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Schweigender Lobgesang

Das muss wohl schon die Runde durch einige katholische Blogs gemacht haben. In gute ökumenischer Eintracht habe ich mir erlaubt, es bei Credo ut intelligam zu klauen.

Was macht man, wenn man – gerade zu Weihnachten – auf das Halleluja aus Händels Messias steht und unter einem Schweigegelübde steht? Intelligente Lösung:


Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn…

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann wären Maria und Josef ein ganz normales Ehepaar geworden, und es hätte keine Probleme vor der Hochzeit gegeben. Im Stall von Bethlehem hättest du nicht geschrien, und die Hirten hätten weitergeschlafen in jener Nacht. Ein paar alte Männer, Magier aus Persien, wären nicht aufgebrochen, sondern hätten weiter ihren Wein geschlürft.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätte der Name Bethlehem nichts mit Weihnachten zu tun, weil es Weihnachten gar nicht gäbe. Bethlehem würde für uns klingen wie andere Städtenamen auch, wie Tübingen, Bristol oder Marseille, zum Beispiel.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hättest du keine Wunder auf der Erde getan und nicht vom Reich Gottes gepredigt und davon, wie nahe uns Gott ist. Wir hätten auch nicht gewusst, dass Lazarus in seinem Grab schon stank, und Kinder wären nicht von dir gesegnet worden. Wir würden weiter mit unserem Balken vor dem Kopf herumlaufen und uns über die Splitter im Auge eines anderen aufregen. Und man wäre nicht auf den Gedanken gekommen, reiche Leute als Kamele zu bezeichnen.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätte es keinen Aufruhr in Jerusalem gegeben, keine aufgepeitschte Menge, die “Kreuzige! Kreuzige!” schrie, und Pilatus’ Frau hätte nicht schlecht geträumt. Und man hätte Holz und ein paar Nägel gespart. Außerdem wäre das Grab leer geblieben, weil man deinen toten Körper nicht hineingelegt hätte, und Theologieprofessoren hätten sich nie profilieren können. Du wärst niemandem nach deinem Tod erschienen, es hätte kein Sprachen- und Hörwunder an Pfingsten gegeben, und die Botschaft von Gottes bedingungsloser Liebe wäre nicht in die Welt getragen worden.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätte es keine Christenverfolgungen gegeben und die römischen Kaiser hätten auf andere zurückgreifen müssen. Judenpogrome hätte es schon gegeben, nur nicht unter christlichen Vorzeichen. Das christliche Abendland wäre nicht entstanden. Vielleicht schon eine Art Abendland mit griechischen, römischen und germanischen Göttern.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann wäre Gottes Einfluss auf dieser Erde geringer gewesen. Das Böse hätte sich noch tiefer in alle Bereiche vorgewagt, verzweigt und verflochten wie ein gefährliches Schlingengewächs. Es hätte nicht nur Blumen, sondern zu viele Früchte des Bösen gegeben. Und nicht die leichte himmlische Freude hätte überwiegt, sondern die Schadenfreude. Wir würden vielleicht den Frieden kennen, das Schweigen der Waffen, aber nicht den Frieden, der höher ist als alle Vernunft. Vielleicht hätte man mehr nach den Juden gefragt und ihrem Gott.

Auf jeden Fall hättest du, wenn du nicht gekommen wärst, die Erlösung nicht vollbringen können und die Welt wäre eine einzige Hölle geworden. Es hätte keine Kreuzzüge im Mittelalter gegeben, dafür aber Kriegszüge, ohne den Mantel von Religion.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann wären wir jetzt vermutlich alle Muslime und Alice Schwarzer würde in der Küche sitzen, Kartoffeln schälen und ihren Mann bedienen. Vielleicht hätte es etwas weniger verklemmte Christen gegeben, wenn du nicht gekommen wärst, und manches wäre lockerer geworden. Aber dann hätten die Psychologen nicht so viel zu tun gehabt.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätten sich die Namen Josef und Maria nicht so durchgesetzt und im Bürgerkrieg in Nordirland hätten die Parteien andere Namen gehabt und noch weniger Skrupel, aufeinander loszugehen.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätten Michelangelo, Rubens und Albrecht Dürer andere Bilder gemalt. Es gäbe keine Sixtinische Kapelle und nicht das Abendmahl von Leonardo da Vinci. Es gäbe keinen Papst, Franz von Assisi hätte keinen Aussätzigen geküsst, sondern teure Stoffe verkauft und Martin Luther wäre nicht ins Kloster gegangen und hätte nicht die Bibel übersetzt un eine einheitliche deutsche Sprache geschaffen. Wir würden heute anders Deutsch sprechen. Vielleicht hätte Luther Streitschriften gegen zu hohe Steuern oder gegen saures Bier geschrieben. Aber er hätte nicht versucht, die Kirche zu reformieren, weil es sie gar nicht gegeben hätte. Es gäbe keine Matthäuspassion, wenn du nicht gekommen wärst, und Goethe hätte den Faust nicht geschaffen.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann wären die Amerikaner nicht christlich geworden, sondern nur dynamisch, und Karl der Große hätte die Sachsen nicht zwangstaufen müssen, sondern hätte ihnen nur so den Kopf abgehauen.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann würden in vielen Dörfern bei uns keine Kirchen stehen, sondern kleine Tempel mit Räucheraltären. Die Priester hätten heiraten dürfen und Mühe gehabt mit der Kindererziehung. Mutter Teresa wäre Mutter geworden, hätte ihre Kinder zur Schule geschickt und wäre nicht auf die Idee gekommen, sich um Sterbende in Indien zu kümmern.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, dann hätte ich dich, meinen Erlöser, niemals kennen gelernt. Ich müsste weiterhin für meine Sünden büßen und irgendeinem Gott Tieropfer bringen, die ich womöglich von der Steuer absetzen könnte. Ich müsste Angst vor dem Tod haben. Denn selbst wenn ich wüsste, es ginge nach dem Tod weiter, würde mich das nicht trösten. Ein belangloses Leben bis in alle Ewigkeit fasziniert nicht. Ich wüsste nichts von einer Auferstehung und von einer herrlichen  neuen Schöpfung, in der die Langeweile gestorben ist.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, hätte ich keine klaren Richtlinien für mein Leben, die zwar manchmal ärgerlich sind, aber gut, und ich wüsste nicht, wie wohltuend es ist, das Abendmahl zu nehmen.

Wenn du nicht gekommen wärst, Menschensohn, würde ich heute nicht diese Zeilen lesen, weil ich von dir gar nichts wüsste.

Aber nun bist du gekommen, und unsere Welt ist verwandelt worden und wird sich weiter verwandeln. Und es ist nicht auszudenken, wohin.

Aus: “Frühstück für Judas und andere fast unmögliche Geschichten” von Albrecht Gralle.

Allen die hier gelegentlich oder regelmäßig vorbeikommen, ein ruhiges, erholsames Weihnachtsfest 2009 und ein frohes neues Jahr! Gottes reichen Segen Euch!


DVD-Tipp zu Weihnachten: Joyeux noël

Es ist im Augenblick mal wieder die Zeit der Weihnachtsfilme im Fernsehen. Ich muss gestehen, dass ich meistens um- oder abschalte, weil mir die meisten davon viel zu kitschig, zu dämlich oder zu kommerziell sind.

Im letzten Jahr jedoch kam ein Kinofilm aus dem Jahr 2005 ins Fernsehen, der für mich eine Ausnahme macht. Der Film trägt den Titel “Joyeux noël” oder auf englisch “Merry Christmas”. Der Titel hört sich zunächst eher unoriginell an, gewinnt aber im Laufe des Films an tiefer Bedeutung, wenn man die Handlung mitverfolgt.

Im Jahr 1914 liegen sich in der Nähe eines Dorfes in Frankreich Teile der verfeindeten Armeen des 1. Weltkrieges gegenüber: Franzosen und Briten (Schotten in dem Fall) auf der einen Seite, Deutsche auf der anderen. Die Tage sind geprägt vom Grabenkrieg: Verteidigung, Wartestellung, Angriff, Rückzug und dann das Spiel von vorn. Zur deutschen Truppe gehört auch Nikolaus Sprink, im Zivilberuf Tenor an der Berliner Oper.

Zum Weihnachtsfest gelingt es Anna Sörensen, seiner Freundin, den deutschen Kronprinzen davon zu überzeugen, dass ein kleines Konzert an der Front die Moral der Truppe heben würde. Sprink wird zu dem Zweck von der Front abgezogen, die beiden geben erst eine kleine Darbietung vor dem Kronprinzen (natürlich in der sicheren Etappe) und machen sich dann auf den Weg zur Front, um dort den Soldaten am Heiligabend Weihnachtslieder zu singen.

Gegen den anfänglichen Widerstand seines Kompaniechefs beginnt Sprink, “Stille Nacht” zu singen und ist – mit seinen Kameraden – erstaunt, als er auf einmal von Bagpipes aus den schottischen Stellungen begleitet wird. Das nächste Lied wird von den Schotten vorgegeben: “Adeste fideles”, (Herbei, o ihr Gläubigen). Sprink schnappt sich einen kleinen Weihnachtsbaum und stellt ihn in die Mitte des “Niemandslandes” zwischen den Fronten. Und da beginnt das eigentliche Weihnachtswunder: Ein schottischer Offizier kommt auf ihn zu und beginnt, über einen Waffenstillstand an Heiligabend zu verhandeln.

Der Rest ist Geschichte: Es kommt zum “Weihnachtsfrieden” 1914. Deutsche, Franzosen und Briten sitzen einträchtig beieinander, teilen sich Schokolade, Cognac, Schinken, Brot und Champagner, spielen Karten und Fußball miteinander. Und das ergreifendste: Alle Truppen bergen ihre Toten und begraben sie – und ein katholischer Priester, der als Sanitäter in der britischen Armee dient, hält eine Messe für die Toten – egal welcher Nationalität. Die Soldaten, die sich am Tag zuvor noch bis auf den Tod bekämpft haben, sitzen einträchtig nebeneinander und hören auf das Wort Gottes. Dieser Gottesdienst wird zum Wendepunkt:

Zum Ende des Films werden alle Truppenteile von der Front abgezogen und ersetzt, weil die Soldaten es nicht mehr fertig bringen, aufeinander zu schießen – nicht einmal auf einen direkten Befehl des Battalionskommandeurs.

Das ist für mich eine der stärksten Szenen oder Handlungen in dem Film: Nachdem sich die Soldaten persönlich kennen gelernt haben, nachdem sie sich die Bilder ihrer Lieben zuhause gezeigt haben, und vor allem nachdem sie gemeinsam Gottesdienst gefeiert haben ist es für die allermeisten unmöglich, gegen den anderen die Waffe zu erheben. Für mich ist in diesem Film eine unheimlich starke Aussage (vielleicht unbewusst vom Regisseur mit erwirkt), dass der Friede Christi selbst in den schwersten Zeiten und im blutrünstigsten Krieg noch Menschen verändern kann.

“Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen” (Matth. 5,9)

Auch wenn die Handlung so, wie sie dargestellt wird, sich damals nicht exakt ereignet hat, und auch wenn meiner Ansicht nach die Auswahl der Schauspieler nicht in jedem Fall geglückt war, und auch wenn das nach wie vor ein Kriegsfilm mit entsprechenden Kriegsszenen ist (sensible Gemüter seien hier vorgewarnt!) – der Film ist sehr sehenswert! Deshalb: DVD-Empfehlung für die Vorweihnachtszeit!

Hier ein knapp 10minütiger Ausschnitt:


Unser größtes Bedürfnis

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Wenn unser größtes Bedürfnis
Wissen gewesen wäre,
dann hätte Gott uns
einen Lehrer geschickt.
 
Wenn unser größtes Bedürfnis
Technologie gewesen wäre,
dann hätte Gott uns
einen Wissenschaftler geschickt.
 
Wenn unser größtes Bedürfnis
Geld gewesen wäre,
dann hätte Gott uns
einen Banker geschickt.
 
Wenn unser größtes Bedürfnis
Spaß gewesen wäre,
dann hätte Gott uns
einen Entertainer geschickt.
 
Aber unser größtes Bedürfnis
war Vergebung,
deshalb schickte Gott uns
einen Erlöser.

A

Allen Lesern, Schreibern, und Bloggern, die hier vorbeikommen, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein spannendes und ereignisreiches Jahr 2009!

Gottes Segen Euch!


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