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“Nachfolge” von Dietrich Bonhoeffer – keine leichte Kost…

Lese gerade den Klassiker “Nachfolge” des evangelischen Pfarrers und Märtyrers Dietrich Bonhoeffer. Das Buch beginnt mit einer Abhandlung über das, was er “billige Gnade” nennt. Hier mal ein Auszug:

Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. … Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, … Gnade ohne Preis, ohne Kosten.
… In dieser Kirche findet die Welt billige Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht. Billige Gnade ist darum Leugnung des lebendigen Wortes Gottes, Leugnung der Menschwerdung des Wortes Gottes. Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders. Weil Gnade doch alles allein tut, darum kann alles beim alten bleiben. … Billige Gnade ist Predigt der  Vergebung ohne Buße, … ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünden, ist Absolution ohne persönliche Beichte. Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus.

Teure Gnade ist das Evangelium, das immer wieder gesucht, die Gabe, um die gebeten, die Tür, an die angeklopft werden muss. Teuer ist sie, weil sie in die Nachfolge ruft, Gnade ist sie, weil sie in die Nachfolge Jesu Christi ruft; teuer ist sie, weil sie dem Menschen das Leben kostet, Gnade ist sie, weil sie so das Leben erst schenkt; teuer ist sie, weil sie die Sünde verdammt, Gnade, weil sie den Sünder rechtfertigt. Teuer ist die Gnade vor  allem darum, weil sie Gott teuer gewesen ist, weil sie Gott das Leben seines Sohnes gekostet hat – ‘ihr seid teuer erkauft -’, und weil uns nicht billig sein kann, was Gott teuer ist. Gnade ist sie vor allem darum, weil Gott sein Sohn nicht zu teuer war für unser Leben, sondern ihn für uns hingab. Teure Gnade ist Menschwerdung Gottes.

Starker Tobak. Aber nur der starke Tobak ist bekanntlich aromatisch und erfüllt den Raum mit Duft – das kann ich als ehemaliger Pfeifenraucher bestätigen. Und nur leichte Kost macht auf die Dauer nicht satt.

Bin mal gespannt, was mich in dem Buch noch so erwartet…


Zum 45. Todestag von C.S. Lewis

cslewisIn meinem Büro hängt direkt neben dem Schreibtisch der Spruch aus Hebräer 13,7:

Erinnert euch an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben. Seht auf ihr Leben und haltet euch an ihr Beispiel…”.

Darunter befinden sich einige Bilder von Menschen, die mich im Glauben geprägt und beeinflusst haben. Einen Platz ganz oben hat dabei der englische Literaturprofessor C.S. Lewis, Autor vieler Bücher apologetischer Natur sowie Büchern, die dem Genre “Fantasy” zuzuordnen sind.

Lewis wurde am 29. November 1898 in Belfast geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Er zeigte schon früh ein hohes Maß an Intelligenz und die Neigung zur Literatur.

Schwere Kindheitserlebnisse, die ihn lange verfolgten, waren die Krebserkrankung und der darauffolgende Tod seiner Mutter sowie der Tod seines Onkels und seines Großvaters. Innerhalb weniger Monate hatte er drei Menschen verloren, die ihm sehr nahestanden. Mit seinem strengen Vater kam er weniger gut zurecht, dafür aber umso besser mit seinem Bruder Warren.

Im ersten Weltkrieg kämpfte er an der Front in Frankreich, wurde verwundet und 1918 aus der Armee entlassen. Ein Jahr später nahm er seine vom Krieg unterbrochenen Studien in Oxford wieder auf und studierte Literatur, Philosophie und antike Geschichte. Ab 1923 war er Lehrer für Philosophie und englische Sprache am ehrwürdigen Magdalen College in Oxford.

Beeinflusst durch seine Lebenserfahrung bis zu diesem Zeitpunkt, war Lewis überzeugter Atheist. Das änderte sich, als er sich in Oxford mit seinen Kollegen J.R.R. Tolkien und Hugo Dyson anfreundete. Vor allem Tolkien brachte ihn dazu, sich im September 1931 für den Glauben an Christus zu entscheiden, Lewis selbst sagt von sich, er wäre “… in jener Nacht der wohl widerwilligste und zögerlichste Bekehrte in ganz England..” gewesen. Lewis gehörte den Inklings (dt: Tintenkleckser) an, einem Literarischen Zirkel, der sich regelmäßig in einem Pub in Oxford traf, um sich eigen verfasste Werke gegenseitig vorzulesen. Im Kreis dieses Literaturzirkels entstanden u.a. Werke wie Tolkiens “Herr der Ringe” oder die “Chroniken von Narnia” von C.S. Lewis. In späteren Jahren übte er verschiedene Lehrtätigkeiten aus, erhielt Ehrendoktowürden in Theologie und Literatur und hatte zuletzt einen Lehrstuhl für Literatur des Mittelalters und der Renaissance in Cambridge inne.

Erwähnenswert wäre auch noch seine Heirat mit der Amerikanerin Helen Joy Davidman, zunächst nur mit der Absicht, ihr eine Aufenthaltsgenehmigung in England zu gewähren, wuchs allmählich Liebe daraus (die Geschichte wurde in dem Film “Shadowlands” verarbeitet). Ihr Krebstod im Jahr 1960 trieb ihn zu einem seiner besten Werke, dem Buch “Über die Trauer”. Lewis selbst starb am 22. November 1963 in seinem Haus in Oxford.

Das erste Buch, das ich von C.S. Lewis las, waren die “Dienstanweisungen für einen Unterteufel” (englischer Originaltitel: The Screwtape Letters). Es folgte sein aus meiner Sicht wichtigstes Werk mit dem (leider etwas unglücklich übersetzten) deutschen Titel: “Pardon, ich bin Christ” (engl. Originaltitel: “Mere Christianity”, das heißt etwa so viel wie “Christentum schlechthin”). Nach und nach kamen Bücher wie “Die große Scheidung” (ein hervorragendes Buch zum Thema “Hölle”), Gott auf der Anklagebank, Was man Liebe nennt und noch ein paar andere. Und natürlich irgendwann auch die Chroniken von Narnia (habe ich in Englisch – alle sieben Bände innerhalb von 4 Tagen durchgelesen…).

Was mich an C.S. Lewis immer wieder begeistert, ist sein Scharfsinn, seine bestechende Logik, und vor allem sein Intellekt, ebenso wie seine Fantasie. Vier Eigenschaften, die ich bei Christen durchaus häufiger mal vermisse. Und das Lewis nie einen bestimmten konfessionellen Standpunkt vertreten hat, sondern sich immer auf das konzentrierte, was den Glauben an Christus in seinem Kern ausmacht, auch das hat mich immer wieder beeindruckt.

Als ich anfing, die Bücher von C.S. Lewis zu lesen, da war das für mich, wie wenn jemand in einem stickigen Raum ein Fenster öffnet. (Er wird ja nicht umsonst der “Apostel der Skeptiker” genannt…). Und ich habe durch sie angefangen, Gott jenseits meiner eigenen, damals etwas engstirnigen, konfessionellen Prägung zu suchen. Und ich kann gar nicht beschreiben, wie gut mir das getan hat. Sein Ehrenplatz unter meinen “Lehrern” ist mehr als verdient…


Im Bücherregal aufgegabelt…

Es lohnt sich immer mal wieder, sein Bücherregal durchzuforsten. Vor kurzem fiel mir dabei das Buch “Ansichten aus Wolkenkuckucksheim” (engl. Originaltitel: “View from a bouncy castle”) von Adrian Plass in die Hände, einem von mir sehr geschätzten Autor. In dem Buch gibt es ein Kaptiel über das Thema “Kritik”, in dem sich wiederum ein schönes Gedicht von George Target befindet, das ich hier einfach mal so zitiere. Schließt sich weitestgehend an das “Wächter-auf-den-Zinnen-Posting” an.

Sie rauchen nicht
     aber sie atmen auch nicht
     in tiefen Zügen die frische Luft ein,
sie trinken keinen Wein,
     aber sie finden auch keinen Geschmack
     an Limonade;
sie fluchen nicht,
     aber sie rühmen auch nicht in gewaltigen Worten,
     weder Gedicht noch Gebet;
sie treiben kein Glücksspiel,
     aber sie setzen auch nicht
     ihr ganzes Vermögen auf Gott.
Sie mustern Mädchen und Frauen nicht
mit lüsternen Augen,
     aber sie sind auch niemals außer Atem vor Liebe und Lachen,
     sie spielen niemals ausgelassen unter der Sonne des Hochsommers.
Es ist alles recht bleich und verwachsen;
der große Fürst liegt im Gefängnis.

Bücher, die mich gerade beschäftigen…

So, nach längerer Blog-Pause (bedingt durch ein paar eher stressige Tage) bin ich wieder zurück. Zur Zeit lese ich, wie meistens, mal wieder 3 Bücher parallel. Die Titel wähle ich je nach Tageszeit und Aufmerksamkeitskapazität: Wenn ich gut ausgeschlafen und richtig gut drauf bin, lese ich im Augenblick nach wie vor das Buch “Jesus von Nazareth” von Benedikt XVI. (ein Buch, das ich bis zum jetzigen Zeitpunkt übrigens absolut klasse finde), in den letzten Tagen las ich (auf Empfehlung meiner Frau) ein Buch, das die Mutter eines Jungen mit Down-Syndrom geschrieben hat und in dem sie ihren Alltag mit ihrem Sohn und ihrer Familie, verbunden mit vielen Erinnerungen aus den vergangenen 15 Jahren, beschreibt. Sehr berührend, nachdenklich, witzig, und vor allem “easy reading”, was den Schwierigkeitsgrad anbelangt. Titel des Buches: “Bin Knüller”. Sehr empfehlenswert.

Ein weiteres Buch steht noch in der Warteschlange: “Neun Wege, Gott zu lieben” von Gary L. Thomas. Darin geht es um verschiedene Zugangswege zu Gott, die Menschen verschiedener Persönlichkeitsprägung und verschiedenen Tempraments haben.

Das Buch, das mich allerdings im Augenblick am meisten beschäftigt, das mich nachdenken lässt und mich mit seinen Gedanken herausfordert, ist von einem meiner persönlichen christlichen Top-Autoren, Philip Yancey. In dem Buch geht es um das Thema “Beten”. Was ich an Yancey sehr schätze ist die Tatsache, dass seine Bücher, auch wenn sie sich um viel beschriebene Themen drehen, nie der “So-wirds-gemacht-Literatur” zuzuordnen sind. Er geht in seinem Buch offen mit seiner eigenen Distanz zu dem Thema um, schaut sich große Beter in der Geschichte an, untersucht das Thema Gebet in der Bibel und widmet sich einzelnen Facetten dieses weiten Themas. Der Text wird immer wieder ergänzt durch persönliche Berichte von Menschen, die in ihrem Leben Erfahrungen mit diesem Thema gemacht haben, auch – und gerade – dann, wenn ihr Leben nicht nach schnurgeradem christlichem Strickmuster verlaufen ist.

Ich bin noch bei der Lektüre des Buches (schon zum zweiten Mal; man muss das wirklich mehrere Male lesen, um der Gedankenfülle Herr zu werden…), daher kann ich es noch nicht abschließend in seiner nachhaltigen Wirkung auf mich selbst beurteilen. Aber es gibt einige Sätze, die ich aus dem Buch mitnehme, und die ich gerade in meinem Alltag als sehr tröstlich empfinde, auch wenn ich sie inhaltlich schon längst kannte. Z.B.: Gott hört jedes Gebet, auch dann, wenn die Antwort vielleicht anders ausfällt, als wir es uns erhofft hatten. Oder – ein sehr schönes Zitat -: “Gottes Gnade fließt immer nach unten. Sie fließt nach unten und sie füllt die tiefsten Löcher unseres Lebens”. So ein wohltuender Kontrast zu der ganzen frommen “Bring-Dein-Leben-in-Ordnung”-Literatur unserer Tage. Jemand, der mit seinen ganzen eigenen Schwächen offen umgeht und mit diesen Schwächen an dieses Thema herangeht und so den Leser mitnimmt auf die geistliche Entdeckungsreise…

Unbedingte Buchempfehlung!


Wer mag noch Oliven?

Mein werter Kollege Christof Lenzen, dessen Blog ich regelmäßig lese, hat vor kurzem sein literarisches Erstlingswerk beim Brockhaus-Verlag veröffentlicht. “Glauben genießen” – ich habs noch nicht gelesen, aber das Titelbild lädt mich zumindest zum Genießen ein. Ich liebe mediterranes Essen, kommt bei mir nach indischen Gerichten direkt auf dem zweiten Platz (und ist auch viel einfacher zu kochen .. finde ich!).

Ist ein Buch, das vom Glauben als Genuß schreibt, überhaupt nötig? Auf jeden Fall! Ich habe in meiner Christenlaufbahn schon zu viele Vertreter der Zunft kennengelernt, für die das Christenleben ein einziger Durchmarsch durchs “irdische Jammertal” war, und die daraus die Konsequenz zogen, sich völlig von der Welt zurückzuziehen. In dem Buch – davon gehe ich nach den ersten Berichten aus, die ich von Leuten habe, die es gelesen haben – geht es darum, Gottes gute Gaben dankbar zu genießen, sich zu freuen an dem, was er geschaffen hat. Nicht darum, die Sau rauszulassen, sondern darum, Freude und Zufriedenheit in Gottes Gegenwart zu finden. Das Bild vom Essen kommt dabei nicht ungefähr: Zu Jesu Zeiten bedeutete gemeinsames Essen mehr als nur gleichzeitige Nahrungsaufnahme: Der, mit dem man sich an den Tisch setzte, der genoß das Vertrauen des anderen (man aß oft von einem einzigen Teller bzw. einer Schale – das konnte man eben nur mit Vertrauen dem anderen gegenüber). Das war ein sich-verbinden mit dem anderen.

Genau das hat die Pharisäer so auf die Palme gebracht, wenn Jesus mit den Zöllnern aß. Er snackte nicht nur für den kleinen Hunger zwischendurch, sondern er machte diesen von der Gesellschaft gemiedenen Menschen klar, dass Gott bereit ist, sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen.

Ich bin ja mal gespannt auf das Buch!


Gott und der Sex …

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“Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv”, das neueste Buch von Harald Schmidt, das mir meine Frau zu Weihnachten geschenkt hat. In dem Buch befindet sich das “Best of” von H.S.’ gesammelten FOCUS-Kolumnen. Man fragt sich: Wie kommt er zu dem bescheuerten Titel? Die einfache Antwort: Damit wollte er die Verkaufszahlen erhöhen (wie er selbst sagt…). Man erkennt natürlich die Anlehnung an “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod” von Bastian Sick und an Hape Kerkerlings “Ich bin dann mal weg”. Beides Bestseller, die sich ziemlich lange bei den Sachbüchern in den Top Ten gehalten haben. Und, so Schmidt weiter, wenn ich irgendwo auf einen Buchtitel das Wort “Sex” draufdrucke, dann erhöht das den Absatz garantiert.

Szenenwechsel: Vor einigen Wochen hielt ich in meiner Gemeinde die Predigt zum Thema “Was Gott über Sex denkt”. Wie bei Gottesdiensten zu bestimmten Themen üblich, ging eine kleine Vorabmeldung an die Lokalpresse, die dann (wenn die Redakteure gut drauf sind) einen kleinen Artikel abdruckt. Das war’s dann aber auch schon meistens mit der medialen Bearbeitung des jeweiligen Gottesdienstes.

Nicht so bei diesem Thema: An dem Tag schlug eine Mitarbeiterin der Presse auf, hat fleißig fotografiert und mitstenografiert. Auf meine schüchterne Nachfrage, was sie denn in den Gottesdienst gebracht hätte, antwortete sie: “Die Redaktion wollte mal wissen, was evangelikale Christen gerade zu dem Thema sagen…” Der Artikel erschien 2 Tage später in ansehnlicher Länge in der “Frankfurter Neuen Presse”.

Was lehrt uns das: Harald Schmidt hat recht…

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Im Zusammenhang mit obigem Thema noch eine kleine Buchempfehlung: Das Buch “Sehnsucht nach der unsichtbaren Welt” von Philip Yancey (Projektion J Verlag, kostet mitterweile in der Regel nur noch n’ Appel und n’ Ei) hat mir bei der Predigvorbereitung sehr geholfen. Nicht gerade immer theologisch tiefschürfend, aber trotzdem mit vielen guten Gedankenanstößen zum Thema Sexualität in unserer Gesellschaft.


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