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Kommt ein Stöckchen geflogen…

und das ist echt weit geflogen – es kommt genauer gesagt aus Rom und wurde von Alipius geworfen. Ich schmeiße ja auch nicht gerade mit Stöckchen um mich, aber das hier fand ich echt interessant – das “Mäuschen-spielen-Stöckchen”.

Die Preisfrage lautet: “Bei welchen 10 historischen Ereignissen wärst Du gerne dabei gewesen?”

Alipius verzichtete aus Ehrfurcht auf die Erwähnung biblischer Begebenheiten, das kann ich gut verstehen. Bei mir sind trotzdem zweie dabei, und zwar ganz oben:

1 ) Als Mose in Exodus 34 die Herrlichkeit des Herrn an sich vorüberziehen sah, hätte ich gerne daneben gestanden – einfach nur, um mitzubekommen, was er gesehen hat. Was auch immer es war – es hat ihn umgehauen! (habe am letzten So. über den Text gepredigt). Zum Glück haben wir die Verheißung, dass wir als Nachfolger Christi das irgendwann auch mal zu sehen kriegen.

2 ) Ich hätte gerne die Gesichter des Hohen Rats in Jerusalem gesehen, als sie die Nachricht bekamen, dass das Grab Jesu offen und der Leichnam weg ist. Ich vermute mal, man hätte in den Gesichtern lesen können: “Ach du Sch*** – was machen wir bloß, wenn das rauskommt…?”

3 ) Ich hätte gerne beim Konzil von Nizäa dabei gesessen, vor allem, als das dazugehörige Glaubensbekenntnis formuliert und niedergeschrieben wurde.

4 ) Als gelernter Schriftsetzer hätte ich gerne Johannes Gutenberg über die Schulter gesehen, als er den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfand. Eine der revolutionärsten Erfindungen der Menschheit im Bereich Kommunikation und Information, vergleichbar höchstens mit der Erfindung des Computers.

5) Alle katholischen Leser mögen es mir nachsehen – ich hätte mir gerne die Verteidigungsrede Martin Luthers in Worms angehört.

6 ) Ich wäre gerne am 23.08.1994 im damaligen Dreisamstadion in Freiburg gewesen, als der FC Bayern München mit 1:5 gegen die Freiburger unterging. *wehmütigzurücklehn* Hach – die guten alten Zeiten…

7 ) Ich hätte gerne am 14. Mai 1948, bei der Gründung des modernen Staates Israel, neben David Ben Gurion gesessen und zugehört.

8 ) Ich hätte gerne daneben gestanden, als Bonifatius die Donareiche in Geismar gefällt hat (oder fällen ließ).

9 ) Ich hätte gerne 1648 die Friedensschlüsse miterlebt, die als “Westfälischer Frieden” in die Geschichte eingingen und den 30jährigen Krieg beendeten.

10 ) Ich wäre gerne dabei gewesen, als im Jahr 1683 das türkische Heer nach der Belagerung von Wien geschlagen wurde. Die Legende besagt, dass unter den Hinterlassenschaften der überhastet abziehenden Türken auch säckeweise Kaffee gewesen sei, der u.a. half, die Wiener Kaffeehauskultur zu begründen. Hätte mich nur mal interessiert, wie der Kaffee damals geschmeckt hat…

Tja, und weil ich das so interessant finde, werfe ich das Ding gleich mal weiter – an Sabina, dikosss und wegbegleiter. Wenn Ihr Lust und Zeit habt, dann schreibt doch mal, was Euch so einfällt … wenn nicht, dann lasst es liegen oder werft es einfach weiter…


Gott schreibt Geschichte mit dir…

Wo ich gerade schon mal dabei bin, Youtube-Videos einzubetten: Hier ist noch eines, was mich immer wieder wehmütig hinterlässt. Das “Doulos-History-Maker-Video”. Es zeigt einfach mal so ein paar Szenen aus dem Schiffsalltag.Ist das nicht ein bisschen großkotzig, mit dem Lied von “Delirious?” zu behaupten, dass ich ein “History Maker” sein kann? Ich glaube, dass Gott mit allem, was ich ihm zur Verfügung stellen kann, viel mehr anfangen wird, als ich es nur ahne. Vermutlich auch viel, was ich so gar nicht mitbekomme.

Die Zeit auf der “Doulos” (1995-1997) war nicht immer leicht. Ich wurde mehr als einmal mit eigenen Unzulänglichkeiten, kulturellen Differenzen und auch geistlichem Unverständnis zwischen verschiedenen Arten, Gott zu erleben, konfrontiert. Trotzdem – je länger die Zeit zurückliegt, desto mehr merke ich, wie viel mir diese 2 Jahre für den Rest des Lebens mitgegeben haben.

Die meisten Leute auf dem Schiff waren relativ jung. Sie waren relativ unerfahren, in manchen Fragen vom theologischen Standpunkt aus sogar naiv. Aber: Die meisten von ihnen hatte (haben) den brennenden Willen, Jesus zu dienen. Und irgendwie schafften wir es – Leute aus 35 verschieden Länder und mindestens ebenso vielen Gemeindeformen – mit Gottes HIlfe meistens, zweitrangiges zweitrangig sein zu lassen und uns aufs Wesentliche zu konzentrieren. Das würde ich mir oft für die Christenheit hier in Deutschland wünschen.

Also bette ich das Video hier ein, schaue es mir an und werde wehmütig…


Gottes Mühlen

“Gottes Mühlen mahlen langsam, aber fein”. Immer wieder wiederholt er diesen Satz. Mich nervt das etwas, weil ich mich gerade in meinem Lieblingscafé in Bad Vilbel niedergelassen habe, mein Milchkaffee ist unterwegs und ich habe es geschafft, mir den neuesten SPIEGEL zu ergattern. Da erst entdecke ich den Mann, der allein am Nebentisch sitzt und immer wieder diesen Satz gegenüber jedem, der vorbeigeht, wiederholt. Zur Feier des Tages lässt er sich ein paar Gläser Sekt bringen. Grund der Feierlaune: Am Tag zuvor wurde der Post-Chef Klaus Zumwinkel von der Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung hochgenommen.

Ich bin mit dem Mann nicht weiter ins Gespräch gekommen (was ich im Nachhinein bedauere), da er anscheinend schon einige Gläser Sekt (und härtere Sachen) intus hatte. Aber der immer wieder wiederholte Satz ging bzw. geht mir doch einige Zeit nach. Nicht wegen Klaus Zumwinkel, sondern wegen der Frage, die sich so häufig in mein Unterbewusstsein schleicht: “Was bringt es eigentlich, gegen das Elend in der Welt anzubeten?” Gegen all die Ungerechtigkeit, den Hunger, die Kriege, die Unterdrückung? Was können da ein paar gestammelte Worte, und wenn sie noch so sehr von Herzen kommen, ausrichten?

Gottes Mühlen mahlen langsam, aber fein. Er steht am Ende der Geschichte, und was auch immer noch im Verlauf der Weltgeschichte (und meiner eigenen) passiert, er behält das Heft in der Hand. Diese Erkenntnis mag nicht alle Ungerechtigkeit in der Welt beseitigen, aber vieles lässt sich leichter tragen – und leichter beten.


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