Wat machen wir nu mit der Ökumene?

Posted September 3, 2009 by curioustraveller
Categories: Gerade erst passiert, Glaube, Was in der Gemeinde so abgeht

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Vor kurzem traf sich hier in Bad Vilbel noch einmal das Team der Chagall-Woche, um eine Nachbesprechung zu halten. Darin ging es u. a. um die Frage, was wir mit dem erwirtschafteten finanziellen Überschuss machen (ganz richtig: Es ist möglich, eine solche Veranstaltung zu machen und Überschuss zu erzielen – hat uns auch überwältigt…). Nach einigem Nachdenken war es unser einstimmiger Tenor, den der Klostermühle zukommen zu lassen. Das ist die Bibelschule, an der der Referent der Chagall-Woche, Heiner Eberhardt, tätig ist. Nun ist es so gekommen, dass die kath. Kirche hier in Bad Vilbel-Stadt (St. Marien in unserem Stadtteil ist nur eine Filialgemeinde, oder wie es so schön heißt „Seelsorgegebiet“) sich strikt gegen diese Spende an die Klostermühle aussprach und auch ankündigte, das kommende ökumenische Projekte ohne die Beteiligung der kath. Kirche stattfinden werden.

Grundsätzlich könnte ich das verstehen. Käme der Priester auf mich zu und würde den Rückzieher mit den Unterschieden im Kirchenverständnis oder im Eucharistieverständnis begründen oder mit der in protestantischen Kirchen fehlenden Verehrung von Maria oder der Ablehnung des Primates des Papstes, dann hätte ich das zwar bedauert, hätte die Entscheidung aber respektiert. Dass sich das jetzt am Thema „Geld“ aufhängt, finde ich sehr schade.

Ich bin kein Vollblutökumeniker, das muss ich gestehen. Schon allein der Gründungsgottesdienst der ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen) gab mir doch einige Kröten zu schlucken (und das nicht nur von katholischer Seite…). Ich bin nicht jemand, der bereit ist, nur um des ökumenischen Zusammenseins willen zentrale Glaubensüberzeugungen oder meine geistliche Identität über Bord zu werfen. Und ich bin auch absolut nicht am Schmollen, weil der Papst meine Gemeinde nicht als vollwertige Kirche bezeichnet. (und, ich füge hinzu: Was theologische Unterschiede anbelangt – die gibt es von mir aus gesehen ebenso zu den ev. Landeskirchen…).

Um bei der katholischen Kirche zu bleiben: Es gibt vieles an dieser Kirche, was mich fasziniert. Gerade an ihren Mitgliedern, die ihren Glauben mit Freude und hingegeben leben. Ich schätze und achte ihren reichen Schatz an Tradition (auch wenn ich theologisch nicht alle Früchte dieser Tradition so teilen kann), und ich habe immer wieder sehr gute Gespräche mit katholischen Geschwistern. Das Lustige ist: die Gespräche sind umso besser, wenn wir unsere Unterschiede klar benennen, sie stehen lassen und uns trotzdem als Geschwister begegnen. Sie sind umso flacher, wenn mein Gegenüber von der „Wir-sind-doch-alle-eins“-Fraktion ist.

Hier in Bad Vilbel-Dortelweil haben wir einige gute Wege gefunden, ökumenisch in Erscheinung zu treten und dabei trotzdem unsere Identität zu bewahren. Die Chagall-Woche, die wir gemeinsam veranstaltet haben war nur ein Beispiel dafür (Im Eingangsbereich waren 3 Infotische aufgebaut, die jedem Besucher die Möglichkeit gaben, sich über die jeweiligen Gemeinden zu informieren…). Und das kam gut an bei den zunehmend entkirchlichten und infolgedessen entchristlichten Menschen hier in der Gegend. Ich bedauere es, dass die katholische Kirche aussteigt, auch wenn ich es akzeptieren muss.

Wer ist schuld? oder: Wie gehen wir mit Leid um?

Posted September 2, 2009 by curioustraveller
Categories: Glaube, Mischpoche, Was in der Gemeinde so abgeht

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„Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen; nackt werde ich wieder dahin fahren. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gelobt!“ (Hiob 1,21)

Bin gerade dabei mich auf eine Predigt zu diesem Text aus dem Buch Hiob vorzubereiten (wie ich schon mal erwähnt hatte). Ich muss gestehen, dass ich diesem Buch bis jetzt immer ausgewichen bin, weil ich es für nicht einfach zu predigen halte, will man mit der Kernaussage ehrlich bleiben.

Das Buch enthält einige, sagen wir mal, Unverschämtheiten. Hiob, ein wohlhabender, gutsituierter Mann mit einer großen Familie, der zudem noch sehr gläubig und gottesfürchtig ist, gerät unversehens in unvorstellbares Leid – er verliert in kurzer Zeit fast seine ganze Familie und seinen gesamten Besitz. Und warum das Ganze: Weil Gott und der Satan eine Wette eingegangen sind: Kann ein Mensch auch dann an Gott festhalten, wenn er in Leid gerät, selbst dann, wenn er alles verliert, was ihm lieb und teuer ist? Allein die Vorstellung, dass Gott sich auf so was einlassen könnte, befremdet.

Nun weiß ich, dass man gerade im Buch Hiob, einem sehr alten Buch der Bibel (manche sagen sogar, es sei das älteste überhaupt), vorsichtig sein muss, Dinge wörtlich zu deuten. Das Buch stellt eine Frage, die so alt ist wie der Glaube an Gott selbst: Aus welchem Grund leiden Menschen in dieser Welt und welche Rolle spielt Gott dabei? Stellt das Leid der Menschen nicht die Existenz Gottes in Frage? Die so genannte Theodizee-Frage. Auf die Hiob so gar nicht eingeht; dass Gott existiert, steht bei Hiob nie außer Frage. Die Frage ist vielmehr: Wer ist schuld am Leid Hiobs?

Hiob wird von 3 Freunden besucht, die ihm nacheinander ihre Erklärungsmodelle auf die Frage präsentieren. Alle diese Erklärungen verorten die Schuld am Leid Hiobs mehr oder minder bei ihm selbst. Der erste sagt, dass Gott Hiob für irgendetwas zurechtweist und erzieht. Der zweite meint, Hiobs Kinder hätten sich an Gott versündigt und deshalb wäre die Strafe über sie gekommen. Der dritte sagt: „Ganz klar, es ist Hiobs Sünde selbst, die das Leid über ihn gebracht hat“. Das sind so die gängigen Erklärungsmodelle, auch die christlichen, bei Leid. Schließlich muss das ja irgendwie logisch schlüssig erklärbar sein.

Das Problem, das wir haben, ist, dass es in der Realität eben nicht immer schlüssig zu erklären ist. Was soll ich einem jungen Ehepaar aus unserer Gemeinde sagen, dessen Kind unmittelbar nach langem Kampf um die Lebensfähigkeit des Kindes einige Stunden nach der Geburt stirbt? „Gott will euch damit erziehen?“ oder „Vermutlich habt ihr irgendwo Sünde im Leben?“ oder „Hättet ihr nur genug Glauben, dann wäre das nicht passiert?“ Wenn ich einen dieser Sprüche ziehen würde, dann würde ich vermutlich ein paar aufs Maul bekommen (und das zu recht – das sind allesamt fiese seelsorgerliche Rohrkrepierer).

Mir blieb damals nur, fassungslos daneben zu stehen und zuzugeben, dass ich Gott in der Lage nicht verstehe. Und die Frage nach dem „Warum“ nicht erklären kann. Und hier kommt die zweite „Unverschämtheit“ des Buches Hiob: Als Hiob sich endlich durchringt, Gott zur Rede zu stellen und nach dem „Warum“ zu fragen, bekommt er auf die Frage gar keine Antwort. Stattdessen lässt Gott ihn anhand eindrücklicher Beispiele einen Einblick in die Schöpfermacht Gottes nehmen.

Alles schön und gut, aber wo betrifft mich das? Als unser erstes Kind im Mutterleib verstarb, da war es mir scheißegal, wie groß der Leviathan ist, wo das Meer aufhört und wie die Gämse wirft. Da war nur Trauer da, Leere. Und die Frage nach dem „Warum“, obwohl ich kognitiv wusste, dass es darauf mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Antwort geben wird.

Mittlerweile ist das schon ein paar Jahre her und ich kann es mit Abstand betrachten. Für mich ist ein Schlüsselvers im Buch Hiob die Aussage, die er trifft, nachdem er die Macht Gottes gesehen hat:

Ich kannte dich ja nur vom Hörensagen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut. (Hiob 42,5; Gute Nachricht)

Was macht das für einen Unterschied? Für mich einen großen. So lange ich davon ausgehe, dass es Gottes Aufgabe ist, mir das Leben in dieser Welt so angenehm und problemlos wie möglich zu machen (und das ist eine Haltung, die ich bis jetzt ausschließlich unter Christen in den westlichen Industriestaaten angetroffen habe…), bleibt mir nichts anderes übrig, als mit Gott zu hadern und ihn in die Wüste zu schicken, wenn er meine Erwartungen nicht erfüllt.

Wenn ich dagegen lerne, ihn besser zu verstehen, ihm tiefer zu vertrauen; wenn ich mir der Größe und Macht Gottes bewusst werde – dann habe ich immer noch nicht die Antwort auf alle Fragen, aber ich kenne den, der sie hat. Und ich weiß, dass ich die Antworten eines Tages bekommen werde – falls ich dann überhaupt noch zu fragen beabsichtige.

Ich habe gelernt, dass es in der Welt, in der wir leben, Leid gibt, für das es keine schlüssige Erklärung gibt und keine Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“. Allerdings auch, dass Gott da ist und ich in der tiefsten Trauer und dem größten Schmerz nicht verzweifeln muss. Und das ist auf lange Sicht, für mich persönlich zumindest, mehr wert als die Antwort auf die philosophische Frage nach der Existenz von Leid.

Wie gehst Du mit leidvollen Situationen um, gerade im Bezug auf Gott? Würde mich mal interessieren…

Ich bin Terrorist!

Posted August 26, 2009 by curioustraveller
Categories: Gerade erst passiert, Nachrichten, um uns rum passiert

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oder: „Pass auf, kleine Hand, was tu tust…“.

Ist das nur die übliche Panikmache, oder sollte man mittlerweile tatsächlich mit dem, was man von sich gibt, vorsichtig sein?

Neulich im Supermarkt

Posted August 21, 2009 by curioustraveller
Categories: Kann immer mal wieder vorkommen, Mischpoche

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laufradWir hatten schon länger mal vor, für unsere Junia ein Laufrad zu kaufen; sie hat sich eines gewünscht und ist auch alt genug dafür. Auf der Suche nach einem stabilen, preiswerten Modell (man kann für die Dinger ja richtig Kohle abdrücken…) ist meine Frau im Nachbarort bei einem großen Supermarkt (kein Discounter) fündig geworden. Dort standen einige Fahrräder, Fahrradanhänger und auch noch ein einzelnes kleines Laufrad mit einem großen Schild oben drüber: 50% auf alle Fahrräder. Gemeint waren die Fahrräder, die direkt unter diesem Schild standen. Meine Frau war sich nicht sicher, ob sich das auch auf das Laufrad bezog und wollte zur Sicherheit noch mal nachfragen. Da entspann sich folgender Dialog:

Meine Frau (F): Sie haben dort einige Fahrräder zu 50% ausgezeichnet, gilt das auch für das Kinderlaufrad, das direkt daneben steht?

supermarktKassiererin (K): (extrem ratloses Gesicht) Bitte?

F: (wiederholt die Anfrage)

K: (Körpersprache und Mimik sagen: Hilfe, hier passiert was außerhalb des normal berechenbaren Tagesablaufs…) Ja, da muss ich mal schauen… (nimmt Hörer in die Hand und versucht, jemanden herzukriegen, der Bescheid weiß. Nach einigen Versuchen der Kontaktaufnahme folgende Worte): Äh, 50 Prozent, das wär doch dann die Hälfte, oder?

F: (irritiert) Ja.

K: (fasst sich ein Herz und fragt) Was sind denn die Hälfte von 30 Euro? Das wären dann doch 15, oder?

F: (nicht mehr sicher, ob sie von der ganzen Renovierung mittlerweile so geschafft ist, dass sie tagträumt): Ja.

K: Ja, dann macht das 15 Euro.

Ich rätsele immer noch über die Bedeutung des Vorfalls. War das jetzt „zahlen sie, so viel sie möchten!“, der schlechte Tag einer Angestellten, oder sitzt da tatsächlich jemand an der Kasse eines Supermarktes, der nicht rechnen kann??

Wie das Land, so das …

Posted August 19, 2009 by curioustraveller
Categories: Kann immer mal wieder vorkommen

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ACHTUNG! Dieser Artikel enthält Werbung! Und das gerne!

Was gibt es bei diesen Temperaturen schöneres als ein gepflegtes kühles Bier am Abend? Da werde selbst ich zum Biertrinker, obwohl ich mich bei dem Getränk sonst eher zurückhalte. Aber wenn, dann bevorzuge ich eher herbere Biere, was mich unausweichlich zum friesischen Brauhaus Jever führt. Die haben 2002 ein schönes, süffiges Schwarzbier namens „Jever Dark“ auf den Markt gebracht, was schnell zu einem meiner Lieblingsbiere avancierte.

Jever DarkMit Müh und Not und unter Einschaltung mehrerer Kontakte, die ihrerseits wiederum Kontakte zu Lebensmittelgroßmärkten hatten, gelang es mir vor 2 Jahren, einen Kasten davon hier im Rhein-Main-Gebiet zu ergattern (keine Chance in irgendeinem Getränkemarkt hier…). Leider hat Jever die Produktion des Bieres 2008 eingestellt, wie ich unlängst im Norden vor Ort erfahren habe (2 meiner Schwager wohnen in der Stadt…). Was ich sehr schade finde; vermutlich gab’s einfach doch nicht genug Abnehmer.

Von besagtem Kasten sind noch zwei Flaschen übrig – zwar schon jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums, aber das Bier ist immer noch gut. Jetzt überlege ich mir, ob ich die noch Schluck für Schluck genießen oder bei Ebay verticken soll…

von hinnen nach dannen

Posted August 12, 2009 by curioustraveller
Categories: Gerade erst passiert, Kann immer mal wieder vorkommen, Mischpoche

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NICHT unser Umzugsfahrzeug!

NICHT unser Umzugsfahrzeug!

Meine Postings beschränken sich im Augenblick vor allem deshalb überwiegend auf geklaute Gedichte, weil wir gerade doppelt am Umziehen und am Renovieren sind. Umgezogen bin ich zum einen mit dem Büro der Gemeinde, in einen kleineren Raum, der aber wesentlich ruhiger gelegen, wesentlich näher am Wohnort und vor allem mitten in dem Stadtteil ist, in dem sich der Großteil der Gemeinde befindet. Ich würde ja sagen „Näher am Menschen“, wenn das nicht schon als Wahlkampfslogan ausgelutscht worden wäre.

Heute wurde das Telefon von Büro alt nach Büro neu umgestellt. Und das Unheimliche war: Es hat auf Anhieb und ohne Fehler funktioniert! Da kann was nicht stimmen, oder?Auch das Internet funzt auf Anhieb.

Auch privat ziehen wir um: Aus einer doch ziemlich beengten Wohnsituation in ein kleines Haus im alten Stadtteil, voll unterkellert und mit Speicher oben drüber. Und das Beste – ein großer Garten zum chillen, toben mit den Kindern, zum Gemüse pflanzen, zum Äpfel ernten und zum Blumen bewundern. Meine Frau ist fleißig am Renovieren (ich konnte nicht, weil ich fast den ganzen Sommer über krank war – erst Weisheitszähne, dann Streptokokken, dann Knie-OP am Meniskus…). In vier Wochen soll der Umzug stattfinden, und allmählich erleben wir in der neuen Wohnung, bildlich gesehen, die ersten Schöpfungstage nach: Es kommt Ordnung ins Chaos.

Werde versuchen, mich mal wieder häufiger zu melden…

Ohne Liebe

Posted August 12, 2009 by curioustraveller
Categories: Glaube, geklaut

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Mal wieder geklaut, aber trotzdem gut:

Pflicht ohne Liebe macht verdrießlich.
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos.
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart.
Wahrheit ohne Liebe macht kritiksüchtig.
Erziehung ohne Liebe macht widerspruchsvoll.
Klugheit ohne Liebe macht gerissen.
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch.
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich.
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch.
Macht ohne Liebe macht gewalttätig.
Ehre ohne Liebe macht hochmütig.
Besitz ohne Liebe macht geizig.
Glaube ohne Liebe macht fanatisch.

Ein Leben ohne Liebe macht krank!

„Auch wenn alles einmal aufhört – Glaube, Hoffnung und Liebe nicht. Diese drei werden immer bleiben; doch am höchsten steht die Liebe.“ – 1. Korinther 13,13

Gott ist da!

Posted August 12, 2009 by curioustraveller
Categories: Glaube, King of Kings, geklaut

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Wenn alle besonderen Erlebnisse

so weit weg sind,

dass ich mich frage:

„Habe ich sie überhaupt erlebt?“

dann blicke ich mich um

und sehe Dich, Jesus

und sonst nichts.


Wenn alle großen Veranstaltungen

längst zu Ende sind,

dass ich mich frage:

„haben sie überhaupt stattgefunden?“

dann blicke ich mich um

und sehe Dich, Jesus,

und sonst nichts.


Wenn alle christlichen Freunde

längst abgereist sind,

dass ich mich frage:

„Waren sie jemals bei mir?“

dann blicke ich mich um

und sehe Dich, Jesus,

und sonst nichts.


Wenn alle bewegenden Eindrücke

längst vorüber sind,

dass ich mich frage:

„Hat mich das alles je berührt?“

dann blicke ich mich um

und sehe Dich, Jesus,

und sonst nichts.

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Eine Meditation zu Markus 9,8 von Hermann Traub

Tiefe Wurzeln schlagen

Posted August 5, 2009 by curioustraveller
Categories: Glaube, geklaut

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Ohne weiteren Kommentar meinerseits hier ein schönes afrikanisches Märchen:

Eine kleine Palme wuchs kräftig am Rande einer Oase. Eines Tages kam ein Mann vorbei. Er sah die kleine Palme und konnte es nicht ertragen, dass sie so prächtig wuchs.

Der Mann nahm einen schweren Stein und hob ihn in die Krone der Palme. Schadenfroh lachend suchte er wieder das Weite. Die kleine Palme versuchte, den Stein abzuschütteln. Aber es gelang ihr nicht. Sie war verzweifelt.

Da sie den Stein nicht aus ihrer Krone bekam, blieb ihr nichts anderes übrig, als mit ihren Wurzeln immer tiefer in die Erde vorzudringen, um besseren Halt zu finden und nicht unter der Last zusammenzubrechen.

Schließlich kam sie mit ihren Wurzeln bis zum Grundwasser und trotz der Last in der Krone wuchs sie zur kräftigsten Palme der Oase heran.

Nach mehreren Jahren kam der Mann und wollte in seiner Schadenfreude sehen, wie wohl verkrüppelt die Palme gewachsen sei, sollte es sie überhaupt noch geben. Aber er fand keinen verkrüppelten Baum.

Plötzlich bog sich die größte und kräftigste Palme der Oase zu ihm herunter und sagte: „Danke für den Stein, den du mir damals in die Krone gelegt hast. Deine Last hat mich stark gemacht!“

Sündige tapfer!

Posted August 5, 2009 by curioustraveller
Categories: Glaube, King of Kings

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Ein Zitat von Martin Luther, dass beim ersten und unzusammenhängenden Hören zunächst mal verstörend und irritierend wirkt. Und das schon oft falsch verstanden wurde.

Mir kam dieses Zitat bei der Vorbereitung zu einer Predigt über Römer 12, 11-18 in den Sinn. (Text). Ein Text, den ich aus eigenem Erleben sehr gut nachvollziehen kann. Ich kann von meinem Leben als Christ nicht behaupten, dass es permanent auf einer steil aufsteigenden Siegerstraße stattfindet, es ist manchmal mehr ein Kampf gegen den „inneren Schweinehund“, gegen Versuchung und gegen meine eigene menschliche Selbstsucht.

Paulus geht es in diesem Text zunächst nicht darum, einen Status Quo festzustellen (ich bin eben so, kann man nichts machen), seine Zuhörer zu entmutigen oder zu resignieren. Er wollte den Lesern des Römerbriefs (die zunächst Christen mit jüdischem Hintergrund waren) die Unmöglichkeit vor Augen zu führen, mit noch so viel Tugendhaftigkeit und guten Absichten, dem Gesetz des Mose entsprechend zu leben. Und mit diesem Text beschreibt er treffend den Zwiespalt, in dem sich – sind wir mal ehrlich – die allermeisten Christen (ich glaube sogar alle) immer wiederfinden. Dem Zwiespalt zwischen Geist und Fleisch, wie Paulus sich auszudrücken beliebte, zwischen dem Willen Gottes und der menschlichen Natur.

Luther stand eben diesem Zwiespalt gegenüber und litt darunter. Er wollte Gott gefallen (wenn seine autobiographischen Angaben korrekt sind – was ich glaube), und zwar in einer Art und Weise, die das Leben zum Krampf machte. Er ging (z.B.) so oft zur Beichte, dass ihm sein Beichtvater irgendwann entnervt entgegenhielt: „Gott ist nicht wütend auf dich – Du bist wütend auf Gott!“. Luther erkannte, dass er mit noch so viel gutem Bemühen Gott nicht näher kommen konnte.

Sein „Turmerlebnis“ (ob das ein zeitlich datierbares Erlebnis war oder ein längerer Erkenntnisprozess, sei mal dahingestellt), das Erkennen, dass ein Mensch nur durch Gottes Gnade gerecht werden kann, änderte das. In vieler Hinsicht, eben auch in seinem Umgang mit diesem von Paulus beschriebenen Zwiespalt.

Das oben genannte Zitat stammt genau genommen aus einem Briefwechsel mit seinem Freund und Schüler Philipp Melanchton, der ebenso mit der Frage kämpfte, wie sich Gottes Anspruch an den Menschen und seine unvollkommene menschliche Natur sich zueinander verhalten. Vor allem damit, wie ersteres mehr Gestalt im Leben gewinnen kann. Wie kann ein Mensch, der Gott folgt, noch sündigen? Worauf Luther schrieb:

Sündige tapfer, aber tapferer noch glaube und freue dich in Christus, der Herr ist über Sünde, Tod und Welt.

Was wollte er damit sagen? Lass die Sau raus? Oder: Wenn du schon sündigst, dann mach’s ordentlich? Nein! Er zeigte Melanchton nur die Unmöglichkeit, in diesem Leben der Sünde völlig auszuweichen. Wir werden als Menschen, die Jesus folgen, immer wieder Dinge tun, die falsch sind, die dem Willen Gottes widersprechen und die uns selbst hinterher leid tun. Viele sind gefangen in Denk- und Verhaltensmuster, aus denen oft nur schwer auszubrechen ist. Und man kann in Situationen geraten, in denen es eine „No-win“ Situation gibt. (Bonhoeffers Frage nach der „Schuldübernahme“ im Bezug auf den Tyrannenmord wäre da so ein Beispiel: Hitler zu töten ist Sünde, es bei Gelegenheit sein zu lassen, ebenso).

Auch als Christen leben wir in einer gefallenen Welt, die sich von Gott entfernt hat. Auch wenn wir nicht „von der Welt“ sind, hat diese Tatsache Auswirkungen auf unsere Ethik, und wir merken, wie sehr wir auf die Gnade Gottes angewiesen sind. Was mich zu Luther zurückbringt:

Inhalt seines Spruches war nicht der Wille, Sünde zu bagatellisieren. Es ging ihm vielmehr darum, an der Tatsache der Unvollkommenheit in diesem Leben nicht zu verzweifeln bis hin zu dem Punkt, wo man den Glauben als solches hinschmeißt – sondern darum, sein ganzes Vertrauen in Jesus zu setzen, der Leben verändern kann und dessen Gnade es ist, die uns letzten Endes ins Reich Gottes bringt. Also: Geh offen mit Sünde in deinem Leben um, offen vor dir selbst, vor Gott und, wenn angebracht, auch vor deinem Nächsten, aber verliere nicht den Mut: Wirf dein Vertrauen auf Jesus, der dafür sorgen wird, dass du ans Ziel kommst.