Schlagwort-Archive: Glauben

Des Glaubens Schuhgröße

Tja, die halbe Bloggerwelt macht gerade Blogpause vor Weihnachten. Das hatte ich gar nicht beabsichtigt, aber irgendwie mangelt es mir teils an Zeit, teils an Inspiration. Trotzdem hier mal ein Schwank aus meinem Leben, an den ich am Nikolaustag denken musste.

Als ich beim Bund war, war ich in einem Jahr zur Wache am Nikolaustag eingeteilt. Es war ein Samstag, d.h. fast die ganze Besatzung des Schiffes war im Wochenende, nur die Wachen, die nötig waren, hatten Anwesenheitspflicht. Am Abend erfolgte plötzlich eine Durchsage des Kommandanten:

“Heute abend wird der Nikolaus durchs Schiff gehen. Wer möchte, kann einen Schuh vor die Tür stellen – und der wird dann garantiert gefüllt”.

Nun muss man dazu sagen, das besagter Kommandant eine Neigung besaß, seine Kameraden gerne mal hochzunehmen und Streiche zu spielen. Deshalb waren die Reaktionen der Anwesenden auf die Durchsage sehr interessant:

- die einen stellten gar keinen Schuh raus, weil sie dachten: “Der verarscht uns ja eh wieder”.
- andere dachten: “Kann sein, dass er uns verarscht, aber wenn nicht, will ich nicht leer ausgehen” und stellten ihre Arbeitsschuhe oder Halbschuhe raus.
- wieder andere -darunter auch ich – dachten: “Wie geil! Wo ist mein größter Schuh?” und stellten einen der Seestiefel raus, die bis ans Knie reichten.

Am anderen Morgen – siehe da – die Schuhe waren voll mit Orangen, Nüssen, Süßigkeiten – jewils nach dem Maß des Vertrauens, das man dem Kommandanten entgegengebracht hatte.

Irgenwie kam mir am letzten Sonntag der Gedanke: “Wenn ich so oft meine, ich erlebe zu wenig mit Gott oder ich würde ihn nicht genug handeln sehen – vielleicht liegt es ja daran, dass meine Glaubensschuhgröße zu klein ist?”

hmmm … Da könnte was dran sein.

“Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen”. – Hebräer 11,1


Evangelikaliban?

Ich nehme mir so einmal die Woche Zeit, mich in Vilbel in ein Café zu trollen, um dort die größeren Nachrichtenmagazine und Zeitungen durchzuforsten. Das ist bei einer Tasse Milchkaffee schön entspannt und vor allem wesentlich billiger, als wenn ich die Zeitschriften abonnieren würde.

Heute morgen also bei einer Tasse Kaffee die Lektüre des aktuellen SPIEGEL. Auf S. 28 der aktuellen Ausgabe findet sich ein Artikel unter der Überschrift “In Gottes Namen”, ein Text über Rita S. und Anita G., die beiden Bibelschülerinnen der Bibelschule Brake, die vergangene Woche im Jemen von extremistischen Muslimen ermordet wurden. Sie waren Mitarbeiterinnen in einem kleinen Krankenhaus in der jemenitischen Provinz Saada, ein Krankenhaus, das von einer niederländischen (so viel ich weiß, christlichen) Hilfsorganisation betrieben wird.

Was mich ärgert, ist der Unterton des Artikels. Der lässt sich in einem Satz etwa so zusammenfassen: “Die fanatischen Bibel-Fundis sind selbst schuld“. Und, nach dem Motto “Wo das Aas liegt, sammeln sich die Geier”, springt auch Eduard Trenkel, der Sektenbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Kurhessen-Waldeck, den SPIEGEL-Autoren zur Seite: Die Wirkung evangelikaler Missionare in ärmeren Ländern, vor allem denen zwischen dem 10. und 40. nördlichen Breitengrad, sei “verheerend”. In der Tat: Als ich 2 Jahre im Ausland war, konnte ich mich mit eigenen Augen von der “verheerenden” Wirkung der Missionare überzeugen: Krankenhäuser, Schulen, Kinderhorte, Agrar-Projekte, Berufsausbildung, bis hin zum Transportwesen – all das waren “verheerende” Beiträge evangelikaler Missionare zum Leben der Bevölkerung vor Ort (und oft waren die Strukturen, die von den Missionen geschaffen worden waren, die einzigen, die im Land überhaupt einwandfrei funktionierten). Möchte gar nicht wissen, wie viele einheimische Jemeniten in diesem Krankenhaus schon “verheert” worden sind.

Joachim Schmidt, Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, legt noch nach: “Viele Missionare hätten ein klares dualistisches Weltbild – für sie teilt sich die Welt in Licht und dunkel”, beklagt er. Ich empfehle ihm dahingehend mal die Lektüre der Evangelien im Neuen Testament.

Würden tatsächlich (wie es in dem Artikel implizit nahegelegt wird) alle evangelikalen Missionare von ihren Einsatzorten abgezogen werden, dann hätte das in einigen Ländern der dritten Welt spürbare negative Folgen. Aber die sind nun mal aus einem Bürosessel in Kassel schwer abzuschätzen.

Nach einigen einleitenden Sätzen holen die SPIEGEL-Autoren den Knüppel aus dem Sack und verklickern den Lesern mal, wie die evangelikale Szene so drauf ist: “Es ist, in Gottes Namen, ein Milieu, dessen Tonfall sich bisweilen nur in Nuancen – Achtung, jetzt kommt’s – von dem fanatischer Muslime unterscheidet.”

Wow! Irgendwie muss ich die Aufrufe zum Töten Andersgläubiger verpasst haben (muss allerdings gestehen, dass ich die letzten Ausgaben von Idea Spektrum auch nicht mehr gelesen habe…). Und, ehrlich gesagt, sind mir auf evangelikalen Kongressen auch noch nicht so viele verschleierte Frauen begegnet. Und, wo wir schon beim Thema Frauen sind: Die meisten, die ich kenne, sind berufstätig, dürfen ohne männliche Begleitung aus dem Haus gehen, wann sie wollen, sich mit Männern unterhalten und Auto fahren. Und, wenn ich das mal so sagen darf, ich habe noch nie erlebt, das fanatische Muslime ein Krankenhaus für Christen gebaut hätten…

Bin ich da zu idealistisch, oder gibt es einen Unterschied zwischen einem Hass auf alles, was anders glaubt, und der Liebe zu den Menschen – die für Christen eben auch beinhaltet, von ihrem Glauben zu erzählen und auf der Grundlage ihres Glaubens zu handeln, ohne dass der Gesprächspartner zu irgendwas gezwungen wird? In den christlichen Hilfswerken, die ich erlebt habe, wurden Menschen ohne Ansehen der sozialen Klasse oder der Religion behandelt.

Eigentlich lohnt es sich nicht, sich über den SPIEGEL zu ärgern. Der ist nun mal keine kirchen- oder glaubensfreundliche Zeitschrift und dieser spezifische Artikel strotzt nur so von Ignoranz und Arroganz gegenüber angeblich geistig minderbemittelten Bibelfundis. Aber mich drängt es, für die Leute zu beten, die auf dem Missionsfeld ihren Mann bzw. ihre Frau stehen, nicht mit dem Holzhammer, sondern mit Werkzeugen, Fahrzeugen, Büchern, medizinischen Instrumenten und ähnlichem – und die sich in ihrem Dienst ganz in Gottes Hand begeben!


Glauben reloaded (hoffentlich)

Merkwürdig, wie zu manchen Zeiten bestimmte Dinge zusammen fallen. Ich grüble schon lange über die Art und Beschaffenheit meines Glaubens nach und registriere eine gewisse Unzufriedenheit. (Fing schon letztes Jahr an…). Ich möchte im Glauben wachsen; erleben, wie Gott in meinem Leben Grenzen überwindet, ihn handeln sehen.

Gleichzeitig scheue ich, wenn ich ehrlich bin, Veränderung. Ich scheine vom Typ her jemand zu sein, der sich gerne in überschaubaren und berechenbaren Zuständen einrichtet. Was folgt daraus: Ich hab ein Problem. (Vermutlich das klassische Geist-Fleisch-Problem des Paulus…??)

Zur Zeit gibt es nun einiges, was mich erst recht grübeln, nachdenken und beten lässt. Bento postet gerade eine lindenstraßenmäßige ( ;-) seht am Besten selbst nach…) Serie zum Thema “Heiliger Geist”. Und die Posts kommen schneller, als ich sie verdauen kann…

Desweiteren bin ich gerade bei der Lektüre des Buches “Schrei der Wildgänse”, das in einigen Kommentaren zum vorvorletzten Post empfohlen wurde. Ein Buch, das bei mir viele Fragen aufwirft. (Nicht primär zum Thema Gemeinde, sondern erst mal zu mir selbst – werde es mehrere Male lesen müssen…). Und nicht zuletzt war in der Gebetswoche der Evangelischen Allianz in der letzten Woche das Thema: “Durch den Glauben…”, verbunden mit Texten aus dem 11. Kapitel des Hebräerbriefs.

Der sagt zunächst über den Glauben mal folgendes:

Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: im Vertrauen beweist es sich selbst. (Hebr. 11,1; Gute Nachricht)

Aha. Ich kann schon mal sagen, dass ich über das bloße Stadium des Für-Wahr-Haltens weit hinweg bin. Ich habe Gott schon auf Gebet auf rational unerklärliche Weise handeln erlebt – sei es durch die Heilung von Kranken; durch nicht zu erklärende Bewahrung während meines Auslandsaufenthalts (die Story würde hier den Rahmen sprengen) oder einem prophetischen Wort, das ich während eines Gottesdienstes von einem Unbekannten bekam (und das voll ins Schwarze traf… aber das haben prophetische Worte so an sich…)

Nach dem ersten Vers folgen viele Beispiele von Menschen, die durch das Vertrauen auf Gott Gewaltiges leisteten, in Schweren Situationen getragen und gehalten wurden, und die im Vertrauen auf Gott ihr ganzes Leben umkrempelten.

Da beginnt das Thema, mich zu pieksen. Nochmal das Problem vom Anfang: Ich will mehr auf Gott vertrauen, aber scheue mich vor eventuellen Kosten. Und verbaue mir so selbst den Weg (die Leute, die ich kenne, die sich Jesus voll und ganz zur Verfügung gestellt haben, denken schon lang nicht mehr über Kosten nach…). Mist, sowas!

Ich wünsche mir leidenschaftlicheren, tieferen und lebendigeren Glauben. Vielleicht ist es das Beste, mit dem Grübeln aufzuhören und Gott einfach darum zu bitten? Mal sehen, was da kommen wird…


Echt im Geschmack …

In Anlehnung an die letzten beiden Posts musste ich an eine Folge von “Die Kochprofis” denken, die ich vor ein paar Monaten mal gesehen hatte. Das Format der Sendung dreht sich um 3-4 Spitzenköche, die gemeinsam ein schlecht gehendes oder aufbesserungswürdiges Restaurant suchen, um in 3 Tagen den Laden betriebswirtschaftlich, arbeitsökonomisch und natürlich kulinarisch auf Vordermann zu bringen. In besagter Folge schwitzten unsere 3 in der Küche und zauberten ein Menü, das die Besucher des betreffenden Restaurants so noch nicht gesehen, geschweige denn gegessen hatten. Die Rückmeldungen waren natürlich überwältigend gut – bis auf 3 Freunde aus einer Männer-WG, die allesamt zurückmeldeten, die Speisen wären zu lasch gewürzt, man würde kaum was schmecken. Dem Koch Martin Baudrexel, der noch vom Stress in der Küche ziemlich unter Strom stand, platzte der Kragen, er ging raus und unterhielt sich mal mit den dreien, um herauszufinden, was denn da los war. Was war an dem Geschmack der drei Männer anders?

Die Lösung ließ sich in einem Wort zusammenfassen: Mononatriumglutamat, das Natriumsalz der Glutaminsäure (E 620). Ein Geschmacksverstärker, der bereits in allerkleinsten Mengen Wirkung zeigt, und hauptsächlich verwendet wird, um Fertiggerichten, die im Laufe der industriellen Fertigung ihren Geschmack verloren haben, denselben wieder zurückzugeben. Und der hat nicht nur Wirkung auf das jeweilige Gericht, sondern auch auf den Konsumenten – wenn ich mal Wikipedia zitieren darf: “Die regelmäßige Verwendung von Natriumglutamat kann unter anderem dazu führen, dass der natürliche Geschmack von Produkten – vor allem derer ohne Geschmacksverstärker – als fade empfunden wird.” Und das ist nur eine Wirkung. (Das war übrigens die Lösung des Problems: In der Männer-WG regierte die Mikrowelle, die jeweils Fertigfutter aufwärmte…)

Mononatriumglutamat (und, auch in Fertiggerichten, vor allem Zucker in verschiedenen Formen) bewirken in aller Regel, dass man von dem Gericht mehr isst, als eigentlich nötig wäre. Neben verschiedenen Risiken wie der Möglichkeit von Leberschäden oder der Krebsgefahr (alle nicht eindeutig bewiesen), besteht die Möglichkeit der Gewichtszunahme. Richtig ist auf jeden Fall, dass Menschen, die häufiger Fertigprodukte essen, in der Regel eher zu Übergewicht neigen. In der Kurklinik, in der ich letzten November war, hat man uns eindringlich vor der Verwendung von Fertigprodukten (“Convenience Food”) gewarnt und uns nahegelegt, so oft es geht, frische Zutaten zu verwenden; sich Zeit zu nehmen zum Kochen. Zeit, die uns angeblich so oft fehlt im Alltag, wobei ich immer wieder merke, dass Zeit haben auch was mit sich-Zeit-nehmen zu tun hat.

Ich habe das Glück, dass meine Frau, die ja – wie gesagt – im Augenblick ihr Arbeitsfeld zuhause hat, nur in seltensten Fällen Fertigprodukte verwendet. (Ich übrigens auch nicht, wenn ich koche – was z.Zt. leider nur selten vorkommt). Da wird noch alles richtig von Hand gemacht, nicht einfach nur eine Tüte ausgeleert. Sie hat das ohne Zweifel in ihrer Familie gelernt und auch in Frankreich, wo sie studiert hat: Dort lässt man sich eine Menge Zeit zum Kochen (und zum Essen), und ein Franzose gibt schon mal bis zur Hälfte seines Monatsgehalts für die Verpflegung aus. (Dafür ist z.B. das Auto nicht so ein Heiligtum wie hierzulande…)

Macht natürlich mehr Aufwand, schmeckt allerdings auch besser – und ist nicht so heftig belastet wie das Fertigzeugs. Ist gesünder. Für Fertigprodukte gilt im Allgemeinen der schöne Spruch: “A moment on the lips, a lifetime on the hips”.

Im Glauben geht es mir ganz ähnlich (“convenience faith” anstatt von “convenience food”): Da fällt es mir auch leichter, auf das Trittbrett eines vorbeifahrenden bzw. -ziehenden Trends zu springen, anstatt meine eigene Beziehung zu Gott zu pflegen und zu leben. Das muss sich nicht gegenseitig ausschließen, ich weiß, aber ich habe mir schon oft von diesem oder jenem Programm oder Trend Hilfe und Wachstum im Glauben versprochen, manchmal hat’s auch geholfen. Aber meine Beziehung zu Gott vertiefen, wachsen lassen, mich selbst im Spiegel von Gottes Willen zu sehen – das ist eine Sache zwischen Gott und mir. Natürlich, nicht künstlich. So, wie ich bin. Und Wachstum im Glauben, mehr Nähe zu Gott, das fängt da an, wo ich mir klar werde, dass ich vor Gott mit leeren Händen dastehe und ihm diese hinstrecke. Und dass es für die Reife im Glauben nun mal keine Abkürzungen, Instant-Lösungen oder Patentrezepte gibt…


Wer mag noch Oliven?

Mein werter Kollege Christof Lenzen, dessen Blog ich regelmäßig lese, hat vor kurzem sein literarisches Erstlingswerk beim Brockhaus-Verlag veröffentlicht. “Glauben genießen” – ich habs noch nicht gelesen, aber das Titelbild lädt mich zumindest zum Genießen ein. Ich liebe mediterranes Essen, kommt bei mir nach indischen Gerichten direkt auf dem zweiten Platz (und ist auch viel einfacher zu kochen .. finde ich!).

Ist ein Buch, das vom Glauben als Genuß schreibt, überhaupt nötig? Auf jeden Fall! Ich habe in meiner Christenlaufbahn schon zu viele Vertreter der Zunft kennengelernt, für die das Christenleben ein einziger Durchmarsch durchs “irdische Jammertal” war, und die daraus die Konsequenz zogen, sich völlig von der Welt zurückzuziehen. In dem Buch – davon gehe ich nach den ersten Berichten aus, die ich von Leuten habe, die es gelesen haben – geht es darum, Gottes gute Gaben dankbar zu genießen, sich zu freuen an dem, was er geschaffen hat. Nicht darum, die Sau rauszulassen, sondern darum, Freude und Zufriedenheit in Gottes Gegenwart zu finden. Das Bild vom Essen kommt dabei nicht ungefähr: Zu Jesu Zeiten bedeutete gemeinsames Essen mehr als nur gleichzeitige Nahrungsaufnahme: Der, mit dem man sich an den Tisch setzte, der genoß das Vertrauen des anderen (man aß oft von einem einzigen Teller bzw. einer Schale – das konnte man eben nur mit Vertrauen dem anderen gegenüber). Das war ein sich-verbinden mit dem anderen.

Genau das hat die Pharisäer so auf die Palme gebracht, wenn Jesus mit den Zöllnern aß. Er snackte nicht nur für den kleinen Hunger zwischendurch, sondern er machte diesen von der Gesellschaft gemiedenen Menschen klar, dass Gott bereit ist, sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen.

Ich bin ja mal gespannt auf das Buch!


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.