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Des Apologeten Abendgebet

Als Gemeinde stecken wir gerade in der Anfangsphase eines Jüngerschaftsprojektes, das uns bis Dezember beschäftigen wird und von dem ich sehr hoffe, dass es uns geistlich vorwärts bringen wird. Bei der Vorbereitung für die Themen (die immens Zeit beansprucht, aber Spaß macht) merke ich, dass es sich immer wieder lohnt, theologisch (im weitesten Sinne) tief zu buddeln. Das ist wichtig – manchmal ist es auch wichtig, sich theologisch auseinanderzusetzen und Meinungen zu unterschiedlichen Standpunkten auszutauschen.

Was ich aber nicht ab kann, ist pseudotheologische Klugscheißerei, bei der es nur darum geht, einen Gesprächspartner niederzumachen. Und in dem Muster kann man echt schnell landen: Man ist nicht mehr bemüht, die Wahrheit zu finden oder von anderen zu lernen, sondern nur noch Sieger im verbalen Ring zu bleiben. Einer, der das richtig gut konnte, war C.S. Lewis. Er empfand das als eine Schwäche und deshalb fasste er sein Gebet in einem Gedicht zusammen:

From all my lame defeats and oh! much more
From all the victories that I seemed to score;
From cleverness shot forth on Thy behalf
At which, while angels weep, the audience laugh;
From all my proofs of Thy divinity
Thou, who wouldst give no sign, deliver me.

Thoughts are but coins. Let me not trust instead
Of Thee their thin-worn image of my head.
From all me thoughts, even from my thoughts of Thee
O thou fair Silence, fall, and set me free.
Lord of the narrow gate and the needle’s eye,
Take me from all my trumpery lest I die.

C.S. Lewis, “the apologist’s evening prayer”


Fahr nicht zur Hölle!

Gibt es eine Hölle? Keine populäre Frage. Kein einfaches Thema. Und vor allem eines, das polarisiert: Auf der einen Seite die Ablehunung der Hölle als theologisch mittelalterliches Konstrukt oder deren Relativierung durch Uminterpretation (Wegbgegleiter hat dazu vor längerer Zeit mal diesen interessanten Artikel verfasst), auf der anderen Seite, wenn auch wesentlich seltener, die Hölle als Druckmittel, als Angstauslöser, um Menschen mit der verbalen Peitsche ins Reich Gottes zu jagen.

Sicher ist: beim Lesen der Evangelien kommt man um das Thema nicht herum. Jesus spricht häufiger von der Hölle als vom kommenden Reich Gottes und im Zusammenhang damit von der Notwendigkeit, sich vom Weg, der in eben diese Hölle führt, abzuwenden. Die Frage ist nur: Wie verstehe ich diese Worte von Jesus? Wie haben seine Zuhörer sie verstanden?

Eines der Bilder, das Jesus unter anderem verwendete, war das Bild der “Gehenna”, des Hinom-Tals südlich von Jerusalem. Das war sozusagen die Müllkippe der Stadt. Oder sagen wir Müllverbrennungsanlage: Was da lag, wurde verbrannt, um keinen Seuchenherd entstehen zu lassen. Ob unbrauchbares Holz, Faule und schlechte Lebensmittel, Tierkadaver, was auch immer, alles landete da und wurde verbrannt. Kein angenehmes Bild. Ein Bild für absolute Gottverlassenheit, für finale Hoffnungslosigkeit und  und für einen Zuhörer der damaligen Zeit sehr eindrücklich.

Ob man sich den Feuersee aus dem Buch der Offenbarung des Johannes (ein anderes Bild) wörtlich so vorstellen muss, weiß ich nicht (das war die Vorlage von vielen Höllenbildern aus dem Mittelalter…). Das kann sein, es kann aber auch als Metapher für etwas anderes stehen. Auf jeden Fall sprengt die Darstellung der Hölle im NT noch die Vorstellungskraft der wüstesten menschlichen Albträume: Ein Ort, an dem Gott tatsächlich in jeder Form abwesend ist. Und an dem die Menschen bemerken, wie sehr Gott in ihrem irdischen Leben präsent war, selbst dann, wenn sie nichts mit ihm zu tun haben wollten…

Ein Buch, das ich mir vor kurzem mal wieder gegriffen habe, welches sich um dieses Thema dreht, ist das Buch “Die große Scheidung” von C.S. Lewis. Ohne auf detailliert auf seine Vorstellungen von der Hölle einzugehen, fand ich einige Sätze daraus sehr bemerkenswert, vor allem aus einer fiktiven Unterhaltung des Autors mit dem schottischen Schrifsteller und Pfarrer George MacDonald:

“… jeder, der [auf den Weg in den Himmel, Anm. von curioustraveller] möchte, kommt hinein. Seid darum unbesorgt. Am Ende gibt es nur zwei Arten von Menschen: Die, die zu Gott sagen: ‘Dein Wille geschehe’ und diejenigen, zu denen Gott am Ende sagt: ‘dein Wille geschehe!’ Alle, die in der Hölle sind, erwählen sie. Ohne diese Wahl ihrer selbst könnten sie nicht in der Hölle sein. Keine Seele, die ernstlich und inständig nach Freude verlangt, wird sie verfehlen. Die, welche suchen, finden. Denen, die anklopfen, wird aufgetan…”

Gilbert K. Chesterton setzt dem noch eins drauf und sagt: “Die Hölle ist das große Kompliment Gottes an die menschliche Freiheit und die Würde menschlicher Persönlichkeit”. Gott wirft niemanden in die Hölle – jeder Mensch geht den Weg, den er selbst wählt. Wer in diesem Leben nicht mit Gott leben will, dem zwingt er sich nicht auf – jetzt nicht und in Zukunft nicht.

Gibt es die Hölle? Wenn ich den Worten von Jesus glaube, und das tue ich von ganzem Herzen, dann ja. Und ich glaube, dass es zur Guten Nachricht von Jesus dazugehört, den Menschen zu sagen, wovor er sie retten und bewahren will, ohne das in den Vordergrund zu stellen. Jesus ist nicht unser Wellness-Berater, sondern unser Erlöser. Der nicht will, dass irgendjemand in der Hölle landet, der aber auch nicht mit der Brechstange in unser Leben kommt.

Dem biblischen Zeugnis nach gibt es also die Hölle – aber es gibt auch die Möglichkeit, auf dem Weg dahin den Notausgang zu wählen, den Jesus für uns geöffnet hat…


Hausbesuch vom Chef

unbenannt-1-kopie2Stell’ Dir vor, Dein Leben wäre ein Haus. Wie groß wäre es und welche Räume hätte es? Wo wäre was angeordnet? Wer von Deinen Mitmenschen dürfte dein Haus betreten, und wenn, welche Räume? Und wie wäre es, wenn Jesus zu Besuch käme? Welche Räume würde ich ihm mit Begeisterung zeigen, an welchen achtlos vorbeigehen und welche würde ich mit aller Kraft versuchen, geschlossen zu halten?

Fragen, die uns vor einigen Jahren mal ein evangelischer Pfarrer während eines Gebetsabends der Allianz-Gebetswoche gestellt hat. Und ein Bild, das mich seither immer wieder beschäftigt. Die Räume, in die Jesus noch nicht hineindarf. Die nicht schön dekoriert sind, in denen eine Menge Gerümpel liegt (von dem ich denke, dass ich’s noch brauchen könnte, aber es nie verwende…). Ärger, Verbitterungen, Selbstzweifel, Frust, Versagen und ähnliches. Was hindert mich daran, die Tür aufzumachen und Jesus entrümpeln zu lassen? Scham? Angst? Schmerz? Die Frage, wo das Gerümpel landet?

Es ist letzten Endes eine Frage des Vertrauens. Und das muss ich mir immer wieder durchbuchstabieren: Dass es keinen besseren Ort auf der Welt gibt, an dem ich das Gerümpel meines Lebens loswerden kann… Wie C.S. Lewis sagt:

Gib dich selbst auf, und du wirst dein wahres Selbst finden. Verlier dein Leben, und du wirst es retten. Unterwirf dich dem Tod deiner Ambitionen und Lieblingswünsche an jedem einzelnen Tag  und dem Tod deines ganzen Körpers am Ende, unterwirf dich mit jeder Faser deines Wesens, und du wirst ewiges Leben finden. Halte nichts zurück. Nichts, was du nicht weggegeben hast, wird dir jemals wirklich gehören. Nichts in dir, was nicht gestorben ist, wird je von den Toten auferstehen. Suche dich selbst und du wirst auf die Dauer nur Hass, Einsamkeit, Verzweiflung, Zorn, Auflösung und Verfall finden. Doch suche Christus, und du wirst ihn finden, und mit ihm alles andere als Zugabe.”

Amen dazu!


Zum 45. Todestag von C.S. Lewis

cslewisIn meinem Büro hängt direkt neben dem Schreibtisch der Spruch aus Hebräer 13,7:

Erinnert euch an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben. Seht auf ihr Leben und haltet euch an ihr Beispiel…”.

Darunter befinden sich einige Bilder von Menschen, die mich im Glauben geprägt und beeinflusst haben. Einen Platz ganz oben hat dabei der englische Literaturprofessor C.S. Lewis, Autor vieler Bücher apologetischer Natur sowie Büchern, die dem Genre “Fantasy” zuzuordnen sind.

Lewis wurde am 29. November 1898 in Belfast geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Er zeigte schon früh ein hohes Maß an Intelligenz und die Neigung zur Literatur.

Schwere Kindheitserlebnisse, die ihn lange verfolgten, waren die Krebserkrankung und der darauffolgende Tod seiner Mutter sowie der Tod seines Onkels und seines Großvaters. Innerhalb weniger Monate hatte er drei Menschen verloren, die ihm sehr nahestanden. Mit seinem strengen Vater kam er weniger gut zurecht, dafür aber umso besser mit seinem Bruder Warren.

Im ersten Weltkrieg kämpfte er an der Front in Frankreich, wurde verwundet und 1918 aus der Armee entlassen. Ein Jahr später nahm er seine vom Krieg unterbrochenen Studien in Oxford wieder auf und studierte Literatur, Philosophie und antike Geschichte. Ab 1923 war er Lehrer für Philosophie und englische Sprache am ehrwürdigen Magdalen College in Oxford.

Beeinflusst durch seine Lebenserfahrung bis zu diesem Zeitpunkt, war Lewis überzeugter Atheist. Das änderte sich, als er sich in Oxford mit seinen Kollegen J.R.R. Tolkien und Hugo Dyson anfreundete. Vor allem Tolkien brachte ihn dazu, sich im September 1931 für den Glauben an Christus zu entscheiden, Lewis selbst sagt von sich, er wäre “… in jener Nacht der wohl widerwilligste und zögerlichste Bekehrte in ganz England..” gewesen. Lewis gehörte den Inklings (dt: Tintenkleckser) an, einem Literarischen Zirkel, der sich regelmäßig in einem Pub in Oxford traf, um sich eigen verfasste Werke gegenseitig vorzulesen. Im Kreis dieses Literaturzirkels entstanden u.a. Werke wie Tolkiens “Herr der Ringe” oder die “Chroniken von Narnia” von C.S. Lewis. In späteren Jahren übte er verschiedene Lehrtätigkeiten aus, erhielt Ehrendoktowürden in Theologie und Literatur und hatte zuletzt einen Lehrstuhl für Literatur des Mittelalters und der Renaissance in Cambridge inne.

Erwähnenswert wäre auch noch seine Heirat mit der Amerikanerin Helen Joy Davidman, zunächst nur mit der Absicht, ihr eine Aufenthaltsgenehmigung in England zu gewähren, wuchs allmählich Liebe daraus (die Geschichte wurde in dem Film “Shadowlands” verarbeitet). Ihr Krebstod im Jahr 1960 trieb ihn zu einem seiner besten Werke, dem Buch “Über die Trauer”. Lewis selbst starb am 22. November 1963 in seinem Haus in Oxford.

Das erste Buch, das ich von C.S. Lewis las, waren die “Dienstanweisungen für einen Unterteufel” (englischer Originaltitel: The Screwtape Letters). Es folgte sein aus meiner Sicht wichtigstes Werk mit dem (leider etwas unglücklich übersetzten) deutschen Titel: “Pardon, ich bin Christ” (engl. Originaltitel: “Mere Christianity”, das heißt etwa so viel wie “Christentum schlechthin”). Nach und nach kamen Bücher wie “Die große Scheidung” (ein hervorragendes Buch zum Thema “Hölle”), Gott auf der Anklagebank, Was man Liebe nennt und noch ein paar andere. Und natürlich irgendwann auch die Chroniken von Narnia (habe ich in Englisch – alle sieben Bände innerhalb von 4 Tagen durchgelesen…).

Was mich an C.S. Lewis immer wieder begeistert, ist sein Scharfsinn, seine bestechende Logik, und vor allem sein Intellekt, ebenso wie seine Fantasie. Vier Eigenschaften, die ich bei Christen durchaus häufiger mal vermisse. Und das Lewis nie einen bestimmten konfessionellen Standpunkt vertreten hat, sondern sich immer auf das konzentrierte, was den Glauben an Christus in seinem Kern ausmacht, auch das hat mich immer wieder beeindruckt.

Als ich anfing, die Bücher von C.S. Lewis zu lesen, da war das für mich, wie wenn jemand in einem stickigen Raum ein Fenster öffnet. (Er wird ja nicht umsonst der “Apostel der Skeptiker” genannt…). Und ich habe durch sie angefangen, Gott jenseits meiner eigenen, damals etwas engstirnigen, konfessionellen Prägung zu suchen. Und ich kann gar nicht beschreiben, wie gut mir das getan hat. Sein Ehrenplatz unter meinen “Lehrern” ist mehr als verdient…


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