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Wie umögliches möglich wird

Eingangsportal der Synagoge in Strasbourg/Fr.

Eingangsportal der Synagoge in Strasbourg/Fr.

Tja, von wegen häufiger bloggen … ich sollte mit solchen Versprechen vorsichtig sein. Meine Frau und ich sind gerade mitten in den Nachwirkungen des Umzugs, das Haus ist noch nicht ganz fertig eingerichtet und so peu á peu geht es vorwärts. Am Montag wird unser neuer Kaminofen angeliefert, was den Winter zu einer noch schöneren Jahreszeit machen dürfte. Trotzdem kämpfe ich mich auf geistlicher Ebene gerade durch eine Zeit von Verzagtheit und Selbstzweifel.

Und da blieb ich heute morgen bei der Vorbereitung auf die nächste Predigt am Predigttext für nächsten Sonntag hängen. Das sind Worte an Serubbabel, den Sohn Scheltaliels, dem Statthalter von Juda. Der lebte zur Zeit der sog. “Jerusalemer Restauration”, der Rückkehr der Israeliten aus dem Exil in Babylonien. Eine Mammutaufgabe. Und an den geht das Wort des Propheten Sacharja:

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth (Sacharja 4,6)

Ein wunderbarer und ein tröstlicher Satz. Es kommt nicht auf meine Kraft an – wenn das so wäre, wäre ziemlich schnell Sense. Es kommt darauf an, wer ich in Gottes Augen bin. Und darauf, dass Gottes Geist das tun kann, was mir unmöglich scheint.

Ohne das weiter exegetisch ausbohren zu wollen – es ist einfach ein schöner und mutmachender Vers.

(btw: Links oben das Eingangsportal der Synagoge in Strasbourg/Frankreich, auf dem eben dieser Vers geschrieben ist – in Erinnerung an die Frage, wie sich die jüdische Gemeinde in Frankreich nach dem Holocaust wieder zusammenfinden und etablieren sollte…)


“Jesus Freaks” – eine Dokumentation des WDR vom 06.06.08

“Breit vom Heiligen Geist”. So betitelte SPIEGEL online den Artikel, mit dem es die TV-Dokumentation über die “Jesus Freaks” beschrieb. Hin- und hergerissen zwischen der üblichen Kritik an alles, was mit Christen zu tun hat (zumindest mit denen, die ihren Glauben ernst nehmen) und an manchen Orten klammheimlicher Bewunderung für die Offenheit und den unbürgerlichen Lebensstil der Freaks, um dann doch wieder auf das altbewährte Etikett “Fundamentalismus” zu kommen.

Die Doku selbst beschäftigt sich mit 3 jungen Frauen, die sich zu den Jesus Freaks halten, Helke, Claire und Mirelle. Sie alle haben eine nicht ganz so schnurgerade und einfache Lebensgeschichte hinter sich und haben in Krisensituationen ihres Lebens zu Jesus gefunden. Was ich an der Doku gut finde, ist, dass auf Kommentare jeder Art verzichtet wird; die Bilder und Erzählungen der 3 Mädels sprechen für sich. Gezeigt werden 3 junge Christinnen mit einer unkonventionellen und unbürgerlichen Art, ihren Glauben zu leben, mit ihren geistlichen und persönlichen Siegen und Niederlagen, in schonungsloser Ehrlichkeit. Eben nicht nach der Masche “Ein Christ lebt immer im Sieg…”, sondern auch mit dem Eingeständnis von Kämpfen, Herausforderungen, Ängsten und Niederlagen. Und mitten in all dem ist Jesus…

Ich selbst würde nicht zu den Freaks passen. Ich bin in einem bürgerlichen Kontext aufgewachsen, habe mich in demselben halbwegs eingerichtet und es würde ziemlich unglaubwürdig und fremd wirken, wenn ich einen auf Freak machen würde. Trotzdem fasziniert mich zumindest an den drei Mädels dieser Wunsch, Jesus radikal in jeden Bereich des Lebens mit hineinzunehmen und auch mit Schwächen und mit Scheitern offen umzugehen, sich einzugestehen, dass man von Jesus “voll krass” abhängig ist. Auch ein wohltuender Kontrast zu der “Bloß-nichts-anmerken-lassen-Fassade”, die soviel evangelikal-pietistische Christen mit sich rumtragen.

Man mag die Freaks als Modeerscheinung abtun. Man mag die Volxbibel (Bibelübersetzung in Straßen-Jugend-Slang, Leseprobe bei www.volxbibel.de) verteufeln (wobei ich immer noch nicht weiß, wieso – Ich habe bis jetzt nichts Gotteslästerliches darin gefunden…), man mag sich von rechts über die Schwärmerei und Tagträumerei und von links über den angeblichen Fundamentalismus aufregen – aber man kommt nicht umhin, von einigen Szenen des Films tief berührt zu sein. Z.B. von der, als die ehemalige Satanistin Mirelle sich im Rahmen eines Gottesdienstes im See taufen lässt.  Ich wäre, wie gesagt, selbst wohl nicht zum Freak geeignet, aber ich freue mich riesig über jeden, der zu Jesus findet, egal, welche Haar- oder Hautfarbe er hat, welche Klamotten er trägt oder welche Musik er hört. Und ich danke Gott immer wieder neu, dass sein Herz viel weiter ist als meine oft engstirnige Vorstellung davon, wie Christen zu sein haben. (Im evangelikalen Spektrum neigt man eben oftmals dazu, Bürgerlichkeit und Frömmigkeit miteinander zu verwechseln…).

“Breit vom Heiligen Geist” – was der SPIEGEL so als leicht spöttelnde Artikelüberschrift verwenden wollte, ist laut dem Apostel Paulus ja eigentlich der Idealzustand (so Paulus z.B. in Römer 15,13 u.a.). Ein bisschen mehr Geistesfülle und die daraus resultierenden Folgen würde mir nicht schaden. Und auch vielen anderen Christen, die ich kenne, nicht. Insofern können mir die Freak-Mädels aus dem Film echt zum Vorbild werden…


Mit dem Geist Gottes Grenzen überwinden

Ich sitze gerade an der Vorbereitung zur Sonntagspredigt am Pfingstsonntag. Für den Sonntag habe ich einen Text aus Apostelgeschichte 10 ausgewählt, die Geschichte, in der Gott Petrus klarmacht, dass die Botschaft von Jesus Christus für alle Menschen gedacht ist, nicht nur für Israeliten. Und weil das in der Lebens- und Denkwelt von Petrus so ein unerhörter Gedanke war, machte ihm Gott das auf ziemlich krasse Art und Weise klar. (Kleiner Tipp: Wer das nachlesen möchte, aber selbst keine Bibel hat, gehe bitte zu www.bibleserver.com und gebe in das Suchfenster “apg 10″ ein. Rechts neben dem Suchfenster kann man sich auch die passende Bibelübersetzung wählen).

Für mich ist die Geschichte eine Art zweites “Pfingstwunder”. Das erste hatte sich einige Zeit zuvor in Jerusalem ereignet, als Startpunkt für die christliche Gemeinde. Die bestand zunächst aber nur aus Menschen aus dem jüdischen Volk, und es ist zu vermuten, dass auch niemand die Notwendigkeit empfand, das sich das ändern sollte. Bis zu dem Tag eben, als Petrus klargemacht wurde, dass die Gute Nachricht von Jesus allen Menschen gilt.

Der Heilige Geist überwindet Grenzen. Das hat er ganz klar schon in der ersten Gemeinde gemacht: Grenzen sozialer oder ethnischer Herkunft, gesellschaftliche Normen, überholte Traditionen usw … er ist eben kein metaphysischer Vorschriftenverwalter, sondern ein Geist, der lebendig macht, der Verändert, der wachsen lässt.

Auch in meinem eigenen Leben. Ich bin weit davon entfernt, zu behaupten, dass ich ein Glaubensvorbild für nachfolgende Generationen wäre; ich habe, wie vermutlich die allermeisten Christen, meine eigenen Kämpfe, Glaubensherausforderungen und auch meine Niederlagen. Und warum sollte ich damit nicht offen umgehen? Wenn ich versuche, Theater zu spielen, ist damit niemandem geholfen.

Aber wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann kann ich erkennen, wie der Geist Gottes in dem ganzen Auf und Ab meines geistlichen Lebens gehandelt hat, wie er – manchmal überraschend spontan, manchmal langsam geduldig – mein Denken, meine Wertvorstellungen, das, was mein Leben trägt, verändert hat und immer noch verändert. In ganz vielen Bereichen.

Ein Beispiel: Ich bin in einem 1200-Seelen-Dorf in Südwestdeutschland aufgewachsen. Und ich habe gerne da gelebt, es ist eine wunderschöne Gegend mit zwar sturen, aber auch fröhlich gelassenen Menschen (Naja, überwiegend zumindest). Was ich als Kind z.B. von Menschen aus Afrika wusste, war: Die sind schwarz, arm, haben nicht viel zu essen, sind nicht sonderlich intelligent und arbeiten nicht viel. Das war kein politisch-programmatischer Rassismus, das war eher Ignoranz, die in ländlichen Gebieten nicht ganz so schnell verschwindet. Selbst als ich so langsam anfing, ein eigenes, unabhängiges Denken zu entwickeln, war dieses Vorurteil schwer aus dem Kopf zu bekommen. Erst als ich 2 Jahre im Ausland war, Menschen aus afrikanischen Ländern mal selbst kennenlernte, merkte, dass sie genau so ”fleißig” waren wie ich (wenn auch mit einer wesentlich gelasseneren Einstellung zum Leben), genauso intelligent und vor allem vorbildliche Christen, da änderte sich mein Bild langsam, aber sicher.

Nun ja, man mag das empirische kulturelle Einsicht nennen und überhaupt nicht dem geistlichen Bereich zuordnen. Aber ich persönlich habe gemerkt, dass der Heilige Geist mir half, eine teils erworbene, teils selbstangelegte innere Grenze meines Lebens zu überwinden. Denn ethnische Grenzen soll und kann es in der Gemeinde Christi eigentlich nicht geben.

Wir leben mit vielen Grenzen in unserem Leben. Mit Grenzen, die uns als Persönlichkeit zu eigen sind, mit Grenzen, die wir selbst festgelegt haben und mit Grenzen, die uns ”von außen” gesetzt werden, sei es durch familiäre Prägung, durch Traditionen, durch Weltanschauungen etc. Manche davon sind gut und sinnvoll und lassen sich eigentlich auch kaum ändern. Andere davon – die Mehrzahl nach meiner Beobachtung – können verändert werden. Und das ist möglich, wenn Gottes Geist in unserem Leben wirkt. Nicht immer einfach, manchmal langwierig und schmerzhaft, aber es ist möglich. Und deshalb will ich ein permanenter “Grenzverletzer” sein und bleiben.


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