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Herbstimpressionen

So, das “Geburtstagswochenende” in unserer Gemeinde (10jähriges) ist vorbei, es war sehr schön, aber auch ziemlich anstrengend. Nun sind noch einige Sachen zu erledigen, und dann geht’s ab Sonntag für eine Woche nach Langeoog, zur Herbstkonferenz der FeG-Pastoren.

War gestern, an meinem freien Tag, mit meiner Familie auf dem Feldberg im Taunus. Ich bin früher sehr viel im Wald spazieren gelaufen, das war mein “stiller Ort”, an dem ich ungestört und frei ausruhen, nachdenken und beten konnte. Das hatte ich schon länger nicht mehr gemacht, und ich habe gemerkt, wie mir diese “stillen Orte” (Orte, nicht Örtchen!) im Alltag fehlten, ich wurde zusehends nervöser und fahriger, kam immer häufiger todmüde nach Hause, nicht zuletzt auch durch die im Augenblick etwas kurzen Nächte.

Da tat mir der Spaziergang durch den herbstlichen Wald (bei strahlendem Sonnenschein) gestern sooo gut. Die kalte, klare Luft, das Laub mit allen Farbschattierungen von gelb über rot bis braun; der kühle Wind, der einem mal die warme und stickige Wohnungsluft aus den Kleidern blies, und eine älteste Tochter, die keinen Felsen und keinen Baumstamm als Klettergelegenheit ausließ.

In den zwei Jahren, in denen ich im Ausland war, war ich überwiegend in tropischen Ländern. Was mir da am meisten fehlte, war unter anderem der Wechsel der Jahreszeiten, und vor allem der Schnee im Winter (ich bin nun mal bekennender Winter-Fan…), obwohl es den mittlerweile auch bei uns kaum noch gibt. Ich liebe das farbige Laub im Herbst, selbst kalte, trübe Wintertage haben ihren Reiz, wenn man daheim die Ruhe hat, sich mit einer Tasse Tee und einem guten Buch in eine Ecke zu trollen, ich mag es, wenn im Frühjahr die Natur wieder erwacht. Rein klimamäßig fühle ich mich in Mitteleuropa echt wohl.


Leidenschaftlich glauben?!

Long time, no post. Ich war in den letzten paar Tagen ziemlich busy und zu allem Überfluss hat mein Internet im Büro die Grätsche gemacht. Konnte mit freundlicher Hilfe des ARCOR-Kundendienstes wieder zum Laufen gebracht werden. (Übrigens bin ich in meinem ganzen Bekanntenkreis der einzige, der mit besagtem Kundendienst positive Erfahrungen gemacht hat … seltsam …). Ich versuche gerade, mich durch meine “To-Do-Liste” durchzuarbeiten, bevor es für 2 Wochen in Urlaub geht. Unser Alltag wird zusehends spannender, da auch der Entbindungstermin für unser drittes Kind näher rückt, und wir nicht sicher sind, ob nach den Komplikationen in der Schwangerschaft die Geburt etwas früher eintreten könnte. Dem ungeborenen Kind und der Mutter geht es gut, wofür wir sehr dankbar sind.

Ein Gedanke, der mich seit meinem Inselaufenthalt begleitet und seither immer mal wieder auftaucht, ist die Frage, wie ich es hinbekomme, dass mein Glaube leidenschaftlicher wird. Interessant ist es, den Begriff “Leidenschaft” mal lexikalisch nachzuschlagen. Dazu die Definition bei Wikipedia:

Leidenschaft (gesteigert, aber als Begriff abkommend: Inbrunst) ist eine das Gemüt völlig ergreifende Emotion. Sie umfasst Formen der Liebe und des Hasses, wird aber auch für religiösen, moralischen und/oder politischen Enthusiasmus benutzt und beschreibt die intensive Verfolgung von Zielen beispielsweiser Kunstliebhaber, Sammler und/oder von Tierfreunden, wobei im ursprünglichen Sinn immer der Beilaut von etwas Zerstörerischem mitschwingt. Im heutigen Alltagssprachgebrauch wird das Leiden Schaffende oft verdrängt, mittlerweile hat Leidenschaft eher eine positive Konnotation.”

Es liegt die Frage nah: “Was ist für mich eine das Gemüt völlig ergreifende Emotion?” Anstelle einer sinnvollen Antwort zunächst mal Ratlosigkeit. Dann fallen mir ein paar Dinge ein: Euphorie beim Anschauen eines guten Fußballspiels (so was wie Deutschland-Portugal bei der EM). Glücksgefühle beim Nach-Hause-Kommen vom Büro, wenn eines meiner Kinder mir strahlend entgegenläuft. Geborgenheit beim Zusammensein mit meiner Frau. Tiefe Entspannung, wenn ich an einem freien Tag in meinem Lieblingscafé in Bad Vilbel sitze, einen Milchkaffee genieße und die Welt schön finde. Und Wut über manche Ereignisse oder Personen kann auch schon mal dabei sein. Das ganze Spektrum von emotionalen Reaktionen können meine Kinder in mir hervorrufen (manchmal 2 völlig unterschiedliche emotionale Ausdrücke innerhalb kürzester Zeit…).

Unter “Leidenschaft” lassen sich also Erlebnisse, Emotionen zusammenfassen, die uns als ganzen Menschen betreffen, berühren, mitnehmen. Die uns dazu bringen, den “normalen” Alltags- und manchmal auch Lebensweg zu verlassen. So weit, so gut.

Aber: Wo kommt das in meinem Glaubensleben vor? Nochmal Ratlosigkeit. Ich könnte ja antworten, dass schon irgendwie Leidenschaft da sein muss, schon allein von Berufs wegen. Aber das Argument verhungert inhaltlich schon, bevor es noch ausgesprochen ist. Und ich merke, dass ich viel zu häufig funktional glaube, überwiegend auf der Ebene des Intellekts, schön berechenbar und vorhersagbar – und dementsprechend langweilig. Mehr so ein Abarbeiten des Glaubensalltags als weniger etwas, was ich einen lebendigen, bewegenden Glauben nennen würde.

Das ist nicht immer so. Hilfreich sind für mich die  Zeiten, in denen ich es schaffe, mich in die Stille zurückzuziehen. Wo ich mir Zeit nehmen kann zur Meditation (vom lat. meditatio: “nachdenken” oder wörtl: “zur Mitte ausrichten”) und zur Kontemplation (vom lat. contemplare: “anschauen”, “betrachten”). Wo ich einen Gedanken aus der Bibel aufgreifen kann, ihn hin- und herwälzen, von verschiedenen Seiten betrachten und bedenken. Und dann zu erleben, wie Lärm und Hektik des Alltags immer leiser werden und ich innerlich Ruhe und Nähe zu Gott gewinne. Und diese Nähe ist es, die mich gewiss und sicher macht, die den Glauben in meinem Leben weg von der funktionalen hin auf die persönliche Ebene holt. Und da kann Leidenschaft entstehen – da, wo man die Nähe Gottes sucht und findet.

Das ist vielleicht noch nicht das, was man im besten Sinne “leidenschaftlich glauben” nennen könnte (ich weiß, dass ich da noch einiges zu lernen habe). Aber immerhin ein guter Anfang. Finde ich.


Vom Suchen und Finden der Stille – Inseltagebuch, Teil 2

Hier sitze ich also im Café in Spiekeroog und kann mit dem eigenen Rechner arbeiten – was für eine Erleichterung. Im Laufe dieses Postings finden sich auch einige Bilder, die ich in den letzten 2 Tagen gemacht habe. Diese Insel übt immer wieder eine eigenartige Faszination auf mich aus; nach spätestens 2 Tagen hat man sich an den langsamen, berechenbaren Lebensrhythmus gewöhnt. Hektik nützt nichts, weil sie einen aufgrund der fehlenden Mobilität (für Besucher ist selbst Fahrradfahren verboten, außer in begründeten Ausnahmenfällen) auch nicht weiterbringen würde. Außerdem kommt niemand hierher, um innerhalb von kurzer Zeit möglichst viele Sehenswürdigkeiten oder Touristenziele “abzubacken”, sondern um auszuruhen. Stille zu genießen. Vermutlich hat genau das die Besucherzahlen in den letzten Jahren stetig steigen lassen.

Ich beschäftige mich mit einigen Fragen, meine Berufung und meine eigene Beziehung zu Gott betreffend, vor allem, was Tiefe und Hingabe anbelangt. Ich hatte heute morgen schon eine schöne Zeit in der kath. Kirche, sie ist wie eine Art Zelt in die Dünen gebaut (Holzkonstruktion mit Kupferdach), der Altar ist der tiefste Punkt des Kirchenraums, die Sitzreihen sind halbkreisförmig drum herum aufsteigend angeordnet. Finde ich sehr angenehm. Und die Stille in dem Raum ist absolut herrlich, nur unterbrochen vom gelegentlichen Brausen des Windes und Möwen, die sich etwas näher am Gebäude befinden.

Das sind Zeiten, in denen ich merke, wie wichtig Stille für mich ist. Ich bin einer der Charaktere, die immer mal wieder Zeit für sich selbst brauchen, um Gedanken zu reflektieren und zu sortieren, um nachzudenken, zu beten, durchzuatmen.  Zeit, sich frei zu machen von allen Einflüssen, Anforderungen und Reizen, denen man im Alltag ausgesetzt ist, um Kraft zu sammeln. Mein Vorbild dabei: Jesus selbst. Der hat sich öfters, gerade nach Begegnungen mit vielen Menschen, nach intensiven Gesprächen und Predigten und auch nach Wundern zum Beten alleine zurück gezogen. Nicht, um zu “chillen”, sondern um im Gespräch mit seinem Vater Nähe, Orientierung und Bodenhaftung zu behalten.

Vielen Menschen fällt das schwer, einfach mal eine Zeit nichts zu tun und auch nicht mit Freizeitaktivität sich abzulenken oder ablenken zu lassen (Und gegen solche ist auch zunächst mal nichts einzuwenden). Ruhe und Stille macht viele hibbelig, sie sind es gewohnt, zu arbeiten, sich zu unterhalten, sich medial berieseln zu lassen. Das fordert einen permanent und macht müde – das kann ich gerade in Bad Vilbel, in Großstadtnähe beobachten. Ich selbst bin als Kind geprägt worden von den zeitlichen Abläufen, die ein landwirtschaftlicher Betrieb dem Leben so vorgegeben hat. Da war harte, schwere Arbeit dabei (im Sommer bis zu 12 Stunden…), aber auch Zeiten, in denen weniger zu tun war. Und der Sonntag war als Ruhetag heilig; da wurde nur das Vieh gefüttert und mehr nicht. Vielleicht sehe ich das im Nachhinein romantischer, als es tatsächlich war, aber irgendwie sehne ich mich manchmal nach diesem berechenbaren, ruhigen Leben zurück.Vor allem, wenn ich den Eindruck habe, die Aufgaben des Dienstes und des Alltags überrollen mich manchmal.

Da tut es gut, sich mal eine Woche “auszuklinken”. Ich mache das schon das achte Jahr in Folge und merke jedes Mal, wie ich in dieser Woche Kraft, Ruhe und Gelassenheit für die Zeit danach sammle. Auch wenn ich zuhause bin, tut es mir gut, mir mal einen Vor- oder Nachmittag (je nachdem, wann ich Zeit habe) für diese innere Neuausrichtung zu reservieren. Nicht zum Faulenzen, sondern um innere Positionsbestimmung vornehmen zu können.

Wie kannst Du Zeiten der Stille in Deinen Alltag integrieren? Darauf gibt’s keine Patentantwort, ich weiß nur, dass ein Mensch, der solche Zeiten nicht hat, irgendwann müde wird und, bei entsprechendem psychischen Profil, ausbrennt. Und das ist weder gut für den Betreffenden selbst, noch für seine Familie, noch – in meinem Beruf – für seine Gemeinde, es bringt Gott keine Ehre und vor allem: Jesus erwartet das nicht von uns. Was er von uns erwartet, ist, dass wir alles, was wir tun, zu seiner Ehre tun – und dazu gehört eben das Ausruhen, Nachdenken, Beten und geistliche Neuorientieren dazu…


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