dem, was in diesen Texten steht, piekst mich. Weil es meiner menschlichen Natur zuwiderläuft. Wenn ich diene, dann hoffe ich schon irgendwo auf Anerkennung, bei aller Bescheidenheit. Oder?
In dem Buch „Leben mit Vision“ schreibt Rick Warren übers Thema „Dienen“ (natürlich nicht ohne den bei diesem Thema obligatorischen Hinweis auf einen Gabentest…). Ein interessantes Kapitel ist überschrieben mit: „Wie echte Diener leben“. Dann zählt er auf:
- Echte Diener stellen sich selbst zur Verfügung. Sie planen nicht Gott in ihr Leben ein, sondern sind bereit, ihr Leben in Gottes Plan einfügen zu lassen. Das heißt ja nicht, dass man ohne vernünftige Planung in den Tag bzw. das Jahr hineinleben sollte, vor allem nicht, wenn man Familie hat – aber das das Ohr für das Reden Gottes, gerade auch für das herausfordernde Reden, offen sein sollte.
- Echte Diener achten aufmerksam auf die Bedürfnisse anderer Menschen. Bedürfnisse, wohlgemerkt, nicht unbedingt Befindlichkeiten! Auf die Bedürfnisse anderer achten heißt, Ausschau nach Gelegenheit zum Dienen halten. Und das Gute tun, wann, wo und wie auch immer, frei nach John Wesley.
- Echte Diener machen das Beste aus dem, was sie haben. Auch, wenn es unvollkommen aussehen mag; ein halbwegs guter Dienst ist immer noch besser als die beste Absicht. Man muss nicht „gut genug“ oder „heilig genug“ sein, um dienen zu können, Gott kann jeden gebrauchen.
- Echte Diener erledigen jede Aufgabe mit der gleichen Hingabe. Das dürfte von allen Punkten mit am schwersten zu verdauen sein. Es gibt Dienste, die ich gerne ausführe. Predigen z.B. macht mir Spaß (wenn ich Freiraum habe, mich ordentlich vorzubereiten). Oder Gastfreundschaft, auch wenn das eher die Domäne meiner Frau ist. Aber es gibt eben auch Dienste, die mich Überwindung kosten. Vor einigen Jahren, auf dem Missionsschiff „Doulos“ hatte ich bisweilen als Feuerwehrmann die Aufgabe, neu eingezogene Metallwände brandsicher zu isolieren – mit Steinwolle. Ekelhaft juckend, vor allem, wenn man schwitzt. Das hat mich fast zum Wahnsinn getrieben. Hilfreich war für mich ein Satz, den mir meine damalige Hauskreisleiterin gerade für solche Situationen mitgegeben hat: „Keine Arbeit ist zu niedrig, zu nervig oder zu schmutzig, als dass sie nicht Gottesdienst sein könnte“. Das hat es schon mal viel leichter gemacht.
- Echte Diener erfüllen ihren Dienst zuverlässig *öööhhh* DAS ist ein Bereich, wo bei mir noch Wachstumspotenzial da ist – weniger bei der Zuverlässigkeit in den einzelnen Diensten, mehr beim Thema „Zeitmanagement und Zeitplanung“ insgesamt…
- Echte Diener bewahren Zurückhaltung. Oder sagen wir mal: Sie tun alles zu Gottes Ehre. Das birgt natürlich die Herausforderung, nicht beleidigt zu sein, wenn man bei Lob nicht berücksichtigt wird. Oder auch Arbeiten zu erledigen, die von der Allgemeinheit nicht wahrgenommen werden. Und das mit fröhlicher Einstellung.
Das alles sind Aspekte des Themas „Dienen“, die wir in unserer individualistischen Zeit wieder neu einüben sollten. Denn ich erlebe häufig eher die „Dienstleister-Mentalität“, die sagt: So, jetzt bin ich hier in der Gemeinde, ich bin der Kunde, bitte erfüllt meine Bedürfnisse, macht die Gottesdienste ja nicht zu lang, spielt nur die Musik, die mir gefällt und tretet mir möglichst mit der Predigt nicht auf die Füße.“ Und auf das Thema „Dienen“ angesprochen kommt nicht selten die Standardantwort: „Keine Zeit“, auch wenn’s gefälliger formuliert wird.
Nicht missverstehen: Ich kenne auch Menschen, die erst einmal Schutz, Trost und Geborgenheit finden müssen. Und das in der Gemeinde auch finden sollen. Es gibt „Streiter Christi“, die nicht an die Front, sondern ins Lazarett gehören. Aber eben auch eine stattliche Anzahl von Menschen, die sich in der Rolle des unbeteiligten Kommentators gefallen.
Ich rede hier ja auch nicht vom Thema „Mitarbeit in der Gemeinde“ – sondern davon, mit den Augen Jesu andere wahrzunehmen. Trotzdem: Dienen ist ein natürlicher Bestandteil eines lebendigen Glaubens an Jesus – oder sollte es zumindest sein…
… lasst nicht nach in der Liebe zueinander! Denn die Liebe macht viele Sünden wieder gut. Nehmt einander gastfreundlich auf, ohne zu murren. Dient einander mit den Fähigkeiten, die Gott euch geschenkt hat – jeder und jede mit der eigenen, besonderen Gabe! Dann seid ihr gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes. Wenn jemand die Gabe der Rede hat, soll Gott durch ihn zu Wort kommen. Wenn jemand die Gabe der helfenden Tat hat, soll er aus der Kraft handeln, die Gott ihm verleiht. Alles, was ihr tut, soll durch Jesus Christus zur Ehre Gottes geschehen. Ihm gehört die Herrlichkeit und die Macht für alle Ewigkeit! Amen.
1. Petrus 4,8-11