Vor kurzem traf sich hier in Bad Vilbel noch einmal das Team der Chagall-Woche, um eine Nachbesprechung zu halten. Darin ging es u. a. um die Frage, was wir mit dem erwirtschafteten finanziellen Überschuss machen (ganz richtig: Es ist möglich, eine solche Veranstaltung zu machen und Überschuss zu erzielen – hat uns auch überwältigt…). Nach einigem Nachdenken war es unser einstimmiger Tenor, den der Klostermühle zukommen zu lassen. Das ist die Bibelschule, an der der Referent der Chagall-Woche, Heiner Eberhardt, tätig ist. Nun ist es so gekommen, dass die kath. Kirche hier in Bad Vilbel-Stadt (St. Marien in unserem Stadtteil ist nur eine Filialgemeinde, oder wie es so schön heißt „Seelsorgegebiet“) sich strikt gegen diese Spende an die Klostermühle aussprach und auch ankündigte, das kommende ökumenische Projekte ohne die Beteiligung der kath. Kirche stattfinden werden.
Grundsätzlich könnte ich das verstehen. Käme der Priester auf mich zu und würde den Rückzieher mit den Unterschieden im Kirchenverständnis oder im Eucharistieverständnis begründen oder mit der in protestantischen Kirchen fehlenden Verehrung von Maria oder der Ablehnung des Primates des Papstes, dann hätte ich das zwar bedauert, hätte die Entscheidung aber respektiert. Dass sich das jetzt am Thema „Geld“ aufhängt, finde ich sehr schade.
Ich bin kein Vollblutökumeniker, das muss ich gestehen. Schon allein der Gründungsgottesdienst der ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen) gab mir doch einige Kröten zu schlucken (und das nicht nur von katholischer Seite…). Ich bin nicht jemand, der bereit ist, nur um des ökumenischen Zusammenseins willen zentrale Glaubensüberzeugungen oder meine geistliche Identität über Bord zu werfen. Und ich bin auch absolut nicht am Schmollen, weil der Papst meine Gemeinde nicht als vollwertige Kirche bezeichnet. (und, ich füge hinzu: Was theologische Unterschiede anbelangt – die gibt es von mir aus gesehen ebenso zu den ev. Landeskirchen…).
Um bei der katholischen Kirche zu bleiben: Es gibt vieles an dieser Kirche, was mich fasziniert. Gerade an ihren Mitgliedern, die ihren Glauben mit Freude und hingegeben leben. Ich schätze und achte ihren reichen Schatz an Tradition (auch wenn ich theologisch nicht alle Früchte dieser Tradition so teilen kann), und ich habe immer wieder sehr gute Gespräche mit katholischen Geschwistern. Das Lustige ist: die Gespräche sind umso besser, wenn wir unsere Unterschiede klar benennen, sie stehen lassen und uns trotzdem als Geschwister begegnen. Sie sind umso flacher, wenn mein Gegenüber von der „Wir-sind-doch-alle-eins“-Fraktion ist.
Hier in Bad Vilbel-Dortelweil haben wir einige gute Wege gefunden, ökumenisch in Erscheinung zu treten und dabei trotzdem unsere Identität zu bewahren. Die Chagall-Woche, die wir gemeinsam veranstaltet haben war nur ein Beispiel dafür (Im Eingangsbereich waren 3 Infotische aufgebaut, die jedem Besucher die Möglichkeit gaben, sich über die jeweiligen Gemeinden zu informieren…). Und das kam gut an bei den zunehmend entkirchlichten und infolgedessen entchristlichten Menschen hier in der Gegend. Ich bedauere es, dass die katholische Kirche aussteigt, auch wenn ich es akzeptieren muss.
Wir hatten schon länger mal vor, für unsere Junia ein Laufrad zu kaufen; sie hat sich eines gewünscht und ist auch alt genug dafür. Auf der Suche nach einem stabilen, preiswerten Modell (man kann für die Dinger ja richtig Kohle abdrücken…) ist meine Frau im Nachbarort bei einem großen Supermarkt (kein Discounter) fündig geworden. Dort standen einige Fahrräder, Fahrradanhänger und auch noch ein einzelnes kleines Laufrad mit einem großen Schild oben drüber: 50% auf alle Fahrräder. Gemeint waren die Fahrräder, die direkt unter diesem Schild standen. Meine Frau war sich nicht sicher, ob sich das auch auf das Laufrad bezog und wollte zur Sicherheit noch mal nachfragen. Da entspann sich folgender Dialog:
Kassiererin (K): (extrem ratloses Gesicht) Bitte?
Mit Müh und Not und unter Einschaltung mehrerer Kontakte, die ihrerseits wiederum Kontakte zu Lebensmittelgroßmärkten hatten, gelang es mir vor 2 Jahren, einen Kasten davon hier im Rhein-Main-Gebiet zu ergattern (keine Chance in irgendeinem Getränkemarkt hier…). Leider hat Jever die Produktion des Bieres 2008 eingestellt, wie ich unlängst im Norden vor Ort erfahren habe (2 meiner Schwager wohnen in der Stadt…). Was ich sehr schade finde; vermutlich gab’s einfach doch nicht genug Abnehmer.
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