Kommen wir zum Schluss der Reihe zur Bewaffnung eines römischen Soldaten. Es gab im römischen Heer einige Distanz- und Nahkampfwaffen, zu den Distanzwaffen gehörte – natürlich – Pfeil und Bogen, es gab auch Steinschleuderer, und viele Soldaten trugen mindestens einen Wurfspeer (ein “Pilum”) mit sich. Die waren so konstruiert, dass sie, egal, aus welcher Haltung sie abgeworfen worden waren, sich in der Luft in die Waagerechte legten und ziemlich sicher mit der Spitze voraus im Ziel ankamen. Sinn und Zweck der Pila war es, den Gegner vor dem eigentlichen Aufeinandertreffen zu schwächen und Lücken in die Schlachtordnung zu reißen, um dann zum Nahkampf überzugehen. Diese Taktik war über Jahrhunderte hinweg sehr erfolgreich.
Zur Standardbewaffnung eines römischen Legionärs gehörte dann auch das Kurzschwert, das “Gladius” (von dem übrigens auch der Begriff “Gladiator” für “Schwertkämpfer” abgeleitet ist). Ein Gladius war so um die 50 – 60 cm lang, ca. 8 cm breit und wog so um die 1000-1200 Gramm. Scheint auf den ersten Blick keine furchterregende Waffe zu sein, aber im Nahkampfgetümmel (und Nahkämpfe waren immer unausweichlich) war das Schwert ideal: Es gab dem römischen Soldaten auch im dichtesten Kampfgeschehen und ohne die Kampfordnung der eigenen Truppe aufzubrechen die Möglichkeit, seine Waffe zu benutzen und voll beweglich zu sein, ohne die Deckung mit dem Schild fallen zu lassen. Größere Schwerter ließen sich in der Situation nicht mehr schwingen oder auch nur zu einem Stich ausholen, ohne dass man seine Deckung entblößen musste.
In dem Bild der Waffenrüstung im geistlichen Kampf aus Epheser 6 vergleicht Paulus dieses Schwert mit dem Wort Gottes: … und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph. 6,17).
Es ist in der Rüstung insgesamt nicht die einzige offensive Waffe (dazu gehört noch der Schild), aber die primäre. Die, mit der ich dem Gegner zusetzen und ihn zum Rückzug zwingen kann. In unserem Bild ist das also das Wort Gottes. Matthäus 4,1-11 gibt einen kleinen Eindruck davon, wie so was ablaufen kann: Der Widersacher versucht, Jesus von seinem Weg abzubringen, in dem er das Wort Gottes sinnentstellt gebraucht. Jesus kann ihm antworten und ihn schließlich in die Flucht schlagen, weil er tief im Wort Gottes verwurzelt ist, weil er weiß, wie die jeweiligen Aussagen gemeint sind und weil er mit dem Wort Gottes, das er wie kein anderer kennt, antworten kann.
Mag ein krasses Beispiel sein, aber diese Verwurzelung im Wort Gottes halte ich für sehr wichtig – gerade in meiner Generation und jünger, wo mir diese Verwurzelung immer mehr abzunehmen scheint (mein persönlicher Eindruck). Wer mit einem stumpfen Schwert in den Kampf zieht, (oder vielleicht sogar ohne) der wird sich nicht lange behaupten können. Gottes Wort gibt uns Mut, Sicherheit und das geistliche Unterscheidungsvermögen, Ansprüche, Trends, Aussagen, die an uns herangetragen werden, beurteilen und bewerten zu können.
Der inzwischen verstorbene baptistische Theologe Michael Spencer sieht in seinem Essay “the coming evangelical collapse” (kein sehr mutmachender Titel, ich weiß…) den Mangel an greifbarer Katechese als eines der Grunddefizite der heutigen jungen Generation in evangelikalen (und pietistisch geprägten) Gemeinden an: … in einem der ironischsten Faktoren [für den von Michael Spencer vorausgesagten kommenden Niedergang der evangelikalen Bewegung] sehen wir eine evangelikale Kultur, die Milliarden ausgegeben hat für Jugendpastoren, christliche Musik, christliche Verlage und christliche Multimediaprojekte, die als Ergebnis eine ganze aufstrebende Kultur junger Christen hervorgebracht hat, die fast nichts über ihren eigenen Glauben wissen – außer, wie sie sich damit fühlen. Unsere jungen Leute haben, was die kulturelle Auseinandersetzung anbelangt, tiefe Überzeugungen, aber sie haben keine Ahnung, warum sie der Schrift gehorchen sollten, von den Grundlagen ihrer Theologie oder der Erfahrung von Gemeinschaft oder geistlicher Disziplin… (Quelle)
Man muss Spencer nicht zustimmen, er schreibt schon ziemlich pessimistisch und natürlich auf die USA bezogen, in der sich die Situation vielleicht noch mal anders darstellt als bei uns. Und trotzdem nennt er einige Beobachtungen, die ich aus eigenem Erleben bestätigen kann, gerade, was die Verwurzelung in der Schrift und die Grundlagen der Theologie anbelangt.
Unsere Generation und die kommenden werden es sicherlich nicht einfacher haben, ihren Glauben in der Nachfolge Christi zu leben. Sie werden sich mehr und mehr mit Ansprüchen konfrontiert sehen, die mit dem Wort und Willen Gottes konkurrieren oder ihn ignorieren. Und es wird zunehmend mehr Konformität verlangt, trotz all dem PC-Gefasel von “Toleranz”.
Deshalb nehmen wir (um wieder zu dem Bild von Eph. 6 zurückzukommen) das Schwert in die Hand. Lassen wir uns füllen vom Wort Gottes und tief darin Wurzeln schlagen. Und halten wir den Weichspülern des Evangeliums die Aussagen des Wortes Gottes entgegen. Damit wir die geistlichen Herausforderungen unserer Zeit bestehen können.





