Wie es aussieht, setzt in Schrecksekunden Richard Dawkins’ Atheismus kurzfristig aus (hier nachzulesen).
Da müssen wir wohl noch etwas üben …
Wie es aussieht, setzt in Schrecksekunden Richard Dawkins’ Atheismus kurzfristig aus (hier nachzulesen).
Da müssen wir wohl noch etwas üben …

Eingangsportal der Synagoge in Strasbourg/Fr.
Tja, von wegen häufiger bloggen … ich sollte mit solchen Versprechen vorsichtig sein. Meine Frau und ich sind gerade mitten in den Nachwirkungen des Umzugs, das Haus ist noch nicht ganz fertig eingerichtet und so peu á peu geht es vorwärts. Am Montag wird unser neuer Kaminofen angeliefert, was den Winter zu einer noch schöneren Jahreszeit machen dürfte. Trotzdem kämpfe ich mich auf geistlicher Ebene gerade durch eine Zeit von Verzagtheit und Selbstzweifel.
Und da blieb ich heute morgen bei der Vorbereitung auf die nächste Predigt am Predigttext für nächsten Sonntag hängen. Das sind Worte an Serubbabel, den Sohn Scheltaliels, dem Statthalter von Juda. Der lebte zur Zeit der sog. “Jerusalemer Restauration”, der Rückkehr der Israeliten aus dem Exil in Babylonien. Eine Mammutaufgabe. Und an den geht das Wort des Propheten Sacharja:
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth (Sacharja 4,6)
Ein wunderbarer und ein tröstlicher Satz. Es kommt nicht auf meine Kraft an – wenn das so wäre, wäre ziemlich schnell Sense. Es kommt darauf an, wer ich in Gottes Augen bin. Und darauf, dass Gottes Geist das tun kann, was mir unmöglich scheint.
Ohne das weiter exegetisch ausbohren zu wollen – es ist einfach ein schöner und mutmachender Vers.
(btw: Links oben das Eingangsportal der Synagoge in Strasbourg/Frankreich, auf dem eben dieser Vers geschrieben ist – in Erinnerung an die Frage, wie sich die jüdische Gemeinde in Frankreich nach dem Holocaust wieder zusammenfinden und etablieren sollte…)
Wenn alle besonderen Erlebnisse
so weit weg sind,
dass ich mich frage:
„Habe ich sie überhaupt erlebt?“
dann blicke ich mich um
und sehe Dich, Jesus
und sonst nichts.
Wenn alle großen Veranstaltungen
längst zu Ende sind,
dass ich mich frage:
„haben sie überhaupt stattgefunden?“
dann blicke ich mich um
und sehe Dich, Jesus,
und sonst nichts.
Wenn alle christlichen Freunde
längst abgereist sind,
dass ich mich frage:
„Waren sie jemals bei mir?“
dann blicke ich mich um
und sehe Dich, Jesus,
und sonst nichts.
Wenn alle bewegenden Eindrücke
längst vorüber sind,
dass ich mich frage:
„Hat mich das alles je berührt?“
dann blicke ich mich um
und sehe Dich, Jesus,
und sonst nichts.
.
Eine Meditation zu Markus 9,8 von Hermann Traub
Werde Anfang September eine Predigt zum Text aus Hiob 1,21 halten. Fand in dem Zusammenhang das folgende Video absolut klasse, habe es auch versucht als MPG-Datei zu erhalten. Das geht leider nicht, da die Rechte der Musik nicht erworben wurden, und das dauert lange… Wie auch immer; einbetten darf ich es, und das mache ich hier:

Wo wir gerade bei Beispielen aus der Seefahrt sind, hier zum Thema “Ziel” (oder “Vision”, für die Rick-Warren-Leser…) ein bekannter Ausspruch von Antoine de Saint-Exupéry:
“Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um das Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, die Arbeit einzuteilen und Aufgaben zu vergeben, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen, weiten Meer…” (aus: Der kleine Prinz)
Bei dem Thema “Zielbestimmung” geht es um die Frage: “Wo will ich denn überhaupt hin?” Das ist bei den meisten Schiffen keine Frage, die man nach Gutdünken entscheiden kann, die Ziele sind vorgegeben und die Kurse sind so zu legen, dass so wenig Zeit wie möglich draufgeht. Gerade z.B. bei Tankern und Containerschiffen ist das so. Zeit ist Geld.
Wenn es um das Ziel meines Lebens geht, dann ist es erst mal wichtig, zu fragen: Was könnte ich nennen, wenn ich nach dem Ziel meines Lebens gefragt werde? Wofür lohnt es sich zu leben, was will ich in meinem Leben erreichen und warum?
Warum ist das wichtig? Weil das Ziel, das wir festlegen, den Kurs unseres Lebens bestimmt. Weil das Ziel, das wir im Leben haben, die Antwort auf die Frage gibt, ob wir nur orientierungslos durchs Leben stoffwechseln oder unser Leben einen Antrieb hat. Weil es lebensgefährlich sein kann, sich ohne ein festes Ziel (und, oft damit verbunden, ohne ausreichend nautische Kenntnisse) aufs offene Meer zu wagen…
Und nicht zuletzt, weil ein großes Lebensziel uns hilft, Rückschläge, Herausforderungen und Bewährungsproben unseres Lebens zu meistern und nicht daran zu verzagen. In unserer Gemeinde denken wir gerade gemeinsam über Fragen nach wie “Was ist unser Auftrag in dieser Stadt? Was können wir der Stadt geben? Wo sind unsere Potenziale? Welche Vision möchten wir als Gemeinde entwickeln?”
Dazu habe ich auf einem unserer Gemeindeforen über Nehemia gepredigt (nachzulesen hier). Der muss, zugegebenermaßen gerne für managementorientiertes Leiten als Paradebeispiel herhalten: Er hatte eine Vision für die zerstörte Stadt Jerusalem, er hatte Motivation, fähige Mitarbeiter, Begeisterung, die andere mitgerissen hat und großes Organisationstalent. Was er aber auch hatte – und das kam nicht aus ihm selbst, sondern das hatte er von Gott erhalten: Ein Bild davon, wie aus diesem Haufen von Ruinen eine prächtige Stadt entstehen kann. Und er kam nicht nach Jerusalem, um Schutt wegzuräumen, sondern um eine Stadt zu bauen.
Ein Gedanke, der mich schon länger beschäftigt: Ich sehe oft nur meine eigene Persönlichkeit. Manchmal sehe ich vor allem die Defizite, die Herausforderungen, die Grenzen meiner Kraft. Aber Gott sieht weiter: Er sieht den Menschen in mir, der ich nach seinem Willen sein kann. Und – mal abseits aller frommen “Ich-lebe-ständig-im-Sieg”-Literatur: Er will uns immer mehr in dieses Bild verwandeln. Uns immer mehr vom Ziel der Gemeinschaft mit ihm her denken und handeln lassen.
Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass ein Kurs zu einem bestimmten Ziel selten schnurgerade verläuft. Das kann viele Gründe haben: 1992 zum Beispiel waren wir mit der Fregatte, auf der ich “diente”, in Norwegen und liefen den Hafen von Haugesund an. Der liegt etwas versteckt in einem Fjord. Hätten wir da von der Nordsee aus einen geraden Kurs geschlagen, dann wären wir ziemlich bald auf Grund gelaufen. Wir mussten also der Wasserstraße folgen, die sich zum Erreichen des Ziels anbot. Weitere Gründe für Ausweichkurse konnten schlechtes Wetter sein, starker Seegang, hoher Verkehr (Kollisionsvermeidung) u.ä. Eigentlich war das ziemlich selten, dass man einen direkten Kurs steuern konnte, ohne zumindest nachzubessern.
Der grundlegende Kurs kann einige Kursänderungen und Ausweichkurse erforderlich machen – von denen es natürlich wichtig ist, immer wieder auf den richtigen zurückzukommen, um das Ziel nicht zu verpassen. Dazu war es wichtig, das Ziel im Blick zu behalten…
“Ich vergesse, was dahinten ist und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus…” (Philipper 3,13+14)
Ich bin in meinem Leben 5 Jahre lang zur See gefahren, 3 Jahre davon auf einem Kriegsschiff der Bundesmarine (hatte mich für 4 Jahre verpflichtet). Eines der Fächer, in denen ich im ersten Jahr ausgebildet wurde, war das Fach “Taktische Navigation”. Da ging es darum, in einem Einsatz möglichst schnell an den erforderlichen Ort zu gelangen; in einer Formation von Schiffen den anderen möglichst nicht über den Haufen zu fahren und auch beim dicksten Nebel in der Lage zu sein, in den Heimathafen einzulaufen.
Was man ganz am Anfang lernt, das ABC sozusagen, ist die Bestimmung eines Kurses. Ein Kurs ist, wenn keine Umwege und multiplen Kursänderungen vorgesehen sind, eine Linie, also eine Verbindung zwischen zwei Punkten. Und wenn ich einen Kurs bestimmen will, dann brauche ich diese Punkte: Den Eigenstandort und das Ziel.
Das gilt nicht nur für nautische Navigation, sondern auch für den Kurs des Lebens, sei es für mich selbst oder auch für eine Gemeinde. Wenn ich kein Ziel für mein Leben habe, nichts, wofür es sich lohnt, jeden Morgen aufzustehen, zu leben und zu arbeiten, dann dümple ich einfach nur so in den Wellen des Alltags herum und frage mich irgendwann: “Wozu das alles?”. Wenn ich nicht weiß, wo ich selbst stehe (oder – auch das kommt vor – es gar nicht wissen will), dann kann es passieren, dass ich ein noch so nobles Ziel nicht erreiche oder auch daran vorbeischieße, weil ich nicht in der Lage war, den richtigen Kurs zu bestimmen.
Selbstreflexion ist etwas, was uns ungemein hilft, im Leben die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Klar, es sollte nicht in Nabelbeschau ausarten, nicht zum endlosen Kreisen um sich selbst führen. Nur zur Standortbestimmung. Wo stehe ich und wo will ich hin?
Ich erlebe immer wieder Zeiten, in denen ich merke, dass Gott etwas mir mir vorhat. Dass er mich dazu ruft, ausgelatschte Pfade zu verlassen, die mich nur im Kreis führen, dass er mich davor bewahren will, dass meine Beziehung zu ihm zur öden Routine wird, die halt irgendwie zum Leben dazugehört. Das ist die eine Seite.
Die andere Seite ist die, dass ich zwar weiß, dass eben das gut für mich wäre, mich darauf einzulassen, dass ich aber nur schwer mich darauf einlassen kann, Sicherheiten aufzugeben. Oder ein Leben, in dem ich mich eingerichtet habe. Was für ein Zwiespalt: Eigentlich nervt mich die vorhersagbare bürgerliche “Frömmigkeit”, auf der anderen Seite finde ich sie so bequem, dass ich sie nicht aufgeben will, um mit Gott mehr zu erleben. Mist, sowas. Muss wohl so eine Art Geist/Fleisch-Konflikt sein, wie ihn Paulus in Galater 5,17 beschreibt, wenn auch noch nicht auf der Ebene konkreter Handlungen.
Mir kommt immer wieder ein Gedicht (oder Gebet) in den Sinn, das mir vor zwei Jahren eine Bekannte geschickt hat, und das ich “zufälligerweise” während meiner Auszeit in Spiekeroog erhalten habe, auch so eine Gelegenheit zur Eigenstandort-Bestimmung. Es ist ehrlich; es hilft mir, ehrlich vor Gott und mir selbst zu sein und öffnet mir so neu die Tür, die Gnade und Fürsorge Gottes zu erfahren.
Ich hab viel zu lang dicke Masken getragen,
Rollen gespielt, auf Schein gelebt,
viel zu lang den Leerlauf ertragen,
den Schlüssel zum Leben im Sand versteckt.
Gefragt was gefällt,
nicht getan was zählt:
Herr, erbarme dich!
Ich hab viel zu oft die Herzwand verriegelt,
Runden gedreht in der Egobahn,
viel zu oft Seelenrisse gebügelt,
die Haut gerettet so gut ich kann.
Den Weg verstellt,
nicht getan was zählt:
Christus, erbarme dich!
Ich hab viel zu sehr dem Diesseits gehuldigt,
Lichter der Welt ins Herz gehängt,
viel zu sehr mich bestens entschuldigt,
dich und dein Wort ins Abseits gedrängt.
Gesucht was nicht hält,
nicht getan was zählt:
Herr, erbarme dich!
Das mag sich beim ersten Mal nicht aufbauend anhören – und trotzdem tut es gut. Mir zumindest. Denn ich weiß, dass Gott mich nicht wegwirft oder anklagt, sondern dass er mir hilft, von hier aus Ziele zu finden – aber das besprechen wir ein andermal…
… aber er befähigt immer die Berufenen! Dieser Satz, den ich schon zu Anfang meines Glaubenswegs zigmal gehört habe, hat sich mir tief eingeprägt. Sabina schreibt auf ihrem Blog diesen Artikel zum Thema “Berufung”, und es geht um eine Berufung, die mein Sein ändert, nicht nur mein Handeln. (Das Handeln ist Folge des Seins…).
Vor einiger Zeit trafen sich die FeG-Pastoren des Rhein-Main-Gebiets (die treffen sich in regelmäßigen Abständen) hier in Bad Vilbel. Ich hielt die eingehende Kurzandacht (ist immer das “Privileg” des Gastgebers) über die Berufung von Mose.
Ich fand diese Geschichte schon immer faszinierend. Mose, der Ex-Adelige, der Midianiter mit Migrationshintergrund und krimineller Vergangenheit, der in der Fremde eine Heimat und eine Familie gefunden hat, wird von Gott gerufen. Gott hat ihn auserwählt für die gewaltige Aufgabe, das Volk Israel aus der ägyptischen Verbannung zu führen.
Mose will aber nicht. Und er fängt an zu verhandeln: “Wer bist du überhaupt? Wen soll ich bei den Leuten vorstellen” oder “Sie werden mir nicht glauben”. Oder “Ich bin aber kein guter Rhetoriker, was soll der Pharao denken, wenn da einer schüchtern vor ihm rumstammelt?” Und so weiter und so fort, bist er endlich das sagt, was er schon die ganze Zeit sagen wollte: “Herr, such dir besser einen anderen”. Die Verhandlerei geht so lange, bis Gott der Kragen platzt und er “basta!”-mäßig Mose an seine Aufgaben schickt.
Mose sah in seiner Aufgabe vor allem Schwierigkeiten: Die Tatsache, dass er aus Ägypten wegen Mordes verbannt worden war; die Ungewissheit, wer ihn denn da überhaupt schickt; seine fehlende rhetorische Überzeugungskunst bis hin zu der Erkenntnis, dass der Pharao auf die Bitte, mal eben so mit mehreren hunderttausenden von Sklaven die Fliege zu machen, wohl nicht mit einem freundlichen “Na klar!” antworten würde. Ein ganzer Berg von Schwierigkeiten, Unwägbarkeiten und Herausforderungen.
Gott sieht das anders: Er sieht in Mose den Mann, den er aus ihm machen kann und möchte. Er sieht den Anführer des Volkes Israel; den Mann, der mutig genug ist, sich mit dem mächtigsten Mann der Welt in der damaligen Zeit anzulegen. Und den Propheten, von dem es später mal heißen wird, dass nie wieder einer wie er in Israel aufgestanden sei (5. Mose 34,10). Das alles kann aus diesem resignierten Ziegenhirten werden.
In der Wahl der Führungspersönlichkeiten für sein Volk hat Gott in der Tat schon häufiger seltsame Entscheidungen getroffen. Gut, da waren Leute dabei wie z.B. Nehemia, der als Mundschenk des persischen Königs viel an Organisations- und Managementtalent mitbrachte, um die zerstörte Stadt Jerusalem wieder aufzubauen (und der deshalb bei den modernen Leiterkongressen auch immer wieder als Beispiel herhalten muss…). Aber eben auch z.B. einen Simson, der seine Hormone nicht unter Kontrolle hatte. Einen schmächtigen Hirtenjungen names David, der später zum größten König Israels werden sollte (und auch da Momente des Scheiterns erlebte…). Einen Petrus, der in den Evangelien vor allem durch ein schnelles und manchmal unbedachtes Mundwerk auffällt. (Überhaupt war der Jüngerkreis Jesu ein interessantes Anschauungsmodell fürs Thema “Berufung”: Fischer, betrügerische Steuereintreiber, ein Ex-Terrorist… ganz schön bunte Truppe).
Ich denke häufiger mal darüber nach, weil ich in letzter Zeit mich immer mehr frage, ob die Management- und Macher-Orientierung in unseren Leiterschaftsseminaren so richtig ist. Sicher, sie hat schon viele Gemeinden dazu animiert, ihr Potenzial zu entdecken und aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen. Sie hat aber auch für einige Gemeindekrisen gesorgt, die sich am Ringen um Einfluss und Bestimmung entzündet haben – da man eben Leuten, die zum Machtmenschen neigen, den roten Teppich ausgeworfen hat. Sie konzentriert sich häufig auf das, was wir tun können und sollen und müssen – und etwas wenig darauf, dass es ja eigentlich Gott selbst ist, der tun will… Ist zumindest mein persönlicher Eindruck; ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, sollte es anders sein…
Ein guter Manager ist noch lange kein geistlicher Leiter. Genausowenig wie ein guter Rhetoriker deswegen schon ein vollmächtiger Prediger ist. Talent ist hilfreich, gar keine Frage, und, auch klar, eine grundlegende Fähigkeit sollte da sein – aber hey, es ist Gott der schenkt, der begabt, der einen an Aufgaben wachsen lässt. Das wünsche ich mir: Den Blick auf das, was Gott aus unseren Gemeinden machen kann und nicht nur auf das, was wir tun können/sollen/müssen.
Gibt es eine Hölle? Keine populäre Frage. Kein einfaches Thema. Und vor allem eines, das polarisiert: Auf der einen Seite die Ablehunung der Hölle als theologisch mittelalterliches Konstrukt oder deren Relativierung durch Uminterpretation (Wegbgegleiter hat dazu vor längerer Zeit mal diesen interessanten Artikel verfasst), auf der anderen Seite, wenn auch wesentlich seltener, die Hölle als Druckmittel, als Angstauslöser, um Menschen mit der verbalen Peitsche ins Reich Gottes zu jagen.
Sicher ist: beim Lesen der Evangelien kommt man um das Thema nicht herum. Jesus spricht häufiger von der Hölle als vom kommenden Reich Gottes und im Zusammenhang damit von der Notwendigkeit, sich vom Weg, der in eben diese Hölle führt, abzuwenden. Die Frage ist nur: Wie verstehe ich diese Worte von Jesus? Wie haben seine Zuhörer sie verstanden?
Eines der Bilder, das Jesus unter anderem verwendete, war das Bild der “Gehenna”, des Hinom-Tals südlich von Jerusalem. Das war sozusagen die Müllkippe der Stadt. Oder sagen wir Müllverbrennungsanlage: Was da lag, wurde verbrannt, um keinen Seuchenherd entstehen zu lassen. Ob unbrauchbares Holz, Faule und schlechte Lebensmittel, Tierkadaver, was auch immer, alles landete da und wurde verbrannt. Kein angenehmes Bild. Ein Bild für absolute Gottverlassenheit, für finale Hoffnungslosigkeit und und für einen Zuhörer der damaligen Zeit sehr eindrücklich.
Ob man sich den Feuersee aus dem Buch der Offenbarung des Johannes (ein anderes Bild) wörtlich so vorstellen muss, weiß ich nicht (das war die Vorlage von vielen Höllenbildern aus dem Mittelalter…). Das kann sein, es kann aber auch als Metapher für etwas anderes stehen. Auf jeden Fall sprengt die Darstellung der Hölle im NT noch die Vorstellungskraft der wüstesten menschlichen Albträume: Ein Ort, an dem Gott tatsächlich in jeder Form abwesend ist. Und an dem die Menschen bemerken, wie sehr Gott in ihrem irdischen Leben präsent war, selbst dann, wenn sie nichts mit ihm zu tun haben wollten…
Ein Buch, das ich mir vor kurzem mal wieder gegriffen habe, welches sich um dieses Thema dreht, ist das Buch “Die große Scheidung” von C.S. Lewis. Ohne auf detailliert auf seine Vorstellungen von der Hölle einzugehen, fand ich einige Sätze daraus sehr bemerkenswert, vor allem aus einer fiktiven Unterhaltung des Autors mit dem schottischen Schrifsteller und Pfarrer George MacDonald:
“… jeder, der [auf den Weg in den Himmel, Anm. von curioustraveller] möchte, kommt hinein. Seid darum unbesorgt. Am Ende gibt es nur zwei Arten von Menschen: Die, die zu Gott sagen: ‘Dein Wille geschehe’ und diejenigen, zu denen Gott am Ende sagt: ‘dein Wille geschehe!’ Alle, die in der Hölle sind, erwählen sie. Ohne diese Wahl ihrer selbst könnten sie nicht in der Hölle sein. Keine Seele, die ernstlich und inständig nach Freude verlangt, wird sie verfehlen. Die, welche suchen, finden. Denen, die anklopfen, wird aufgetan…”
Gilbert K. Chesterton setzt dem noch eins drauf und sagt: “Die Hölle ist das große Kompliment Gottes an die menschliche Freiheit und die Würde menschlicher Persönlichkeit”. Gott wirft niemanden in die Hölle – jeder Mensch geht den Weg, den er selbst wählt. Wer in diesem Leben nicht mit Gott leben will, dem zwingt er sich nicht auf – jetzt nicht und in Zukunft nicht.
Gibt es die Hölle? Wenn ich den Worten von Jesus glaube, und das tue ich von ganzem Herzen, dann ja. Und ich glaube, dass es zur Guten Nachricht von Jesus dazugehört, den Menschen zu sagen, wovor er sie retten und bewahren will, ohne das in den Vordergrund zu stellen. Jesus ist nicht unser Wellness-Berater, sondern unser Erlöser. Der nicht will, dass irgendjemand in der Hölle landet, der aber auch nicht mit der Brechstange in unser Leben kommt.
Dem biblischen Zeugnis nach gibt es also die Hölle – aber es gibt auch die Möglichkeit, auf dem Weg dahin den Notausgang zu wählen, den Jesus für uns geöffnet hat…