(Sorry an alle, die kein Englisch können).
Vor ein paar Wochen wies mich Tiberius auf dieses Video hin, in dem es ums Thema “Anbetung” und den Gebrauch dieses Wortes in der evangelikalen Gemeindekultur geht. Verbunden mit der Beobachtung, dass man diesen Begriff zu oft auf Bereiche wie Musik, spektakuläre Erlebnisse, Geistesgaben u.a. verengt, ohne das eigene Alltagsleben unter diesem Aspekt zu beachten bzw. zu gestalten.
Was die Musik und grundsätzlich die Gestaltung von Gottesdiensten anbelangt, so gibt es meiner Beobachtung eben nicht die eine wahre Lobpreis-Musik, die uns näher zu Gott bringt als andere Arten von Musik. Ich kenne eine ganze konfessionelle Bandbreite von Christen. Darunter gibt es welche, die die lateinische Messe bevorzugen und es gibt welche, die mit Freude und Gewinn charismatische Gemeinden besuchen (“charismatisch” zunächst mal im konfessionellen Sinn zu verstehen). Es gibt welche, die sind vom Gottesdienst-Erleben her sehr liturgisch geprägt, und solche, die die Gottesdienste relativ frei gestalten. Ich habe schon immer Trouble mit Aussagen gehabt, dass die eine Form des Gottesdienstes per se “besser” und “gesegneter” sei als die andere.
Was die persönlichen Präferenzen anbelangt, so sind meine Frau und ich schon allein ganz unterschiedlich: Meine Frau tankt geistlich auf, wenn sie in Gemeinschaft mit vielen anderen Gott lobt (und sie bevorzugt kontemporäre Lobpreislieder). Ich bin eher ein Typ, der ab und zu Ruhe braucht, um nachzudenken, Gedanken zu sortieren und Ruhe zum Beten zu haben. Und was die Musik anbelangt, so gibt es kaum eine Art von Musik, die mich innerlich so zur Ruhe bringt, wie geistliche Vokalmusik. In meiner Zeit auf dem Missionsschiff “Doulos” (die immer auf der Höhe waren, was die Entwicklung in der “Worship-Welt” anbelangte) hatte ich zwei CDs mit Gregorianischen Chorälen dabei; eine Musik, die mir viel innere Ruhe in einer hektischen Umgebung bescherte. Ich registriere, dass verschiedene Menschen auch ganz unterschiedlich sind in der Art und Weise, Gottesdienste im allgemeinen und geistliche Musik insbesondere zu erleben und dementsprechend zu “bewerten”, wenn man den Begriff mal benutzen darf.
Es gibt in dem Sinne meiner Beobachtung nach nicht den “einen richtigen” Weg, Gottesdienst zu feiern. Ich selbst kann Gott sowohl in einer lateinischen Messe als auch in den Gottesdiensten einer Freien evangelischen Gemeinde als auch im charismatischen Worship-Service begegnen. Wenn man von dem Aspekt der bloßen Äußerlichkeiten her über das Thema “Anbetung” diskutiert, finde ich, verfehlt man das Thema.
Der oben gezeigte Clip deutet in die richtige Richtung: Es kommt nicht darauf an, welche Musik ich bevorzuge, sondern darauf, wie ich mein Leben gestalte. Anbetung heißt eben nicht: Ich singe Musik, die ich richtig geil finde und bei der die Post abgeht. Sondern: Ich liefere mein ganzes Leben an Gott aus. Das beinhaltet sicher auch die Art und Weise, wie ich Gottesdienst feiere oder welche Musik mir näher liegt, erschöpft sich aber eben nicht da.
“Wenn ich die Sprachen aller Menschen spreche und sogar die Sprache der Engel,1 aber ich habe keine Liebe – dann bin ich doch nur ein dröhnender Gong oder eine lärmende Trommel.” (1. Kor 1,1) Ich glaube, das ist das Stichwort beim Thema “Anbetung”: Liebe. Gottes Liebe empfangen und sich mit Liebe und Dank an Gott wenden (das Abendmahl wurde schon in der ersten Christenheit nicht umsonst “Eucharistia” genannt, gr. für “Danksagung”) und diese Liebe in meinem Leben wirken lassen und an andere weitergeben. Das, finde ich, ist allein Herausforderung genug.
Anbetung ist Gehorsam. Nicht blinder preußischer Kadavergehorsam à la “Jawoll, Herr Hauptmann”, sondern Gehorsam, der aus empfangener, wirkmächtiger Liebe Gottes erwächst. Und wo das Realität im Leben eines Menschen ist, wo man jemandem abspüren kann: “Der lebt wirklich mit Jesus”, da ist es erst mal wurscht, welcher Konfession er angehört, in welchen Gottesdienst er geht und welche Musik er bevorzugt.
Wer dagegen unter Anbetung “Entertainment” versteht, der wird schwerlich etwas daraus gewinnen können – außer vielleicht einem zweistündigen emotionalen Kick am Sonntag morgen. (Eine Gefahr übrigens und ein Trend in der evangelikalen Landschaft: Dass die “Worship-Kultur” immer mehr zum Entertainment mutiert. Aber das wäre Stoff für ein Extra-Thema). Anbetung ist etwas, was unser ganzes Leben als Nachfolger Christi umfasst. Oder umfassen sollte.
