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Das richtige Outfit, Teil VII: Das Schwert

Kommen wir zum Schluss der Reihe zur Bewaffnung eines römischen Soldaten. Es gab im römischen Heer einige Distanz- und Nahkampfwaffen, zu den Distanzwaffen gehörte – natürlich – Pfeil und Bogen, es gab auch Steinschleuderer, und viele Soldaten trugen mindestens einen Wurfspeer (ein “Pilum”) mit sich. Die waren so konstruiert, dass sie, egal, aus welcher Haltung sie abgeworfen worden waren, sich in der Luft in die Waagerechte legten und ziemlich sicher mit der Spitze voraus im Ziel ankamen. Sinn und Zweck der Pila war es, den Gegner vor dem eigentlichen Aufeinandertreffen zu schwächen und Lücken in die Schlachtordnung zu reißen, um dann zum Nahkampf überzugehen. Diese Taktik war über Jahrhunderte hinweg sehr erfolgreich.

Zur Standardbewaffnung eines römischen Legionärs gehörte dann auch das Kurzschwert, das “Gladius” (von dem übrigens auch der Begriff “Gladiator” für “Schwertkämpfer” abgeleitet ist). Ein Gladius war so um die 50 – 60 cm lang, ca. 8 cm breit und wog so um die 1000-1200 Gramm. Scheint auf den ersten Blick keine furchterregende Waffe zu sein, aber im Nahkampfgetümmel (und Nahkämpfe waren immer unausweichlich) war das Schwert ideal: Es gab dem römischen Soldaten auch im dichtesten Kampfgeschehen und ohne die Kampfordnung der eigenen Truppe aufzubrechen die Möglichkeit, seine Waffe zu benutzen und voll beweglich zu sein, ohne die Deckung mit dem Schild fallen zu lassen. Größere Schwerter ließen sich in der Situation nicht mehr schwingen oder auch nur zu einem Stich ausholen, ohne dass man seine Deckung entblößen musste.

In dem Bild der Waffenrüstung im geistlichen Kampf aus Epheser 6 vergleicht Paulus dieses Schwert mit dem Wort Gottes: … und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph. 6,17).

Es ist in der Rüstung insgesamt nicht die einzige offensive Waffe (dazu gehört noch der Schild), aber die primäre. Die, mit der ich dem Gegner zusetzen und ihn zum Rückzug zwingen kann. In unserem Bild ist das also das Wort Gottes. Matthäus 4,1-11 gibt einen kleinen Eindruck davon, wie so was ablaufen kann: Der Widersacher versucht, Jesus von seinem Weg abzubringen, in dem er das Wort Gottes sinnentstellt gebraucht. Jesus kann ihm antworten und ihn schließlich in die Flucht schlagen, weil er tief im Wort Gottes verwurzelt ist, weil er weiß, wie die jeweiligen Aussagen gemeint sind und weil er mit dem Wort Gottes, das er wie kein anderer kennt, antworten kann.

Mag ein krasses Beispiel sein, aber diese Verwurzelung im Wort Gottes halte ich für sehr wichtig – gerade in meiner Generation und jünger, wo mir diese Verwurzelung immer mehr abzunehmen scheint (mein persönlicher Eindruck). Wer mit einem stumpfen Schwert in den Kampf zieht, (oder vielleicht sogar ohne) der wird sich nicht lange behaupten können. Gottes Wort gibt uns Mut, Sicherheit und das geistliche Unterscheidungsvermögen, Ansprüche, Trends, Aussagen, die an uns herangetragen werden, beurteilen und bewerten zu können.

Der inzwischen verstorbene baptistische Theologe Michael Spencer sieht in seinem Essay “the coming evangelical collapse” (kein sehr mutmachender Titel, ich weiß…) den Mangel an greifbarer Katechese als eines der Grunddefizite der heutigen jungen Generation in evangelikalen (und pietistisch geprägten) Gemeinden an: … in einem der ironischsten Faktoren [für den von Michael Spencer vorausgesagten kommenden Niedergang der evangelikalen Bewegung] sehen wir eine evangelikale Kultur, die Milliarden ausgegeben hat für Jugendpastoren, christliche Musik, christliche Verlage und christliche Multimediaprojekte, die als Ergebnis eine ganze aufstrebende Kultur junger Christen hervorgebracht hat, die fast nichts über ihren eigenen Glauben wissen – außer, wie sie sich damit fühlen. Unsere jungen Leute haben, was die kulturelle Auseinandersetzung anbelangt, tiefe Überzeugungen, aber sie haben keine Ahnung, warum sie der Schrift gehorchen sollten, von den Grundlagen ihrer Theologie oder der Erfahrung von Gemeinschaft oder geistlicher Disziplin… (Quelle)

Man muss Spencer nicht zustimmen, er schreibt schon ziemlich pessimistisch und natürlich auf die USA bezogen, in der sich die Situation vielleicht noch mal anders darstellt als bei uns. Und trotzdem nennt er einige Beobachtungen, die ich aus eigenem Erleben bestätigen kann, gerade, was die Verwurzelung in der Schrift und die Grundlagen der Theologie anbelangt.

Unsere Generation und die kommenden werden es sicherlich nicht einfacher haben, ihren Glauben in der Nachfolge Christi zu leben. Sie werden sich mehr und mehr mit Ansprüchen konfrontiert sehen, die mit dem Wort und Willen Gottes konkurrieren oder ihn ignorieren. Und es wird zunehmend mehr Konformität verlangt, trotz all dem PC-Gefasel von “Toleranz”.

Deshalb nehmen wir (um wieder zu dem Bild von Eph. 6 zurückzukommen) das Schwert in die Hand. Lassen wir uns füllen vom Wort Gottes und tief darin Wurzeln schlagen. Und halten wir den Weichspülern des Evangeliums die Aussagen des Wortes Gottes entgegen. Damit wir die geistlichen Herausforderungen unserer Zeit bestehen können.


Das richtige Outfit, Teil VI: Der Helm

Was zur Ausrüstung eines jeden Kämpfers in der damaligen Zeit gehörte, war der Helm. Der Kopf ist einer der verwundbarsten Teile (und vor allem ein Teil, ohne den gar nichts mehr geht, wenn er beschädigt wird…) und von daher hat man schon in frühster Zeit Helme angefertigt. Manche aus gehärtetem Leder (mit Metalleinlage) andere aus Eisen, wieder andere aus anderen Metallformen.

Sinn und Zweck eines Helms müssen wohl nicht näher erklärt werden: Den Kopf vor Verletzungen schützen. Im Bild sieht man einen Römerhelm, wie ihn ein gewöhnlicher Fußsoldat zur Zeit Jesu getragen haben könnte. Der Helm sollte also möglichst viel Schutz bieten, gleichzeitig aber Beweglichkeit des Kopfes, die Sicht und das Hören möglichst wenig beeinträchtigen. Den römischen Helmschmieden ist das gut gelungen, wie man sehen kann.

Auch zur geistlichen Waffenrüstung gehört ein Helm, und die Bibelübersetzung “Gute Nachricht” konkretisiert ein bisschen das, was Luther mit “Helm des Heils” übersetzt hat: “Die Gewissheit eurer Rettung sei euer Helm und das Wort Gottes das Schwert, das der Geist euch gibt”. (Epheser 6,17). Zum Schwert kommen wir im nächsten Posting.

Der Kopf ist einer der verwundbarsten Körperteile. Erzielt der Gegner hier im Kampf einen entscheidenden Treffer, ist der Kampf vorbei. Demensprechend ist es einer der Körperteile, auf den bei einem schwächelnden und strauchelnden Gegner der entscheidende Hieb geführt wird.

Der Kopf ist Sitz unserer Gedanken (ob das hirnforschungsmäßig so stimmt, weiß ich nicht, aber im Allgemeinen ist es  so…). Und das ist in der Tat ein Feld, das sehr verletzungsanfällig sein kann: Selbstzweifel, Angst, Mutlosigkeit, Eifersucht, Hass – um nur einige wenige zu nennen … das betrifft, um im biblischen Bild zu bleiben, Herz und Kopf (die Gefühle und die Gedanken – das ganze Befinden des Menschen). Nicht umsonst sind Schild und Helm Bilder für den Umgang mit beidem. Das sind ja nicht Gedanken, die einmal kommen und dann wieder gehen, sondern die es manchmal, vielleicht sogar oft, fertigbringen, uns im Kreis denken zu lassen, zu grübeln, zu zweifeln … bohrende Fragen und Gedanken zu entwickeln, die uns und anderen das Leben schwer machen können.

Dagegen also hilft der “Helm des Heils”: Zum einen des Heils, das ich durch Jesus Christus jetzt schon habe. Die Tatsache, dass ich ein Kind Gottes bin, von Gott geliebt und sein Eigentum. Sich das immer wieder bewusst zu machen (oder es bewusst gemacht zu bekommen, wenn man selbst mental am Ende ist) ist wichtig, denn wir können schon mit beeinflussen, wie unsere Gedanken sich entwickeln. Jesus konnte seinem Widersacher immer wieder mit Aussagen Gottes aus der Schrift begegnen und sich so nicht ins Wanken bringen lassen. Auch wenn es uns vielleicht mal umhaut: Die Tatsache unserer Rettung allein aus Gnade sollte eine Konstante in unserem Bewusstsein werden, egal, wie die äußeren Umstände sind.

Zum anderen kommt auch das Heil, das Gott für uns bereit hält, ins Spiel – immer dann, wenn die Frage in uns bohrt: “Wozu das alles? Macht das überhaupt einen Sinn?”. Der Ausblick auf die kommende neue Welt Gottes kann uns neu motivieren und beflügeln – wie der Anblick des Ziel-Berggipfels einem müden Bergwanderer noch einmal die nötige Kraft verleihen kann.

Den Helm des Heils aufsetzen heißt: Sich dessen bewusst zu machen, was Jesus für mich getan hat, was er heute in meinem Leben tut und was er noch in der kommenden neuen Welt tun wird. Und allen Gedankenkonstrukten, die mich von ihm wegbringen wollen, zu widerstehen.


Das richtige Outfit, Teil V: Der Schild

Kommen wir zu einem Ausrüstungsgegenstand, der für einen römischen Legionär im Kampf – neben der eigenen Waffe – von größter Wichtigkeit war: Dem Schild. Schilde gab es in vielerlei Form; rund, oval, rechteckig, eine gerade Platte, halb gebogen, mit Metall eingefasst, aus Flechtwerk, Holz oder mehreren Materialien (z.B. Holz mit Bronzeüberzug o.ä.). Im Bild zu sehen ist der Standard-Langschild eines römischen Fußsoldaten. (Wobei die Standardformen über die Jahrhunderte hinweg variierten).

Ein Schild konnte durchaus auch als Waffe eingesetzt werden: Man konnte einen Gegner damit entweder zurück oder zu Boden drücken, kleine Rundschilde konnten auch als Hiebwaffe eingesetzt werden. Hauptaufgabe des Schildes war natürlich der Schutz der vitalen Körperregionen: Rumpf, Oberschenkel, Oberarme – sowie das Abwehren von vom Gegner geführten Hieben. Die Verwendung des Schildes als Waffe wurde von den Römern perfektioniert: Auf Kommando war eine Einheit in der Lage, eine so genannte testudo zu bilden, eine Schildkröte. Das war dann ein durch Schilde geschützter Block von Soldaten, dem weder Steine noch Pfeile etwas anhaben konnten, und die auf diese Art und Weise unbeschädigt auf Nahkampfdistanz an den Feind herankommen konnten.

Auch bei der geistlichen Waffenrüstung aus Epheser 6 hat der Schild eine wichtige Funktion:

Vor allem haltet das Vertrauen auf Gott als Schild vor euch, mit dem ihr alle Brandpfeile des Satans abfangen könnt. (Epheser 6,16; Gute Nachricht)

Irritierend finde ich an dem Vers zunächst einmal, das von Brandpfeilen die Rede ist. Kaum ein vernünftiger Heerführer würde Brandpfeile gegen Infanterie einsetzen lassen (Bei “Gladiator” war’s wohl einfach nur deshalb, weil’s spektakulär aussah…): sie sind wegen des zusätzlichen Gewichtes zu ungenau und haben eine kürzere Reichweite.

Aber hier in dem Bild hat es seinen Sinn: Die Brandpfeile sind Geschosse, die neben dem Schmerz beim Auftreffen des Pfeils noch weitere Wirkung haben: Sie setzen in Brand, worauf sie treffen. Mit anderen Worten: der Teufel (der hier ja laut Paulus die Pfeile abschießt) setzt auf einen fortschreitenden Effekt, er will nicht einfach so mal weh tun. Angefangen vom “Sollte Gott wirklich gesagt haben?…” am Anfang bis zum Säen von Zweifel, Angst, Hass, Neid, Eifersucht, Geiz u.ä. in unserem Leben. Das sind ja nie statische Eigenschaften, sondern sie machen was mit uns. Sie zeigen Wirkung – sie setzen uns in Brand.

Auslöschen können wir diese Geschosse mit dem “Schild des Glaubens” (Luther): Damit, dass wir unser ganzes Vertrauen auf Jesus setzen – in jeder Lebenslage. Das ist oft leichter gesagt als getan, der eine oder andere Pfeil trifft trotzdem und haut uns vielleicht auch mal um (ich habe mittlerweile viele Christen getroffen, die, um bei dem Bild zu bleiben, nicht an die Front, sondern ins Lazarett gehören), aber wir können verhindern, dass er uns in Brand setzt und verbrennt. Und wenn wir nicht mehr in der Lage sind, den Schild hoch zu halten; dieses Vertrauen aufzubringen, dann gibt es vielleicht andere, die uns mittragen können.

Da, finde ich, lässt sich das Bild der “Schildkröte” schön auf die Gemeinde (oder Gemeinschaft oder Kirche oder was auch immer, auf die Gemeinschaft von Christen halt) übertragen: Da, wo ich nicht mehr kämpfen kann, können andere die Schilde über mich halten. So ein Block von Schilden ist schwerer anzugreifen und es ist schwerer, einen Einzelnen zu treffen. Und nicht zuletzt ist es Jesus selbst, dem ich vertraue, der verhindert, dass mich diese brennenden Pfeile erledigen.

Er breitet seine Flügel über dich, ganz nahe bei ihm bist du geborgen. Wie Schild und Schutzwall deckt dich seine Treue. (Psalm 91,4)


Das richtige Outfit, Teil III: Gerechtigkeit als Brustpanzer

Ein weiterer wichtiger Teil der Ausrüstung eines römischen Soldaten (und der eines Christen im geistlichen Kampf) ist der Brustpanzer, auch Brustharnisch genannt. Den trug fast jeder römische Soldat; nur fremde Hilfstruppen (das antike Kanonenfutter) wurden hie und da mal ohne in den Kampf geschickt.

Es gab sowohl Kettenhemden als auch Schienenpanzer (die waren Standard für römische Soldaten). Offiziere trugen einen Brustpanzer aus gehärtetem Leder oder Metall, der ihrer Körperform exakt angepasst und aus einem Stück gearbeitet war. Der Schienenpanzer hatte demgegenüber den Nachteil, als das er in den Zwischenräumen zwischen den einzelnen Schienen Angriffsfläche für Schwerthiebe und -stiche bot; er hatte aber auch den Vorteil, dass man darin um einiges beweglicher war.

Der Brustpanzer war ein wichtiger Ausrüstungsgegenstand; er schützte den Rumpf des Soldaten gegen Hieb- und Stichwaffen (wenn der richtig getroffen wurde, wurden meistens auch innere Organe wie Herz, Lunge oder ähnliches verletzt). Ein gut gearbeiteter Panzer konnte sogar Pfeile wirkungslos machen (was dazu führte, dass von der römischen Armee Bolzenpfeile entwickelt wurden, die auch Rüstungen durchschlagen konnten). Natürlich war er nicht unüberwindbar, aber es kostete viel Kraft und Aufwand, einen solchen Panzer zu durchdringen, und man musste ziemlich nah an den Gegner rankommen, um das zu schaffen.

In dem Bild einer Waffenrüstung, die Paulus den Lesern des Epheserbriefes für den geistlichen Kampf der Christen empfiehlt, steht der Brustpanzer für Gerechtigkeit. Gerechtigkeit beschreibt in der Bibel nicht (oder nicht nur) einen juristischen Status, sondern sie ist ein Beziehungsbegriff, der im Handeln des Gerechten Ausdruck findet. Beispiel? Abraham brach auf die Weisung Gottes hin seine Zelte in der Heimat ab, zog in ein fremdes Land, in dem ihn keiner kannte und ging in eine ungewisse Zukunft – im Vertrauen auf Gott. Er glaubte Gott, und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet (Genesis 15,6).

Der “Panzer der Gerechtigkeit” zielt also auf unser Handeln, das sich aus der Erlösung durch Christus ableiten soll. Das, was die Bibel Heiligung nennt. Für den geistlichen Kampf ist es unerlässlich, dass wir nicht nach den Maßstäben dieser Welt leben, sondern nach Gottes Maßstäben. Der Panzer der Gerechtigkeit besteht zum einen aus dem Bewusstsein, dass wir Gottes Kinder sind und durch Jesus Christus gerecht vor Gott; zum anderen aus dem, was in unserem Leben daraus folgt – das Handeln nach den Geboten Gottes. Je mehr wir hier Kompromisse machen und der Sünde Raum geben, desto schwächer und wirkungsloser wird dieser Panzer – und desto mehr Angriffsfläche bieten wir.

Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, sich mit dem, was wir tun, das Heil zu verdienen. Das können wir gar nicht. Aber im Zusammenhang mit dem Bild, das Paulus verwendet, hat unsere Nähe zu Gott; die Intensität seines Wirkens in mir und durch mich und das, was in meinem Leben daraus praktisch folgt, direkte Auswirkungen darauf, wie ich mein Glaubensleben meistern kann.


Das richtige Outfit, Teil II: Wahrheit als Gürtel

Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen. Wir kämpfen gegen unsichtbare Mächte und Gewalten, gegen die bösen Geister, die diese finstere Welt beherrschen. Darum greift zu den Waffen Gottes! Wenn dann der schlimme Tag kommt, könnt ihr Widerstand leisten, jeden Feind niederkämpfen und siegreich das Feld behaupten. Seid also bereit! Legt die Wahrheit als Gürtel um und die Gerechtigkeit als Panzer an. (Epheser 6,12-14)

Paulus verwendet in seinen Briefen gleich mehrfach militärische Metaphern für das Leben und den Glauben der Christen. Das mag uns im 21. Jahrhundert befremden, in der damaligen Zeit wusste allerdings jeder, was gemeint war, weil die Soldaten des römischen Reiches allgegenwärtig waren und sich jeder vorstellen konnten, wie die aussahen.

Mit Vergleichen dieser Art will Paulus zeigen, dass zum gelebten Glauben auch der geistliche Kampf gehört – nicht der Kampf der Christen untereinander (der ist in den meisten Fällen ungeistlich), sondern der Kampf gegen Mächte, die wir so nicht visuell wahrnehmen können, die aber trotzdem da sind.

Das Leben als Christ ist kein Schokoriegel – diesen Stromberg-mäßigen Satz hörte ich von einem meiner Leiter in meiner Zeit auf dem Missionsschiff und ich habe seither oft daran zurückdenken müssen. Wir befinden uns in einem geistlichen Kampf; es gibt jemanden, der Interesse daran hat, dass wir das Handtuch werfen oder dass unser Glaube öde, unbewegliche Routine wird. Oder dass er höchstens noch ein frömmelndes Mäntelchen für gelebte Egoismen ist.

Klar, wenn der Begriff “Kampf” fällt, dann gibt es Menschen, die allein dadurch entmutigt sind. (Weil sie von Kämpfen in ihrem eigenen Leben schon genug haben). Aber wir stehen nicht schutzlos da: Paulus beschreibt die Rüstung, die Gott uns gibt, die wir uns nicht beschaffen müssen, aber die wir anziehen sollen, um Angriffe des Feindes abwehren zu können.

Da ist zunächst mal der Gürtel. Ein römischer Legionär trug gleich zwei davon: Einen aus Stoff, der die Unterwäsche zusammenhielt und einen aus Leder, den er um die Rüstung trug. Der hatte zwei Aufgaben: Die Kleider zusammenzuhalten und dem Schwert und anderen Waffen als Aufhängung zu dienen (das sog. “Schwertgehänge”). Ein römischer Offizier z.B., der einen Mantel trug, steckte das untere Ende des Mantels in den Gürtel, um so Bewegungsfreiheit für den Kampf zu haben.

Der Gürtel hält also den ganzen Rest zusammen. Luther hat übersetzt: “Umgürtet eure Lenden mit Wahrheit”. Die Lenden sind in der biblischen Bildersprache der Sitz der Kraft eines Mannes (daraus abzuleitende Bilder überlasse ich dem Leser…). Ferner schützt der Gürtel die Nieren, Sitz der verborgenen Neigungen und Gefühle. “Wahrheit” ist im Neuen Testament (wie im Alten auch) ein sehr zentraler Begriff: Der “Geist der Wahrheit”, der das “Wort der Wahrheit” weitergibt, Jesus, der die personifizierte Wahrheit ist, die Aussage von Jesus, dass man Gott nur im Geist und in der Wahrheit richtig anbeten kann usw. Die Wahrheit, die uns im Wort Gottes begegnet, und die uns die Wahrheit zeigt darüber, wer wir sind und wer Gott ist. Diese Wahreit hält den Rest der Rüstung zusammen und verhindert, das lose Enden durch die Gegend flattern, die uns am Kampf hindern – etwa das blinde Nachgeben gegenüber eigenen Neigungen und Gefühlen oder eigenen Vorstellungen davon, wie der Glaube zu sein hat und den daraus folgenden faulen Kompromissen.

Nur, wenn diese Wahrheit als Gürtel da ist, können wir auch das Wort Gottes als Schwert benutzen – um mal kurz auf den letzten Ausrüstungsgegenstand zu schauen. Da ist nichts im Weg, nichts lose und nichts hindert uns daran, das Schwert zu ziehen, wenn es nötig ist.

Das Wort Gottes hat hier also eine zweifache Funktion: Es ist zum einen die Wahrheit, die alles andere zusammenhält, zum anderen die einzige Angriffswaffe in der ganzen Rüstung. Unverzichtbar.


Das richtige Outfit

Es gibt kein schlechtes Wetter, höchstens falsche Kleidung”, so hieß es in meiner Marinezeit immer wieder, wenn man sich als Wache über “Schietwetter” (Regen + Sturm) beschwerte. Immerhin musste man 4 Std. im Freien verbringen. Richtig ist, dass wir in der Zeit echt gute Kleider hatten, die auch eine lange Zeit Nässe draußen halten konnten – der blaue Marineparka z.B. war ein beliebter Artikel zum “Verlieren” (Aneignen durch Verlustmeldung). Angemessene Kleidung ist wichtig, nicht nur beim Militär – auch beim augenblicklichen Wetter (nasskalt).

Im Epheserbrief gibt es eine bekannte und viel zitierte Stelle, in der es um die richtige Ausrüstung geht, mit der man Angriffe des Widersachers abwehren kann (Kap. 6). Quincy (vom Blog “Jesus und ich”) hat rumgefragt, ob man sich nicht mal dieses Themas annehmen könne. Und wenn das gleich mehrere machen, dann kann dabei sicherlich ein bunteres und ausgewogeneres Bild herauskommen.

Es geht konkret um die Bibelstelle aus Epheser 6, 10-18:

Noch ein letztes Wort: Werdet stark durch die Verbindung mit dem Herrn! Lasst euch stärken von seiner Kraft! Legt die Waffen an, die Gott euch gibt, dann können euch die Schliche des Teufels nichts anhaben.Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen. Wir kämpfen gegen unsichtbare Mächte und Gewalten, gegen die bösen Geister, die diese finstere Welt beherrschen.Darum greift zu den Waffen Gottes! Wenn dann der schlimme Tag kommt, könnt ihr Widerstand leisten, jeden Feind niederkämpfen und siegreich das Feld behaupten.Seid also bereit! Legt die Wahrheit als Gürtel um und die Gerechtigkeit als Panzer an. Bekleidet euch an den Füßen mit der Bereitschaft, die Gute Nachricht vom Frieden mit Gott zu verkünden.Vor allem haltet das Vertrauen auf Gott als Schild vor euch, mit dem ihr alle Brandpfeile des Satans abfangen könnt. Die Gewissheit eurer Rettung sei euer Helm und das Wort Gottes das Schwert, das der Geist euch gibt. Betet dabei zu jeder Zeit und bittet Gott in der Kraft seines Geistes. Seid wach und hört nicht auf, für alle Gläubigen zu beten. (Eph 6, 10-18, Gute Nachricht)

Diese Sätze stehen schon ziemlich am Schluss des Briefes und sind als Ermutigung an die Leser gedacht. Paulus verwendet hier ein Bild, das jeder, der den Text las, sofort vor Augen hatte: Die Rüstung römischer Legionäre, welche in der damaligen Zeit im Umfeld biblischer Ereignisse allgegenwärtig waren. (Es gab verschiedene Arten von Legionären mit unterschiedlichen Rüstungen, im Bild ist ein Legionär zu sehen, der zu den regulären Fußtruppen gehört). Und weil das so war, verwendete Paulus gleich an mehreren Stellen militärische Metaphern. Das irritiert uns heute vielleicht, für die damalige Zeit war es sehr gut verständlich. An dem Bild kann man schön die einzelnen Elemente der Rüstung sehen, die Paulus benennt. Ok, ein Speer wird nicht genannt, den denken wir uns mal weg.

Sehr wichtig für diesen Text ist der erste Satz: Werdet stark in dem Herrn und in der Stärke, die aus seiner (Gottes) Kraft entspringt. Der Satz ist im Passiv formuliert, das heißt: Wenn es darum geht, dem Widersacher zu widerstehen, dann bin ich nicht auf mich allein gestellt. Gott selbst rüstet mich aus mit allem, was ich brauche und er gibt mir die Kraft, die nötig ist, um zu widerstehen – oder auch um nach dem Hinfallen wieder aufzustehen. Die Kraft, die ich brauche, um nicht aufzugeben.

Zweiter wichtiger Gedanke: Christsein bedeutet Kampf. Es gibt jemanden, der Interesse daran hat, uns von Gott wegzuziehen, uns zu Fall zu bringen und an den Punkt zu führen, wo wir den Glauben an Gott über Bord schmeißen. Die Bibel lehrt, dass es einen personalen Widersacher Gottes gibt (und das hebräische Wort “Satan” steht ja eigentlich für nicht mehr als “Widersacher” oder “Feind”), und das auszublenden oder zu bagatellisieren kann verhängnisvoll sein. Wer Jesus mit vollem Ernst nachfolgen will, der begibt sich in die Schusslinie (bekommt aber dafür die oben erwähnte Rüstung).

Nicht gegen andere Menschen (da sind Christen zum Frieden und zur Versöhnung berufen), aber gegen die Mächte der Welt, die uns nicht sicht- und greifbar vor Augen steht. Und da wird eine Rüstung verliehen, die – mit einer Ausnahme – aus defensiven Elementen besteht, die dazu dienen, Schläge oder Geschosse abzuwehren. Da geht es darum, standzuhalten und sich nicht zurückdrängen zu lassen – und manchmal auch den, der angreift, in die Flucht zu schlagen.

Paulus deutet jedes einzelne Ausrüstungselement und ordnet eine bestimmte Eigenschaft diesem zu. Wenn ich mir die jetzt alle näher ansehe, wird der Post zu lange, deshalb werde ich in den kommenden Tagen (oder Wochen, je nach zeitlicher Kapazität) immer mal wieder posten und mich jeweils mit einem anderen Ausrüstungsteil beschäftigen. Fragen und Ergänzungen sind gerne willkommen!


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