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Manchmal ist mehr drin, als man glaubt

Mitte Februar scheint es zwar etwas unpassend zu sein, auf das letzte Jahr zurückzublicken, aber vorher hat es sich einfach nicht ergeben. Wir waren viel beschäftigt mit Umzug, Einrichten, Eingewöhnen (wobei für die handwerklichen Tätigkeiten mindestens 80% des Lobes an meine Frau gehen muss …), Kinder in KiTa und Schule anmelden, Menschen aus der Gemeinde hier kennenlernen und und und … Zur Zeit sind wir gesundheitlich etwas angeschlagen: Fast alle kämpfen mit Erkältung (verständlich, da sich Nordsibirien gerade mal temporär vom Klima her nach Mitteleuropa verlagert hat …) und ich hatte eine hartnäckige Bronchitis, die ich einfach nicht los wurde. Nach einem Besuch beim Pulmologen stellte sich dann heraus, dass ich Asthma habe – was ich vorher noch gar nicht wusste. (Nach einer Cortisonspritze war alles wieder “auf normal”). Der Kommentar von allerorten: “Da seid ihr ja genau in die richtige Gegend gezogen”. In der Tat – viele Leute, die zur Kur hierher kommen, kommen mit Atemwegsbeschwerden.

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“Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn darum bittet”. (Matth. 6,8). Das haben wir im vergangenen Jahr mehr als einmal erlebt. Wie wir überhaupt hierher gekommen sind, wie wir unseren Hauskauf finanziell gestemmt bekamen und wie alles, was dafür nötig war, fristgerecht vorhanden war und das aus eigenen Mitteln, bis hin zur Kindergarten- und Schulsituation der Kinder und auch die berufliche Situation meiner Frau. Das Jahr 2011 war ziemlich ereignisreich (bis hin in die heutige Zeit) und es ist uns ein paar mal passiert, dass wir irgendwann abends am Tisch oder auf dem Sofa saßen, uns unterhielten, und nur fassungslos staunen konnten, wie Gott alles ineinandergefügt hat. Wie sich Wege ebneten, noch bevor wir überhaupt auf die Idee kamen, sie zu gehen und wie Dinge für uns bereit standen, an die wir noch gar nicht gedacht hatten. Natürlich ist es auch eine große Hilfe, freundliche und fähige Handwerker in der Gemeinde zu haben, die sich mit großem Engagement beim Renovieren mit eingebracht haben.

Eine Lehrstunde in Sachen “Vertrauen”. Und in der Erkenntnis, dass Gott dort begabt und ausrüstet, wohin er beruft. Das ist geistlich schon mal ein gutes Startkapital für die Zeit hier in Norden – und eine Ermutigung und Ermahnung, im Gebet treu zu bleiben bzw. es immer mehr zu werden, im Hören auf Gott und im Gespräch mit ihm. Denn oft ist mehr drin, als man selber glaubt …

 


Suchet der Stadt Bestes…

… dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl. (Jer. 29,7)

Das ist zunächst mal eine Aufforderung von Jeremia an die Israeliten im Exil, nicht resignierend dazuhocken und die Zeit vergehen zu lassen, weil die Zeit des Exils begrenzt ist und weil das Wohl der Israeliten im Exil eben auch vom Wohl der Stadt und des Landes abhängt.

Der Satz wird häufig aber auch verwendet, wenn es darum geht, wie Christen zur weltlichen Obrigkeit stehen sollten. Unabhängig davon, ob ich deren politische Positionen teile oder nicht, sind wir aufgerufen, für die Menschen zu beten, die politische Verantwortung tragen – gleich an mehreren Stellen der Bibel.

Das brachte in der hiesigen Gebetswoche der Evangelischen Allianz den Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft Bad Vilbel auf die Idee, mal aus den eigenen Wänden rauszugehen und für Menschen zu beten, die Verantwortung für die Stadt tragen, und die Dienst zu unserer Sicherheit leisten.

Bei der Feuerwehr nahm uns ein Feuerwehrmann in Empfang, ging mit uns in einen Schulungsraum und sagte uns, wofür wir beten könnten. Was wir dann auch gemacht haben. So weit ich das wahrnehmen konnte, hat er sich sehr über diese Wertschätzung seines Dienstes gefreut.

Bei der Polizei war die Stimmung zunächst etwas frostiger. Das kann auch mit der dienstlichen Überlastung zu tun haben: Das sind einfach zu wenig Leute, miese Arbeitszeiten und, naja, wenig Anerkennung. Da haben wir dann im Flur gebetet, und die Stimmung wurde etwas besser; der Beamte, der auf uns “aufpasste”, hat sich für das Gebet bedankt.

Der Bürgermeister bat uns in den Sitzungssaal und lud uns zum Kaffee ein. Der Vilbeler Bürgermeister, muss ich dazu sagen, ist engagierter Katholik und hat sich über das Anliegen, für die Stadt zu beten, sehr gefreut. Er nannte uns Punkte, die wir im Gebet bedenken könnten und sagte uns nach der Stunde, die wir da waren, dass ihm das wirklich etwas gegeben hätte.

Auf Fotos oder Erwähnung in der Lokalpresse haben wir bewusst verzichtet, es ging uns ja nicht um Publicity, sondern um das Gebet für diese Leute. Und ich kann mich erinnern, dass mein Kollege und ich vor dem Tag ziemlich Bammel hatten und wie fröhlich wir nach den Besuchen nach Hause gefahren sind. Mit der Erfahrung, dass es sich lohnt, zu den Leuten hinzugehen und für sie zu beten! Weil es den Leuten gut tut und auch meine eigene Perspektive im Umgang mit den Bediensteten der Stadt / des Landes ändert.

Kann die Idee nur weiterempfehlen!


Was mache ich hier eigentlich?

So, die Chagall-Woche ist vorbei (schloss mit einem schönen Gottesdienst vor knapp 400 Besuchern ab und mit Gedanken zum Thema “Passion” bei Marc Chagall) und ich bin platt. Habe mir den gestrigen Tag noch als freien Tag gegönnt und habe mit der Ältesten einen “Papa-Tochter-Tag” gemacht.

Gestern abend war Sitzung des Ältestenkreises und da hat mich der Gemeindealltag wieder. Wir befinden uns als Gemeinde in einem Prozess, in dem wir uns überlegen und auch vor Gott erfragen, was unser Platz als Gemeinde in dieser Stadt ist – und was unser Auftrag. Und wo unsere Potenziale liegen. Was dabei am Ende rauskommen wird, weiß ich selbst noch nicht so genau, aber es ist spannend, diesen Weg mitzugehen.

Ein Gedanke, der mich in der letzten Zeit immer wieder bewegt, ist der nach meinem persönlichen Verhältnis zu meinem Dienst. Ich bin mit vielen Ansprüchen konfrontiert, wie ein Pastor zu sein hat, was er drauf zu haben hat, wieviel Zeit er für die Gemeinde zu verwenden hat und zu welchen Tageszeigen / Wochentagen und so weiter. Um kein falsches Bild zu vermitteln, muss ich auch dazu sagen, dass die meisten Menschen in der Gemeinde uns sehr liebevoll begegnen und Ewartungen als Bitten und im freundlichen Tonfall äußern. Natürlich gibt es auch andere (zeitweise laute) Stimmen; aber das ist wohl in den allermeisten Gemeinden so. Und viele dieser Erwartungen sind ja nicht aus der Luft gegriffen, die Gemeinde hat ja nun mal einen Theologen für die vollzeitliche Aufgabe des Gemeindehirten engagiert, was natürlich bestimmte Aufgabenbereiche beinhaltet.

Was mich persönlich daran bewegt, ist die Frage: Wie soll ich denn als Pastor sein? Evangelistischer? Seelsorgerlicher? Ökumenischer? Organisierter? Aktiver? Die Liste mit Vorschlägen ließe sich noch beliebig verlängern. Mich hat das schon oft zu der Frage geführt, ob ich dem allem gewachsen bin, und ich kenne Zeiten der Verzagtheit, der schlaflosen Nächte und des grüblerischen Selbstmitleids. Und Zeiten, in denen ich den Eindruck hatte, das alles wächst mir über den Kopf.

Auch in den letzten Wochen machte ich mir einen Kopf darüber, wie ich den Ansprüchen einzelner aus der Gemeinde begegnen soll – inwiewieit sie berechtigt sind, wie ich mit unfreundlichem und verurteilendem Tonfall bei Kritik umgehe, wie ich es schaffe, andere im Glauben vorwärts zu bringen und und und… und was ich dafür konkret ändern bzw. tun muss. Gestern abend dann wieder mal so eine schlaflose Stunde, in der Gott einiges zu sagen hatte: Mit dem Hinweis auf Psalm 45 lag ich um 0.00 Uhr hellwach im Bett, stand auf, schlug in der Lutherbibel den Psalm auf und mein Blick fiel spontan auf den 5. Vers. Da steht:

Zieh einher für die Wahrheit, in Sanftmut und Gerechtigkeit, so wird deine rechte Hand Wunder vollbringen.

Ich muss dazu sagen, dass ich wirklich nicht jemand bin, der einfach die Bibel aufschlägt, den Finger auf einen Vers legt und denselben einfach mal so auf sich anwendet. Und ich sass gestern auch eine Weile da und war am Grübeln, ob das nicht nur ein Hirngespinst war, oder ob es Gott ist, der da zu mir spricht. Aber es passte einfach zu gut zu all dem, was mich in der letzen Zeit bewegt. Und es brachte mir eine unbeschreibliche Ruhe (und einen guten Schlaf…).

Richtig ist: Geh den Weg in Wahrheit, ohne auf Menschen herabzublicken und indem du dich um das kümmerst, was sie wirklich brauchen. Das muss vor allen externen Ansprüchen stehen: Sich auf das Wort Gottes zu gründen und von dort seine Identität und seinen Wert zu beziehen – und von daher sortiert sich der Dienst. Eigentlich weiß man so was ja schon als Dienstanfänger, aber es ist immer wieder gut, daran erinnert zu werden…

Ich glaube, es ist für mich dran, am Thema “Menschenfurcht” und deren Minderung in meinem Leben nachzudenken … und darüber, wer ich durch Gottes Gnade bin…


Gott spricht …

… in letzter Zeit immer mal wieder auch zu mir altem skeptischem Zweifler-Sturkopp. Letzte Woche saß ich an der Predigtvorbereitung zum Thema “Gemeinschaft”. War etwas schwierig, nachdem ich in der letzten Zeit mit dem einen oder anderen in der Gemeinde etwas Stress hatte. Und ich fühlte mich, als ich mich hingesetzt hatte, total blockiert, zu dem Thema was zu schreiben. Nach etwa einer halben Stunde vor dem leeren Word-Dokument gab ich auf.

In der Nacht dann wachte ich um 2.15 Uhr auf, war glockenhell wach, und in meinem Kopf formierte sich der Gedanke: “Psalm 133″. Erst tat ich das als Müdigkeitserscheinung ab und versuchte, wieder einzuschlafen – aber nachdem mir das nicht mehr aus dem Kopf ging, stand ich auf und las nach. Und siehe da, im 133. Psalm stehen folgende Worte:

Ein Lied Davids, zu singen auf dem Weg nach Jerusalem. Wie wohltuend ist es, wie schön, wenn Brüder, die beieinander wohnen, sich auch gut verstehen! Das ist wie das gute, duftende Öl, aufs Haar des Priesters Aaron gegossen, das hinunterrinnt in seinen Bart bis zum Halssaum seines Gewandes.  Das ist wie erfrischender Tau vom Hermon, der sich niedersenkt auf den Zionsberg. Dort will der Herr seinen Segen schenken, Leben, das für immer besteht.

Ich war erst mal total platt und selbst ich dachte: Ok, das ist kein Zufall! Die Predigt schrieb sich am anderen Tag fast wie von selbst (naja, die Tasten am Laptop musste ich dann schon noch selbst drücken…) :-)

Anderes Erlebnis gestern nachmittag. Ich hatte in den vergangenen Jahren das Rauchen schon mal gesteckt. Unter anderem vor 2 Jahren meine Pfeifen in den Müll geworfen – was mir schwer fiel, denn ich habe mit großem Genuss Pfeife geraucht. Allerdings war ich in dem Bereich nicht ganz so konsequent und griff immer wieder mal zu Zigarillos. Eigentlich nicht viel und wirklich nur, wenn Zeit und Muße dafür da war. In den letzten Monaten wurde es allerdings deutlich mehr, und ich merkte, wie die Stäbchen für mich zum nötigen Stress-Ausgleich avancierten. Und das gegen den ausdrücklichen ärztlichen Rat – schließlich habe ich Bluthochdruck.

Gestern nachmittag hatte ich auf dem Spazierweg um den Häuserblock hier mal wieder einen Zigarillo in der Hand, genehmigte mir einige aufbauende Lungenzüge, als ein deutlicher Eindruck eben der vorhin beschriebenen Art sich in meinen Gedanken formte: “Ich möchte, dass Du das Rauchen endgültig steckst!” “Wie Du meinst, Herr”, war meine Antwort, und ich schmiss die angebrochene Packung (noch zu 3/4 voll!) in den nächsten Mülleimer.

Klingt irgendwie immer so großkotzig, wenn man sagt, dass Gott mit einem spricht – aber gerade in den oben genannten Fällen steht das selbst für mich außerhalb jeden Zweifels. Und das wird häufiger in der letzten Zeit, bin mal gespannt, was da noch so kommt…


Glauben reloaded (hoffentlich)

Merkwürdig, wie zu manchen Zeiten bestimmte Dinge zusammen fallen. Ich grüble schon lange über die Art und Beschaffenheit meines Glaubens nach und registriere eine gewisse Unzufriedenheit. (Fing schon letztes Jahr an…). Ich möchte im Glauben wachsen; erleben, wie Gott in meinem Leben Grenzen überwindet, ihn handeln sehen.

Gleichzeitig scheue ich, wenn ich ehrlich bin, Veränderung. Ich scheine vom Typ her jemand zu sein, der sich gerne in überschaubaren und berechenbaren Zuständen einrichtet. Was folgt daraus: Ich hab ein Problem. (Vermutlich das klassische Geist-Fleisch-Problem des Paulus…??)

Zur Zeit gibt es nun einiges, was mich erst recht grübeln, nachdenken und beten lässt. Bento postet gerade eine lindenstraßenmäßige ( ;-) seht am Besten selbst nach…) Serie zum Thema “Heiliger Geist”. Und die Posts kommen schneller, als ich sie verdauen kann…

Desweiteren bin ich gerade bei der Lektüre des Buches “Schrei der Wildgänse”, das in einigen Kommentaren zum vorvorletzten Post empfohlen wurde. Ein Buch, das bei mir viele Fragen aufwirft. (Nicht primär zum Thema Gemeinde, sondern erst mal zu mir selbst – werde es mehrere Male lesen müssen…). Und nicht zuletzt war in der Gebetswoche der Evangelischen Allianz in der letzten Woche das Thema: “Durch den Glauben…”, verbunden mit Texten aus dem 11. Kapitel des Hebräerbriefs.

Der sagt zunächst über den Glauben mal folgendes:

Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: im Vertrauen beweist es sich selbst. (Hebr. 11,1; Gute Nachricht)

Aha. Ich kann schon mal sagen, dass ich über das bloße Stadium des Für-Wahr-Haltens weit hinweg bin. Ich habe Gott schon auf Gebet auf rational unerklärliche Weise handeln erlebt – sei es durch die Heilung von Kranken; durch nicht zu erklärende Bewahrung während meines Auslandsaufenthalts (die Story würde hier den Rahmen sprengen) oder einem prophetischen Wort, das ich während eines Gottesdienstes von einem Unbekannten bekam (und das voll ins Schwarze traf… aber das haben prophetische Worte so an sich…)

Nach dem ersten Vers folgen viele Beispiele von Menschen, die durch das Vertrauen auf Gott Gewaltiges leisteten, in Schweren Situationen getragen und gehalten wurden, und die im Vertrauen auf Gott ihr ganzes Leben umkrempelten.

Da beginnt das Thema, mich zu pieksen. Nochmal das Problem vom Anfang: Ich will mehr auf Gott vertrauen, aber scheue mich vor eventuellen Kosten. Und verbaue mir so selbst den Weg (die Leute, die ich kenne, die sich Jesus voll und ganz zur Verfügung gestellt haben, denken schon lang nicht mehr über Kosten nach…). Mist, sowas!

Ich wünsche mir leidenschaftlicheren, tieferen und lebendigeren Glauben. Vielleicht ist es das Beste, mit dem Grübeln aufzuhören und Gott einfach darum zu bitten? Mal sehen, was da kommen wird…


Gesegnete Muße

Morgen nach dem Gottesdienst geht’s Richtung Norden, um an der Pastoren-Herbstkonferenz der Freien evangelischen Gemeinden auf der Nordseeinsel Langeoog teilzunehmen – und ein paar Tage Urlaub werden auch noch dran gehängt. Das Thema in diesem Jahr: “Brennen ohne auszubrennen”. Oder kurz die Frage: Wie kann ich Jesus nachfolgen, ohne dass mir dabei im praktischen Leben vor lauter Engagement irgendwann der Atem ausgeht? Eine stattliche Anzahl vollzeitlich arbeitender Christen hat das schon mitgemacht und musste irgendwann den Preis dafür zahlen, dass sie sich selbst ständig mehr Kraft abverlangten, als in ihren Reserven vorhanden war.

Es gibt viele Ansätze, die beschreiben, wie man diesem Effekt entgegenwirken kann. Mein persönlicher heißt: Muße. Oder Stille. Oder Einkehr. Je nachdem. Manchmal ist einfach nur faulenzen angesagt (und nein, das ist keine Sünde!! Gott gebietet uns das sogar an jedem siebten Tag!), manchmal intensives Nachdenken und Reflektieren meiner selbst oder dessen, was ich erlebt habe, und manches Mal verbinden sich damit auch intensive Gebetszeiten.

Natürlich ist jeder von uns anders gestrickt, und ich weiß, dass es Leute gibt, die Trubel brauchen, um sich richtig wohl zu fühlen. Ich nicht. Ich bin wohl eher ein kontemplativer Typ, der die Ruhe und auch mal das Alleine sein braucht, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können. Fällt mit 3 Kindern, ehrlich gesagt, nicht mehr ganz so leicht. Aber wenn ich keine Zeit habe, mich zu besinnen, dann werde ich besinnungslos. Und mein Dienst als Pastor wird mechanisch. Deshalb genieße ich jede sich bietende Zeit der Muße (Muße, nicht Faulheit!) und nehme sie dankbar aus Gottes Hand. Das macht einfach friedlicher, ausgeglichener, gelassener.

Also: Ich freue mich auf gute, kalte, salzige Luft, schreiende Möwen, die Abwesenheit von Autolärm und dem Austausch mit den Kollegen.


Gesegnete schlaflose Nächte

Ich habe in den letzten Woche teilweise enorme Schwierigkeiten mit nächtlicher Schlaflosigkeit. Ich wache meistens so um 02.00 Uhr auf (in der Regel, wenn die Kleine nachts Wasser trinken will) und bin dann nicht mehr in der Lage, einzuschlafen, was so bis um ca. 04.30 Uhr dauern kann. Die ersten paar Male fand ich das ziemlich ätzend, weil am anderen Tag ab 15.00 Uhr keine Arbeit mehr möglich ist, die intensive Konzentration erfordert.

Eines Nachts dann, als ich mal wieder so glockenhell wach da lag und versuchte, einzuschlafen (was paradoxerweise immer das sicherste Mittel zum Wachbleiben ist…) dachte ich mir: OK, du kannst dich jetzt noch 2 Stunden ‘rumwälzen und Dir Sorgen und Herausforderungen durch den Kopf gehen lassen – oder mit der Zeit was sinnvolles anfangen. Also aufgestanden, sich einen Tee gemacht, die Bibel geschnappt, sich hingesetzt und Zeit mit Gott verbracht. Und ich muss sagen; ich habe schon lange nicht mehr so intensiv Gottes Wort zu mir sprechen lassen und auch nicht mehr so intensiv Zeit im Gebet verbracht. Und ich merkte vor allem, wie die innere Unruhe, die mich in solchen Nächten plagt, von einem Moment auf den anderen verschwand.

Zur Zeit beschäftigen mich einige Herausforderungen, sowohl persönlich als auch in der Gemeinde, und ich habe den Eindruck, dass Gott mich auf irgendwas vorbereiten will. Ich weiß nur noch nicht genau, auf was. Aber ich will mich den Herausforderungen stellen.

Mittlerweile bin ich für die schlaflosen Nächte dankbar, hoffe aber, dass ich diese Gottesbegegnungen auch in die Tageszeit verlagern kann. Denn schon ziemlich bald wirds aus anderem Grund schlaflose Nächte geben … und der Grund kann jeden Moment kommen. :-)


Bücher, die mich gerade beschäftigen…

So, nach längerer Blog-Pause (bedingt durch ein paar eher stressige Tage) bin ich wieder zurück. Zur Zeit lese ich, wie meistens, mal wieder 3 Bücher parallel. Die Titel wähle ich je nach Tageszeit und Aufmerksamkeitskapazität: Wenn ich gut ausgeschlafen und richtig gut drauf bin, lese ich im Augenblick nach wie vor das Buch “Jesus von Nazareth” von Benedikt XVI. (ein Buch, das ich bis zum jetzigen Zeitpunkt übrigens absolut klasse finde), in den letzten Tagen las ich (auf Empfehlung meiner Frau) ein Buch, das die Mutter eines Jungen mit Down-Syndrom geschrieben hat und in dem sie ihren Alltag mit ihrem Sohn und ihrer Familie, verbunden mit vielen Erinnerungen aus den vergangenen 15 Jahren, beschreibt. Sehr berührend, nachdenklich, witzig, und vor allem “easy reading”, was den Schwierigkeitsgrad anbelangt. Titel des Buches: “Bin Knüller”. Sehr empfehlenswert.

Ein weiteres Buch steht noch in der Warteschlange: “Neun Wege, Gott zu lieben” von Gary L. Thomas. Darin geht es um verschiedene Zugangswege zu Gott, die Menschen verschiedener Persönlichkeitsprägung und verschiedenen Tempraments haben.

Das Buch, das mich allerdings im Augenblick am meisten beschäftigt, das mich nachdenken lässt und mich mit seinen Gedanken herausfordert, ist von einem meiner persönlichen christlichen Top-Autoren, Philip Yancey. In dem Buch geht es um das Thema “Beten”. Was ich an Yancey sehr schätze ist die Tatsache, dass seine Bücher, auch wenn sie sich um viel beschriebene Themen drehen, nie der “So-wirds-gemacht-Literatur” zuzuordnen sind. Er geht in seinem Buch offen mit seiner eigenen Distanz zu dem Thema um, schaut sich große Beter in der Geschichte an, untersucht das Thema Gebet in der Bibel und widmet sich einzelnen Facetten dieses weiten Themas. Der Text wird immer wieder ergänzt durch persönliche Berichte von Menschen, die in ihrem Leben Erfahrungen mit diesem Thema gemacht haben, auch – und gerade – dann, wenn ihr Leben nicht nach schnurgeradem christlichem Strickmuster verlaufen ist.

Ich bin noch bei der Lektüre des Buches (schon zum zweiten Mal; man muss das wirklich mehrere Male lesen, um der Gedankenfülle Herr zu werden…), daher kann ich es noch nicht abschließend in seiner nachhaltigen Wirkung auf mich selbst beurteilen. Aber es gibt einige Sätze, die ich aus dem Buch mitnehme, und die ich gerade in meinem Alltag als sehr tröstlich empfinde, auch wenn ich sie inhaltlich schon längst kannte. Z.B.: Gott hört jedes Gebet, auch dann, wenn die Antwort vielleicht anders ausfällt, als wir es uns erhofft hatten. Oder – ein sehr schönes Zitat -: “Gottes Gnade fließt immer nach unten. Sie fließt nach unten und sie füllt die tiefsten Löcher unseres Lebens”. So ein wohltuender Kontrast zu der ganzen frommen “Bring-Dein-Leben-in-Ordnung”-Literatur unserer Tage. Jemand, der mit seinen ganzen eigenen Schwächen offen umgeht und mit diesen Schwächen an dieses Thema herangeht und so den Leser mitnimmt auf die geistliche Entdeckungsreise…

Unbedingte Buchempfehlung!


Vom Suchen und Finden der Stille – Inseltagebuch, Teil 2

Hier sitze ich also im Café in Spiekeroog und kann mit dem eigenen Rechner arbeiten – was für eine Erleichterung. Im Laufe dieses Postings finden sich auch einige Bilder, die ich in den letzten 2 Tagen gemacht habe. Diese Insel übt immer wieder eine eigenartige Faszination auf mich aus; nach spätestens 2 Tagen hat man sich an den langsamen, berechenbaren Lebensrhythmus gewöhnt. Hektik nützt nichts, weil sie einen aufgrund der fehlenden Mobilität (für Besucher ist selbst Fahrradfahren verboten, außer in begründeten Ausnahmenfällen) auch nicht weiterbringen würde. Außerdem kommt niemand hierher, um innerhalb von kurzer Zeit möglichst viele Sehenswürdigkeiten oder Touristenziele “abzubacken”, sondern um auszuruhen. Stille zu genießen. Vermutlich hat genau das die Besucherzahlen in den letzten Jahren stetig steigen lassen.

Ich beschäftige mich mit einigen Fragen, meine Berufung und meine eigene Beziehung zu Gott betreffend, vor allem, was Tiefe und Hingabe anbelangt. Ich hatte heute morgen schon eine schöne Zeit in der kath. Kirche, sie ist wie eine Art Zelt in die Dünen gebaut (Holzkonstruktion mit Kupferdach), der Altar ist der tiefste Punkt des Kirchenraums, die Sitzreihen sind halbkreisförmig drum herum aufsteigend angeordnet. Finde ich sehr angenehm. Und die Stille in dem Raum ist absolut herrlich, nur unterbrochen vom gelegentlichen Brausen des Windes und Möwen, die sich etwas näher am Gebäude befinden.

Das sind Zeiten, in denen ich merke, wie wichtig Stille für mich ist. Ich bin einer der Charaktere, die immer mal wieder Zeit für sich selbst brauchen, um Gedanken zu reflektieren und zu sortieren, um nachzudenken, zu beten, durchzuatmen.  Zeit, sich frei zu machen von allen Einflüssen, Anforderungen und Reizen, denen man im Alltag ausgesetzt ist, um Kraft zu sammeln. Mein Vorbild dabei: Jesus selbst. Der hat sich öfters, gerade nach Begegnungen mit vielen Menschen, nach intensiven Gesprächen und Predigten und auch nach Wundern zum Beten alleine zurück gezogen. Nicht, um zu “chillen”, sondern um im Gespräch mit seinem Vater Nähe, Orientierung und Bodenhaftung zu behalten.

Vielen Menschen fällt das schwer, einfach mal eine Zeit nichts zu tun und auch nicht mit Freizeitaktivität sich abzulenken oder ablenken zu lassen (Und gegen solche ist auch zunächst mal nichts einzuwenden). Ruhe und Stille macht viele hibbelig, sie sind es gewohnt, zu arbeiten, sich zu unterhalten, sich medial berieseln zu lassen. Das fordert einen permanent und macht müde – das kann ich gerade in Bad Vilbel, in Großstadtnähe beobachten. Ich selbst bin als Kind geprägt worden von den zeitlichen Abläufen, die ein landwirtschaftlicher Betrieb dem Leben so vorgegeben hat. Da war harte, schwere Arbeit dabei (im Sommer bis zu 12 Stunden…), aber auch Zeiten, in denen weniger zu tun war. Und der Sonntag war als Ruhetag heilig; da wurde nur das Vieh gefüttert und mehr nicht. Vielleicht sehe ich das im Nachhinein romantischer, als es tatsächlich war, aber irgendwie sehne ich mich manchmal nach diesem berechenbaren, ruhigen Leben zurück.Vor allem, wenn ich den Eindruck habe, die Aufgaben des Dienstes und des Alltags überrollen mich manchmal.

Da tut es gut, sich mal eine Woche “auszuklinken”. Ich mache das schon das achte Jahr in Folge und merke jedes Mal, wie ich in dieser Woche Kraft, Ruhe und Gelassenheit für die Zeit danach sammle. Auch wenn ich zuhause bin, tut es mir gut, mir mal einen Vor- oder Nachmittag (je nachdem, wann ich Zeit habe) für diese innere Neuausrichtung zu reservieren. Nicht zum Faulenzen, sondern um innere Positionsbestimmung vornehmen zu können.

Wie kannst Du Zeiten der Stille in Deinen Alltag integrieren? Darauf gibt’s keine Patentantwort, ich weiß nur, dass ein Mensch, der solche Zeiten nicht hat, irgendwann müde wird und, bei entsprechendem psychischen Profil, ausbrennt. Und das ist weder gut für den Betreffenden selbst, noch für seine Familie, noch – in meinem Beruf – für seine Gemeinde, es bringt Gott keine Ehre und vor allem: Jesus erwartet das nicht von uns. Was er von uns erwartet, ist, dass wir alles, was wir tun, zu seiner Ehre tun – und dazu gehört eben das Ausruhen, Nachdenken, Beten und geistliche Neuorientieren dazu…


Bestellen beim Universum?

Davon habe ich zum ersten Mal während meiner Kur gehört. Rein aus Interesse habe ich den Terminus mal „gegoogelt“, um zu erfahren, was dahinter steckt – und war ob der Trefferquote überrascht.  Wer genau diese Worte „Bestellen beim Universum“ bei Google eingibt, landet knapp 1400 Treffer. Allein auf den so gefundenen Seiten ist nachzulesen, was da alles bestellt und prompt geliefert wurde, wie man bestellt und wie aus angeblichen Atheisten (davon gibt’s in Wirklichkeit viel weniger als gemeinhin angenommen wird…) „spirituell suchende“ Menschen wurden. Kritische Stimmen zu der ganzen Sache sind, wenn überhaupt, nur vereinzelt zu finden. Was daran liegen mag, dass viele potentielle Kritiker die ganze Sache ohnehin für eine Modeerscheinung im Bereich “Gebrauchsesoterik” halten, die kommt und geht, wie so vieles andere zuvor.

Zugegeben, ich habe die einschlägigen Bücher nicht gelesen, deshalb muss ich aufpassen, mich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Aber ich bemerke doch, dass die ganze Bestellerei nichts anderes ist als das altbekannte „positive Denken“ mit einem anderen Etikett. Gegen positives Denken im Sinne einer positiven, optimistischen  und konstruktiven Lebenseinstellung ist ja noch nicht mal so viel einzuwenden, aber hier geht es eher darum, menschliche Wünsche und Sehnsüchte objektiv zu projizieren. Und das hat auch eine Kehrseite: Nämlich die Weigerung, sich den Enttäuschungen des Lebens zu stellen und sie als Teil des Lebens zu sehen, aus ihnen zu lernen.  Und vor allem die Tatsache, dass das menschliche Selbst im Mittelpunkt des ganzen Unterfangens steht.

Problematisch dabei ist, dass das, was sich jemand subjektiv wünscht und was objektiv gut für ihn oder sie ist, nicht immer deckungsgleich ist. Und, wie mal jemand gesagt hat, die schlimmste Strafe für törichte Wünsche ist ihre Erfüllung.

Mir liegt, ehrlich gesagt, das Beten näher (obwohl das in meinem Leben auch immer wieder ein Kampf ist, um ehrlich zu sein…). Denn da geht’s eben nicht nur ums Bestellen, sondern auch ums Zuhören, darum, einen Spiegel vor’s Gesicht gehalten zu bekommen, verändert zu werden, inneren Frieden zu finden – selbst wenn der Lebensweg steil oder steinig wird. Gott wird mir nicht immer alle Wünsche erfüllen – aber er wird mir das zuteil werden lassen, was ich wirklich brauche. Und das reicht mir.


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