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Mir fehlen die Worte. Die richtigen Worte zumindest.

Via Alipius ein Artikel, der über christliche Helfer berichtet, die den Flutopfern in Pakistan zur Seite stehen wollten und dafür von den Taliban ermordet wurden.

Da weiß ich überhaupt nicht mehr, was ich dazu noch sagen soll. Wie krank muss man sein, um Fluthelfer zu töten, nur weil sie das falsche Buch lesen und dem (aus Taliban-Sicht) falschen Glauben zu folgen? Wie innerlich kaputt ist jemand, der Menschen umbringt, die anderen Menschen in Not helfen wollen, aus welchen Motiven auch immer?

Und wo bleibt eigentlich der empörte Aufschrei deutscher Gutmenschen, die sich ansonsten so vehement einsetzen für Permissivität und Antizionismus Frieden und Gerechtigkeit? Geht das allen am Allerwertesten vorbei, weil die Opfer Christen waren, so nach dem Motto “Selber schuld?”

Meine Gedanken sind auf jeden Fall bei den Familien der Opfer – wie auch bei den Flutopfern, denen die Betreffenden ja aus Liebe helfen wollen (Joh. 15,13). Und bei den Taliban, für die ich bitten will, dass Gott auch sie mit seiner Liebe erreicht und ihnen die Augen für ihr Handeln öffnet.

Die “bad guys” sind allerdings nicht nur die Taliban – es wird aus Pakistan ferner berichtet (Quelle: Open Doors), dass Christen bei der Verteilung der Hilfsgüter massiv benachteiligt werden, viele gehen leer aus. Christen, die vor den Fluten in Moscheen geflüchtet sind, werden massiv bedrängt, zum Islam zu konvertieren.

Man stelle sich mal den Aufschrei in der islamischen Welt vor, wenn ähnliches bei uns unter umgekehrten Vorzeichen stattfinden würde.

Ich bin vollkommen dagegen, die Hilfe einzustellen. Im Gegenteil. Und jeder, der sich um Christi Willen und aus Liebe zu den Menschen in Lebensgefahr begibt, um diesen Menschen in Not zu helfen, hat meine tiefste Hochachtung und mein Gebet. Aber ich finde, man muss auf diese Vorgänge hinweisen, um mal zu merken, mit was für Leuten man es da vor Ort zu tun hat.


Beannachtaina féile pádraig!

Welchen Vornamen sollte man haben, um am heutigen Tag im Irish Pub mindestens ein Bier kostenlos zu bekommen? Den des irischen Nationalheiligen.

St. Patrick, ursprünglich vermutlich Patricius, lebte im 5. Jahrhundert und war der wahrscheinlichsten Theorie nach Sohn eines römischen Offiziers namens Caponius, der in der römischen Provinz Britannia stationiert war (das umfasste das heutige England und Wales bis hoch zum Hadrianswall). Als Junge wurde er eines Tages von irischen Sklavenjägern entführt, nach Irland verschleppt und als Sklave verkauft, der Schafe hüten musste. (Äh, ja, die Iren waren schon damals ein eher … rustikales … Volk). Während dieser Zeit fand er auch zum christlichen Glauben.

Die Geschichte besagt, dass er trotz seinem Sklavenstatus lernte, das Land zu lieben (wer kann’s ihm übel nehmen?). Eines Nachts soll er eine Erscheinung gehabt haben, in der ein Engel ihm gebot, von der Insel zu fliehen. Er wagte die Flucht, die gegen alle Wahrscheinlichkeiten gelang, und kam über einige Stationen nach Auxerres in Frankreich, wo er zum Priester ausgebildet wurde.

Aufgrund einer weiteren Erscheinung, in der er Stimmen von irischen Menschen hörte, die ihn innigst baten, nach Irland zurück zu kommen, beschloss er, auf die Insel zurückzukehren, um den Menschen dort den Glauben an Christus zu bringen. Papst Coelestin I. soll Patrick im Jahr 432 als Bischof nach Irland zurück geschickt haben mit dem Auftrag, den Glauben dort auszubreiten.

Patrick ging ans Werk und gründete Klöster, Kirchen und – ebenso wichtig – Schulen in Irland. Das Ziel der Christianisierung Irlands verfolgte er bis zu seinem Tod am 17. März, vermutlich des Jahres 461. Zu dem Zeitpunkt waren schon mehrere tausend Iren Christen geworden.

Wie viel an seiner Lebensgeschichte, auch an den Wundern, die ihm zugeschrieben werden, tatsächlich wahr ist, und wie viel Legende der Volksglaube noch hinterher dazugetan hat, ist schwer festzustellen. Jedenfalls steht St. Patrick am Anfang einer beachtlichen Missionsgeschichte: Von Irland gingen sehr viele Impulse für die Christianisierung Mitteleuropas aus (Kolumban der Jüngere, Gallus, Eustasius, Kilian und andere). Wie auch immer man sein Leben und Werk beurteilen mag – er hat Geschichte geschrieben!

Ob das den Iren heutzutage bewusst ist, weiß ich nicht. Aber sie feiern trotzdem, und es sei ihnen von Herzen gegönnt. Deshalb an alle Iren, Irland-Urlauber, Irland-Freizeitteilnehmer, Guiness-Trinker, Dartspieler, Irish-Folk-Hörer und andere dieser Art (und jetzt die Übersetzung der Überschrift):

Fröhlichen St. Patrick’s Day!


Das Ende einer Ära

Habe vor kurzem Nachricht erhalten, dass zum Jahresende die M.V. Doulos, das Schiff der Missionsgesellschaft Operation Mobilisation, definitiv außer Dienst gehen wird. Der nächste Werftaufenthalt würde, wenn man das Schiff technisch und sicherheitsmäßig in Schuss halten wollte, über 10 Mio. € kosten – was einfach viel zu viel ist. Das ist nicht zu verantworten.

Gut, das leuchtet ein. Und trotzdem kommt da Wehmut bei mir auf. Ich war von Sept. 1995 bis Dez. 1997 auf dem Kahn. Die Zeit war nicht immer einfach. Manchmal war sie sogar sehr herausfordernd. Und trotzdem hat sie mich geprägt, mir die Augen für das Handeln Gottes weiter geöffnet und mich entdecken lassen, dass es uns Christen trotz aller konfessionellen Unterschiedlichkeit möglich ist, zusammen für Gottes Reich zu arbeiten.

Die Doulos ist das älteste noch seefahrende Passagierschiff der Welt (wurde auch schon im Guiness Book of Records erwähnt…), der tragende Bootskörper stammt noch aus dem Jahr 1914 – das ist nur 2 Jahre jünger als die “Titanic”. Über 600 Häfen in 100 Ländern hat das Schiff besucht, und in jedem Hafen, soweit ich es feststellen kann, Spuren hinterlassen – bei den Einheimischen wie auch bei den eigenen Besatzungsmitgliedern. 33 Jahre lang war sie unterwegs und ist sehr vielen Menschen zum Segen geworden! Deshalb: *taschentuchraushol* ein kräftiges “Lebewohl” und “Dankeschön” an Gottes Rosteimer. Danke für die tolle Zeit, die mich, mehr als ich damals gedacht hätte, geprägt hat!

Für die, die’s interessiert: Operation Mobilisation will weiter 2 Schiffe betreiben und ist schon dabei, sich nach Ersatz für die “Doulos” umzusehen…


Evangelikaliban?

Ich nehme mir so einmal die Woche Zeit, mich in Vilbel in ein Café zu trollen, um dort die größeren Nachrichtenmagazine und Zeitungen durchzuforsten. Das ist bei einer Tasse Milchkaffee schön entspannt und vor allem wesentlich billiger, als wenn ich die Zeitschriften abonnieren würde.

Heute morgen also bei einer Tasse Kaffee die Lektüre des aktuellen SPIEGEL. Auf S. 28 der aktuellen Ausgabe findet sich ein Artikel unter der Überschrift “In Gottes Namen”, ein Text über Rita S. und Anita G., die beiden Bibelschülerinnen der Bibelschule Brake, die vergangene Woche im Jemen von extremistischen Muslimen ermordet wurden. Sie waren Mitarbeiterinnen in einem kleinen Krankenhaus in der jemenitischen Provinz Saada, ein Krankenhaus, das von einer niederländischen (so viel ich weiß, christlichen) Hilfsorganisation betrieben wird.

Was mich ärgert, ist der Unterton des Artikels. Der lässt sich in einem Satz etwa so zusammenfassen: “Die fanatischen Bibel-Fundis sind selbst schuld“. Und, nach dem Motto “Wo das Aas liegt, sammeln sich die Geier”, springt auch Eduard Trenkel, der Sektenbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Kurhessen-Waldeck, den SPIEGEL-Autoren zur Seite: Die Wirkung evangelikaler Missionare in ärmeren Ländern, vor allem denen zwischen dem 10. und 40. nördlichen Breitengrad, sei “verheerend”. In der Tat: Als ich 2 Jahre im Ausland war, konnte ich mich mit eigenen Augen von der “verheerenden” Wirkung der Missionare überzeugen: Krankenhäuser, Schulen, Kinderhorte, Agrar-Projekte, Berufsausbildung, bis hin zum Transportwesen – all das waren “verheerende” Beiträge evangelikaler Missionare zum Leben der Bevölkerung vor Ort (und oft waren die Strukturen, die von den Missionen geschaffen worden waren, die einzigen, die im Land überhaupt einwandfrei funktionierten). Möchte gar nicht wissen, wie viele einheimische Jemeniten in diesem Krankenhaus schon “verheert” worden sind.

Joachim Schmidt, Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, legt noch nach: “Viele Missionare hätten ein klares dualistisches Weltbild – für sie teilt sich die Welt in Licht und dunkel”, beklagt er. Ich empfehle ihm dahingehend mal die Lektüre der Evangelien im Neuen Testament.

Würden tatsächlich (wie es in dem Artikel implizit nahegelegt wird) alle evangelikalen Missionare von ihren Einsatzorten abgezogen werden, dann hätte das in einigen Ländern der dritten Welt spürbare negative Folgen. Aber die sind nun mal aus einem Bürosessel in Kassel schwer abzuschätzen.

Nach einigen einleitenden Sätzen holen die SPIEGEL-Autoren den Knüppel aus dem Sack und verklickern den Lesern mal, wie die evangelikale Szene so drauf ist: “Es ist, in Gottes Namen, ein Milieu, dessen Tonfall sich bisweilen nur in Nuancen – Achtung, jetzt kommt’s – von dem fanatischer Muslime unterscheidet.”

Wow! Irgendwie muss ich die Aufrufe zum Töten Andersgläubiger verpasst haben (muss allerdings gestehen, dass ich die letzten Ausgaben von Idea Spektrum auch nicht mehr gelesen habe…). Und, ehrlich gesagt, sind mir auf evangelikalen Kongressen auch noch nicht so viele verschleierte Frauen begegnet. Und, wo wir schon beim Thema Frauen sind: Die meisten, die ich kenne, sind berufstätig, dürfen ohne männliche Begleitung aus dem Haus gehen, wann sie wollen, sich mit Männern unterhalten und Auto fahren. Und, wenn ich das mal so sagen darf, ich habe noch nie erlebt, das fanatische Muslime ein Krankenhaus für Christen gebaut hätten…

Bin ich da zu idealistisch, oder gibt es einen Unterschied zwischen einem Hass auf alles, was anders glaubt, und der Liebe zu den Menschen – die für Christen eben auch beinhaltet, von ihrem Glauben zu erzählen und auf der Grundlage ihres Glaubens zu handeln, ohne dass der Gesprächspartner zu irgendwas gezwungen wird? In den christlichen Hilfswerken, die ich erlebt habe, wurden Menschen ohne Ansehen der sozialen Klasse oder der Religion behandelt.

Eigentlich lohnt es sich nicht, sich über den SPIEGEL zu ärgern. Der ist nun mal keine kirchen- oder glaubensfreundliche Zeitschrift und dieser spezifische Artikel strotzt nur so von Ignoranz und Arroganz gegenüber angeblich geistig minderbemittelten Bibelfundis. Aber mich drängt es, für die Leute zu beten, die auf dem Missionsfeld ihren Mann bzw. ihre Frau stehen, nicht mit dem Holzhammer, sondern mit Werkzeugen, Fahrzeugen, Büchern, medizinischen Instrumenten und ähnlichem – und die sich in ihrem Dienst ganz in Gottes Hand begeben!


Gott schreibt Geschichte mit dir…

Wo ich gerade schon mal dabei bin, Youtube-Videos einzubetten: Hier ist noch eines, was mich immer wieder wehmütig hinterlässt. Das “Doulos-History-Maker-Video”. Es zeigt einfach mal so ein paar Szenen aus dem Schiffsalltag.Ist das nicht ein bisschen großkotzig, mit dem Lied von “Delirious?” zu behaupten, dass ich ein “History Maker” sein kann? Ich glaube, dass Gott mit allem, was ich ihm zur Verfügung stellen kann, viel mehr anfangen wird, als ich es nur ahne. Vermutlich auch viel, was ich so gar nicht mitbekomme.

Die Zeit auf der “Doulos” (1995-1997) war nicht immer leicht. Ich wurde mehr als einmal mit eigenen Unzulänglichkeiten, kulturellen Differenzen und auch geistlichem Unverständnis zwischen verschiedenen Arten, Gott zu erleben, konfrontiert. Trotzdem – je länger die Zeit zurückliegt, desto mehr merke ich, wie viel mir diese 2 Jahre für den Rest des Lebens mitgegeben haben.

Die meisten Leute auf dem Schiff waren relativ jung. Sie waren relativ unerfahren, in manchen Fragen vom theologischen Standpunkt aus sogar naiv. Aber: Die meisten von ihnen hatte (haben) den brennenden Willen, Jesus zu dienen. Und irgendwie schafften wir es – Leute aus 35 verschieden Länder und mindestens ebenso vielen Gemeindeformen – mit Gottes HIlfe meistens, zweitrangiges zweitrangig sein zu lassen und uns aufs Wesentliche zu konzentrieren. Das würde ich mir oft für die Christenheit hier in Deutschland wünschen.

Also bette ich das Video hier ein, schaue es mir an und werde wehmütig…


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