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Los Wochos II: Wunst

Ist das Kunst, oder kann das weg?


Los Wochos II: Kunst

Johannes hat für die “Blogozese” erneut “Los Wochos” ausgerufen. Dieses Mal geht es um “Kunst und Wunst”. Um Kunst, die man so cool findet, dass man sie auch zuhause aufhängen würde und um “Wunst” – so genannte Kunst, bei der immer wieder das Gefühl aufkommt (auch wenn’s banausenhaft sein mag): Das hätte ich auch noch hinbekommen.

Da mach’ ich doch gerne mit.

Ein Künstler, der mich immer wieder fasziniert hat (und das nicht nur seit 2009 und nicht nur, weil er viele biblische Motive malte) ist Marc Chagall. Eines seiner Bilder – die Erschaffung Adams – hängt in meinem Büro und bringt nicht nur Farbe in den Laden sondern begeistert mich mit einem Reichtum an Details, von denen jedes Einzelne seine eigene Bedeutung hat, sei es im Bezug auf das Leben Chagalls, im Bezug auf das jüdische Volk oder auch im Bezug auf die Geschichte der Menschheit. Für seine Verhältnisse ungewohnt vielfarbig schafft es eine Anziehungskraft auf den Betrachter, der man sich nur schwer entziehen kann.


Chagall-Woche, die zweite …

"Die Erschaffung des Menschen" von Marc Chagall

"Die Erschaffung des Menschen" von Marc Chagall

Komme im Moment kaum dazu, was Sinnvolles zu schreiben, deshalb einfach mal eine Momentaufnahme aus der im vorigen Post beschriebenen Veranstaltung.

Die Resonanz auf die Chagall-Woche hier in Bad Vilbel sprengt von Anfang an unsere kühnsten Erwartungen. Bei der Eröffnungsveranstaltung mussten viele Besucher – trotz mehrfachem Stühle-nachstellen stehen, da der Saal mit geschätzten 220 Besuchern und den Exponaten einfach zu voll war (220 hört sich nach nicht so viel an – aber der Saal gibt echt nicht mehr her…). Am Montag abend (normalerweise der “Saure-Gurken-Tag” bei Veranstaltungswochen) 140 Besucher. Gestern abend 160. Und tagsüber mehrere Führungen und (trotz des beschissenen Wetters) ein relativ konstanter Besucherstrom. Wie cool das ist – ich will nicht angeben, nur sagen, dass ich mich sehr darüber freue, mit Bildern zu biblischen Motiven auf solches Interesse zu stoßen.

Die Vorträge von Heiner Eberhardt sind sehr gut; mir gefielen die Bilder von Marc Chagall bisher schon sehr gut, allein von der Farbwahl, der Farbkombination und der Motivwahl her. Aber dass die Bilder von Chagall mit so vielen Details gespickt sind, die für sich betrachtet sehr viel erzählen und zusammen doch wieder ein Gesamtbild ergeben, das ist faszinierend. Und die

Durchzug durch das Rote Meer von Marc Chagall

Durchzug durch das Rote Meer von Marc Chagall

Liebe und Güte Gottes und die Ruhe und Geborgenheit, die ein Mensch nur bei Gott finden kann, sind immer wieder zentrales Thema in den Vorträgen (und auch in den Bildern…). Ein Stil den ich liebe: Nicht mit dem emotionalen Holzhammer, aber dennoch direkt und zur Sache kommend.

Was uns als Vorbereitungsteam – bei aller Bescheidenheit – auch gut gelungen  ist (bis jetzt zumindest) war die Auswahl der Musiker. Am Eröffnungsabend das Duo Sybille Wolf/Luis Martinez (Flügel & Violine, eher in Richtung Kammermusik), am Montag abend Jutta und Rainer Hahn, zwei musikalisch sehr begabte Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde hier vor Ort. Die begleiteten den Vortrag mit Klezmer-Musik am Fügel und der Klarinette. (Klezmer-Musik: Jüdische Musik, bei der es selbst dem eingefleischtesten Phlegmatiker schwer fällt, ruhig auf dem Stuhl sitzen zu bleiben…).

Gestern abend das bisherige musikalische Highlight: Das Quartett UWAGA! begleitete den Vortrag zum Thema “Der Auszug ins gelobte Land”. Hier eine kleine Hörprobe (die sind auch bei Youtube zu finden).

Am Samstag findet ein Konzert mit der Gruppe “Hot & Cool” statt: Ein Konzertabend mit jiddischen Liedern. Bin mal schwer gespannt.

Und am meisten gespannt bin ich natürlich auf den Abschlussgottesdienst am Sonntag zum Thema “Passion” unter Beteiligung aller 3 Gemeinden. Wir sind gerade dabei, die ursprünglich geplanten Kapazitäten kurzfristig zu erweitern…

Ich bin – ihr merkt es – bis jetzt ganz begeistert von der Sache hier. Und gespannt, wie es weitergeht…

ach ja, btw: man soll die Feste feiern, wie sie fallen *tusch*: Das war mein 100ster Post. Und vor kurzem hat Akismet den 1000sten Spam-Kommentar abgewehrt … vermutlich sollte man dafür auch dankbar sein…


Fenster zur Bibel – Werke von Marc Chagall

plakat-chagallwoche1Vielleicht eine kurze Erklärung, warum ich im Augenblick nicht so viel blogge, wie ich es gerne tun würde: Wir stecken mitten in den letzten Vorbereitungen zur ökumenischen Chagall-Ausstellung, die vom nächsten Sonntag an in Bad Vilbel stattfinden wird. Beteiligt sind dabei die Evangelische Kirche des Stadtteils Dortelweil, das katholische Seelsorgegebiet St. Marien und wir als Freie evangelische Gemeinde.

Durchgeführt wird die Woche von Heiner Eberhardt, Mitarbeiter der “Klostermühle” in Obernhof an der Lahn, die gehört zur Missionsgemeinschaft der Fackelträger.

70 Exponate des jüdischen Malers werden ausgestellt und könnten betrachtet werden, dazu wird es eine größere Anzahl von Führungen geben, Vorträge zu bestimmten Themen, die in Chagalls Bildern immer wieder auftauchen (z.B. “Schöpfung”, “Exodus”, “Engel” usw…). 2 Konzerte sind eingeplant (jüdische Lieder und Klezmer-Musik), ein Phantomimeabend, 2 Workshops mit dem Titel “von der Bibel zum Bild” usw…

Ihr seht: Es wird ordentlich was los sein.

 

Marc Chagall wurde 1887 bei Witebsk (heute in Weißrussland) geboren. Nach einer turbulenten Schulzeit (das Leben war damals auch in Russland für Juden nicht leicht…) in St. Petersburg und dem Kennenlernen seiner späteren Frau, Bella Rosenfeld, zog er 1910 mit einem Stipendium in der Tasche nach Paris und eröffnete dort in der Nähe der Gare Montparnasse sein erstes eigenes Atelier. 1912 zog er in ein größeres Atelier um, was ihm die Anfertigung größerer Bildformate erlaubte.

1914 besuchte er, nach einer Ausstellung in Berlin, seine Heimat Russland. Während dieses Besuches brach der erste Weltkrieg aus; die Grenzen wurden geschlossen und er musste in Witebsk, seiner Geburtsstadt bleiben. Dort heiratete er 1915 seine Frau Bella. 1916 wurde ihr erstes Kind geboren.

Chagall unterstützte die Revolution in Russland und eröffnete 1919 als “Kommissar für schöne Künste” eine Kunstschule in Witebsk. Nach grundlegenden Differenzen mit einigen Mitstreitern und einem kurzfristigen Umzug nach Moskau (wo die Familie in Armut leben musste) zog Chagall 1922 zunächst nach Berlin, ein Jahr später wieder nach Paris.

1931 reiste Chagall nach Palästina, um sich inspirativ mit den Landschaften des biblischen Landes vertraut zu machen. von 1931 bis 1939 und von 1952 bis 1956 arbeitete er intensiv an Bildern mit Motiven aus der Bibel.

In Deutschland wurden Chagalls Werke in den späten dreißigern als “entartete Kunst” klassifiziert und eingezogen. Chagall selbst musste nach der Besetzung Frankreichs um sein Leben und das seiner Familie fürchten. 1941 entging er nur knapp einer Auslieferung an die Deutschen. Im selben Jahr wanderte er mit seiner Familie in die USA aus, von wo aus er 1948 wieder nach Paris zurückkehrte.

Nach einem bewegten und schöpferischen leben starb Marc Chagall 1985 in Saint-Paul-de-Vence.

Ein zentrales Anliegen von Chagall war die jüdisch-christliche Verständigung, was ihn dazu bewegte, für nicht weniger als 7 Kirchen (darunter die Kirche St. Stephan in Mainz) Kirchenfenster anzufertigen. Die Kirchenfenster in Mainz waren ein besonderes Projekt, denn Mainz war im Mittelalter Ausgangspunkt mehrerer heftiger Judenpogrome. Die Fenster von St. Stephan sollten dagegen ein Zeichen dauerhafter jüdisch-christlicher Verbundenheit setzen.

Bekannt sind von Marc Chagall allen, die schon Israel bereist haben, vor allem die 12 Fenster der Synagoge des Hadassah-Krankenhauses in Jerusalem, von denen jedes jeweils einen Stamm Israels darstellt.

So viel zu Marc Chagall (in Kurzform). Ich bin auf jeden Fall gespannt – auf die Ausstellung und die Resonanz darauf.


DVD-Empfehlung: Rivers and Tides

Ich muss zugeben, dass bei uns zuhause ja eher meine Frau die Kunstexpertin ist (sie hat das Fach auch einige Jahre studiert). Ich kann weder Stilepochen unterscheiden, noch weiß ich, welche Bilder oder Werke welcher Epoche zuzuordnen sind und wie man diese Zuordnung feststellen kann, ich kann mit den meisten Werken moderner Künstler wenig bis nix anfangen. Ich bin vermutlich das, was man so landläufig als Kunstbanause bezeichnen würde.

Vor 3 Tagen haben Bine und ich abens allerdings einen Film über einen Künstler gesehen, dessen Arbeit mich ziemlich fasziniert hat. Es ist ein Dokumentarfilm von Thomas Riedelsheimer mit dem Titel “Rivers and Tides”, ein Film über die Arbeit des schottischen Künstlers Andy Goldsworthy.

Das Besondere an Goldsworthys Kunst ist, dass er “Land-Art” anfertigt, d.h. dass er ausschließlich mit Materialien arbeitet, die er in der Natur vorfindet, meistens entstehen die Werke auch in der Natur (obwohl er auch schon Werke für Museen angefertigt hat). Diese Materialien werden in dem Sinne nicht weiterverarbeitet oder konserviert, höchstens neu arrangiert. Ganz selten, dass er mal ein Hilfsmittel wie z.B. ein Messer o.ä. benutzt. Viele seiner Kunstwerke existieren nur kurz (Eisskulpturen z.B.), machen aber eine Menge Arbeit.

Was fasziniert mich daran? Nun, zum einen bin ich ein sehr naturverbundener Mensch: Ich atme auf, wenn ich in einem Wald spazieren gehe, wenn ich hier um Bad Vilbel herum über die Felder der Wetterau laufe, ich genieße das Rauschen der Wellen, wenn ich am Nordseestrand stehe (in 2 Wochen wieder!), ich atme tief durch, wenn im Sommer die Luft schwer vom Duft des reifen Getreides oder frisch gemähten Grases ist. Mich fasziniert an diesen Werken, dass man, will man Schönheit sehen, einfach nur vor die Tür gehen und die Augen aufmachen muss (könnte in der Großstadt vielleicht etwas schwieriger sein als auf dem Land…).

Die Fähigkeit, Gottes Schöpfung in Ehrfurcht zu bewundern, kurz gesagt: zu staunen, geht uns leistungsorientierten, selbstfixierten und Zeit ermangelnden Menschen des frühen 21. Jahrhunderts ab – und damit geht uns zugleich eine Menge Lebensqualität verloren. Dabei ist es gerade die Schöpfung, die uns (buchstäblich) zur Besinnung bringen kann – sie zeigt uns unseren Platz als Mensch im Gesamtwerk Gottes (besonders gut zu spüren in einer kalten Winternacht unter dem klaren Sternenhimmel…), sie erfüllt zumindest mich, wenn ich mir die Zeit zum Betrachten und Nachdenken nehme, immer wieder mit Dankbarkeit und innerer Zufriedenheit. Sie gibt mir einen kleinen Einblick in die Größe und die Schöpfermacht Gottes.

Und was mich noch an Goldsworthys Arbeiten fasziniert: So, wie Goldsworthy mit seiner Kunst, so verfährt Gott mit mir. Er presst mich nicht durch eine Schablone, um aus mir eine menschliche Marionette zu machen; er nimmt mich so an, wie ich bin, mit meinen Stärken und Schwächen, und damit beginnt er, zu arbeiten und mein Leben zu verändern. Mit dem, was er bei mir vorfindet…

Die DVD ist erhältlich bei www.zweitausendeins.de


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