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Was wäre wenn …

… habe ich mich auch schon oft gefragt:

Irgendwie so wahr …


Ekklesiologische Grübeleien, Teil V: Anbetung

(Sorry an alle, die kein Englisch können).

Vor ein paar Wochen wies mich Tiberius auf dieses Video hin, in dem es ums Thema “Anbetung” und den Gebrauch dieses Wortes in der evangelikalen Gemeindekultur geht. Verbunden mit der Beobachtung, dass man diesen Begriff zu oft auf Bereiche wie Musik, spektakuläre Erlebnisse, Geistesgaben u.a. verengt, ohne das eigene Alltagsleben unter diesem Aspekt zu beachten bzw. zu gestalten.

Was die Musik und grundsätzlich die Gestaltung von Gottesdiensten anbelangt, so gibt es meiner Beobachtung eben nicht die eine wahre Lobpreis-Musik, die uns näher zu Gott bringt als andere Arten von Musik. Ich kenne eine ganze konfessionelle Bandbreite von Christen. Darunter gibt es welche, die die lateinische Messe bevorzugen und es gibt welche, die mit Freude und Gewinn charismatische Gemeinden besuchen (“charismatisch” zunächst mal im konfessionellen Sinn zu verstehen). Es gibt welche, die sind vom Gottesdienst-Erleben her sehr liturgisch geprägt, und solche, die die Gottesdienste relativ frei gestalten. Ich habe schon immer Trouble mit Aussagen gehabt, dass die eine Form des Gottesdienstes per se “besser” und “gesegneter” sei als die andere.

Was die persönlichen Präferenzen anbelangt, so sind meine Frau und ich schon allein ganz unterschiedlich: Meine Frau tankt geistlich auf, wenn sie in Gemeinschaft mit vielen anderen Gott lobt (und sie bevorzugt kontemporäre Lobpreislieder). Ich bin eher ein Typ, der ab und zu Ruhe braucht, um nachzudenken, Gedanken zu sortieren und Ruhe zum Beten zu haben. Und was die Musik anbelangt, so gibt es kaum eine Art von Musik, die mich innerlich so zur Ruhe bringt, wie geistliche Vokalmusik. In meiner Zeit auf dem Missionsschiff “Doulos” (die immer auf der Höhe waren, was die Entwicklung in der “Worship-Welt” anbelangte) hatte ich zwei CDs mit Gregorianischen Chorälen dabei; eine Musik, die mir viel innere Ruhe in einer hektischen Umgebung bescherte. Ich registriere, dass verschiedene Menschen auch ganz unterschiedlich sind in der Art und Weise, Gottesdienste im allgemeinen und geistliche Musik insbesondere zu erleben und dementsprechend zu “bewerten”, wenn man den Begriff mal benutzen darf.

Es gibt in dem Sinne meiner Beobachtung nach nicht den “einen richtigen” Weg, Gottesdienst zu feiern. Ich selbst kann Gott sowohl in einer lateinischen Messe als auch in den Gottesdiensten einer Freien evangelischen Gemeinde als auch im charismatischen Worship-Service begegnen. Wenn man von dem Aspekt der bloßen Äußerlichkeiten her über das Thema “Anbetung” diskutiert, finde ich, verfehlt man das Thema.

Der oben gezeigte Clip deutet in die richtige Richtung: Es kommt nicht darauf an, welche Musik ich bevorzuge, sondern darauf, wie ich mein Leben gestalte. Anbetung heißt eben nicht: Ich singe Musik, die ich richtig geil finde und bei der die Post abgeht. Sondern: Ich liefere mein ganzes Leben an Gott aus. Das beinhaltet sicher auch die Art und Weise, wie ich Gottesdienst feiere oder welche Musik mir näher liegt, erschöpft sich aber eben nicht da.

“Wenn ich die Sprachen aller Menschen spreche und sogar die Sprache der Engel,1 aber ich habe keine Liebe – dann bin ich doch nur ein dröhnender Gong oder eine lärmende Trommel.” (1. Kor 1,1) Ich glaube, das ist das Stichwort beim Thema “Anbetung”: Liebe. Gottes Liebe empfangen und sich mit Liebe und Dank an Gott wenden (das Abendmahl wurde schon in der ersten Christenheit nicht umsonst “Eucharistia” genannt, gr. für “Danksagung”) und diese Liebe in meinem Leben wirken lassen und an andere weitergeben. Das, finde ich, ist allein Herausforderung genug.

Anbetung ist Gehorsam. Nicht blinder preußischer Kadavergehorsam à la “Jawoll, Herr Hauptmann”, sondern Gehorsam, der aus empfangener, wirkmächtiger Liebe Gottes erwächst. Und wo das Realität im Leben eines Menschen ist, wo man jemandem abspüren kann: “Der lebt wirklich mit Jesus”, da ist es erst mal wurscht, welcher Konfession er angehört, in welchen Gottesdienst er geht und welche Musik er bevorzugt.

Wer dagegen unter Anbetung “Entertainment” versteht, der wird schwerlich etwas daraus gewinnen können – außer vielleicht einem zweistündigen emotionalen Kick am Sonntag morgen. (Eine Gefahr übrigens und ein Trend in der evangelikalen Landschaft: Dass die “Worship-Kultur” immer mehr zum Entertainment mutiert. Aber das wäre Stoff für ein Extra-Thema). Anbetung ist etwas, was unser ganzes Leben als Nachfolger Christi umfasst. Oder umfassen sollte.


Ekklesiologische Grübeleien, Teil IV: Showtime!

In der letzten Ausgabe der Zeitschrift “Christsein heute” (die Gemeindezeitschrift der Freien evangelischen Gemeinden in Deutschland – muss man ja lesen als Pastor …) bin ich über einen Artikel meines Kollegen Wolfgang Kraska, seineszeichens Pastor der FeG Karlsruhe gestolpert. Der Artikel trägt die Überschrift “Gemeindebeben”. Tagline: Warum es keine Bestandsgarantie für FeGs gibt. Und was wir darum tun sollten.

Der Artikel ist ein Versuch, das gesellschaftliche Umfeld, gerade das, in dem Kirchen und Gemeinden existieren, und die kirchliche Entwicklung der letzten Jahre zu analysieren und für das Gemeindemodell FeG in dieser Situation einen Platz zu finden. So weit, so gut.

Den “Volkskirchen” – gemeint sind die evangelische und die katholische – prophezeit er den baldigen Kollaps, oder zumindest den Verlust ihrer Privilegien bei absehbaren “neuen politischen Mehrheiten”:

“Wenn ein System in sich selbst widersprüchlich und marode ist, ist der Zusammenbruch unausweichlich. Wenn die Zeit dafür reif ist, bedarf es nur eines kleinen Anstoßes, um einen Dominoeffekt auszulösen. Man denke nur daran, wie erstaunt alle waren, dass die DDR in so kurzer Zeit völlig in sich zusammenbrach.”

Der Satz gehört zu einem Abschnitt, in dem der Traditionsabbruch in den Volkskirchen beschrieben wird. Wir sollten, so Kraska, uns darauf einstellen – ohne jede Häme.

Selbst wenn die Leute zu uns als protestantischen Freikirchen finden, ist für mich die Frage, ob sie da etwas “Besseres” vorfinden. Vor allem, wenn ich Wolfgang Kraskas später folgenden Satz lese, in dem es um den Stand der Freikirchen in der Postmoderne geht:

“… doch heute wendet sich das Blatt. Wir sehen neben den taufrischen Neugründungen auf einmal ziemlich alt aus und erleben, dass Menschen aus unserem Umfeld von uns weggehen. Man mag das zu Recht völlig ungeistlich finden. Tatsache ist aber, dass heutzutage auch Gemeinden gewissen “Gesetzen des Marktes” unterliegen. Wir werden uns damit abfinden und uns darauf einstellen müssen.”

Wolfgang Kraska meint das (vermutlich) im Hinblick auf die demografische Entwicklung innerhalb der FeG’s – was Zugänge und Weggänge anbelangt. Aber er zeichnet – unbewusst – ein realistischeres Bild des gesamten evangelikal-pietistischen Spektrums in Deutschland, als ich es bis jetzt gelesen oder gehört habe. Die primäre Frage ist sehr häufig eben nicht mehr die nach der Gottesbegegnung oder einem Leben, das Gott ehrt oder einer Gemeinschaft, in der man durch Ermutigung und Ermahnung wachsen kann. Die Frage ist eher sehr oft die, wo die eigene Erwartung bezüglich Uhrzeit, Gottesdienstlänge, Musik, Grundtonus der Predigt etc… am ehesten meinen persönlichen Vorstellungen entspricht.

Müssen wir uns tatsächlich auf “Gesetze des Marktes” einstellen? Hat schon mal jemand drüber nachgedacht, was an praktischen Implikationen aus dieser These folgt? Dass die Gemeinden von vornherein im Vorteil sind, die über die coolste Musik, den hippsten Prediger, die ansprechendsten Räume und so weiter verfügen? Und die – wie im Bundesliga-Fußball – einfach die finanzkräftigsten Sponsoren haben, um so was auf die Beine stellen zu können?

Mir macht der ganze evangelikale Zirkus, ehrlich gesagt, zunehmend Sorgen. Die Ansprüche an die äußerliche Gestaltung z.B. von Gottesdiensten und der “Dienstleistungsanspruch” an die Gemeinden werden immer höher (wobei ich demütig zugeben will, dass das nur meine eigenen bescheidenen Erfahrungen sind); gleichzeitig nimmt die Bereitschaft, sich im Rahmen einer Gemeinschaft gegenseitig im Vertrauen zu öffnen und auch der Wille, sich von anderen in geistlich gesunder Weise korrigieren zu lassen, ab. Von ein und denselben Personen wird viel gefordert und wenig gegeben. Konsumentenmentalität. Und die Individualität wird hochgehalten: “Mein Leben – mein Glaube. Keiner quatscht mir rein.”

Ich frage mich: Was ist das Proprium einer Gemeinde dieser Prägung? Möglichst “hip” gestaltete Gottesdienste? Die Bude voll zu kriegen (was ja nicht falsch ist, so lange man weiß, was man verkündigt…)? Bei den Gemeindewachstumsstatistiken vorne zu liegen?

Mir fehlt eher Stille, Schlichtheit, Echtheit und Authentitzität, tiefe Gottesbegegnungen (nicht wildes Rumgehüpfe im Gottesdienst, eher was, was mein Leben auch unter der Woche ändert und prägt …) Ich hoffe sehr, dass wir das nicht auf dem Altar irgendeines postmodernen ekklesiologischen “Styles” opfern.


Christ sein ohne Adjektive

Chaplain Mike hat auf Internetmonk.com eine Artikelreihe veröffentlicht, die mich doch ziemlich beschäftigt hat über die letzten paar Tage. Es ging darin um die „Entmythologisierung des radikalen Christentums“ und um die Frage, wieso man überhaupt so häufig erklärende Adjektive vor dem Titel „Christ“ braucht.

Mit „erklärenden Adjektiven“ meine ich nicht die konfessionellen Unterschiede zwischen einzelnen Christen, sondern Zusätze wie „bibeltreu“, „gläubig“, „praktizierend“, „hingegeben“ und so weiter. Für den außenstehenden Beobachter muss das so aussehen, als gäbe es eine Art „Christenliga“, in der sich Schlechter- und Besserqualifizierte befinden und in der man auf- und absteigen kann. Mich hat es schon immer genervt, dass es offensichtlich nicht reicht, einfach „nur“ Christ zu sein.

Dabei geht es nicht darum, Unterschiede in der Gemeinde zu verwischen oder einzuebnen, die nun einmal bestehen. Auch die Bibel spricht von „Schwachen“ und „Starken“ im Glauben. Von Menschen, die Trost und Orientierung geben können und die, die diese Dinge brauchen. Nur: In der Bibel ist das eine objektive Zustandsbeschreibung. Kein Qualitätsurteil, keine Abgrenzung, um selber das gute Gefühl genießen zu können, einem Grüppchen von Auserwählten anzugehören, die es besser wissen.

Dabei muss man sich manche dieser Adjektive mal auf der Zunge zergehen lassen. “Gläubiger” Christ (gibt’s auch andere?). “Bekehrter” Christ (“Unbekehrte” Christen ist schon allein ein theologischer Widerspruch in sich selbst). “Bibeltreuer” Christ (welchem Teil der Bibel gegenüber ist der denn treu? Und welcher Interpretation derselben?).

Ich habe das mit der Zeit abgelegt, und versuche noch immer die Restbestände rauszuschmeißen, andere nach Adjektiven zu beurteilen, die ihnen von außen angeheftet worden sind. Es reicht absolut aus, einfach “nur” Christ zu sein, mit dem zu leben, was ich nicht kapiere und verstehe und täglich von der Gnade Gottes und aus seiner Kraft zu leben!


Ekklesiologische Grübeleien, Teil III: Erkennungsmerkmale

Wie erkennt man, dass Menschen Jesus nachfolgen? An der Rechtgläubigkeit? An den Gemeinde- oder Kirchenaktivitäten? Am regelmäßigen Gottesdienstbesuch? Am Meiden der “Welt”? Mich berührt immer wieder dieser Satz aus den Abschiedsreden von Jesus:

Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.” Johannes 13, 34+35

Da ist viel Wahrheit dran. (Pardon, der Satz ist ja schließlich von Jesus – es ist wahr!) Reden, schreiben, behaupten kann man viel; erst die Art und Weise, wie sich unser Leben gestaltet, auch im Umgang mit unseren Mitchristen und -menschen, macht sichtbar, wie viel Substanz wirklich da ist.

Ich frage mich manchmal: wie kommt es, dass gerade in freikirchlichen Gemeinden diejenigen, die lautstark und vehement eine evangelistische Veranstaltung nach der anderen fordern, in den Gottesdiensten mit den verbissensten und verbiestertsten Gesichtern sitzen? Und warum merke ich herzlich wenig von Liebe in den Äußerungen, die da kommen? Was will man so den Menschen verkündigen?

Die wirksamste Öffentlichkeitsarbeit, die glaubwürdigste evangelistische Aktion und die authentischsten Jesusnachfolger überhaupt sind Menschen, die sich von der Liebe Gottes prägen und füllen lassen und diese weitergeben. Oder seh ich das falsch? Ich frage mich nur: Warum ist oft in Gemeinden (und, ehrlich, in meinem eigenen Leben) so wenig davon zu spüren?

Ich lese gerade viel Bücher über die Liebe Gottes und beginne, nach und nach Dinge zu begreifen, die so elementar sind, aber für die ich schon mal 24 Jahre Christ sein musste, um sie an mich ranzulassen …


Ekklesiologische Grübeleien Teil II: Leadership oder die Suche nach dem Alpha-Tier

Meines persönlichen Eindrucks nach wurde in den letzten Jahren kaum ein Thema in der evangelikalen Szene so breitgelatscht wie das Thema “Leiterschaft”.  Konkret: Die Frage “Wer hat in der Gemeinde den Hut auf? Wer führt die Gemeinde wohin – und vor allem wie?”

Ich war auf Konferenzen zum Thema, veranstaltet von einer der großen amerikanischen Mega-Gemeinden und nahm tatsächlich einige positive Aspekte mit. Befremdend fand ich jedes Mal die Anwesenheit von Wirtschaftsgrößen aus den USA als einer oder eine der Hauptredner/innen. Dazu gehörten u.a. der Ex-Vorstandsvorsitzende von WalMart oder die Ex-Chefin von HewlettPackard, die aus ihrer Erfahrungskiste berichteten.

Was mir an Leiterschaftsmodell da begegnete, war straff strukturiert und organisiert, mit vielen Erfahrungen aus dem Management, auch aus nicht-christlichem Umfeld. Für viele Leute war das unglaublich aufbauend und einleuchtend. Mich hat es zugegebenermaßen eher befremdet. Mir behagte das nicht, so einfach Prinzipien aus dem Management in die Leitung einer Gemeinde zu übertragen – wer als Leiter mit den Leuten in der Gemeinde so umgeht, wie WalMart mit seinen Angestellten, der dürfte sehr schnell alleine sein.

Ich kam nicht so ganz damit zurecht, weil ich den Eindruck hatte, dass hier eine Art Leistungsdenken kultiviert wurde, eine Hierarchie – nicht der geistlicheren Charaktere, sondern derer, die sich durchsetzen können. Der Alpha-Tiere.

Ich sehe in der Bibel auch schon mal Leiter, die oft mit ihrer Aufgabe haderten – und das schon während der Berufung. Und Leiter, denen heute beim besten Willen keine entsprechende Eignung bescheinigt werden würde. Gott musste Mose nach einem bis dahin im Wesentlichen gescheiterten Leben in einem längeren Gespräch überzeugen; Gideon stürzte sich nicht gerade mit “Hurra” in die Aufgabe, als Gott kurz vor der Schlacht erst einmal ein paar tausend Leute nach Hause schickte; Petrus war ein einfacher Fischer, der ein schnelles Mundwerk hatte. Ihm wurde die Leitung der ersten Gemeinde anvertraut.

Die hatten alle keine Leiterschulungen hinter sich. Die hatten keine klare Struktur oder ein klares Modell dessen, was sein werden würde, im Kopf, nur den Auftrag, den sie erhalten hatten. Und alles, was sie brauchten, bekamen sie von Gott entlang des Weges. Was wiederum die These bestätigt, dass Gott offensichtlich nicht immer die (augenscheinlich) Fähigen beruft, aber immer die Berufenen befähigt.

Ich frage mich, ob wir gerade bei dem Thema nicht angefangen haben, zu sehr auf Äußerlichkeiten und die Machtmechanismen der Welt zu hören und uns zu wenig von Gott überraschen zu lassen.


Treibgut

Ein Zitat von “Jesus Punk” (als Kommentar auf einem anderen Blog):

“Scheißegal, ob ich mich zum Idioten mache…. solange ich Jesus zum Helden mache ist alles klar!”

Dem ist nichts hinzuzufügen! Amen!


Das richtige Outfit, Teil VII: Das Schwert

Kommen wir zum Schluss der Reihe zur Bewaffnung eines römischen Soldaten. Es gab im römischen Heer einige Distanz- und Nahkampfwaffen, zu den Distanzwaffen gehörte – natürlich – Pfeil und Bogen, es gab auch Steinschleuderer, und viele Soldaten trugen mindestens einen Wurfspeer (ein “Pilum”) mit sich. Die waren so konstruiert, dass sie, egal, aus welcher Haltung sie abgeworfen worden waren, sich in der Luft in die Waagerechte legten und ziemlich sicher mit der Spitze voraus im Ziel ankamen. Sinn und Zweck der Pila war es, den Gegner vor dem eigentlichen Aufeinandertreffen zu schwächen und Lücken in die Schlachtordnung zu reißen, um dann zum Nahkampf überzugehen. Diese Taktik war über Jahrhunderte hinweg sehr erfolgreich.

Zur Standardbewaffnung eines römischen Legionärs gehörte dann auch das Kurzschwert, das “Gladius” (von dem übrigens auch der Begriff “Gladiator” für “Schwertkämpfer” abgeleitet ist). Ein Gladius war so um die 50 – 60 cm lang, ca. 8 cm breit und wog so um die 1000-1200 Gramm. Scheint auf den ersten Blick keine furchterregende Waffe zu sein, aber im Nahkampfgetümmel (und Nahkämpfe waren immer unausweichlich) war das Schwert ideal: Es gab dem römischen Soldaten auch im dichtesten Kampfgeschehen und ohne die Kampfordnung der eigenen Truppe aufzubrechen die Möglichkeit, seine Waffe zu benutzen und voll beweglich zu sein, ohne die Deckung mit dem Schild fallen zu lassen. Größere Schwerter ließen sich in der Situation nicht mehr schwingen oder auch nur zu einem Stich ausholen, ohne dass man seine Deckung entblößen musste.

In dem Bild der Waffenrüstung im geistlichen Kampf aus Epheser 6 vergleicht Paulus dieses Schwert mit dem Wort Gottes: … und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph. 6,17).

Es ist in der Rüstung insgesamt nicht die einzige offensive Waffe (dazu gehört noch der Schild), aber die primäre. Die, mit der ich dem Gegner zusetzen und ihn zum Rückzug zwingen kann. In unserem Bild ist das also das Wort Gottes. Matthäus 4,1-11 gibt einen kleinen Eindruck davon, wie so was ablaufen kann: Der Widersacher versucht, Jesus von seinem Weg abzubringen, in dem er das Wort Gottes sinnentstellt gebraucht. Jesus kann ihm antworten und ihn schließlich in die Flucht schlagen, weil er tief im Wort Gottes verwurzelt ist, weil er weiß, wie die jeweiligen Aussagen gemeint sind und weil er mit dem Wort Gottes, das er wie kein anderer kennt, antworten kann.

Mag ein krasses Beispiel sein, aber diese Verwurzelung im Wort Gottes halte ich für sehr wichtig – gerade in meiner Generation und jünger, wo mir diese Verwurzelung immer mehr abzunehmen scheint (mein persönlicher Eindruck). Wer mit einem stumpfen Schwert in den Kampf zieht, (oder vielleicht sogar ohne) der wird sich nicht lange behaupten können. Gottes Wort gibt uns Mut, Sicherheit und das geistliche Unterscheidungsvermögen, Ansprüche, Trends, Aussagen, die an uns herangetragen werden, beurteilen und bewerten zu können.

Der inzwischen verstorbene baptistische Theologe Michael Spencer sieht in seinem Essay “the coming evangelical collapse” (kein sehr mutmachender Titel, ich weiß…) den Mangel an greifbarer Katechese als eines der Grunddefizite der heutigen jungen Generation in evangelikalen (und pietistisch geprägten) Gemeinden an: … in einem der ironischsten Faktoren [für den von Michael Spencer vorausgesagten kommenden Niedergang der evangelikalen Bewegung] sehen wir eine evangelikale Kultur, die Milliarden ausgegeben hat für Jugendpastoren, christliche Musik, christliche Verlage und christliche Multimediaprojekte, die als Ergebnis eine ganze aufstrebende Kultur junger Christen hervorgebracht hat, die fast nichts über ihren eigenen Glauben wissen – außer, wie sie sich damit fühlen. Unsere jungen Leute haben, was die kulturelle Auseinandersetzung anbelangt, tiefe Überzeugungen, aber sie haben keine Ahnung, warum sie der Schrift gehorchen sollten, von den Grundlagen ihrer Theologie oder der Erfahrung von Gemeinschaft oder geistlicher Disziplin… (Quelle)

Man muss Spencer nicht zustimmen, er schreibt schon ziemlich pessimistisch und natürlich auf die USA bezogen, in der sich die Situation vielleicht noch mal anders darstellt als bei uns. Und trotzdem nennt er einige Beobachtungen, die ich aus eigenem Erleben bestätigen kann, gerade, was die Verwurzelung in der Schrift und die Grundlagen der Theologie anbelangt.

Unsere Generation und die kommenden werden es sicherlich nicht einfacher haben, ihren Glauben in der Nachfolge Christi zu leben. Sie werden sich mehr und mehr mit Ansprüchen konfrontiert sehen, die mit dem Wort und Willen Gottes konkurrieren oder ihn ignorieren. Und es wird zunehmend mehr Konformität verlangt, trotz all dem PC-Gefasel von “Toleranz”.

Deshalb nehmen wir (um wieder zu dem Bild von Eph. 6 zurückzukommen) das Schwert in die Hand. Lassen wir uns füllen vom Wort Gottes und tief darin Wurzeln schlagen. Und halten wir den Weichspülern des Evangeliums die Aussagen des Wortes Gottes entgegen. Damit wir die geistlichen Herausforderungen unserer Zeit bestehen können.


Das richtige Outfit, Teil VI: Der Helm

Was zur Ausrüstung eines jeden Kämpfers in der damaligen Zeit gehörte, war der Helm. Der Kopf ist einer der verwundbarsten Teile (und vor allem ein Teil, ohne den gar nichts mehr geht, wenn er beschädigt wird…) und von daher hat man schon in frühster Zeit Helme angefertigt. Manche aus gehärtetem Leder (mit Metalleinlage) andere aus Eisen, wieder andere aus anderen Metallformen.

Sinn und Zweck eines Helms müssen wohl nicht näher erklärt werden: Den Kopf vor Verletzungen schützen. Im Bild sieht man einen Römerhelm, wie ihn ein gewöhnlicher Fußsoldat zur Zeit Jesu getragen haben könnte. Der Helm sollte also möglichst viel Schutz bieten, gleichzeitig aber Beweglichkeit des Kopfes, die Sicht und das Hören möglichst wenig beeinträchtigen. Den römischen Helmschmieden ist das gut gelungen, wie man sehen kann.

Auch zur geistlichen Waffenrüstung gehört ein Helm, und die Bibelübersetzung “Gute Nachricht” konkretisiert ein bisschen das, was Luther mit “Helm des Heils” übersetzt hat: “Die Gewissheit eurer Rettung sei euer Helm und das Wort Gottes das Schwert, das der Geist euch gibt”. (Epheser 6,17). Zum Schwert kommen wir im nächsten Posting.

Der Kopf ist einer der verwundbarsten Körperteile. Erzielt der Gegner hier im Kampf einen entscheidenden Treffer, ist der Kampf vorbei. Demensprechend ist es einer der Körperteile, auf den bei einem schwächelnden und strauchelnden Gegner der entscheidende Hieb geführt wird.

Der Kopf ist Sitz unserer Gedanken (ob das hirnforschungsmäßig so stimmt, weiß ich nicht, aber im Allgemeinen ist es  so…). Und das ist in der Tat ein Feld, das sehr verletzungsanfällig sein kann: Selbstzweifel, Angst, Mutlosigkeit, Eifersucht, Hass – um nur einige wenige zu nennen … das betrifft, um im biblischen Bild zu bleiben, Herz und Kopf (die Gefühle und die Gedanken – das ganze Befinden des Menschen). Nicht umsonst sind Schild und Helm Bilder für den Umgang mit beidem. Das sind ja nicht Gedanken, die einmal kommen und dann wieder gehen, sondern die es manchmal, vielleicht sogar oft, fertigbringen, uns im Kreis denken zu lassen, zu grübeln, zu zweifeln … bohrende Fragen und Gedanken zu entwickeln, die uns und anderen das Leben schwer machen können.

Dagegen also hilft der “Helm des Heils”: Zum einen des Heils, das ich durch Jesus Christus jetzt schon habe. Die Tatsache, dass ich ein Kind Gottes bin, von Gott geliebt und sein Eigentum. Sich das immer wieder bewusst zu machen (oder es bewusst gemacht zu bekommen, wenn man selbst mental am Ende ist) ist wichtig, denn wir können schon mit beeinflussen, wie unsere Gedanken sich entwickeln. Jesus konnte seinem Widersacher immer wieder mit Aussagen Gottes aus der Schrift begegnen und sich so nicht ins Wanken bringen lassen. Auch wenn es uns vielleicht mal umhaut: Die Tatsache unserer Rettung allein aus Gnade sollte eine Konstante in unserem Bewusstsein werden, egal, wie die äußeren Umstände sind.

Zum anderen kommt auch das Heil, das Gott für uns bereit hält, ins Spiel – immer dann, wenn die Frage in uns bohrt: “Wozu das alles? Macht das überhaupt einen Sinn?”. Der Ausblick auf die kommende neue Welt Gottes kann uns neu motivieren und beflügeln – wie der Anblick des Ziel-Berggipfels einem müden Bergwanderer noch einmal die nötige Kraft verleihen kann.

Den Helm des Heils aufsetzen heißt: Sich dessen bewusst zu machen, was Jesus für mich getan hat, was er heute in meinem Leben tut und was er noch in der kommenden neuen Welt tun wird. Und allen Gedankenkonstrukten, die mich von ihm wegbringen wollen, zu widerstehen.


Buchtipp: Der Neonazi

Ich war über Pfingsten mit einigen Jugendlichen aus unserer Gemeinde auf dem Bundesjugentreffen der Freien ev. Gemeinden in Erfurt. War eine schöne Zeit – begeisternde Gemeinschaft, viele gute Angebote, Workshops, Treffpunkte, Möglichkeiten zum klönen und ausruhen (sorry: chillen) und auch echt gute Zentralveranstaltungen. Wie jedes Mal auch ein großer Büchertisch, an dem ich mir am Samstag mittag ein Buch kaufte und es danach innerhalb von 3 Stunden in einem Zug durchlas, weil es mich total fesselte.

Was denkst Du, wenn du einen Skinhead mit Springerstiefeln und Bomberjacke siehst? “Naja, ein Spätpubertierender, der auf diese Art seine Identität sucht – irgendwann wir der von allein erwachsen und es ist zu hoffen, dass er bis dahin keinen Mist baut”? Das gibt es sicher – das jemand eine weile rechter Gesinnung folgt, um das Establishment in Familie und Verwandschaft zu schocken.

Bei Nico Messerle, Hauptfigur des Buches, ist es anders: Er wächst von klein auf in einer Familie in Österreich auf, in der nationalsozialistisches Gedankengut nicht nur zum Alltag gehört, sondern den Alltag im Wesentlichen ausmacht. Sein Großvater, der nach einigen familiären Schwierigkeiten die Erziehung übernimmt, ist ein ehemaliger SS-Offizier, der im dritten Reich zur Wachmannschaft eines Konzentrationslagers gehörte und sich (im Familienkreis) damit brüstet, viele jüdische Menschen eigenhändig umgebracht zu haben. Sein Vater gehört einer neonazistischen Rockerbande an.

Gewalt gehört für Nico zum Alltag, und schon bald entwickelt er sich zum rücksichts- und hemmungslosen Schläger. Das Buch berichtet, wie er im Laufe der zeit bei der neonazistischen Terrorgruppe “Blood and Honour” einsteigt und zum Sektionsleiter für Österreich aufsteigt. Sein Leben wird immer mehr von Gewalt bestimmt, irgendwann gibt es auch Todesopfer, die in ihm nicht die geringste Regung von Mitleid oder Reue hervorrufen.

Eines Tages jedoch erreicht die Gewalt auch seine eigene Familie. Nicos Wut und Hass eskalieren, er schwört Rache und übt sie dann auch. Alles sieht nach einem hoffnungslosen Fall aus – bis er eines Tages eine Bekanntschaft macht, die sein Leben verändert.

Klingt alles nach einer üblichen Bekehrungsgeschichte mit autauschbaren Charakteren. Die Story ist aber tatsächlich passiert (im buch sind aus Sicherheitsgründen einige Orts- und Personennamen verändert worden). Die gruseligsten Ereignisse aus Nicos Leben sind sogar aus dem Buch weggelassen worden, weil die Autorin (die umtriebige Schweizerin Damaris Kofmehl) das den Lesern aus dem frommen Spektrum nicht zumuten wollte.

Was mich vor allem schockte war die Bösartigkeit, die mir aus der Beschreibung von Nico Messerles Umfeld entgegenschlug. Wer rechte Skinheads für ein paar saufende und prügelnde, aber ansonsten harmlose Spinner hält, der wird hier ganz schnell eines besseren belehrt: Es gibt neonazistische Organisationen und Strukturen nach dem Strickmuster der ehemaligen RAF in Deutschland – und mit einem Grad von Equipment und Vernetzung, der der Polizei meistens einen oder mehrere Schritte voraus ist. Und diese Neonazis räumen jeden aus dem Weg, der ihnen gerade quer kommt…

Das Buch ist gut geschrieben und lässt sich sehr flüssig und schnell lesen. Nico wird gegen Ende (das ist natürlich von vornherein zu vermuten) Christ und schwört der Gewalt und seiner ehemaligen Ideologie ab. Das Besondere daran ist, dass es so unmöglich zu sein scheint, dass das überhaupt passiert – dass ein Mensch, der so gefangen ist in Bitterkeit, Hass und Gewalt den Weg zu Jesus findet und sein Leben ändert… Wenn es für jemanden wie Nico Messerle Hoffnung gibt, dann ist für alle Hoffnung da!

Deshalb Leseempfehlung: “Der Neonazi” von Damaris Kofmehl. SCM Edition, 12,95 €. Erhältlich an den Büchertischen der Gemeinden und – auf Bestellung – im gut sortierten Buchhandel (support your local Bookstore!).


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